10. Tattoomenta Kassel

26.01.2018  |  Text: Boris Glatthaar   |   Bilder: Annegret Hirschmann
10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel 10. Tattoomenta Kassel
10. Tattoomenta Kassel
Alle Bilder »
Zum ersten großen Jubiläum bewies die Convention in Nordhessen, dass sie ihr Qualitätsversprechen bis heute einlöst. Und dass in der »dokumenta«-Stadt große Kunst auch auf Haut möglich ist.
Wenn irgendwo Jubiläum gefeiert wird, blicken die Festredner oft in Ehrfurcht zurück und fragen: Wow, schon so lange? Im Falle der Tattoomenta in Kassel passt hingegen eher: Wow, erst so kurz? Denn hört man in die Szene hinein, gewinnt man den Eindruck, dass das Tattooevent in der nordhessischen Kulturhauptstadt bereits seit Jahrzehnten besteht – und nicht erst seit zehn Jahren. Immerhin gilt Kassel als einer der kaum mehr wegzudenkenden Szenetermine zum Jahresabschluss.
Tatsächlich hat es das Team um Veranstalterin Jenny B früh geschafft, die Convention als eine der wichtigsten und beliebtesten ihrer Art in Deutschland zu etablieren.

Tattoomenta Kassel 2017

Das lag von Anfang an an drei Faktoren: Erstens an der Auswahl wirklich guter bis bestechender Tätowierer und vielversprechender Nachwuchstalente, die das Event zu einem Auszug aus dem aktuellen und progressiven Tattoo-who-is-who machten – nicht zuletzt über den großen TätowierMagazin-Nachwuchs-contest. Zweitens an der lichtdurchfluteten »dokumenta«-Halle selbst, die sich mit dem hellen Flair einer modernen Kunstgalerie deutlich von den sonst oft schummrigen Conventionlocations abhebt und schon dadurch die Botschaft aussendet: Dieses Ereignis richtet sich an die offene Gesellschaft, nicht allein an eine Szene, in der man gern unter sich bleibt.

Rapper Bryan Rodecker aka INFIDELIX in Aktion.

Da passt es, dass die Tattoomenta schon vorab mit der behindertengerechten Architektur der Halle, freiem Eintritt für alle unter vierzehn Jahre und Kinderbetreuung durch Fachpersonal wirbt – quasi als Familienevent. Drittens war von Anbeginn ein Erfolgsfaktor der Convention, dass Jenny B sich persönlich auf ihre fröhliche und aufmerksame Art um das Wohl der angereisten Tätowierer und Händler kümmerte.

Schöne Kombination: Medusa und Schädel von Pawel (AP Tattoo Studio).

Das gipfelte in diesem Jahr darin, dass sich kaum jemand den doch recht häufig angebotenen Basilikum-Alkoholika aus Jennys Flaschen verweigern konnte. Solcherlei persönliche Wertschätzung der Conventionakteure geschah zwar vom Publikum weitgehend unbemerkt hinter den Kulissen, sorgte aber für eine gute Stimmung, von der auch die Besucher profitierten: Bei miesem Wetter vor den Fenstern und trotz des teilweise kalten Durchzugs im langgezogenen »dokumenta«-Bau erlebten die Gäste fast ausschließlich chillige Tätowierer, die nach Termin oder spontan ihre Wanna-dos stachen.

Caro vom Blue Moon Tattoo (Berlin) hat diese traditionelle Rakete gestochen.

Das Line-up der Studios las sich bereits in der Ankündigung groß: Ewig und Drei Tage, Pechschwarz, Sorry Mom Tattoo, Fuchsbau Tätowierhandwerk, Halunke, No Pain No Gain, Älteste Tätowierstube Deutschlands, Blue Moon Tattoo, Crazy Greg’s Tattoo, Atelier Tobias Tietchen, Force Ink Hannover, Stechzimmer, Tattoo-Family Eisenhauer und natürlich Jenny B’s Tattoo sowie zahlreiche weitere standen auf der Liste derer, für die es sich nach Kassel zu reisen lohnte.

Insgesamt fünf Preise gewann Walter Montero, darunter »Best of Black-and-Grey« and »Best of Show«.

Ein großes Highlight der Tattoomenta war auch in diesem Jahr wieder der TätowierMagazin-Nachwuchscontest, bei dem das Publikum live zusehen konnte, wie die drei handwerklich und künstlerisch großartigen Finalisten Carmela Sullivan, Frank Danisch und Dustin Levi mit Stift und Tätowiermaschine zwei Tage lang um den Titel »TM-Nachwuchs-tätowierer« kämpften – der letztlich mit hauchdünnem Vorsprung an Dustin ging (siehe S. 70). 

Unterwasserlandschaft aus der Nadel von Ramon, Visions Tattoo Hofgeismar.

Wer wollte, bekam in Kassel also auch diesmal wieder erstklassige Tätowierungen, wer nur zusehen wollte, lernte viel über den Stand der Kunst. Und wer nach Genuss all der verschiedenartigen Stile und Motive noch Lust auf Programm hatte, konnte sich vor der Bühne unterhalten lassen: Von einer Lesung der TM-Kolumnistin, Bloggerin und Buchautorin Mimi (»Mimi und Käthe«) über Live-Musik bis zu Suspensions und dem obligatorischen Tattoocontest reichte die Show. Aufregend – auch nach zehn Jahren noch.  

Dolch von Lars Becker, Black Sheep Tattoo (Gießen).
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:23 June 2018 19:58:52/veranstaltungen/10+tattoomenta+kassel_171213.html