Tinte und Fusel in majestätischen Räumen

01.05.2015  |  Text: Boris Glatthaar  |   Bilder: Mathias Schneider (Sideview Inn)
Tinte und Fusel in majestätischen Räumen Tinte und Fusel in majestätischen Räumen Tinte und Fusel in majestätischen Räumen Tinte und Fusel in majestätischen Räumen Tinte und Fusel in majestätischen Räumen Tinte und Fusel in majestätischen Räumen
Tinte und Fusel in majestätischen Räumen
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Die sechste Tattoo Ink Explosion in der ehrwürdigen Mönchengladbacher Kaiser-Friedrich-Halle stand unter dem Motto »Hillbilly« – neben hervorragenden Tätowierern gab es auch handgemachte Musik und Schnaps im Einweckglas.

 
Full House! Leider folgten nur wenige Besucher und Tätowierer dem Hillbilly-Motto.
Full House! Leider folgten nur wenige Besucher und Tätowierer dem Hillbilly-Motto.


Zu der Zeit, in der die amerikanischen Städter begannen, die Bergbewohner von Alabama verächtlich als Hillbillies zu bezeichnen, legten Arbeiter am deutschen Niederrhein den Grundstein für die Kaiser-Friedrich-Halle. Ein mondänes Konzerthaus, in dem nur Großes stattfinden sollte, benannt nach dem preußischen »99-Tage-Kaiser« Friedrich III., gestorben 1888. Drei Jahre, dann war es 1903 und der Jugendstilbau fertig. Noch heute steht er als schmuckes Prunkmonument in beigefarbenem Stein und mit blau-grünem Mansardendach aus offenbar oxidierten Kupferschindeln am Rande der City von Mönchengladbach, exponiert auf einem parkartigen Hügel, den in der Stadt alle »Bökel« nennen.

 
Viel stark tätowiertes Szenepublikum wie Chris aus Hamburg – bekannt aus dem Tattoo Zoom der April-Ausgabe – und seine Begleitung kamen nach Mönchengladbach.
Badass-Waschbär von Bartosz Panas aus dem Caffeine Tattoo in Warschau.
Schlicht-schönes Kakteen-Motiv von Imme Böhme aus dem Aachener Studio The Sinner and the Saint.(l) Viel stark tätowiertes Szenepublikum wie Chris aus Hamburg – bekannt aus dem Tattoo Zoom der April-Ausgabe – und seine Begleitung kamen nach Mönchengladbach. (m) Badass-Waschbär von Bartosz Panas aus dem Caffeine Tattoo in Warschau. (r) Schlicht-schönes Kakteen-Motiv von Imme Böhme aus dem Aachener Studio The Sinner and the Saint.

Beide Weltkriege hat das hohe Haus überstanden, nach zwei Großbränden wurde es jedes Mal wieder aufgebaut und schillert heute wie früher schon. All das sind keine staubigen Historikerfakten, sondern essenzielle Grundlagen einer der beliebtesten Tattooconventions in Deutschland.

Punk trifft Prunk
Auch die sechste Tattoo Ink Explosion beeindruckt bereits im Entrée mit majestätischem Prunk, zu dem zahlreiche schwertätowierte Szenegänger in lockerer Freizeitkleidung einen frechen Kontrast bilden. Wo Frack und Abendkleid sich gut ins Bild fügen würden, wirken leger gekleidete Mädels mit bunten Armen und lockere Typen mit bis zur Schulter gedehnten Ohren wie ein brutaler Stilbruch, dessen Anblick den Freiherrn von Knigge gewiss zu Schnappatmung veranlasst hätte. Tatsächlich aber wird hier nicht der Stil gebrochen, sondern allenfalls mit altmodischen Vorstellungen davon. Schon in der gebohnerten Eingangshalle wird deutlich: Nicht mehr allein elitäre Streichkonzerte sind einer solchen Location würdig, sondern auch ein Tattooevent, das immer mehr Menschen bewegt, egal nun ob Punk oder Doktor der Musikwissenschaft.


Der vollständige Artikel ist im TätowierMagazin 05/2015 nachzulesen.

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Stand:21 July 2018 02:27:02/veranstaltungen/tinte+und+fusel+in+majestaetischen+raeumen_154.html