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Tattooartist Emrah Lausbub über sein Tattoo-Kollektiv

22.03.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Emrah (Tattoo-Fotos), Tobias Kircher (Porträt-Fotos)
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Tattooartist Emrah Lausbub über sein Tattoo-Kollektiv
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Wer sich bei Emrah im Heilbronner Lausbub Tattoo Kollektiv tätowieren lässt, sucht kein Tattoo von der Stange. Bei ihm entsteht das Design erst während der Session, einen fix und fertigen Entwurf vorab gibt es nicht. Mehr über den außergewöhnlichen Artist lest ihr hier.
So ab halb neun, neun ist Emrah im Studio, um zehn sind die ersten Termine. Abends bleibt er oft recht lang im Shop, quatscht mit Kollegen, philosophiert mit Gasttätowierern. Für jemanden, der das Tattoostudio als reinen Arbeitsplatz betrachtet, wäre es wohl keine angenehme Vorstellung, so viel Zeit im Shop zu verbringen. Aber die Umbenennung in Lausbub Tattoo Kollektiv, die Emrah seinem Lausbub-Studio vor einigen Jahren angedeihen ließ, hat ja durchaus Sinn und Inhalt: Der Shop in einer alten Fabrikhalle am Rande des Heilbronner Industriegebietes ist eben ein Ort des Austauschs, des Zusammenseins, kein Ort der Maloche. Emrah erklärt ganz klar, dass Tätowieren für ihn keine »Arbeit« darstellt: »Ich liebe das Tätowieren«, sagt er, »ich liebe es wirklich, also wirklich auf eine romantische Art. Wenn ich ein paar Tage nicht tätowiere, vermisse ich es, und das ist der Grund, warum es für mich okay ist, so viel Zeit im Studio zu verbringen.«



Die entspannte Einstellung überträgt sich auch gleich auf jeden Besucher, der die hellen, offenen Räume des Lausbub Tattoo Kollektivs betritt. Es hat mehr etwas von einem Verbund von Ateliers als von einem Tattooshop.

»Wir wissen hier ja auch nie, wann wir Feierabend haben, weil wir alle sehr frei arbeiten«, erklärt Emrah. Wir, das sind neben ihm noch Steve, Marcus und Emrahs Frau Yasi, die ihm als Shopmanagerin den Rücken freihält. »Ich weiß meist auch bis zum Morgen nicht, was ich mache. So ganz grob ist mir klar, dass es eine Arbeit auf einem Unterarm wird oder so. Aber dann male ich was auf und vielleicht kommt es dann doch bis auf den Oberarm.« So etwas wie einen Zeichentag, an dem die Designs für die Woche vorbereitet werden, kennt Emrah nicht. Eine Arbeitsweise, die beim Künstler eine große Sicherheit, aber auch bei den Kunden viel Vertrauen voraussetzt, denn eine Vorzeichnung, auf der man genau sehen kann, wie das Tattoo aussehen wird, gibt es nicht.



Verwirrend sind da vielleicht die Wanna-dos, die Emrah in den Social Media zeigt: »Das ist nur, damit die Leute eine Idee haben, wie so etwas auf dem Arm oder Bein aussehen kann, das heißt nicht, dass ich diese Designs genau so umsetze.« Also weniger eine präzise Vorgabe, mehr so etwas wie ein Serviervorschlag.  Aber natürlich wissen Emrahs Kunden, die oft auch von weiter her kommen, wie er arbeitet. »Damit die Dinge werden, wie sie sind, muss es passieren«, umreißt er die Arbeitsweise, auf die man sich bei ihm einfach einlassen muss. Klar, dass Emrah da nicht mehr als einen oder zwei Kunden pro Tag empfangen kann, denn die kreative Ausarbeitung des Motivs entsteht erst zusammen mit dem zu Tätowierenden. »Es ist ein sehr freies Arbeiten, da kann es sein, dass wir mittendrin noch etwas abändern. Ich ermutige meine Kunden auch, selbst dazu beizutragen.«

Der Draht zum Kunden ist für Emrahs Workflow wichtig: »Ich frage die Leute, welche meiner Arbeiten ihnen gefallen und was davon ihnen gar nicht gefällt. Das brauche ich, um mir eine Komfortzone aufzubauen, denn wenn ich während des Arbeitens das Gefühl habe, ich will hier oder da das Blau weiter runterziehen, dann will ich das auch machen können, ohne bei jedem Strich nachfragen zu müssen. Das würde die freie Entfaltung stören oder kaputt machen.«

Tattooartist Emrah Lausbub über sein Tattoo-Kollektiv

Häufig passiert es auch, dass Kunden mit einer bestimmten Idee zu Emrah kommen und aus der Interaktion heraus plötzlich völlig andere Dinge entstehen: »Da passiert auch einfach etwas, während man auf dem Kunden zeichnet.« Einen kleinen Pferdefuß hat diese spontane und dynamische Art zu arbeiten aber doch, denn bei längerfristigen Projekten über mehrere Sitzungen ist es oft nicht leicht, mental wieder an den Punkt anzuknüpfen, an dem man zu Beginn des Tattoos war.

Diese Arbeitsweise hatte Emrah noch nicht als er vor zehn Jahren zu tätowieren begann. »Ich bin da rein- gestolpert«, sagt er. Aus einem launigen Smalltalk mit dem Tätowierer, bei dem er sich stechen ließ, ergab sich unvermittelt eine Berufsperspektive. »Es ging um dies und das, um Zukunftspläne und was ich denn beruflich machen wollte, und plötzlich stand die Frage im Raum, ob ich nicht tätowieren wolle.« Selbst wäre Emrah nicht auf diese Idee gekommen. »Aber das war die beste Entscheidung. Und am Anfang war ich froh, wenn ich überhaupt etwas tätowieren konnte.« Chinazeichen, Sternchen, Delfine … »Das war cool. Manchmal kommt man durch Sachen, die man normalerweise nicht machen würde, erst auf neue Ideen.«

Tattooartist Emrah Lausbub über sein Tattoo-Kollektiv

Obgleich Emrahs Arbeiten in die Watercolour-Richtung tendieren, reitet er doch nicht auf der Welle der Aquarell-Modetattoos, sondern hat sich durchaus eingehend mit den Vertretern dieses Stils befasst und ihn für seine Zwecke adaptiert. »Ondrasch aus Tschechien war sozusagen der Godfather dieses Stils, später ist auch Peter Aurisch ein wenig in diese Richtung gegangen. Ich glaube, viele haben das im Lauf der Zeit auch wieder verworfen. Der Stil eckt halt an.« Auch die Kritik, dass diese Art von Tattoo nicht langlebig sei, ist ihm bekannt, er selbst hat allerdings eine nicht ganz so pauschale Auffassung davon: »Es muss solide sein. Wir sprechen immer noch über eine Tätowierung, die einfach sitzen muss. Klar, wenn ich Schwarzanteil darin habe, ist das besser, aber man kann auch ohne Schwarz arbeiten, wenn man die Kontraste stark genug setzt.« Die Krux bei Watercolour sei die Transparenz in den Flächen. »Die funktioniert eben nicht langlebig als Tattoo auf der Haut, das heißt, man muss die Transparenz imitieren. Ich habe am Anfang auch mit verwaschener Farbe Verläufe gefadet und dann nach einem Jahr gesehen, dass das so nicht funktioniert. Mittlerweile haben meine Arbeiten daher nicht mehr so viel mit Watercolour zu tun.«

Tattooartist Emrah Lausbub über sein Tattoo-Kollektiv

Emrah interessiert sich für seine Kunden, tauscht sich mit ihnen aus, die Tätowierung ist für ihn als Tätowierer aber vor allem Schmuck. Er ist dafür verantwortlich, dass das Tattoo schön aussieht, was aber nicht ausschließt, dass es für den Kunden auch eine Bedeutung trägt: »Das ist dann umso besser, das ist ein Bonus.« Dennoch könne man natürlich beispielsweise die Tattoos der Maori, die Auskunft über den Träger geben, nicht mit seinen Arbeiten vergleichen. Hier, so meint Emrah, steht die reine Ästhetik im Vordergrund.
 
Dennoch hat auch Emrah Tattoos schon als Medium genutzt, um eine ganz klare Botschaft zu transportieren: Mit seiner Aktion »Spread Love« vor zweieinhalb Jahren hat er sich eindeutig gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und Hetze positioniert und zusammen mit anderen Künstlern den gleichlautenden Schriftzug tätowiert (das TM berichtete). »Ich habe eine gewisse Reichweite und hätte nachts nicht mehr schlafen können, wenn ich die nicht genutzt hätte. Heutzutage muss man sich da einfach positionieren, und wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig.« Noch immer sticht Emrah ab und zu diesen Schriftzug, wenn er darum gebeten wird, obwohl die Aktion eigentlich nur ein Jahr dauern sollte. Sein Resümee zu damals: »Wir haben nicht die Welt verändert und ich habe tausende Follower verloren, aber das ist okay«, sagt er und freut sich. Denn die Aktion habe letztlich dazu beigetragen, dass genau diejenigen Menschen zu ihm finden, die bei ihm richtig sind.

Tattooartist Emrah Lausbub über sein Tattoo-Kollektiv
Kontakt:
Lausbub Tattoo Kollektiv
Fügerstraße 18, 74076 Heilbronn
www.lausbub-tattoo.com
Facebook: lausbubtattoo
Instagram: lausbub.tattoo.kollektiv

 
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