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Convention London 2012

26.10.2012  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic
Convention London 2012
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Auf der hochkarätigsten Convention der Welt, der in London, gewinnt ein junger Deutscher einen wichtigen Pokal. Außerdem tätowiert fortan eine skandinavische Legende dauerhaft in Berlin!


Convention London 2012

Punk is dead? Zumindest nicht in London.


Es ist eigentlich ganz simpel: Wer in London nicht dabei ist, kann einfach nicht mitreden! Das Giga-Event an der Themse ist schlicht und einfach die wichtigste Tattoo-Convention der Welt, und jedes Jahr drängeln sich die Mega-Stars der Szene in den Tobacco Docks um die besten Plätze. Bereits zum achten Male stellten Miki Vialetto und sein Team die Show der Superlative auf die Beine und lockten gewaltige Massen von Fans aus den entlegensten Ecken des Globus ans Ufer der Themse.

2. Platz BEst of Day für Flo, Vicious Circle (Weiler)
Flo, Vicious Circle (Weiler)

Sensationell! Flo vom Vicious Circle in Weiler holte beim Best of Saturday den zweiten Platz mit diesem grafisch-realistischen Chest-Piece in Schwarz-Rot.


Nur einmal dabei zu sein, dort einen Stand besetzen,
neben den Besten die Maschine auszupacken und Tinte in Haut schießen zu dürfen … Denn, wer hier dabei ist, der hat einen gewaltigen Schritt nach oben auf der Karriereleiter gemacht.
Doch so einfach ist das nicht: Hunderte von Tätowierern drängeln sich um die Plätze in den zwar gewaltigen, aber doch nicht unendlichen Tobacco Docks im Londoner Eastend. Und die Qualitätshürde gilt es ebenfalls zu überwinden. Denn Miki Vialetto, selbst Herausgeber eines Tattoo-Magazins, lässt ausschließlich die allerbesten Cracks und allenfalls noch einige vielversprechende Talente auf seinem Event arbeiten. Die Latte liegt also hoch, und die Konkurrenz, gerade aus Asien, Osteuropa und den USA, ist knallhart für einen Nachwuchstätowierer. Aus Deutschland zu Gast waren dieses Jahr zum ersten Mal der kreative Minimalist Mark Halbstark, der seinen Kumpel Crispy Lennox unterstützte, sowie Flo von Vicious Circle, der zwischen seinen Lehrmeistern Andy Engel und Bob Tyrrell Platz nehmen durfte.
 

Drachen-Tattoo von Filip Leu · The Leu Family’s Family Iron · Sainte-Croix (CH)Alex Reinke
Abb. links: Filip Leu aus dem schweizerischen Sainte-Croix ist die größte lebende Tätowierer-Legende Europas. Dieses Drachen-Backpiece lässt erkennen, warum das so ist.
Abb- rechts: Alex Reinke aka Horikitsune ist ein Schüler von Horiyoshi III und sticht Weltklasse-Sleeves japanischer Art wie diese.


Nirgendwo mehr Szene-Stars auf einem Event
Wie immer waren die bis an die Decke verglasten Räume mit jeweils etwa 20 Künstlern besetzt, die man grob einer Stilrichtung zuordnen konnte. Diese Systematik half zwar ein wenig bei der Orientierung in der labyrinthischen Location, aber dennoch sah man viele Besucher in den gewaltigen Korridoren herumirren. Stets den Flurplan in der Hand, immer wieder wirr murmelnd: »Also G10 müsste neben G11 sein, und ist im gleichen Gang wie G4. Warum steht jetzt aber hier eine Toilette und nicht der Raum der traditionellen Tätowierer?« Irgendwann fand dann aber doch jeder zum Ziel, und wer dann plötzlich an der Bar neben solchen Ikonen wie Alex Binnie oder George Bone stand, sich vor der Tür von Filip Leu eine Zigarette ausborgte oder gar in der Toilettenschlange mit seinen ganz persönlichen Idolen Erinnerungsfotos schoss, der konnte sich am Ziel wähnen, dem wahren Walhall der Tattoo-Kunst.

Speziell im »Raum der Legenden«, hinter vorgehaltener Hand auch mal »Millionärsmeile« genannt, staute sich am Samstag und Sonntag die staunende Menge: Auf engstem Raum schob man sich dort von Stand zu Stand und bekam vor lauter Bewunderung den Mund nicht mehr zu: Shige arbeitete am dritten Sleeve an einem Wochenende, während gegenüber Nikko Hurtado ein Amy-Winehouse-Memorial-Tattoo stach. Boris bearbeitete seine Kundin in einem Abteil mit Alex De Pase, während nebenan Genko seinen neuen Lehrling EN der Leu Family vorstellte und Bugs einige Worte mit dem sonst relativ schweigsamen Jack Rudy wechselte. Um die Ecke hörte man den dauerreisenden Ichibay aus Japan kichern, weil Luke Atkinson aus Stuttgart mit alten Weggefährten wie Tin-Tin und Hanky Panky Witze riss.

Imperiale Blackwork von Xed LeHead von Divine Canvas in London.
Tattoo von Nikko Hurtado, Black Anchor Collective, Hesperia (US).

Tribut an Amy Winehouse, gestochen von Nikko Hurtado vom Black Anchor Collective im amerikanischen Hesperia. Daneben ein iImperiales Blackwork von Xed LeHead aus dem Studio Divine Canvas in London (UK).


Alte Schule, junge Wilde
Doch London ist nicht nur das Stelldichein der in Ehren und Nostalgie ergrauten Silberrücken. Wer innovativ, fleißig und ehrgeizig ist, bekommt hier seine Chance: George Mavridis aus dem krisengebeutelten Griechenland zauberte innerhalb von nur zwei Tage einen unglaublichen schwarzgrauen Rücken dahin, der ob seiner Ästhetik und plakativen Ausstrahlung gewaltige Resonanz fand. Kamil Mocet war wie immer von seinen Bewunderern umgeben, während sich der Engländer Bez lieber zurückhielt.
Wer neue Gesichter entdecken wollte, konnte sich auch den vielen Asiaten widmen, die immer wieder gerne nach London kommen. So präsentierten die Chinesen Tang Ping (Zi You Tattoo) und Cang Long (Shanghai) jeweils zwei Backpieces aus aktueller Produktion und der sagenumwobene Lion King aus Taiwan kam gleich mit einer ganzen Entourage, die mit unglaublich kontrastreichen und farbenfreudigen Pieces bedeckt war. Wer diese Teile bewundert, sollte allerdings berücksichtigen, dass die tüchtigen Asiaten derartige Gesamtkunstwerke ganz gezielt für Conventions und Fotosessions über lange Zeiträume hinweg sorgfältigst produzieren. Es soll den Wert dieser gewaltigen Stücke nicht herabsetzen, aber man muss immer bedenken, dass bei einem dreistündigen Termin auf der Convention ein ähnliches Ergebnis nicht erwartet werden kann.
Weniger extrovertiert zeigten sich traditionellerweise die Gäste aus Nippon. Bei Japanern liegt die Kraft eher in ihrer Ruhe, und so sind Meister wie Mogi, Bunshin Horitoshi, Kazuyoshi und sein guter Freund Horikazu oft erst auf den zweiten Blick zu entdecken.
Ein wirklich besonderes Schmankerl hatte Alex Reinke (Horikitsune) zu bieten: Am Stand des deutschen Horiyoshi-III-Lehrlings waren nicht nur seine kraftvollen Irezumi zu bewundern, sondern auch eine enorm interessante Demonstration japanischer Holzschnittmeister, die zeigen durften, wie die herrlich bunten Drucke entstehen, die einen wichtigen Teil der Kunstgeschichte dieses Landes ausmachen. Diese komplexe Handarbeit ist dem Tätowieren gar nicht so unähnlich, da auch beim Holzdruck Outlines und einzelne Farben in aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten auf die Unterlage aufgebracht werden.

Krake von Nikko Hurtado · Black Anchor Collective · Hesperia (US)
Porträt von Fernie Andrade, Inkslingers Tattoo, Alhambra (US)

Beeindruckende Krake von Nikko Hurtado, Black Anchor Collective, Hesperia (US). Fernie Andrade von Inkslingers Tattoo aus Alhambra in den USA stach das Spielkind.


Kunst und Kommerz: Für jeden etwas
Neben diesen echten Leckerbissen für Kenner und Freunde der hohen Kunst des Tätowierens boten die Organisatoren allerdings auch leichtere Kost. Nachdem in den vergangenen zwei Jahren zumindest subjektiv die Besucherzahlen eher stagnierten, gab es in diesem Jahr noch einmal einen Schub, sodass 2012 vermutlich das bisher erfolgreichste Jahr dieses Events war.
Nicht unwesentlich beteiligt war daran vielleicht, dass zahlreiche Zuschauer nur deshalb in die Tobacco Docks gekommen waren, um einmal dem Miami-Ink-Star Ami James über die Schulter zu schauen. Das war dann allerdings im Endeffekt kaum möglich, da im betreffenden Gang Dauerstau herrschte, den der eigens abgestellte Bodyguard kaum noch in den Griff bekommen konnte. Witzigerweise bekam dadurch Tim Hendricks, der einer der ganz großen Könner der US-Szene ist, das gesamte Wochenende fast nur die Rücken derjenigen Besucher zu sehen, die sich um den gegenüber liegenden Miami-Ink-Stand drängelten.Weniger Gewusel, aber dafür mehr Lebensfreude und gutes Karma gab es im Universum um den Dotwork-Propheten Xed LeHead zu verspüren. Xed arbeitete seit langem einmal wieder auf einer Convention und hatte so Gelegenheit, sein großartiges Team von Divine Canvas vorzustellen.
Die Bedeutung der London Convention zeigt sich mittlerweile sogar schon darin, dass hier bereits Filmpremieren stattfinden: Im eigens eingerichteten Kinosaal wurde die Produktion »Tattoo Nation« erstmals der Öffentlichkeit vorgeführt. Im Film ist zu sehen, wie in den 1970er Jahren die Pioniere Jack Rudy, Charlie Cartwright und Freddy Negrete die Kunst der schwarzgrauen Fineline-Tattoos aus dem Knast bis in den heutigen Mainstream führten. Gegen dieses dokumentarische Meis-terwerk kann man sämtliche pseudo-realistischen Tattoo-Shows getrost links liegen lassen. Etliche der Hauptdarsteller und Protagonisten des Films – wie Jack Rudy, Carlos Torres, José Lopez, David Oropeza, Chuey Quintanar und Frankie Vescovi – waren auf der Convention anwesend und zeigten, wie weit diese Kunst mittlerweile gediehen ist.

London Woodprinter

Nostalgisch und traditionell hochinteressant: In London wurden echte japanische Holzschnitte hergestellt, mit denen dann Bilder gedruckt wurden, die oft als Tattoo-Vorlage genutzt werden.


Beschlossen und verkündet: Szene-News aus London
London ist auch ein Ort, an dem wichtige Szene-Neuigkeiten der Öffentlichkeit übergeben werden. In diesem Jahr war es eine Nachricht aus Kopenhagen, die wie ein Lauffeuer die Runde machte: Conspiracy Ink, der Shop des New-School-Meisters Uncle Allen – ein wahrer Dampfkochtopf der Kreativität und Sammelbecken etlicher rastloser Tattoo-Könner – wird sich aus dem dänischen Kopenhagen zurückziehen. Nicht etwa, um wie dem Zeitgeist entsprechend ein privates Atelier zu eröffnen, sondern um sich als mehrstöckiges künstlerisches Imperium mitten in Berlin neu zu erfinden! Das sind sensationelle News, nicht nur für die Szene der Hauptstadt, die damit noch einen weiteren Schub bekommen wird.
Und noch eine weitere ausgezeichnete Nachricht gab es am Ende, und dazu den Anlass, nach einem langen und ereignisreichen Wochenende richtig zu feiern: Für einen der jungen wilden Newcomer hat sich ein Traum erfüllt: Flo von Vicious Circle aus dem Allgäuer Nest Weiler hat am Samstag tatsächlich – gegen beinahe die gesamte Elite der Tattoo-Welt – den zweiten Preis für den Best of Day gewonnen.
Und im nächsten Jahr werden wir sehen, für wen sich London 2013 ganz besonders lohnen wird, denn das TM wird selbstverständlich wieder vor Ort sein, beim größten Tattoo-Spektakel der Welt!    



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Stand:23 April 2019 06:30:57/veranstaltungen/convention+london+2012_1210.html