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Mondial Du Tatouage in Paris - Prickelnd wie Champagner 

22.04.2016  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic
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Mondial Du Tatouage in Paris - Prickelnd wie Champagner 
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Jedes Jahr der Kracher des Convention-Frühlings: Die Mondial du Tatouage in Paris ist nicht nur grande, sondern auch magnifique. Bereits im vierten Jahr ist Tin-Tins Spitzenevent zum Hochamt der Szene geworden.
Es ist wie eine Erlösung: Nachdem die Besucher die endlos scheinende Schlange am Eingang und die seit den Pariser Attentaten verschärften Sicherheitskontrollen hinter sich gelassen haben, öffnen sich für sie die Tore der Mondial du Tatouage. Der Anblick der Grande Halle de La Villette ist überwältigend! In langen Reihen – nur unterbrochen von einer Bühne in Festivaldimension – ziehen sich die geräumigen Stände der Tätowierer unter der gewaltigen Dachkonstruktion dahin.  Die Halle ist so groß wie fünf Fußballfelder, und dazu noch im ersten Stock mit seitlichen Galerien versehen, die weitere Künstler beherbergen. Ein wahres Tattooparadies: Keine Verkaufsstände, kein Nippes, keine Szene-Klamotten und billiger Schmuck, die Supplier für Tattoo Equipment sind in einem Nebenraum zu finden; lediglich einige Bars versorgen durstige Kehlen mit Flüssigkeit. Hier ist Tattoo pur angesagt und zwar vom Allerfeinsten! Am Freitag- und Samstagabend rocken die Halle noch einige Bands auf der gut Deutsch gesagt – arschteuren Bühne. Was will man mehr?
 
Schier endlos war die Schlange, die sich vor dem Eingang The Grande Halle de la Villette staute. Laut Veranstalter sollen 32 000 Besucher die Convention besucht haben.

Massenhaft Tattookunst 
Kam in den ersten Jahren der Veranstaltung noch eine Menge Mainstream-Publikum, weitgehend untätowiert und angezogen vom Promistatus Tin-Tins, bevölkern mittlerweile unzählige Hardcore-Sammler die Halle, um aufgeregt von Stand zu Stand zu rennen und sich von den Allerbesten stechen zu lassen. Ein amerikanischer Szenetyp namens Yallzee hat nicht weniger als fünf Termine an den drei Tagen gebucht. Andere liegen mal eben drei Tage lang beim gleichen Stecher unter der Nadel, wie beispielsweise jener unerschrockene Mensch, der sich bei Levgen Knysh in achtundzwanzig Stunden ein multikoloriertes Schachspiel auf die Rippen zaubern lässt.  Auch der Preis für das »Best of Show« geht am Ende an ein Backpiece, das komplett an diesem Wochenende entstanden ist: Das Dotwork-Teil von Jean-Pierre Mottin flasht aber auch richtig.

Ein harter Wettbewerb, denn in Paris gibt es keine Standardkost, keine Sparmaßnahmen, um dem Veranstalter die Taschen voll zu machen, keine Extrawürste für große Namen. Vor Tin-Tin sind alle gleich und nur die Qualität zählt. Mondial du Tatouage bedeutet Weltmeisterschaft, und an diesem Niveau orientiert sich der Altmeister aus Paris denn auch.  Er lädt nicht nur die Weggefährten aus den Pioniertagen ein – und wir reden hier von Kalibern wie Filip Leu, Luke Atkinson, Kari Barba, Ivan Szazi aus Brasilien oder Shige aus Japan – sondern auch die neue Szene; Künstler die teilweise nicht einmal halb so alt sind wie Tin Tin selbst. Egal ob aus Weißrussland, Korea, Thailand oder Mexiko: Hier ist das geballte globale Talent anwesend.


Guen Douglas arbeitet jetzt mit Wendy Pham und Matthew Gordon in der Taiko Gallery in Berlin.
 
Apropos Oldtimer: Die holländische Tattoolegende Greg Orie, mit ihren japanischen Bodysuits ein hoch geschätzter Teil vieler Spitzenevents, wird sich noch in diesem Jahr zur Ruhe setzen. Er wird das Dragon Tattoo in Eindhoven seinem Sohn Jim Orie übergeben und sich unter dem Namen Orie Lightning in Zukunft der Meditation widmen. Das hat er sich wohl verdient.  Auch nicht mehr so jung, aber dennoch ein Shooting Star ist Marco Manzo aus Rom. Der Mann von Tribal Tattoo (vorgestellt im TM 3/2016) gilt mit seinem ornamentalen Stil als Repräsentant der Zukunft und erschließt für seine Tattoos komplett neue Märkte. Sein neuester Plan ist die ambitionierte Ausstellung »Tattoo Forever« im Museum für zeitgenössische Kunst in Rom.

Doch nicht nur die Zielgruppe in der Szene hat sich geändert, sondern auch die Technik. Noch vor wenigen Jahren kam in praktisch jedem Artikel über eine Tattooconvention eine Phrase über das jeweils individuell anders empfundene Geräusch beim Tätowieren vor. Aber das Surren, Rattern, Klappern oder gar Kreischen und Bohren ist weitgehend vorbei. Die lauten Spulenmaschinen sind mittlerweile schon ein exklusives Nischenprodukt, einzeln von Hand produziert von engagierten Experten für diejenigen, die sich mit der mechanischen Funktionsweise noch auskennen. Rotarys sind jetzt angesagt: leise, funktional und  weitgehend wartungsfrei. Was am Ende zählt ist aber nach wie vor der Mensch, der die Maschine bedient, und die künstlerischen Juwelen, die er oder sie damit erschafft. Und von diesen gibt es in Paris jedes Jahr eine ganze Menge hochkarätige zu sehen!
 

Die Jury: Filip Leu, Kari Barba, Bill Salmon und Luke Atkinson.
 
Die Jury
Die Contest-Jury ist in Paris stets prominent besetzt und äußerst kompetent. Wichtige Argumente bei einem Event, der sich selbst als »Weltmeisterschaft« bezeichnet.   

Filip Leu
Der Asia-Papst. Kaum ein Mensch hat die moderne Tattooszene derart beeinflusst wie der geduldige, großzügige und geniale Mensch aus Sainte-Croix in der französischen Schweiz. Sein Wort zählt wie kein anderes in der Welt der bunten Haut. Schon sein Vater Felix (1944-2002) und seine noch sehr aktive Mutter Loretta waren wegweisend. 

Kari Barba
Die Grande Dame aus San Diego gilt als Pionier der Farbrealistic. Als in den 1980er Jahren Fineline Tattoos in den Strafanstalten Kaliforniens aufkamen, war Kari bereits für ihre naturalistischen Blumen und Tiere bekannt. Auch heute noch setzt sie Standards. 

Bill Salmon
Alt-Hippie und Weggefährte von Don Ed Hardy im San Francisco der 1970er und 80er Jahre. Seine Erfahrung hilft ihm zu beurteilen, wie ein Tattoo, das sich heute vielleicht mit schillernden Farben und winzigen Details in den Vordergrund drängt, in einigen Jahrzehnten aussehen könnte.  

Luke Atkinson
In England geboren, aber schon seit undenklichen Zeiten Wahl-Stuttgarter. Auch er ist spezialisiert auf japanische Kunst und kennt alle Tricks und Kniffe, die nötig sind, um ein haltbares und langfristig brillant aussehendes Tattoo zu stechen. 
 

Reiseführer Paris Convention
Die Mondial findet in der Grande Halle de La Villette statt, die etwas nördlich des Pariser Zentrums liegt. Die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende Location war ursprünglich ein gigantischer (über 20 000 qm!) Viehmarkt, mitten im traditionellen Viertel der Metzger. Leicht vom Gare de l’Est über die Metro (Porte de Pantin) erreichbar, eignet sich die Halle perfekt. In direkter Nachbarschaft liegen die Hotels Mercure La Villette und (das deutlich günstigere) Ibis La Villette Cité des Sciences und zahlreiche weitere Hotels. 

Nach Paris geht es mit dem Flieger über den Flughafen Charles de Gaulle und von dort für 50 EUR Festpreis mit dem Taxi in die Stadt. Für die aus dem Westen Deutschlands kommenden Besucher bietet sich die Bahnfahrt bis zum Gare de l’Est an.  Der Eintrittspreis variiert von 27 bis 30 EUR pro Tag. Nicht billig, aber angesichts des Gebotenen fair bepreist. Das Bier ist mit 5 Euro für den halben Liter für Pariser Verhältnisse moderat teuer.   Unbedingt Zeit einplanen, um die Stadt zu erkunden (10er-Ticket für die Metro nur 14,10 EUR). Sandwiches gibt es (auch sonntags) günstig und lecker bei der Boulangerie um die Ecke. 

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Stand:24 April 2019 18:51:45/veranstaltungen/die+mondial+du+tatouage+paris_164.html