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Mondial du Tatouage in Paris 2013

27.04.2013  |  Text: Travelingmic   |   Bilder: Travelingmic 
Mondial du Tatouage in Paris 2013
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Die »Paris Mondial du Tatouage« steigt nach 13 Jahren zurück in den Convention-Ring und verpasst ihren Besuchern einen visuellen Knock-out! 280 Szenestars feierten in einer spektakulären Halle zusammen mit zig Tausenden von Besuchern die Auferstehung einer Mega-Convention.


Das Centquatre, Veranstaltungsort der Tatouage du Mondial in Paris 2013
Tin-Tin, Veranstalter der Tatouage du Mondial in Paris 2013
Das Centquatre war kaum noch begehbar, denn die Pariser Szene stürmte die Halle, um diese einmalige Zusammenkunft weltbester Tätowierer miterleben zu können. Veranstalter Tin-Tin konnte zufrieden sein.


Was für ein Event in der globalen Tattoo-Szene! Tin-Tin hat es tatsächlich getan und nach 13 Jahren Pause seine »Tattoo-Weltmeisterschaft« wieder ausgetragen. 280 Szenestars feierten in einer spektakulären Halle zusammen mit zig Tausenden von Besuchern, eine Woche vor Ostern, die Auferstehung einer Mega-Convention. Stimmung, Besucherzahlen, Organisation, Line-up und Top-Tattoos: Bei der Mondial du Tatouage stimmte einfach alles! Schon die Ankündigung glich einem dröhnenden Paukenschlag, einem Stich mitten hinein in das Herz der Szene.Tin-Tin, der berühmteste Tätowierer Frankreichs und ein weltweites Szeneoriginal, wollte es noch einmal wagen. Nach seinen legendären Conventions in Paris 1999 und 2000, die noch heute zu den besten Tattoo-Events aller Zeiten gezählt werden, packte er 2013 die Mondial du Tatouage wieder an.

Französischer Vintage-Gangster-Style von Alex D. West vom Studio Museum of Miracles in St. Laurent du Var.
Vertrat die deutschsprachige Szene: Csaba vom Nadelwerk aus Österreich.

Vertrat die deutschsprachige Szene: Csaba vom Nadelwerk aus Österreich. REchts daneben französischer Vintage-Gangster-Style von Alex D. West vom Studio Museum of Miracles in St. Laurent du Var. 


Der Druck steigt 
Der Druck, der im Vorfeld der auf Tin-Tin, lastete, muss mörderisch gewesen sein. Viele Jahre lang hatte er gezögert, die gar nicht mal so riesigen, aber dafür umso hochkarätigeren Events der Jahrtausendwende weiterzuführen. Zu hoch waren die Erwartungen gewesen, nachdem beide Mondials damals in historischen Jugendstiltheatern im Zentrum von Paris stattgefunden hatten. Zu diesen Gelegenheiten war damals die gesamte Weltelite angereist und hatte zusammen mit Tausenden von glücklichen Fans geschichtsträchtige Partys gefeiert. Es wurden Karrieren gestartet, Freundschaften fürs Leben geschlossen und der Lauf der Tattoo-Historie verändert.
Wie sollte Tin-Tin jemals wieder in einer vollkommen gewandelten Umwelt diese Erfolge auch nur halbwegs duplizieren können? Big Business und die Massenmedien haben mittlerweile für ganz andere Erwartungen an Events gesorgt: die Hallenmieten in einer der teuersten Städte der Welt waren ins Unendliche geschossen und an jedem Wochenende finden immer irgendwo gleich mehrere mehr oder weniger freiwillig konkurrierende Veranstaltungen statt.
 

Bit, vom Ethno Tattoo im schweizerischen Lausanne, ist verantwortlich für diesen bombastischen Bodysuit.
Hannya-Maske von Bit, Ethno Tattoo im  schweizerischen Lausanne.

Bit, vom Ethno Tattoo im schweizerischen Lausanne, ist verantwortlich für diesen bombastischen Bodysuit.  

Convention im ehemaligen  Beerdigungsinstitut 
Doch Tin-Tin, der in der Zwischenzeit zu einem nationalen Phänomen Frankreichs geworden war und einen hervorragenden Draht zur Medienmaschinerie des Landes entwickelt hatte, fasste sich doch noch ein Herz. Warum es nicht noch einmal versuchen? Die Unterstützung von unzähligen Freunden und Helfern war ihm sicher! Viel Tradition, penible Vorbereitung, eine wunderbare Location und exklusive Gäste: Das Rezept für eine Mega-Convention.
Über ein ganzes Jahr erlaubte er sich an Vorlaufzeit, um sich ein grandioses Gebäude im Norden der Stadt zu sichern. Das Centquatre, oder schlicht 104, war beinahe ein Jahrhundert lang das zentrale Beerdigungsinstitut der Stadt Paris, durch das jedes Jahr bis zu 27.000 menschliche Überreste geschleust worden waren. Nach der endgültigen Schließung Ende der 1990er Jahre wurden die lichtdurchfluteten Hallen renoviert und ihrer neuen Bestimmung als Kultur- und Kunstzentrum übergeben. Was für ein Platz, um die Rückkehr der Mega-Convention zu feiern! Sofort nach der Ankündigung liefen in Tin-Tins Studio im Pariser Vergnügungsviertel Montmartre die Leitungen heiß! Jeder, aber auch wirklich jeder, wollte bei diesem Ereignis dabei sein.

In 600 Stunden Feinarbeit stach einer der besten Tätowierer Japans, Horiyasu aus Asakusa (re.), diesen Bodysuit, und nahm dafür den Preis für »Best Bodysuit/Best Back« entgegen.
Paul Booth und Filip Leu arbeiten Seite an Seite. Mehr kann eine Convention kaum auffahren.

Paul Booth und Filip Leu arbeiten Seite an Seite. Mehr kann eine Convention kaum auffahren.
In 600 Stunden Feinarbeit stach einer der besten Tätowierer Japans, Horiyasu aus Asakusa (re.), diesen Bodysuit, und nahm dafür den Preis für »Best Bodysuit/Best Back« entgegen. 


Am Ende waren es 280 Künstler, die auserwählt wurden, um nach Paris zu kommen und sich damit zu einem wahrhaft erlesenen Zirkel zählen dürfen. Zunächst waren da die alten Weggefährten, mit denen der legendäre Tätowierer die Geschichte der europäischen Tätowierung neu geschrieben und in eine glaubhaft künstlerische Richtung gelenkt hatte: Die Mitglieder der Leu-Familie, mit denen Tin-Tin viel Zeit auf Reisen verbracht hat und mit denen ihn eine tiefe Freundschaft verbindet. Ebenso zog es Hanky Panky, den ersten Tattoo-Traveler und Historiker der neueren Zeit aus Amsterdam mit seiner Familie an die Seine, während Luke Atkinson schnell aus Stuttgart rüberkam. Die Tahitianer Roonui und Chimé, die eigenhändig den neo-polynesischen Stil in Frankreich etabliert haben, ließen es sich nicht nehmen, ins Viertel La Vallette zu kommen, genauso wie Manu de Chalon, der zusammen mit Tin-Tin bereits in den frühen 1990er Jahren großartige schwarzgraue Porträts anfertigen konnte. Andere Weggefährten aus heimischen Gefilden, wie Dimitri HK, Bruno Kea und Neusky waren gleichfalls vertreten. 

Morbides Marien-Tattoo von Nick Bertioli von Tin-Tin Tatouages in Paris.
Maud von Tin-Tin Tatouages in Paris beweist das hohe Niveau, mit dem im Studio des Veranstalters gearbeitet wird.
Das morbide Marien-Tattoo stammt von Nick Bertioli von Tin-Tin Tatouages in Paris. Sein Kollege Maud bestätigt mit der in Art eines Stiches tätowierten Endzeitszene das hohe Niveau, mit dem im Studio des Veranstalters gearbeitet wird. 

Kampf um die besten Plätze 

Aus den USA kamen einige der ganz großen Namen, mit denen junge Szenemitglieder vielleicht gar nicht mehr viel anfangen können: Eddie Deutsche, der Gründer des 222 Studios in San Francisco war damals einer der ersten gewesen, der Chromeffekte stechen konnte, während Kari Barba schon früh bezaubernd realistisches Wildlife in Farbe tätowierte – eine Fähigkeit, die sie bis heute locker mit den jungen Wilden mithalten lässt. Patrick Conlon, einer der Pioniere der Pin-up-Tattoos, stach in Paris Seite an Seite mit dem ausgebildeten Kunstmaler Mike Davis, der immer wieder gerne nach Europa reist.
Und ja, man kann ihn auch schon zu den Veteranen zählen: Paul Booth unternahm gerne einen seiner seltenen Trips nach Europa, um zu sehen, wie ungeheuer tiefgehend sein Horror-Stil die Tattoo-Welt auch in Übersee beeinflusst hat. Mit Geordie Cole und Owen Williams war natürlich auch Down Under exklusiv vertreten. Den weiten Weg aus Japan hatten Miyazo aus Osaka (der ehemalige Lehrling von Horitsune II) und Genko, der deutlich sichtbar aus der Schule von Sabado in Nagoya stammt, genauso auf sich genommen wie Shouryo Kazuyoshi aus der Horiyoshi Family, der mit seinem Freund Horikazu unter dem wachsamen Auge von Horikitsune (mit deutschem Name Alex Reinke) angereist war. Doch auch Ichibay, beinahe schon ein Phantom der Oriental-Fans, tätowierte das gesamte Wochenende seine unsagbar feinen und edlen japanischen Designs. Denn obwohl in unzähligen Studios rund um den Globus die genialen Zeichnungen und Motivbücher des jungen Japaners liegen, bekommt man ihn selbst kaum einmal zu Gesicht.

Bit komponierte auch dieses elegante Päonien-Bouquet.
Auch Greg Orie vom Dragon Tattoo im holländischen Eindhoven orientiert sich erfolgreich am traditionell japanischen Stil.

Auch Greg Orie vom Dragon Tattoo im holländischen Eindhoven orientiert sich erfolgreich am traditionell japanischen Stil. Das elegante Päonien-Bouquet stammt von Bit, Tin-Tin Tatouage aus Paris. 


Frisches Blut 

Insiderwissen, das sich Tin-Tin auch nach Jahrzehnten an der Spitze des Business bewahrt hat, zeichnet den Franzosen aus. Dieses Urgestein, das übrigens vor langer Zeit als Soldat in Deutschland sein Handwerk erlernt hat, hat keinesfalls die Bodenhaftung verloren. Nur zu leicht wäre es für Tin-Tin gewesen, seinen Ruhm zu vermarkten, Werbespots und Reality-Shows zu drehen, Mode für die Haute-Couture-Häuser von Paris zu entwerfen oder einen Tattoo-Shop nach dem anderen mit Gastarbeitern zu besetzen. Nein, Tin-Tin tätowiert selbst noch jeden Tag Spitzenarbeiten auf Weltklasseniveau in jedem nur denkbaren Stil und kennt sich wie kein anderer in der Szene aus.
So hat er mit gewiefter Hand einzelne junge Talente auserlesen, die in Paris mit dabei sein durften, obwohl sie auf der Weltbühne noch nicht sonderlich bekannt sind. Dieser Ehre waren sich die Newcomer durchaus bewusst, und gaben im Gespräch gerne zu, dass sie diese Auszeichnung höchst zu schätzen wissen. Oravecz Szabolcs aus Ungarn war angesichts dieser Ehre beinahe zu Tränen gerührt. Doch auch Tätowierer wie Ivana aus der Slowakei, Amar aus Holland oder der Franzose Xoil wissen zu schätzen, dass sie in das Centquatre eingeladen wurden. Daher war die Convention nicht nur ein Tribut an die Großen der Vergangenheit, sondern schon wie vor anderthalb Jahrzehnten ein deutlicher Fingerzeig in die Zukunft.
Sowieso war auch der französische Nachwuchs berücksichtigt worden, und von solchen Talenten wie Maud (Tin-Tin Tatouages), Mathias Bugo (Artribal), Teodor Milev (Marquis Tattoo) und Alix wird man international noch viel hören. Wer sich die Medaille ans Revers heften kann, auf der 2013 Mondial du Tatouage dabei gewesen zu sein, kann stolz darauf sein.

Sexy Mademoiselle mit schwarzer Old School von JoJo vom Royal Tattoo in Paris.
Symbolisches von Miss Arianna vom Skinwear Tattoo aus Rimini in Italien.
Erfrischender Small Stuff von Davide Andreoli vom Studio Italian Rooster.

Sexy Mademoiselle mit schwarzer Old School von JoJo vom Royal Tattoo in Paris. Symbolisches von Miss Arianna vom Skinwear Tattoo aus Rimini in Italien. 
Erfrischender Small Stuff-Anker von Davide Andreoli vom Studio Italian Rooster.


Bei den Contests war jeder ein Gewinner 
Natürlich kommt eine Weltmeisterschaft auch nicht ohne Wettbewerbe aus, wobei sich die Kategorien angenehm überschaubar gestalteten. Spektakulär war dabei vor allem der Auftritt von Horiyasu, einem der großen Meister der japanischen Tattoo-Kunst, der einen Bodysuit präsentierte, in den der bis zur Besessenheit perfektionistische Tätowierer nicht weniger als 600 Arbeitsstunden innerhalb eines Jahres (!) investiert hatte. Es war keine große Überraschung, dass ein derartiges Meisterwerk unumstritten mit der Trophäe für »Best Body or Back« ausgezeichnet wurde. Viel weniger erwartet, aber genauso verdient, war der Triumph von Claudia de Sabe, die mit einem Neo-Traditional-Stückchen von überschaubarer Größe, aber dafür ausgesprochener Exaktheit und höchster ästhetischer Qualität, den Preis »Best of Show« zugesprochen bekam.
Man kann kaum beschreiben, wie perfekt sich die besondere Atmosphäre eines historischen Moments in der den größten Teil des Tages von Licht durchfluteten Halle anfühlt. Wer dabei war, wird es nachempfinden können. Wer es nicht schaffte, nun, man kann hoffen, dass es eine Mondial du Tatouage 2014 geben wird. Aber ob diese wieder den Charme und den Knalleffekt der diesjährigen Premiere erreichen wird? Wie sagt man so schön: It‘s never as good as the first time!
Tin-Tin und sein Team werden sich alle Mühe geben, und wir wissen jetzt schon: Egal wann und in welcher Form, die nächste Mondial du Tatouage wird wieder spektakulär werden.
Hoffentlich müssen wir nicht wieder 13 Jahre auf einen solchen Paukenschlag warten!
 






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Stand:25 April 2019 03:52:59/veranstaltungen/mondial+du+tatouage+in+paris+2013_134.html