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Convention Bregenz 2012

28.09.2012  |  Text: Jan  |   Bilder: Chris Lührmann (Xian-Art)
Convention Bregenz 2012
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Die fünfte internationale Tattoo-Convention in Bregenz (Österreich) entpuppt sich erneut als Tattoo-Juwel: Tätowierer, Location, Organisation und die Liebe zur Sache begeistern Besucher wie Tätowierer.
Bregenzer Festspielhaus

Den Besuchern der Convention im Bregenzer Festspielhaus bot sich eine sensationelle Aussicht auf die überdimensionale Seebühne.


Die Kulisse des Bregenzer Festspielhauses im Westen Österreichs eignet sich hervorragend für Heiratsanträge: Meterhohe Glasfassaden geben vom Innern des Gebäudes aus den Blick frei auf den sich darunter ausbreitenden Bodensee. Am Abend versinkt rötlich-orange die Sonne zwischen Schäfchenwolken am Horizont. Entenfamilien und Segelboote gleiten über das Gewässer, dessen Ende nicht in Sicht ist. Dies war die Aussicht, die sich am Samstag und Sonntag den Besuchern und Tätowierern der 5. internationalen Tattoo-Convention in Bregenz bot. Traumhaft und unvergleichlich. Doch verlobt hat sich am Wochenende des 25. und 26. Augusts unseres Wissens nach trotzdem niemand.

Tätowiererin Minervas Linda aus Berlin trägt Tattoos von Ondrash
Geniales Traditional von XXX Tattoo aus Luzern

Geniales Traditional von XXX Tattoo aus Luzern, das perfekt zur Trägerin passt.
Tätowiererin Minervas Linda aus Berlin trägt neben einem genialen Haarschnitt auch Tattoos von Ondrash aus dem tschechischen Znaim
.


Schwere Entscheidung 
Im Eingangsfoyer
konnte sich das gemischte Szene- und Mainstream-Publikum schick machen und seine hart verdienten Euros den Händlern für Piercings, Schmuck und Kleidung überlassen. Stiegen die Besucher ein paar Stufen hinauf ins Foyer 1, wurden sie auf der Treppe zuerst aufs Herzlichste von Andys Fat-Foogo-Team aus Bregenz begrüßt. Er und seine Mitarbeiter veranstalteten das Event. Oben angekommen hatten die Besucher eine stichhaltige Entscheidung zu treffen, von wem sie sich betinten lassen wollten, waren sie doch an diesem Punkt bereits umsäumt von gestandenen Tattoo-Größen wie dem Studio 74 aus Linz in Österreich, Boris Backert von Mahakala Tattoo aus Ravensburg oder Basti vom Seven Star Tattoo aus Bochum.
 

Ruhe kehrt ein
Über weißen Steinboden flanierte das Publikum
im Alter zwischen fünf und fünfzig Jahren entlang der Stände, ohne dabei aneinander zu stoßen, denn die Gänge des Festspielhauses sind an manchen Stellen bis zu sieben, acht Meter breit. Raum und Licht sorgten für Wohlbefinden auch innerhalb der Menschenmasse. Überhaupt legten Veranstalter Andy und seine Kollegen Mäthy, Mark und Woalle besonderen Wert darauf, alle Beteiligten durch eine gewisse Ruhe zu schonen. So plätscherte zwar konstant Musik von Rammstein bis Kalkbrenner aus den in die Decke integrierten Boxen, doch geschah dies nie in ohrenbetäubender Lautstärke. Auch greifen immer mehr Tätowierer zu Druckluft- und Elektromotor-betriebenen Tattoo-Maschinen, die nahezu ohne Geräusch arbeiten. Auch dadurch wird Lärm auf Conventions mittlerweile reduziert. Obendrein präsentierte Andy das gesamte Bühnenprogramm im »Seestudio«, einem geschlossenen angrenzenden Raum. Zu Beginn der jeweiligen Shows wie der Rock 'n' Roll-Show der Boogie Shakers oder des atemberaubenden Modespektakels von Van Art, LeeJulie und Christine Tschann wurden die Besucher wieder über das Lautsprechersystem gerufen – und sie kamen. Brodelnde Stimmung kam deshalb auch bei der Poledance Show von Julia Hartmann und ihren sehr beweglichen Tänzerinnen auf.


Die Top-Artists Luke Atkinson aus Stutt­gart (Oberarm) und Tommy Lee Wendtner aus Köln (Unterarm) teilten sich diesen düsteren Sleeve.
Überragende Azteken-Sleeves aus dem Hause Akira Tattoo in Essen.

Abb. links: Die Top-Artists Luke Atkinson aus Stutt­gart (Oberarm) und Tommy Lee Wendtner aus Köln (Unterarm) teilten sich diesen düsteren Sleeve.
Abb. rechts: Überragende Azteken-Sleeves aus dem Hause Akira Tattoo in Essen.


Kein Chance auf Contest-Pokale
Ein Augenschmaus
war auch die am Festspielhaus verankerte Freilicht-Festspielbühne, die größte der Welt übrigens. Auf ihr thronte noch von einem Messer durchbohrter menschlicher Rumpf samt Kopf, als Überbleibsel der gerade zu Ende gegangenen alljährlichen Bregenzer Festspiele. Er war das Bühnenbild der Oper  Andrea Chénier. Ungefähr so groß wie die Freiheitsstatue auf Liberty Island, war die überdimensionale Requisite von der Seegalerie im 2. Stock besonders gut in Augenschein zu nehmen, wie die dort arbeitenden Tätowierer Minerva Linda aus Berlin, das Healing Ink Studio aus Schwetzingen oder Julian vom Corpsepainter Tattoo aus München feststellten. Letzterer stach seine Nadeln in die Haut von TM-Anzeigenberater Steffen. Das Ergebnis: eine hartherzige Clownsvisage erster Güte, in Grün über die ganze Wade ausgebreitet. Innerhalb einer Session fand sie ihre Vollendung.
Eine Chance auf einen Pokal hatte dieses Tattoo dennoch nie in Bregenz. Denn traditionell verzichtete man auch diesmal auf jegliche Convention-Contests. In einem an Händler und Künstler ausgegebenen Infoblatt hieß es dazu: »Wir sind immer noch der Meinung, dass Contest-Ergebnisse Jury-abhängig und Ansichten und Geschmäcker verschieden sind.« Stattdessen gab man jedem Tätowierten die Gelegenheit, freiwillig dem Publikum sein Tattoo im Seestudio zu präsentieren. Als Zeichen der Würdigung verteilten die Mitarbeiter von Andys Fat-Foogo-Team Zertifikate an alle Tattoopräsentierenden.


Tätowierer unbekannt
Tattoo von Julian vom Münchner Corpsepainter Tattoo

TM-Anzeigenberater Steffen ließ sich von Julian vom Münchner Corpsepainter Tattoo einen Clown tätowieren. Daneben das eindrucksvolles Grafik-Tattoo eines uns leider unbekannten Tätowierers.


Geben für Leben
Das Tintenfest stand generell im Sinne von Entspannung
, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft. So unterstützen die Veranstalter die Aktion »Geben für Leben – Leukämie ist heilbar«. Jeder vor Ort konnte sich einer Bluttypisierung unterziehen. Dadurch sollen lebensrettende Stammzellen- oder Knochenmarksspenden gewonnen werden, und das nicht nur für die allein über vierzig Voralberger, die derzeit auf eine solche Spende warten. Die Bilder der Art Fusion wurden ebenfalls für 1500 Euro zu Gunsten der Geben-für-Leben-Aktion versteigert und das Fat-Foogo-Team packte noch einmal fette 1000 Euro obendrauf. Peng!
Apropos: Die hochkommunikative Sandy P. Peng verteilte am Samstag Gratis-TätowierMagazine an ihre österreichischen Landsleute. Mittlerweile hat das Tattoo-Model circa 25 Cover von Tattoo- oder Musikzeitschriften geziert. Sogar auf einer österreichischen Zigarettenschachtel ist ihre Silhouette zu sehen – bald auch in Deutschland. Am Sonntag übernahm Judy Luu für Sandy und sorgte für sehr unterhaltsame Momente am Stand des TätowierMagazins.
 
Beruhigende Gewässer
Wem es dennoch zu viel wurde
, der konnte sich bei einem Spaziergang entlang des Bodensees entspannen. In seiner Größe (536 km²) wirkt das Gewässer mit maximal 254 Meter Tiefe, wie das Meer: irgendwie beruhigend. Dass selbst am Sonntag noch alle Teilnehmer bei Kräften waren, lag aber auch daran, dass Bregenz eine Zweitages-Convention ist. Andy verzichtete diesmal auf den Freitag, den Tag, an dem aller Erfahrung nach nur auf den wenigsten Conventions viele Besucher einströmen, während der Samstag in Bregenz die Szeneanhänger anzog und für volle Flure auf drei Stockwerken sorgte. Sonntags reduzierte sich die Menge kaum und abermals war die Convention satt besucht. Auch Tätowierer und Händler waren mit der Auftragslage sehr zufrieden und vom Orga-Team, der Location und der Verpflegung schlichtweg angetan.

Bregenzer Festspielhaus

Hell und geräumig: Die Location machte Laune.


Ein Juwel am Bodensee
Österreich wurde durch 19 Studios vertreten.
Natürlich hatte die Fat-Foogo-Crew selbst auch einen Stand. Aus Österreich gesellten sich zu ihnen unter anderem CIA-Tattoo, Blutrausch, Woodpecker Tattoo und Tibi Tattoo. Aber auch aus den Niederlanden (Dice Tattoos u. a.), Schweden (Fisheye Ink u. a.), den USA (Deep Six Laboratory u. a.), der Schweiz (Freibeuter Tattoo 
u. a.), Deutschland und sogar aus Taiwan 
(J Tattoo-Studio) rollten oder flogen die Tattoo-Artists an. Um diese internationale und exquisite Tattoo-Arena zu betreten, zahlten die Besucher für eine Tageskarte 15 Euro. Das Wochenendticket gab‘s für nur 25 Euro.
Was die Anzahl der Tätowierer angeht, bewegt sich die internationale Bregenz-Convention im Mittelmaß. In Sachen Tätowierer, Location, Organisation und Liebe zur Sache ist sie aber eines der wertvollsten Juwele in ganz Österreich und der immer dichter besiedelten und manchmal austauschbar gewordenen Convention-Welt. Es ist kaum vorstellbar, dass im Jahr 2013 jemand der diesjährigen Teilnehmer dieses Event missen möchte.        


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Stand:25 April 2019 10:30:17/veranstaltungen/convention+bregenz+2012_129.html