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Convention Berlin 2012

25.01.2013  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Travelingmic
Convention Berlin 2012
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Zum zweiundzwanzigsten und letzten Mal konnten Tattoo-Fans aus der ganzen Welt die Nikolaus-Zeit in Berlin mit einer der hoch karätigsten internationalen Tattoo-Show verbinden – doch keine Sorge, die Berlin-Convention wird weiter bestehen, wenn auch zu anderer Zeit an einem anderen Ort. Am zweiten Dezember-Wochenende im  letzten Jahr drängten die Besucher aber noch mal mit blau gefrorenen  Nasen und Wintermänteln in die Arena in Treptow.
Zum zweiundzwanzigsten und letzten Mal konnten Tattoo-Fans aus der ganzen Welt die Nikolaus-Zeit in Berlin mit einer der hoch karätigsten internationalen Tattoo-Show verbinden – doch keine Sorge, die Berlin-Convention wird weiter bestehen, wenn auch zu anderer Zeit an einem anderen Ort. Am zweiten Dezember-Wochenende im  letzten Jahr drängten die Besucher aber noch mal mit blau gefrorenen  Nasen und Wintermänteln in die Arena in Treptow.  

Best of Show: Tattoo von Anubis Tattoo, Osijek (KR)Tattoo von Dmitrij Chikai aus Novosibirsk, der damit den Preis in der Kategorie »Best Color« holte.
Das Bild der Afrikanerin mit Wasserkrug und Kalashnikov von Zwaki vom Anubis Tattoo aus dem kroatischen Osijek erhielt den Preis »Best of Show«. Dmitrij Chikai aus Novosibirsk erhielt für eines seiner extrem plastisch wirkenden Tattoos die Trophäe für »Best Color«.


Alles bleibt anders
Sehr vertraut und irgendwie immer wieder neu, das ist der Eindruck, den man bekommt, wenn man die Arena in Treptow Anfang Dezember besucht. Die warme Halle, die man nach langem Anstehen in der Kälte betritt, die Geräusche der Tattoo-Maschinen und der sonore Klang der Stimme des Moderators Detter, der aus dieser Veranstaltung gar nicht mehr wegzudenken ist, das fröhliche Gewusel von Tätowierern und Besuchern in den Gängen, all das ruft heimelig-vertraute Gefühle hervor; es ist Jahresende und man ist angekommen auf der Berlin-Convention, dem krönenden Jahresabschluss der Tattoo-Szene.

Mohnblüten von Frau Paint, Studio Stilbruch, BerlinTattoo von Morof, Moro Tattoo aus Genua
Glück, so fragil wie die Blüte einer Mohnblume … tätowiert von Frau Paint vom Stilbruch, Berlin. Das bibliophile Beintattoo hat Morof von Moro Tattoo aus Genua (IT) gestochen. 


Aber so vertraut auch alles scheint, so stellt sich doch nie das Gefühl ein, schon alles zu kennen, ganz im Gegenteil. Bereits die stets abgeänderte Anordnung der Stände und Flure schickt auch langjährige Conventionbesucher Jahr für Jahr auf neue Entdeckungstouren durch die Arena-Halle und macht den Besuch jedes Jahr zu einem neuen Erlebnis. Der erste Stand, auf den alle Besucher zwangsläufig trafen, nachdem sie sich an der Garderobe ihrer Wintermäntel und Daunenjacken entledigt hatten, war der des TätowierMagazins. Das veranlasste einige Besucher zur Annahme, wir seien zugleich der Info-Stand, was zwar nicht der Fall war, aber uns zahlreiche Kontakte und freundliche Gespräche bescherte. Auch Feedback in Form von Lob und Kritik zur Convention ging bei uns ein, was wir mit Interesse zur Kenntnis nahmen, auch wenn wir dafür eigentlich die falsche Adresse waren. So vermisste beispielsweise ein Besucher die Top-Tätowierer auf der Convention – was allerdings nicht daran lag, dass dort keine gewesen wären, sie waren einfach nicht gleich auf den ersten Blick zu finden; man konnte wirklich sagen, man sah hier den Wald vor lauter Bäumen nicht.
 

Tattoo von Thai vom Trash Ink Bomber, MünchenTattoo von Gepas von 3Ink Art aus Polen Tattoo von Adriaan Machete von der Machete Death Gallery, Berlin
In Berlin waren eine enorme Bandbreite an Tattoo-Stilen vertreten! Thai vom Trash Ink Bomber aus München stach Blüten im Aquarell-Stil, Gepas von 3Ink Art aus Polen tätowierte eine interessante Version von Klimts »Kuss« und das Oberarm-Tattoo stammt von Adriaan Machete von der Machete Death Gallery.


Weltelite inkognito
Liorcifer, Benjamin Moss und Robert Hernandez beispielsweise teilten sich einen extrem schmucklosen Stand, der kaum Hinweise darauf gab, wer hier überhaupt arbeitete. Auch Mike de Vries, gegenüber dem Stand von Andy Engel, fiel beinah gar nicht weiter auf und auch an den Ständen von Noi Siamese von 1969 Tattoo aus Oslo oder Human-Fly-Tätowierer Jee Sayalero aus Madrid hätte man achtlos vorbeilaufen können, weil es eben einfach tolle Tätowierer neben weiteren tollen Tätowierern waren.
Wer natürlich immer irgendwie heraussticht ist Fabio Morof von Moro Tattoo aus Genua – mit seinen schrillen, an Kinderzeichnungen erinnernde Bilder könnte er sich noch nicht mal verstecken, wenn er es drauf anlegen würde. Xtophe vom traditionsreichen französischen Tattoo-Studio Tattoo Spirit, Sohn der erst unlängst 
verstorbenen Tattoo-Legende Mike the Budha, war auf gut Glück nach Berlin gereist, ohne Hotelbuchung, ohne Stand. Er hatte sich einfach darauf verlassen, irgendeinen leer gebliebenen Stand übernehmen zu können. Und wie so oft war das Glück mit dem Mutigen, so dass der stets fröhliche und gut gelaunte Xtophe ganz ohne Anmeldungsstress einen hübschen Stand in der Hallenmitte zugeteilt bekam, dessen ursprünglicher Mieter wahrscheinlich an irgendeinem zugeschneiten Flughafen verzweifelt auf die »Cancelled«-Anzeige seines Berlin-Fluges starrte …

Tattoo von Flo von Vicious Circle (Weiler)Berit von Tatau Obscur, erhält den Preis für den schönsten Stand
Schrill: Berit (rechts) vom Studio Tatau Obskur (Berlin) erhielt von Veranstalter Frank Weber (links) den Pokal für den am schönsten dekorierten Stand.
Das Rücken-Tattoo stammt von Flo von Vicious Circle (Weiler). 


Die Russen kommen!
Absolute Knaller und auch irgendwie Highlight der Veranstaltung waren die Tätowierer aus Russland; Dmitriy Chikai, Pavel Angel, Lucky Tattoo oder Alexey Joffer gaben einen Eindruck von dem atemberaubenden Niveau, das die Hautkunst dort inzwischen erreicht hat. Hier erschwerte allerdings die Sprachbarriere für einige die Kontaktaufnahme zu einigen Künstlern, die zwar erstklassige Kunstwerke stachen, dafür aber praktisch kein Englisch oder sonstige Sprachen beherrschten, mit denen sie sich hätten verständlich machen können. Selbst manche Banner und Visitenkarten waren lediglich auf kyrillisch geschrieben; schön exotisch anzuschauen, aber nicht hilfreich, wenn man in der Schule kein Russisch mehr gelernt hat.
Mit der Tätowiererin Shanghai Kate hatte die Berlin-Convention zudem eine echte Tattoo-Legende zu bieten; Kate kannte Tattoo-Urvater Sailor Jerry Collins noch persönlich, lernte und arbeitete in seinem Shop in Honolulu und war eine enge Freundin dieses bedeutenden Tätowierers. Hier bot sich die Gelegenheit, Tattoo-Geschichte aus erster Hand zu erfahren – doch leider kannten nur wenige Insider Kate und wussten ihre Anwesenheit zu schätzen.

Tattoo von Dmitrij Chikais, RusslandTattoo von Bosse von Magic Lines aus Schweden

Abb.links: Alexandr Pashkov aus dem russischen Barnaul ist ein Schüler Dmitrij Chikais und steht seinem Meister in nichts nach.
Abb. rechts: Ein Hardcore-Pulp-Fiction-Fan ließ sich Schlüsselszenen des Films von Bosse von Magic Lines aus Schweden tätowieren.


Italian Style: Nicht mehr nur Old School oder Japanisch
Aus ortsnaher Produktion kam denn auch der überwiegende Teil der Tätowierer auf der Florenz Convention. Während sich die Spitzenveranstaltung in Mailand jeden Februar als globales Tattoo-Fest platziert hat, gibt man sich in der Toskana eher ortsverbunden.
Zwar waren auch einige internationale Knaller wie Robert Hernandez, George Mavridis oder die ukrainische Realistic-Sensation Dmitriy Samohin vertreten, aber das Gros der Künstler war italienischer Abstammung. Dadurch kann man auf dem Event bildlich erkennen, woher der Wind in der lokalen Szene weht.
Das fiel auch Maurizio Fiorini, einem Veteran der italienischen Szene und Weggefährte von Herbert Hoffmann, auf. In seinem Rollstuhl ließ er sich durch die Gänge schieben und stoppte immer wieder für einige Minuten bei Bekannten und Newcomern, um sich ein Bild von einer Welt zu machen, die er selbst – schon in den 1960er Jahren – mitgeprägt hat!

Rockstar- und TV-Tätowierer
Wem das immer noch nicht genug an Tattoo-Prominenz war, der konnte sich spätestens am Stand von Aaron Ruby nicht mehr beklagen – Fans der Band »Walls of Jericho« hätten hier die Möglichkeit gehabt, sich gleich vom Bassisten selbst ihr W.o.J.-Fan-Tattoo abzuholen. Manche werden ja Tätowierer, weil’s zum Rockstar nicht reicht – Aaron hat hier wohl gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Standesgemäß hatte Aaron seine Visitenkarte auf Gitarren-Plektren gedruckt, die gern mitgenommen wurden.
Heimische Tattoo-Prominenz gab’s am überdimensionialen Stand von »Berlin Tag & Nacht«-Tätowierer Daniel Krause, wo Krause himself nebst hübschen Tattoo-Models wie den TätowierMagazin-Covermodels Mel Riot und Makani Terror sowie ErotiCat Viktoria Vamp gern für Fotos und Autogrammwünsche zur Verfügung stand.

Drachen-Tattoo von Wu Shih Min aus TaiwanTattoo von Chung Woon aus Korea

Ein buddhistischer Heiliger, gestochen von Chung Woon aus Korea. Wu Shih Min aus Taiwan tätowierte den Drachen.


Spitzentätowierer zum selbst entdecken
Also: In Sachen Tattoo-Prominenz gab es hier nichts zu beanstanden, denn die Liste bekannter und hochkarätiger Tätowierer ließe sich noch lange weiterführen. Aber es ist gar nicht Sinn und Zweck der Berlin-Convention, nur bereits bekannte und etablierte Künstler einzuladen. Organisator Frank Weber legt jedes Jahr viel Wert darauf, seinen Besuchern auch stets neue, in Deutschland bislang weniger bekannte Tätowierer vorzustellen, die den »big names« qualitativ nicht nachstehen. Dazu gehörten diesmal auf alle Fälle die Realistic-Experten Silvano Fiato aus Genua, Proki aus Athen oder der Italiener Antonio Gabriele. Völlig abgefahrenes Zeug von Tribal über New School bis Grafik-Style gab‘s vom Team von Sake Tattoo aus Athen und auch Cykada Tattoo aus dem polnischen Sopot knallten abgefahrene New-
School-Tattoos ebenso wie überzeugende Realistic raus. Wer etwas Zeit mitbrachte, um sich durch die zahlreichen Ordner zu arbeiten, konnte hier echte Schätze und Geheimtipps entdecken.

Tattoo von Michele Agostini von Tribal Tattoo aus Rom. Tattoo von Dmitrij Chikai aus Russland
Lebende Legende: James Hatfield, gestochen von Michele Agostini von Tribal Tattoo aus Rom. Das dreidimensional wirknde Rücken-Tattoo stammt vom russischen Spitzentätowierer Dmitrij Chikai.


Tools of the Trade: Maschinen- contra Hand-Tattoos
Beim Schlendern durch die Halle erlebte man in einem Gang eine Überraschung, denn hier waren Spitzenkünstler wie Tommy Lee Wendtner oder Washun vom Last Gate Tattoo aus Tokio fleißig am Arbeiten, aber irgendwas war hier anders. Man kam nicht gleich drauf, bis einem irgendwann auffiel, wie still es hier war. Kein Surren der Maschinen, obwohl überall tätowiert wurde? Kein Wunder, in der Cheyenne-Straße arbeiteten Künstler ausschließlich mit der lautlosen Rotary-Tattoo-Maschine dieses Herstellers. Ebenfalls lautlos, da sowieso ohne Maschine und von Hand, stach Kai Faust von Kunsten pa Kroppen aus Dänemark seinen Kunden Motive aus der Zeit der Wikinger, Pikten und Kelten. Kai ist übrigens auch verantwortlich für das schicke Wolfs-Tattoo unseres derzeitigen TattooStyle-Covermodels Antje.
Aber trotz Rotary und Hand-Tattoos, die traditionelle Tattoo-Maschine war auch in Berlin überall deutlich zu hören, denn nach wie vor sind viele Künstler »Loyal to the coil«, wie es Maschinen-Hersteller Bavarian Custom Irons in seinem Slogan auf den Punkt bringt. Für Tätowierer gab es eine große Auswahl an Anbietern verschiedenster Maschinen und Zubehör, mit interessanten Messeneuheiten wie beispielsweise ergonomisch geformten Einmal-Griffstücken von Najs, die das Arbeiten mit den doch relativ schweren Spulenmaschinen erleichtern. Für den normalen Messebesucher gab es ebenfalls ausreichend Gelegenheit, vor Weihnachten noch Geld loszuwerden: Neben den üblichen Shirt- und Krimskrams-Buden gab es auch viele hochwertige und handgefertigte Produkte wie Schmuck, Ledertaschen oder Messer-Unikate – kurz, für jeden Geldbeutel und Geschmack war etwas dabei!

Blüten und Kinderporträt von Miss Nico, All Style Tattoo, Berlin
Tattoo von Anabi aus dem polnischen Stettin
Die Clown-Dame mit Zigarre und Whisky-Flasche auf der Schönen stammt von Anabi aus dem polnischen Stettin. Das blumige Kinderporträt hat Miss Nico vom All Style Tattoo aus Berlin tätowiert.


Die nächste Berlin-Convention gibt’s im August!
Natürlich ist so eine Messe immer auch eine Info-Börse, auf der neben Klatsch und Tratsch auch aktuelle Neuigkeiten ausgetauscht werden. Und die Meldung des Wochenendes war natürlich: Das war die letzte Berlin-Convention im Winter! Es gab ja bereits schon seit einiger Zeit Gerüchte, dass Frank Weber vorhatte, die Termine seines Tattoo-Summer-Festivals und der Dezember-Convention zu tauschen. Im Laufe des Wochenendes wurde dies nun offiziell bestätigt und zum größten Teil positiv und mit Erleichterung aufgenommen. Denn so gern sich Besucher und Aussteller auch im Dezember in Berlin treffen, auf die Anfahrt durchs Winterchaos können die meisten gern verzichten. Der Schneesturm am Sonntag, der es selbst Berlinern erschwerte, die Arena aufzusuchen, vergrößerte nochmals die Vorfreude auf die nächste, dreiundzwanzigste Tattoo-Convention in Berlin, die Anfang August stattfinden wird. T-Shirts statt Daunenjacken und Eis statt Glühwein und vor allem viel tätowierte Haut statt dick vermummter Gestalten – mit diesem Tausch dürfte wohl jeder sofort einverstanden sein!





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Stand:25 April 2019 03:53:04/veranstaltungen/convention+berlin+2012_131.html