Traditional Mix-up: Tätowierer Cedric Weber

20.04.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: New-School-Photos.de
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Traditional Mix-up: Tätowierer Cedric Weber
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Statt Profiskater wird Cedric Weber Tätowierer. Nach nur vier Jahren besitzt er in Essen einen eigenen Laden, freut sich über volle Terminbücher und einen beachtlichen Bekanntheitsgrad.
»Als Skater kennst du einen Haufen Leute, die Bock auf Scheißtattoos haben. So knastmäßig. Und ich dachte mir, knastmäßig? Das krieg ich hin. Also ging’s los.« So beschreibt Tätowierer Cedric Weber seine ersten Versuche an der Tattoomaschine. Heute sehen seine Tätowierungen alles andere als knastmäßig aus, sie glänzen eher mit ihrer Sauberkeit und der persönlichen, sehr harmonischen Handschrift, die sie tragen.

Nach seiner ersten Billo-Maschine aus dem Internet und ein paar Do-it-yourself-Experimenten fand Cedric in seinem damaligen Tätowierer Florian Ziebart jemanden, der die Ambitionen des jungen Skaters erkannte und fördern wollte. »Er hat mir damals bei einer unserer Tattoosessions mal eine Maschine ausgeliehen, mit der ich daheim üben konnte. Ich weiß noch, wie er mir sagte ›Lass das aber den Pete nicht erfahren, der kann dich nicht leiden‹.« 

Cedric Weber vor seinem Studio Greyhound Tattoo

Pete Goerlitz war zu dieser Zeit der Kollege von Cedrics Tätowierer bei »Times of Grace« in Essen. »Wir konnten uns zu Anfang echt nicht so gut ausstehen.« Und heute? Da teilen sich ausgerechnet Pete Goerlitz und Cedric Weber ein Studio und machen im Essener Greyhound Tattoo gemeinsame Sache. 

Das Studio führt einen Windhund im Logo. Ob sich dahinter eine besondere Geschichte verbirgt? Nö. »Ich hatte einfach keinen Bock auf so ’nen klassischen Tattoostudionamen. Irgendwas mit Black, Rose, Dagger, Flammen oder so. Ein Kumpel von mir hat sich damals einen Greyhound tätowieren lassen und mir gefiel das Motiv. Auch der Name war ideal. Ich dachte mir, das kann sogar die deutscheste Kartoffel lesen, die kein Englisch kann.« Ein halbes Jahr nach Start des Essener Studios eröffnete dann ein Laden mit gleichem Namen in Hamburg. So viel zum Seltenheitswert – doch das juckt Cedric nicht. Das Studio Greyhound Tattoo in der Rüttenscheider Straße stemmen Pete und Cedric mit Shopguy und Azubi Hans, auf lange Sicht wollen sie aber noch einen weiteren Tätowierer dazuholen. »Doch das muss passen. Pete und ich können Dickköpfe sein. Da geht es schon mal rauer zu.« 

Cedric Weber beschreibt seine Motive als Mix-up aus Neotraditional und Traditional. Der Neo-Stil ist ihm häufig zu kitschig und überladen, Traditional zu platt. So ergibt sich seine Handschrift

Einen eigenen Laden wollte Cedric übrigens nie haben, da ihm die Unabhängigkeit und das Reisen schon immer viel bedeuteten. »Ich will nicht stehenbleiben in meiner Entwicklung. Wenn ich sehe, was ich von Guestspots wie in Mannheim bei Clemens Hahn so alles mitnehme und lerne, dann wird mir klar, wie viel das wert ist. Nur im eigenen Laden rumhängen und immer das Gleiche sehen, ist Gift.« Clemens Hahn ist für Cedric einer der besten Tätowierer Deutschlands. Ihm über die Schulter zu schauen spornt den Essener vor allem an. »Das hat auch was mit Motivation zu tun. Wenn ich sehe, was so ein Clemens da vor meinen Augen reißt. Da könnte ich kotzen, weil das so geil ist.«

Dass er Tätowierer werden wollte, wusste Cedric bereits im Alter von vierzehn Jahren, doch sein Weg zum eigenen Studio und vollen Terminbüchern war mühevoll – immerhin hat sich Cedric weitestgehend alles selbst beigebracht. Er betont, wie wichtig er es findet, dass angehende Tätowierer Engagement zeigen und sich selbst erarbeiten, worauf es ankommt. »Ich finde es nicht gut, wenn es einem zu leicht gemacht wird. Es ist ein Job, der sehr hart ist, also sollte dir das auch nicht einfach zufallen. Man muss Durchhaltevermögen zeigen.« Nicht immer klappte alles auf Anhieb. »Ich hab mir am Anfang tausende Maschinen geholt, weil ich dachte, meine Maschine ist scheiße. Aber im Endeffekt war einfach ich scheiße.«

Cedric Weber beschreibt seine Motive als Mix-up aus Neotraditional und Traditional. Der Neo-Stil ist ihm häufig zu kitschig und überladen, Traditional zu platt. So ergibt sich seine Handschrift

Cedric ist ungeduldig und ehrgeizig. Das war schon beim Skaten nicht anders, womit er mit neun Jahren anfing. »Skaten war ein echter Kindheitstraum. Ich hatte immer Bock, Profi zu werden.« Was ihm inzwischen etwas schwachsinnig vorkommt, trieb er als Kind mit Eifer voran: Er suchte einen Sponsor und war erfolgreich. »Mit zwölf Jahren hat es geklappt und ich wurde von verschiedenen Skatefirmen gesponsert.«

Als Cedric sechzehn, siebzehn Jahre alt war, checkte er, dass er zwar ganz gut skaten, aber an das Ami-Niveau nicht ganz heranreichen könne. Also verabschiedete er sich vom Traum einer großen Profi- karriere – das Tätowieren nahm ohnehin immer mehr Zeit in Anspruch und verdrängte das Skateboardfahren allmählich. »Beim Skaten war es, wie es beim Tätowieren jetzt ist. Ich war super ehrgeizig. Nach dem Sponsoring war eine Veröffentlichung in einem Skatemagazin mein Ziel. Als ich auch das erreicht hatte, musste etwas Neues her.« Und dann rückte das Tätowieren in den Fokus.

Worin das Geheimnis von Cedrics Wiedererkennunsgwert liegt, könne er nicht sagen. Womöglich ist es unter anderem die Farbgebung

Ob Cedric heute auch so hohe Ziele hat wie damals beim Skaten? »Ich bin mittlerweile realistischer. Wichtig ist mir in erster Linie, besser zu werden und einen regen Austausch mit guten Tätowierern zu haben. Klar, auch die Anerkennung ist eine schöne Sache.« 

Im Studio tätowiert Cedric seit vier Jahren. Seine Handschrift formte sich dabei schon früh. Das liegt vor allem daran, dass er während seiner ersten Station in einem Oberhausener Tattoostudio kaum Kunden hatte und allerhöchstens manchmal Kleinkram machen musste. »Ich habe da hauptsächlich Kumpel tätowiert, bei denen ich mich ausleben konnte. Die Richtung war damals schon die gleiche wie heute, nur der Look war wesentlich rauer.«

Worin das Geheimnis von Cedrics Wiedererkennunsgwert liegt, könne er nicht sagen. Womöglich ist es unter anderem die Farbgebung

Rau sind seine Werke bei Weitem nicht mehr. Tattoos von Cedric Weber erkennt man meist auf Anhieb. Sie siedeln an zwischen Traditional und Neotraditional, bestechen durch ihre Sauberkeit und die harmonisch aufeinander abgestimmten Farben. »Ich hatte keinen Bock auf überladene Neotraditonals mit vielem Kitsch. Traditionals waren mir hingegen oft zu platt«, erklärt er seinen Mix-up. »Ich versuche, klassische Motive neu aufzubereiten.«

Dass seine Tätowierungen häufig einen femininen Touch haben, liegt vor allem an den Kunden, denn zu Cedric kommen überwiegend Frauen. Wie Cedric meint, lassen sich heute insgesamt mehr Frauen tätowieren als Männer. Seine Beobachtung erklärt er sich damit, dass ein Tattoo inzwischen oft einfach ein Modeaccessoire sei – eine Entwicklung, die einem, der aus dem Skatepunk kommt, nicht zwingend schmecken muss. »Aber das ist mittlerweile eben so. Zum Tätowierer geht’s ja fast so häufig und selbstverständlich wie zum Frisör. Und Frauen geben meist mehr Geld für Äußerlichkeiten aus«, sagt Cedric. Ihm komme das entgegen: »Ich tätowiere gerne Mädels, die haben oft die bessere, gepflegtere Haut.« Und dass sie komplizierter seien, was das Vorgespräch und den Entscheidungswillen angeht, sei ein Vorurteil. »Mädels haben oft klare Vorstellungen. Wie wählerisch jemand sein kann, ist absolut genderunspezifisch. Ich tätowiere ja auch Jungs. Für sie mache ich die Tattoos weniger feminin.« 

Das Cedric Webers Tattoos häufig feminin aussehen, könnte daran liegen, dass er es zu achtzig Prozent mit weiblichen Kunden zu tun hat

Instagram ist für Cedrics Arbeit ein wichtiges Werkzeug und er ist sich bewusst, wie sehr Social Media ihm geholfen haben, innerhalb von vier Jahren so zu wachsen. »Ich glaube, das ist heute für jeden Tätowierer nützlich. Neunzig Prozent meiner Kunden kennen mich wegen Instagram. Daher kommen sie auch aus ganz Deutschland und teils aus Europa. Ich bin privat gar kein Fan von Instagram und so, bin weder geil auf Likes noch verbringe ich meine Freizeit damit.« 

Obwohl Cedric soziale Netzwerke beruflich als Tool intensiv nutzt, sieht er auch Schattenseiten: »Das Internet sorgt dafür, dass der Zugang zum Tätowieren sehr offen ist. Das öffnet eben auch Türen für diejenigen, die sich besser nie tätowieren lassen oder nicht Tätowierer werden sollten. Da denkt schnell mal jeder Affe, er könne da mitmischen.« 

Das Cedric Webers Tattoos häufig feminin aussehen, könnte daran liegen, dass er es zu achtzig Prozent mit weiblichen Kunden zu tun hat

Was Cedric stört, sind beispielsweise Kunden, die wegen Instagram und Co. mit falschen Vorstellungen kommen. »Die reklamieren sofort, wenn eine Linie mal nicht hundertprozentig so ist, wie sie wollen. Das ist aber oft schwachsinnig. Die verstehen nicht, dass ein Tattoo auf der Haut etwas anderes ist als ein Bild auf Papier.« Und bei angehenden Tätowierern wecke das Netz oft falsche Vorstellungen: »Da sehen dann junge Leute, dass Tätowierer dicke Karren fahren oder alle Mädels kriegen, das Rockstar-Leben. Und das nur, weil manche sich eben so verkaufen und es vorgaukeln. Doch das ist einfach die falsche Motivation für den Job.« Abgesehen davon sehe die Realität auch anders aus, sagt Cedric.

Statt Profiskater wird Cedric Weber Tätowierer

Für ihn ist das Tätowieren ein Handwerk, das man lernen muss. Wenn es um die Technik von Maschinen geht, verstehe zwar auch er nicht immer jedes kleinste Detail sofort. Doch er betont, wie wichtig es sei, sich mit der Materie überhaupt auseinanderzusetzen. »Viele Tätowierer zeichnen nicht einmal mehr, da entsteht ein ganzer Mandala-Arm in fünf Minuten auf dem iPad. Das ist doch irgendwie falsch.« 

Cedric setzt seine Zeichnungen noch per Hand um. So erfordere der Job zwar mehr Zeit und Energie, für den Essener ist das aber kein Problem: »Wenn du Tätowierer werden willst, dann machst du einen 24/7-Job. Den nimmst du mit nach Hause.«

Cedric Weber vor seinem Studio Greyhound Tattoo

Cedric Weber
Greyhound Tattoo
Rüttenscheider Straße 242
45131 Essen
FB: @cedricwebertattoo
IG: @cedric.weber.tattoo

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Stand:16 December 2018 18:42:03/t%C3%A4towierer/traditional+mix-up+taetowierer+cedric+weber_18412.html