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15. Internationale Berlin Convention 2006

15. Internationale Berlin Convention 2006
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Samstag Nachmittag, Berlin Convention: Goa-Trance-Klänge waberten durch die riesige Arena-Halle, während auf der Bühne Tätowierer kunstvolle Art Fusion neben den Musikern veranstalteten, an den Ständen die Nadeln surrten, sich die Besucher davor drängten oder auf der Suche nach immer neuen Eindrücken durch die Halle strömten.
Die 15. Auflage der wichtigsten Tattoo-Convention in Deutschland war auch in diesem Jahr wieder ein überwältigendes Erlebnis, dessen Schwerpunkt diesmal noch mehr auf der Verbindung von Tätowieren und Kunst lag.

»Nie hätten wir vor 15 Jahren zu träumen gewagt,
damals, bei der ersten Berlin Convention im Trash, dass wir uns mal zu so einer gigantischen Veranstaltung entwickeln und hier in der Arena-Halle residieren« ließ Detter in seiner legendären rhythmischen Convention-Moderatorenstimme auf der Bühne die Vergangenheit Revue passieren. »Genießt diese Convention, nutzt diese Chance, saugt die internationale Atmosphäre in euch auf«, beriet er weiterhin enthusiastisch das zumindest am Samstag zahlreich erschienene Publikum.

Detter war in bester Stimmung
und auch das Organisationsteam der Berlin Convention um Frank Weber wirkte gut gelaunt und souverän. 15 Jahre Messe-Erfahrung zeigten sich da, in denen sich die Convention zu einem internationalen Mega-Event mit Tattoo-Superstars und tausenden von Besuchern entwickelte. »Die Größe flasht mich total – und jetzt in der neuen Halle ist es ja noch riesiger. Das ist nirgendwo so, auch nicht im Ausland« so Ralf aus Hockenheim, regelmäßiger Besucher der Berlin-Con, und Kathi aus Frankfurt meinte: »Früher war es auch schon schön, aber klein. Jetzt isset noch besser, größer, es gibt mehr Stände, mehr Auswahl, die Halle ist cooler!«

Neben viele nationalen und internationalen Stars der Szene hatte das TätowierMagazin seinen Stand aufgebaut.

»Die Convention ist pompöser und interessanter geworden«,
fand auch Wahlberliner Marco. Vereinzelt wurden aber auch kritische Bemerkungen laut, etwa, dass die Internationalität der Besucher abgenommen hätte. Dennoch hörte man beim Rundgang durch die Halle auch diesmal überall nicht nur deutsche, sondern auch englische, französische, italienische, spanische oder osteuropäische Gesprächsfetzen. International und hochkarätig besetzt war auf jeden Fall wieder das Line-Up, mit Spitzenstars wie Robert Hernandez, Boris aus Ungarn, Xed LeHead aus England, Leo (Naked Trust), Bammer und Bernie Luther aus Österreich oder die japanischen Tätowierer der Horiwaka-Family. Dazu aufstrebende Tattoo-Stars, wie Paul Booth’ Lehrling Lior Cifer (Meister Booth, der auch kommen wollte, hatte gesundheitliche Probleme) oder Victor Policheri aus dem Apocalypse Studio in Seattle mit hervorragenden und schrägen Arbeiten. Victor hat im Übrigen auch einen schrägen Humor. Manchmal bietet er Kunden für umsonst sein eigenes Porträt auf deren Arschbacke an und hat schon so manchen Hintern mit seinem brillant ausgeführten Konterfei verschönt, wie er mittels Bilder in seiner Mappe demonstrierte.

Humor bewies auch mal wieder Mike Skiver, der mit roter Bommelmütze den tätowierenden Nikolaus mimte und im übrigen vorfreudig erzählte, dass er demnächst Herbert Hoffmanns Kult-Anker erhalten werde.


Horiwaka (Japan) und Boris (Ungarn) – nur zwei Namen, die stellvertretend für die Qualität der in Berlin arbeitenden Tätowierer stehen.

Natürlich waren Deutschlands Spitzen-Tätowierer in großer Zahl aufgefahren. Eine lockere Auswahl davon, die man noch lange weiterführen könnte: Carsten Fiedler aus Koethen, Miss Nico vom Allstyle Tattoo, Für Immer, Tatau Obscur mit Gasttätowierer Rain Partlow (der sich jetzt endgültig in Europa niedergelassen hat und zwar im schweizerischen Bern), Inkinfusion aus Burghausen oder Marcuse vom Mannheimer Smilin Demon, der bei der Preisverleihung »Best Asia« dick absahnte. In Berlin trifft man auch unter den Besuchern mehr als auf anderen Convention gute Tätowierer, die nur zum Schauen, Austauschen und sich selbst tätowieren lassen kommen. So sah man René Mannich, Jürgen vom Fractopia Tattoo aus Weiden, Esther vom Lünener Himmelsblut oder Schumitz von Hardcore Ink aus Kassel, auch die »ältere« Generation, wie Maik Frey oder Tom Hanke streifte umher. Navette, zur Zeit ja ständig als Gasttätowierer bei Tatau Obscur anzutreffen, nutzte die Berlin Convention ebenfalls intensiv zur Pflege sozialer Kontakte, rührte das ganze Wochenende keine Tattoomaschine an, sondern war ständig im launigen Gespräch zu sehen.

Zeit zum Austausch gab es tatsächlich,
denn, das muss man zugeben, im Gegensatz zu letztem Jahr waren es weniger Besucher. Einige Händler und auch Tätowierer waren davon nicht gerade begeistert. Für das anwesende Publikum hatte es aber durchaus Vorteile, musste es sich nicht so durch Massen drängeln und hatte mehr Gelegenheit, den arbeitetenden Artists genauer bei der Arbeit zuschauen zu können oder auch mal ein Gespräch mit ihnen zu führen. So kam ich endlich auch einmal dazu, mich mit Boris aus Ungarn zu unterhalten, der ja oft nur im absoluten Dauerstress zu beobachten ist. Der Tattoo-Virtuose, aus dessen Nadel ein spektakuläres Meisterwerk nach dem anderen entsteht, ist tatsächlich selbst immer noch gänzlich von Farbe unbefleckt. Aber, so verriet er mir, plane er seit längerem eine umfangreiche Tätowierung für seinen Rücken, allein, der Künstler, der ihn verzieren soll, stehe noch nicht endgültig fest. Daraufhin zückte er doch wieder die Tattoomaschine, denn der nächste Kunde war schon im Anmarsch. Ganz klar, dass Boris bei der Preisverleihung beim Tattoo Contest wieder vorne mit dabei war. Mit seinem atemberaubenden Jugendstil-Tattoo auf Ariannas Arm holte er den ersten Platz bei Best of Porträt. Allerdings bekam er in diesem Jahr nicht den Best of Show, der wurde mit Glanz und Gloria an einen deutschen Tätowierer vergeben: Carsten Fiedlers düsteres Totenkopf-Ensemble auf Jens’ Rücken, so entschied die Jury, hatte diesen Preis verdient.


Witzige Idee für den Fuß! Der windschiefe Leuchtturm stammt von Fide, Für Immer (Berlin), richtig schräg ist die Arbeit von Mäx, Tattoos to the Max (Bad Ischl, A)

Wer Bock auf ausgefallene Klamotten, Schuhe oder Accessoires hatte,
fand dieses Jahr eine gesteigerte Auswahl vor. Neben Ständen wie beispielsweise Outcast, Timeless, Body Armor oder The Source wurden am Stand von Cas und Nicola aus London selbstgefertigte scharfe Corsagen präsentiert. Witzige HighHeels boten Cinderella-Catwalk an, und auch an diversen Tätowier-Ständen konnte man sich mit Klamotten eindecken. Sowohl Thomas Miroslav aus Nürnberg als auch X-tophe, Mike the Budhas talentierter Sohn, haben jetzt eine Auswahl an selbst designten T-Shirts im Angebot. Apropos T-Shirt: Detter erzählte mir am Rande, dass er noch das Convention-T-Shirt der allerersten Berlin-Convention hätte, auf das er mittlerweile schon stolze Preise geboten bekäme. Trennen könne er sich allerdings nicht davon …
 

Bilder links stammen von Alexander Boyko, daneben sind die Arbeiten von Miss Nico zu sehen.


Die Leu Familys Iron Band,
die ja bereits im vergangenen Jahr für die musikalische Untermalung des Events gesorgt hatte, war auch dieses Mal für den besonderen Reiz der ganzen Veranstaltung zuständig. Ihre treibende Musik, ein Crossover aus chilligem Bass, Trommeln, Querflöte und elektronischen Klängen kam bei den meisten extrem gut an. Zu der auf der Bühne stattfindenden Art Fusion passte die Musik perfekt, wirkte sogar kreativ unterstützend und es entstanden Kompositionen von organischen Strukturen, Körpern, Farbverläufen und japanischen Elementen. »Diese Musik ist eine richtige Bereicherung« urteilte auch Detter: »Die Künstler haben dynamischer, noch besser gearbeitet als sonst.«

Auch das Rahmenprogramm bot Feines:
Showtalent Lucky Diamond Rich, die Textil-Performance von Body Armor in Kooperation mit der Londoner Designerin Cas oder die wirklich spektakuläre Flammenshow von Jens Jensen stachen dabei besonders hervor. Angenehm auch die musikalische Live-Beschallung am Mittag und frühem Nachmittag. Sänger und Gitarrespieler Claudio erfreute mit leidenschaftlichem Flamenco das Publikum, vor allem zur Freude des spanischen Soul Tattoo Teams, das sofort begann, dazu rythmisch mitzuklatschen. Ein Bonbon war die zum Schluss der Veranstaltung stattfindende Lasershow, die einen – mal wieder in Kombination mit der Musik der Leu Familys Iron Band – so richtig wegflashte.
Die Berlin Convention ist und bleibt der Höhepunkt des deutschen Tattoo-Jahres und ist kurz vor Beginn des neuen Jahres das Highlight schlechthin. Wer sich dieses bombastische Convention-Spektakel entgehen lässt, ist selbst schuld, anders kann man es gar nicht sagen.

Text: Maitreya | Fotos: Peter Martner
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Stand:26 April 2019 06:30:03/veranstaltungen/15+internationale+berlin+convention+2006_0712.html