Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs

21.09.2018  |  Text: Jula Reichard   |   Bilder: Porträtfotos: Dirk »The pixeleye« Behlau
Tattoofotos: Anita und Gino
Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs
Tattoo-Duo Infernale: Anita Reinbacher und Gino Fuchs
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Die beiden Tätowierer Anita Reinbacher und Gino Fuchs wussten nach ein paar Stunden, dass sie zusammen ein Ganzes ergeben. Sie trennen fast 800 Kilometer und trotzdem gehen sie gemeinsam durch dick und dünn. Dem TM gaben sie ein nicht ganz ernstes Interview.
Wenn die beiden aufeinandertreffen, bleibt kein Auge trocken. Und meistens entstehen dabei noch kunstvolle Tätowierungen, die eine eigene Handschrift tragen. Gino Fuchs und Anita Reinbacher haben sich vor sechs Jahren kennengelernt und sind seitdem ein waschechtes Duo infernale. Der eine gibt ein Interview im TätowierMagazin ohne den anderen? Kommt nicht in Frage. Wer Gino und Anita schon mal zusammen bei Conventions erlebt hat, der kann kaum glauben, dass sie im Alltag rund achthundert Kilometer trennen und sie nicht im selben Studio arbeiten. Gino tätowiert in Berlin in der Tätowieranstalt an der Greifswalder Straße und Anita arbeitet bei Woodpecker Tattoo & Piercing in Innsbruck.

Ginos Tattoos erinnern an die Bildsprache neuer Walt-Disney-Animationen. Kitschig sind sie deshalb bei Leibe nicht

Auch wenn man es anhand des folgenden Interviews nicht für möglich halten würde: Gino und Anita, beide erfahrene Tätowierer, bringen beachtliche Tattoos unter die Haut und legen dafür auch die nötige Ernsthaftigkeit an den Tag. Sie nehmen sich allerdings sonst einfach nicht so ernst – anders als manche Kollegen. Die Comic-Tattoos von Gino etwa oder die »matroschkasexuellen« – so nennt Anita ihren Style – Sketchy-Tattoos versprühen Kreativität und vor allem offenbaren sie eine individuelle Handschrift. Etwas, was ein gewisses Maß an künstlerischem Talent voraussetzt. Kennengelernt haben sich die Kumpel in Köln. Gino war gerade dort zum Guestspotten und wurde wegen der Gasttätowiererin bereits vorgewarnt. »Dann kam er, der steirische Komet mit seinen 83 Zähnen. Schlug ein wie ’ne Bombe. Verstanden hab ich wegen des Dialekts damals natürlich kein Wort«, erinnert sich Gino an sein erstes Aufeinandertreffen mit Anita. Nach nicht mal zwölf Stunden war beiden klar, sie ergeben zusammen ein Ganzes. Beide planen sogar eine gemeinsame Tour durch diverse europäische Tattoostudios. Gemeinsame Conventions und gegenseitige Guestspots reichen dem Duo infernale nicht mehr aus. 

Viel Schwarz und starke Linien in Anitas Tattoos sorgen dafür, dass ihre Motive auch den Alterungsprozess gut mitmachen. Selbst, wenn aquarellartige Schattierungen und helle Farben irgendwann mal das Zeitliche segnen, bleibt vom Tattoo genug stehen. Cool übrigens: Wer von Anita zum Beispiel ein Porträt vom eigenen Hund will, kann sich einer sehr originellen Umsetzung sicher sein

Streber unter den beiden ist sicherlich Gino. Nicht nur ist er derjenige mit Abitur, sondern Jahre des Graffiti- und Airbrush-Malens gaben ihm eine gute künstlerische Grundlage. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand er im Berliner Umland ein Studio, das bereit war, ihn auszubilden. Doch so richtig ins Rollen kommen wollte die Nummer mit den Tattoos zunächst nicht. Mittlerweile tätowiert Gino aber seit elf Jahren in der Tätowieranstalt und ist glücklich dort. Anita ist gelernte Gas-Wasser-Installateurin, wechselte nach der Lehre aber erst mal in die Gastronomie. Die Steirerin arbeitete saisonweise als Bardame den Winter über in Tirol und in den Sommermonaten auf Mallorca. Irgendwann kam ihr der Gedanke, sich mit dem Tätowieren zu beschäftigen. Zeichnen und Basteln war immerhin schon lange ihre Leidenschaft. In ihrem ersten Studio musste Anita zunächst das Piercen lernen, Tätowieren war damals noch nicht an der Reihe und bis dorthin war es ein langer Weg. Sie machte einige Studios und Städte durch, bis Gino ihr den richtigen Weg wies. Er stellte für sie den Kontakt zum Studio Woodpecker in Innsbruck her, wo sie mit offenen Armen empfangen wurde. Wenn es nach Anita geht, werden die sie so schnell nicht mehr los – sie fühlt sich dort sauwohl.

Durch den geschickten Einsatz von Weiß in seinen Tätowierungen erreicht Gino ein lebhaftes, poppiges Erscheinungsbild. Gerade seine bunten Tattoos sehen aus, als hätte man sie als Sticker gerade frisch auf die Haut geklebt. Auf Schwarz-Weiß versteht sich der Berliner Tätowierer auch und ebenso wenig schreckt er vor ganzen Frontpieces zurück

Gino, Anita, weshalb seid ihr beide Tätowierer geworden?
Gino: Das ist eine lange Geschichte aus der JVA Trelleborg – ich sag nur Duschvorgang mit Cremeseife – und da ich Nichtraucher bin, konnte ich mit Zigaretten nicht meine 28-jährige Isolationshaft finanzieren.
Anita: Nachdem ich mich jahrelang im Zirkus als Tasmanischer Teufel durchgeschlagen habe, hängte ich diese Karriere letztendlich an den Nagel. Bei Leibnitz Butterkeks wurde ich fristlos gefeuert, da aufgrund meiner Zahnanzahl das Markenzeichen der Firma verunglimpft wurde. Und das, obwohl ich mir jeden Tag mindestens einen Zahn selbst gezogen habe, um auf 52 zu kommen. Da soll einer noch mal sagen, ich würde mich nicht für meinen Job einsetzen. In der Gosse gelandet, fing ich an, mit Fingernägeln Motive in den Putz der Brückenpfeiler zu kratzen, um dann später auf Nadeln und Farbe umzusteigen.

Viel Schwarz und starke Linien in Anitas Tattoos sorgen dafür, dass ihre Motive auch den Alterungsprozess gut mitmachen. Selbst, wenn aquarellartige Schattierungen und helle Farben irgendwann mal das Zeitliche segnen, bleibt vom Tattoo genug stehen. Cool übrigens: Wer von Anita zum Beispiel ein Porträt vom eigenen Hund will, kann sich einer sehr originellen Umsetzung sicher sein

Wie habt ihr euch kennengelernt und warum wolltet ihr gerne gemeinsam im Heft erscheinen?
Gino: Ich habe auf eine Stellenanzeige im Grazer Landesspiegel geantwortet, wo Anita eine gutbezahlte Stelle als Hofnarr ausschrieb. Warum zusammen? Weil sie mein Boss ist und ihr Keller kalt und feucht.

Wie sieht das aus, wenn das Duo infernale zusammenkommt?
Da der Verkauf eures Magazins keiner Altersbeschränkung unterliegt, müssen wir auf abartige Einzelheiten verzichten, leider.

Was schätzt ihr jeweils an der Arbeit des anderen?
Dass wir beide null Ahnung von Fotorealismus haben.

Was glaubt ihr, wie bringt reger Kontakt und Austausch mit anderen Künstlern einen Tätowierer in seiner Arbeit weiter?
Man lernt schließlich nie aus und jeder arbeitet, denkt und fantasiert anders als man selbst. Manchmal sind es die kleinsten Hinweise oder Tipps, die einen derbe nach vorn schubsen.

Gino und Anita nehmen sich – anders als manche Kollegen – vor allem selbst nicht so ernst

Hand aufs Herz, wart ihr schon mal neidisch auf den anderen?
Gino: Ja, aber nur auf Anitas sich jeden Tag neu regenerierende 83 Zähne.
Anita: Lediglich auf Ginos Fähigkeit, beim Moonwalk über seine eigene Vorhaut stolpern zu können.

Berlin und Innsbruck sind zwei sehr unterschiedliche Orte. Könnt ihr beide mal ein bisschen was über eure Homebase erzählen?
Gino: Berlin is dreckig, laut, verkommen, aber sexy. Du kriegst 24/7 alles, was du willst und niemals brauchst.
Anita: Innsbruck ist sauber, vollkommen und scharf. Und außerdem liegt es höher als Berlin.

Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?
Anita: matroschkasexuell 
Gino: unschubladisierbar

Wie habt ihr zu eurem Stil gefunden?
Gino: Durch fünfundzwanzig Jahre Graffiti. Und durchs Nicht-Erwachsen-Werden. Ich bin dreizehn Jahre alt.
Anita: Weil mich Gino immer wieder angebrüllt und angeschubst hat mit den unfeinen Worten »Geh endlich mal ab!«

Habt ihr Vorbilder?
Ja. Als da wären Salvador Dalí, Alfons Mucha, HR Giger, Walt Disney, Tina Turner und Michael Jackson.

Durch den geschickten Einsatz von Weiß in seinen Tätowierungen erreicht Gino ein lebhaftes, poppiges Erscheinungsbild. Gerade seine bunten Tattoos sehen aus, als hätte man sie als Sticker gerade frisch auf die Haut geklebt. Auf Schwarz-Weiß versteht sich der Berliner Tätowierer auch und ebenso wenig schreckt er vor ganzen Frontpieces zurück

Wie entstehen Tattoos bei euch – vom ersten Kontakt bis zum fertigen Tattoo? 
Zwischen dusselig quatschen, bis in die Nacht zeichnen und erstaunlichem Vertrauen der Kunden kommt dann tatsächlich kurz vor Hosenschnur etwas Professionalität durch. Dann sind wir meist selbst von uns überrascht und ziehen knallhart durch bis einer heult.

Eher Wanna-dos oder Kundenwünsche?
Passt beides. Meistens hat’s dann sowieso unsere Handschrift.

Was war das Beste, was ihr bislang zusammen erlebt habt?
Die Entdeckung der musikalischen Interpretation unserer Lebenseinstellung: Jürgen Marcus mit dem Smash-Hit »Ein Festival der Liebe«.

Gibt es gemeinsame Tattoopläne für die Zukunft?
Wir planen eine kleine Europatour, auf der wir von Studio zu Studio tingeln wollen. Wir haben die Fühler schon ausgestreckt, aber eine konkrete Route gibt’s noch nicht. Aber falls da jemand Interesse hat, gibt es die News auf unseren einschlägigen sozialen Netzwerken zu lesen.


Comic versus Sketchy – Gino wie auch Anita interpretieren ihren Style mal ernst, mal lustig
 

Shortcuts


Anita, erzähl mal …

Ginos größte Schwäche?
Oranges Stangengemüse

Wenn Gino eine Superkraft hätte, welche wäre das?
Gino wäre Confuchsius

Das beste Tattoo, das Gino bisher gestochen hat?
Die milchspritzende Tittenfüchsin auf meinem grazilen Bein

Das Tattoo, das Gino noch nicht gestochen hat, du ihm aber unbedingt wünschen würdest?
Ein Backpiece oder mehr mit Comic-Tattoos mit FSK 18

Wenn Gino kein Tätowierer wäre, womit würde er dann seine Brötchen verdienen? 
Er würde seinem Nachnamen alle Ehre machen und den Eiern die Hühner klauen


Gino, jetzt bist du dran …

Anitas größte Schwäche?
Einsame, runtergewirtschaftete, missachtete, in einer dunklen Ecke hausende, kleine, vor sich hinsabbernde Haustiere – Agent Krokette zum Beispiel (Anitas schwarzer Mops; Anm. d. Red.)

Wenn Anita eine Superkraft hätte, welche wäre das?
Sie wäre die Reinkarnation von Sharknado

Das beste Tattoo, das Anita bisher gestochen hat?
Das ist schwer zu sagen. Seitdem Anita endlich »abgeht« wie Schmidts Katze, übertrumpft sie sich ja jedes Mal aufs Neue

Das Tattoo, das Anita noch nicht gestochen hat, du ihr aber unbedingt wünschen würdest?
Ein matroschkasexueller Bodysuit in Bunt     

Wenn Anita keine Tätowiererin wäre, womit würde sie dann ihre Brötchen verdienen? 
Als Zahnfee



Where to find:

Gino Fuchs
Tätowieranstalt
Greifswalder Straße 152
10409 Berlin
IG: knisterfuchs119

Anita Reinbacher
Woodpecker Tattoo & Piercing
Andreas-Hoher-Straße 20 
6020 Innsbruck
IG: anita.reinbacher

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Stand:19 November 2018 10:19:21/t%C3%A4towierer/tattoo-duo+infernale+anita+reinbacher+und+gino+fuchs_18914.html