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Tattoo-Convention Florenz 2012

14.12.2012  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic
Tattoo-Convention Florenz 2012
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Was wäre eine Kulturmetropole wie Florenz ohne eine Tattoo- Convention? Weitgehend unbemerkt vom Rest der europäischen Szene hat der liebevoll organisierte Event während der vergangenen Jahre ungemein an Bedeutung gewonnen: 2012 fand die Florenz Tattoo Convention zum sechsten Male statt und erreicht nun mit über 300 Künstlern und stetig steigenden Besucherzahlen bereits gewaltige Dimensionen! 
Was wäre eine Kulturmetropole wie Florenz ohne eine Tattoo- Convention? Weitgehend unbemerkt vom Rest der europäischen Szene hat der liebevoll organisierte Event während der vergangenen Jahre ungemein an Bedeutung gewonnen: 2012 fand die Florenz Tattoo Convention zum sechsten Male statt und erreicht nun mit über 300 Künstlern und stetig steigenden Besucherzahlen bereits gewaltige Dimensionen! 

Convention Florenz 2012Die maritime Oldschool-Szenerie stammt von Tofino Tattoo
Nach wie vor gilt in Italien: Oldschool rules! Die maritime Oldschool-Szenerie stammt von Tofino Tattoo.

Florenz, die Hauptstadt der Toskana, weckt Assoziationen von südlichem Temperament, monumentaler Architektur, exquisiter Küche und bildender Kunst in allen nur denkbaren Kombinationen und Ausführungen. Dieser Ort ist einfach eines der wichtigsten Zentren europäischer Geschichte und Kultur, und sollte daher eigentlich zwangsläufig eine Tattoo Convention in seinen beeindruckenden Stadtmauern beherbergen.
Nachdem schon im November 2000 die italienische Tattoo-Legende Marco Leoni einen Versuch gestartet hatte, dort einen Mega-event zu etablieren, war die Florenz Convention
nach nur einer Ausgabe wieder eingeschlafen. Zu jenem Treffen waren damals zwar Größen der Szene wie Horiyoshi III und Petelo Suluape gepilgert; einen nachhaltigen Effekt hatte das Meeting trotz seiner historischen Bedeutung allerdings nicht hinterlassen.

Tattoo stammt von Rudy Fritsch von Original Classic aus Triest
Convention Florenz 2012
Der Tätowierer der Schönen ist leider unbekannt. Das Oberam-Tattoo stammt von Rudy Fritsch von Original Classic aus Triest, einer der Big Names in Italia.


Wiederbelebung der historischen Florenz Convention

So war es vor einigen Jahren an einem kleinen Grüppchen von idealistischen jungen Künstlern, die Florenz Convention wieder zu beleben. Anfänglich kaum ernst genommen, brachten es Valentina, Giacomo, Lorenzo, Francesco und alle ihre fleißigen Helfer fertig, kontinuierlich eine Convention von erstaunlichen Dimensionen aufzubauen.
 

Samuel L. Jackson als Jules in Pulp Fiction, tätowiert vom Ukrainer Dmitriy SamohinEthno-Porträt tätowiert von Andrea, Tattoo Crew aus dem italienischen Sassari
Samuel L. Jackson als Jules in Pulp Fiction, tätowiert vom Ukrainer Dmitriy Samohin. Das Ethno-Porträt ist von Andrea, Tattoo Crew aus dem italienischen Sassari, gestochen.


Dieses Jahr verteilten sich bereits weit über 300 Tätowierer in einem riesigen Saal des Fortezza da Basso, einer gigantischen Festungsanlage, die direkt neben dem Hauptbahnhof von Florenz gelegen ist. Hier, äußerst verkehrsgünstig, und nur wenige Schritte von der historischen Altstadt entfernt, hatten die Organisatoren einen idealen Veranstaltungsort gefunden, wo sich die Besuchermassen ohne Drängelei über drei Tage hinweg versammeln konnten. Unentwegt, von Freitagmittag ab, jeden Tag bis spät in die Nacht hinein, strömte ein Fluss von neugierigen italienischen und internationalen Tattoo-Fans durch einen beeindruckenden Mauertunnel in die Gewölbe des historischen Gemäuers. Hier wurden die Besucher und Künstler nicht schon um zehn Uhr abends zu den Ausgängen oder in den Barbereich abgedrängt, vielmehr surrten die Nadeln bis tief in die Nacht und sogar manchmal bis in die frühen Morgenstunden! An Entertainment war den Feiernden von der Brassband bis zur Suspension Show, über japanischen Tanz bis hin zum klassischen Violinkonzert eigentlich ziemlich alles geboten.

Japanische Tätwierunst von Meister RyugenAsia-Style auf der Convention Florenz 2012
Auch Freunde des Asia-Styles kamen auf der Convention in Florenz auf ihre Kosten. Aus Tokio war Meister Ryugen angereist, der im wahrsten Sinne des Wortes mit traditionellem Handwerkszeug arbeitete.


Kunstausstellungen und lokale Produkte locken Besucher
So wie es sich für einen Event in der Kulturmetropole am Arno gehört, war dort den schönen Künsten viel Platz eingeräumt worden. Sowohl auf den soliden Zwischenwänden der Stände – einer netten Abwechslung zu den Pressspanplatten, die man sonst oft auf Messen sieht – als auch im abgegrenzten Galeriebereich konnte man stundenlang Gemälde, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen entdecken und bewundern. Deutlich war zu erkennen, dass hier nicht nur alibimäßig ein paar Bildchen in die Ecke gehängt wurden, sondern dass man sich tatsächlich die Mühe gemacht hatte, eine thematisch und ästhetisch zusammenhängende Ausstellung zu kuratieren.
Auch die Preise für die Contests waren nicht lieblose Glas- oder gar Plastikschüsseln, sondern hyperrealistisch modellierte anatomische Herzen und Gehirne, die in ihrer Wirklichkeitstreue fast schockierend wirkten.
Der Fokus auf Kunstausstellungen und Dekorationen war auch insofern besonders bewundernswert, wenn man bedenkt, dass der hierfür aufgewendete Platz ja auch hätte gewinnbringend an Tätowierer oder Händler vermietet werden können.
Stände, an denen man seine hart erarbeiteten Euros loswerden konnte, gab es dennoch genug! Aber wieder waren es nicht Verkäufer wahllos zusammengestellter Massenprodukte aus fernöstlicher Industrieproduktion, die angeboten wurden: Man hatte sich auch hier richtig Mühe mit der Auswahl gegeben, und so gab es Verkaufsstellen für handgearbeitetes Leder, in Kleinserie designte Accessoires, Shirts und Taschen und sogar lokale toskanische Delikatessen aus organischer Produktion zu erwerben!

Papageien-Tattoo von Silvano vom Eternal Tattoo aus Genua Werwolf von Dani von Demons Tattoo, Lleida (ES)

Poly will einen Keks! Lebensecht wirkendes Federvieh von Silvano vom Eternal Tattoo aus Genua.
Keine Zeit für Zahnarzt und Friseur hatte der Werwolf von Dani von Demons Tattoo aus dem spanischen Lleida.


Italian Style: Nicht mehr nur Old School oder Japanisch
Aus ortsnaher Produktion kam denn auch der überwiegende Teil der Tätowierer auf der Florenz Convention. Während sich die Spitzenveranstaltung in Mailand jeden Februar als globales Tattoo-Fest platziert hat, gibt man sich in der Toskana eher ortsverbunden.
Zwar waren auch einige internationale Knaller wie Robert Hernandez, George Mavridis oder die ukrainische Realistic-Sensation Dmitriy Samohin vertreten, aber das Gros der Künstler war italienischer Abstammung. Dadurch kann man auf dem Event bildlich erkennen, woher der Wind in der lokalen Szene weht.
Das fiel auch Maurizio Fiorini, einem Veteran der italienischen Szene und Weggefährte von Herbert Hoffmann, auf. In seinem Rollstuhl ließ er sich durch die Gänge schieben und stoppte immer wieder für einige Minuten bei Bekannten und Newcomern, um sich ein Bild von einer Welt zu machen, die er selbst – schon in den 1960er Jahren – mitgeprägt hat!

Eulen-Tattoo von Simone von Dynamite Colors aus PaduaMinimalistisches Porträt-Tattoo von Gianmauro aus Florenz.

Minimalistisches Porträt-Tattoo von Gianmauro aus Florenz und aufwendiges Eulen-Tattoo von Simone von Dynamite Colors aus Padua.


Traditionellerweise waren in Italien immer zwei Stile vorherrschend: Old School und japanische Tattoos waren schon vor über einem Jahrzehnt populär gewesen, und sie sind es immer noch.
Künstler wie Stizzo, Heinz, Amanda Toy oder Miss Arianna gehören ohne Zweifel zur Elite derjenigen, die es verstehen westliche Traditionals fett und bunt in die Haut zu bringen, während Koji von Milano City Ink, Adriano dall‘Alpi, Genziana Cocco oder Federico Benedetti schon seit langem erstklassige fernöstliche Kunst stechen. Ein Newcomer in diesem Stil ist Ueo aus Como, der mit seinen großflächigen Kompositionen immer öfter auch in ganz Europa zu sehen ist.

Garba von Tattoo Experience aus dem italienischen Falconara Marittima stach diese abgefahrene Hommage an den Künstler Keith Haring

Garba von Tattoo Experience aus dem italienischen Falconara Marittima stach diese abgefahrene Hommage an den Künstler Keith Haring.


Eine Hommage an Keith Haring
Erstaunlich dagegen ist die neuentdeckte Freude der italienischen Szene an dekorativem Blackwork und grafischer Kunst: Marco Galdo und P‘ink von Trafficanti d‘Arte waren hier wohl wegweisend, aber auch Francesca de Angelis (Tiki Tattoo), Shiva‘s Art, Marco Wallace, Cyber Tattoo, Scriba Tattoo oder Rapa Ink – ein Tätowierer von der Osterinsel – zeigten in Florenz wie attraktiv monochrome Tattoos auch heute noch sein können. Auf vielen Events fristet die Kategorie Best Tribal/Ornamental ja mittlerweile ein Mauerblümchen-Dasein; aber in Florenz rangelten sich Dutzende von Bewerbern um den durchaus begehrten Pokal und zeigten bemerkenswerte Fusionen aus den jahrhundertealten traditionellen Mustern der Südsee und Asiens mit modernem Graphic-Design.
Wer es dagegen vorzog, wirklich handgearbeitete traditionelle Tattoos zu bekommen, konnte sich auch von dem Japaner Ryugen, von Colin Dale aus Dänemark oder Lard Yao aus Bayern tätowieren lassen. 
Das ohne Diskussionen kreativste Tattoo des Wochenendes (und auch Sieger in der Kategorie »Other Style«) war dagegen richtig bunt: Garba von Tattoo Experience hatte einem Freund einen kompletten Sleeve mit den berühmten Männchen des Graffiti-Künstlers Keith Haring geschmückt. Eine wundervolle Hommage an das 1990 viel zu früh an AIDS verstorbene Genie. 

Madonna-Porträt von Valentino DesantisEinstein-Porträt von Michele Agostinis, Studio Tribal Tattoo, Rom (IT)

Mit dem Einstein-Porträt beweist Michele Agostinis vom Studio Tribal Tattoo, dass der Römer auch Realistic beherrscht! Der Preis für das beste Realistic-Tattoo der Convention ging jedoch an Valentino Desantis für das Madonna-Porträt.


Ein lockeres Organisations-Team steht für Freude, Entspannung und tolle Tattookunst
Gar nicht überraschend dagegen ist der Siegeszug farbiger realistischer Arbeiten, der nun auch Italien mit vollem Schwung erwischt hat. Herausragend in diesem Genre waren in Florenz nicht nur der geniale Samohin, der Brasilianer Ganso Galvao oder der Spanier Maximo Lutz, sondern auch einheimische Künstler konnten hier voll mithalten: Junge Leute wie Matteo Pasqualin, Silvano Fiato, Jacopo Chiarelli oder Michele Agostini haben schnell aufgeholt, und so jemand wie Tiziano Ripanti hat verdienterweise auch schon internationale Lorbeeren gewonnen. Zu seiner imposanten Trophäensammlung gehört nun auch der Preis für das Best of Show in Florenz für ein halbes Backpiece aus klassischen Skulpturen der italienischen Renaissance. 
Am Ende des Wochenendes, als die Tätowierer mal wieder bei Pizza, Pasta und Vino Rosso in der »Taverna« hinter dem Convention Hotel Grand Mediterraneo zusammensaßen, war man sich einig:
So einem Organisationsteam wie in Florenz – locker, ohne wichtigtuerischem Gehabe und dicken Armen, sondern mit viel Sachverstand, gutem Willen, Humor und Liebe zu Tattoos – kann man es getrost überlassen, der großartigen Stadt Florenz eine wunderbare Tattoo Convention zu schenken!    





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Stand:25 April 2019 04:41:07/veranstaltungen/convention+florenz+2012_1212.html