Tattoo Hasso: Vom Ghetto in Deutschlands bekanntestes Tattoostudio

24.08.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Andi Huber Photography (Porträts), Tattoo Hasso (Tattoos)
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Tattoo Hasso: Vom Ghetto in Deutschlands bekanntestes Tattoostudio
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Die Karrieren mancher Tätowierer lesen sich bilderbuchartig: Schon immer eine Eins in Kunst, Designstudium, Privatatelier. Bei TATTOO HASSO war das ein bisschen anders. Die Geschichte des türkischstämmigen Chicano-Tätowierers begann auf Izmirs Straßen
Sie spuckten auf den Saum ihres T-Shirts und versuchten wie wild, den Farbfleck auf dem Arm ihres Bekannten wegzurubbeln – doch die Farbe wollte einfach nicht verschwinden. Sie konnten ihren Augen nicht trauen und begriffen nicht, was sie da sahen. Es war ein ganz normaler Tag auf Izmirs Straßen, als der junge Hasan zum ersten Mal ein Tattoo sah.

Vom Ghetto in Deutschlands bekanntestes Tattoostudio:Tattoo Hasso

»Wir spielten wie immer mit den Jungs draußen Fußball, als einer vorbeikam, den wir lange nicht gesehen hatten. Er hatte einige Zeit im Gefängnis gesessen«, erinnert sich Hasan, der von allen nur Hasso genannt wird. Im Bau bekam der Bekannte ein typisches Knasttattoo. »Wir wollten daraufhin natürlich alle auch ein Tattoo haben. So fasziniert waren wir.« Es dauerte nicht mal ein paar Stunden und der damals neunjährige Hasso zimmerte sich seine erste Tätowierung unter die Haut – wenn man es so nennen mag.

Getrieben von der unbändigen Neugier, wie sie fast nur kleine Jungs verspüren, trafen sie ihren Bekannten kurze Zeit später wieder, der ihnen zuvor auftrug, Nadel und Faden mitzubringen und etwas, was sie als Farbe benutzen konnten. »Ich weiß noch, wie wir Seife genommen haben und den weichen Teil einer Schuhsohle, den wir abschnitten und schmolzen. Auch das schwarze Pulver aus einer alten Batterie, Milch und Asche haben wir da mit reingemischt. Abgefüllt haben wir es in eine Flasche, die wir auf dem Boden gefunden haben.« Die Kids tätowierten sich gegenseitig Herzen, den Anfangsbuchstaben der Freundin. Sachen, die man normalerweise als Halbstarker in Schulbänke ritzt.

Im Chicano-Style fühlt Tattoo Hasso sich zu Hause. Hier geht es um Themen, die er bestens kennt. Gerne tätowiert er auch Realistic in Black-and-Grey

»Auf einem Straßenfest in Izmir einige Zeit später sahen wir dann, wie jemand mit einer Art Maschine tätowierte. Wieder waren wir total geflasht. Es war klar, dass wir das lernen mussten«, führt Hasso weiter durch seine Vergangenheit. Die Jungs handelten einen Deal aus: Wenn sie dem Straßentätowierer ein paar Besorgungen machen würden, dann zeige er ihnen, wie man eine Maschine baut.

»Wir schlugen ein, beschafften sein Zeug und sahen dann mit an, wie er ein Spielzeugauto zerbrach und aus dessen Motor und einem Kugelschreiber eine Tattoomaschine baute. Damit und mit Füllertinte tätowierten sich nun alle gegenseitig. Das Thema Hygiene gab es nicht.

Einige Jahre später in Potsdam: Der Teenager Hasso kam mit seiner Familie nach Deutschland. Und wieder war da die eine Sache, die seine ganze Aufmerksamkeit hatte: Tattoos. »Als ich mit meiner Ma durch die Straßen lief, sah ich das erste Tattoo mit Schatten. Ein Motiv, das also nicht nur aus Linien bestand. Wie konnte das sein? Für mich war das unglaublich, ich wusste nur, wie man mit einer Nadel Punkt für Punkt Farbe in die Haut bringt.« Als sein Bruder eines anderen Tages nach Hause kam und von einem wahnsinnig echt aussehenden, roten Rosentattoo erzählte, war es ganz vorbei.

Mit Nadel und Faden fing alles an

Hasso verspürte den Drang, sich eine Maschine zu besorgen und weiterzumachen. »Ich wusste, in der Schule war ein Kerl, der Maschinen hatte. Das war ein ziemlicher Nazi. Ich hab ihn trotzdem gefragt. Seine Antwort? ›Nee, für einen von euch sicher nicht!‹« Es folgte eine Schlägerei in der Umkleidekabine nach dem Sportunterricht und Hasso bekam seine Maschine. Doch woher Farbe nehmen?

»Wir konnten kaum Deutsch, in welchen Laden hätte ich da gehen sollen?« Hasso, der sich sonst am Unterricht nie wirklich beteiligte, fiel auf, dass seine Mitschüler alle solche kleinen Tintenpatronen in die Füller steckten und vermutete, damit könnte es funktionieren. »Ich hab allen die Patronen abgerippt und später auf dem Balkon meinen Kumpel tätowiert. Sah zu Anfang aus wie ’ne Tätowierung.« Nach drei Wochen war die Farbe komplett aus der Haut verschwunden. »Ich hab geschnallt, dass das hier in Deutschland anders läuft mit den Tattoos und wollte auch eine richtige Tätowierung bekommen.« So ging Hasso in ein Potsdamer Tattoostudio. »Musst du dir mal vorstellen, ich hatte einen Termin und bin so richtig offiziell dort hingegangen. Dann bekam ich ein Formular. Und wurde nach meinen Ausweis gefragt.« Wenn Hasso die Situation schildert, klingt es, als würde er von einem hochoffiziellen Staatsakt sprechen. Damals war Hasso erst sechzehn und konnte nicht tätowiert werden. Er war zu jung. Die Anzahlung bekam er nicht wieder. »Da hab ich ’nen Rappel  bekommen und meinen Kumpel reingerufen, damit er das klärt.« Danach erhielt Hasso sein Tattoo und seit diesem Tag kamen ständig neue hinzu. Heute ist Hassos Körper komplett mit Black-and-Grey-Tätowierungen bedeckt. Es ist auch der Style, den er täglich seinen Kunden unter die Haut bringt, in einem der bekanntesten Tattoostudios Deutschlands – Classic Tattoo.

Maschine aus einem Elektromotor und der Hülle eines Kugelschreibers.

Tattoo Hasso lernte Zeichnen durch Graffitis


Der Weg hin zum ernstzunehmenden Tätowierer, der tatsächlich zeichnen kann und ansehnliche Tattoos fertigt, führte bei Hasso über die Streetart. »Ich habe acht Jahre lang Graffitis gemacht. Da arbeitest du auf Papier zunächst auch mit sehr feinen Stiften. So bekam ich überhaupt ’ne ruhige Hand, die ich heute beim Tätowieren natürlich brauche.« Sein unbändiger Ehrgeiz brachte ihn voran. Er begann wieder zu tätowieren, machte Hausbesuche, wurde besser. »Es kam dennoch der Punkt, an dem ich dachte, es reicht langsam.« Hasso wollte eine Arbeit finden, richtiges Geld verdienen. »Ich hab so viele Teller gewaschen, auf dem Bau gearbeitet. Ich hab ’nen Haufen Jobs gehabt.« Er schloss sich zu dieser Zeit einem Rockerclub an, seine Tattoo-Vergangenheit blieb nicht lange geheim und schon hatte Hasso wieder eine Maschine in der Hand. »Da hat die Scheiße wieder begonnen«, erzählt der heute Siebenundzwanzigjährige und lacht herzhaft.   

Im Chicano-Style fühlt Tattoo Hasso sich zu Hause. Hier geht es um Themen, die er bestens kennt. Gerne tätowiert er auch Realistic in Black-and-Grey

Dann ein Anruf aus heiterem Himmel, der alles veränderte. Ein Tattoostudio meldete sich bei Hasso, man habe seine Arbeiten gesehen, er könne direkt anfangen. »Ich habe vom einen auf den anderen Tag mein Leben komplett geändert. Ich war bis dahin jeden Tag auf der Straße unterwegs. Wir haben Sachen gemacht, Mist gebaut.« Damit meint Hasso nicht Fußballspielen. Mit dem Tätowieren änderte sich alles. »Es kam Geld rein, ein geregelter Ablauf. Mir ging’s gut. Ich wusste, es war Zeit mit der Straße endgültig Schluss zu machen.« Hasso ist ein anderer Mensch geworden, findet selbst krass, wie geläutert er heute ist.

Über seine Kontakte in Berlin bekam Hasso mit, dass Daniel Krause (Classic Tattoo) ein Studio im Wedding eröffnen wird. Hier arbeitet Tattoo Hasso inzwischen. Er ist ein gefragter Tätowierer bei Classic Tattoo, dem Tattoostudio, das vor allem durch die Fernsehserie Berlin Tag und Nacht bekannt wurde, und heute fünf Filialen zählt. Hassos liebster Style? »Ganz klar Chicano. Es beschreibt mein Leben und wie ich aufgewachsen bin. Da geht’s um Waffen, Geld, nackte Frauen und fiese Kerle.«

Vom Ghetto in Deutschlands bekanntestes Tattoostudio:Tattoo Hasso


Kontakt:
TATTOO HASSO
Classic Tattoo im Gesundbrunnen Center
Badstraße 4, 13357 Berlin
Telefon 030 49307388
instagram: @tattoo_hasso

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