Tätowiererin Rosa Vogt: Punkt für Punkt zum fertigen Tattoo

25.01.2019  |  Text: Simon Staiger  |   Bilder: Rosa Vogt (Tattoo-Foto), Tobias Kircher (Porträt-Fotos)
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Tätowiererin Rosa Vogt: Punkt für Punkt zum fertigen Tattoo
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Rosa Vogt hat den TätowierMagazin-Nachwuchscontest 2018 gewonnen. Die 22-Jährige tätowiert schwarzen Dotwork-Realismus. Doch nicht nur ihr Stil ist besonders, sondern auch ihre Arbeitsweise: Rosa sticht im Takt der Musik
Rosas Leben änderte sich von jetzt auf gleich, als ihre großen Schwestern mit einem Kunstprojekt von der Schule kamen. Sie sollten ein Bild im Stil des Pointillismus zeichnen und konnten sich gar nicht dafür begeistern. Rosa dafür umso mehr: »Ich fand diese Aufgabe echt super und machte sie meinen großen Schwestern einfach nach«, sagt die heute 22-Jährige. Sie merkte, wie sie dabei total entspannte, und zeichnete seit diesem Tag bei jeder Möglichkeit Pünktchen – ob eingeschlossen in ihrem Zimmer oder in der Schule. »Irgendwann akzeptierten meine Lehrer, dass ich im Unterricht nur noch gezeichnet habe. Sie meinten, solange die Noten stimmen, sei es ihnen egal.« Während Rosa das erzählt, lacht sie.



Mit dreizehn, vierzehn Jahren entdeckte sie auf dem Arm ihres Onkels das Tattoo einer nackten Frau, die sich selbst befriedigt. Auch das war für sie eine Erleuchtung, denn sofort war Rosa klar, sie wollte selbst Tätowiererin werden. »Das Tattoo ist superhässlich, aber das Motiv fand ich cool«, sagt sie. Auch, dass sie selbst tätowiert sein wollte, wusste sie schon als Teenager. Schon mit fünfzehn machte Rosa ihren ersten Termin und ließ sich mit dem Ausweis ihrer Schwester ein kleines Kreuz und eine Schildkröte tätowieren. Es blieben nicht ihre einzigen geheimen Tattoos: Mit siebzehn zeigte sie ihrer Mutter und ihrem Vater gleich sieben Tätowierungen – ein Drama im christlichen Elternhaus. Inzwischen aber sind die Hautbilder der Kinder dort kein Problem mehr. »Mein Papa ist super-entspannt geworden und überlegt, welches Motiv er haben möchte, und meine Mutter ist es sowieso«, sagt Rosa. Längst hat sie sich nicht nur den Traum erfüllt, Tätowiererin zu sein, sondern auch den TätowierMagazin-Nachwuchscontest 2018 für sich entschieden.



Der Weg dorthin verlief nicht eben geradlinig: »Ich habe verschiedenen Kram gemacht, aber wenn ich etwas mache, was mir nicht so gefällt, dann habe ich keine Diszi-plin. Ich war auf einer Grafikdesign-Schule, wo alles mit dem Computer gemacht wird, ich bin aber eher ein Mensch, der mit den Händen arbeitet.« Außerdem jobbte Rosa als Verkäuferin bei H&M und leistete ein Bundesfreiwilligenjahr, in dem sie einem Mädchen im Rollstuhl durch die Schule half. Bei alledem lernte sie Disziplin und Ordnung, verlor ihr eigentliches Berufsziel aber nie aus den Augen.



Irgendwann rund um ihre Volljährigkeit – Rosa kann sich an den Zeitpunkt selbst nicht mehr genau erinnern – bewarb sie sich im Tattoostudio Art Makia in ihrer Heimatstadt Kleve. Nachdem sie ihre Zeichenmappe gezeigt hatte, durfte sie ihre Ausbildung zur Tätowiererin beginnen. Dort lernte Rosa zwei Jahre lang von Terminvereinbarung bis Hygiene das Wichtigste, dann näherte sie sich dem Tätowieren. »Erst mal habe ich viel gezeichnet, dann kleinere Wanna-dos entworfen.« In allem waren ihre Pünktchen enthalten. Die Kunden liebten das und so hatte Rosa das Glück, von Anfang an in ihrem Stil stechen zu können, obwohl auch viel nachgefragte Tattoos wie Schriftzüge zu ihrem Ausbildungsprogramm gehörten.



Ihren eigenen Stil nannte ein Kollege bald Dotwork-Realismus. Dafür nutzt die Tätowiererin eine realistische Vorlage und setzt diese beim Tätowieren komplett in Pünktchen um. Helle und dunkle Bereiche, Schatten und Flächen erstellt sie in Dotwork-Technik. Weil alles aus Punkten besteht, ist jedes von Rosas Tattoos verhältnismäßig zeitaufwendig. Um den Flow bei der Arbeit zu unterstützen, tätowiert Rosa mit Musik auf den Ohren, am liebsten zu Goa oder Drumm and Bass. »Wenn ich ein Lied mit einem schnellen Beat höre, steche ich im Takt die Punkte. Ich muss dann auf nichts achten. Mein Kopf ist woanders.« Sorgen machen brauche sich der Kunde aber nicht, denn sie sei dann nicht in Trance, sondern konzentriert bei der Sache.

Im Finale des Newcomercontests zum Thema »Fernweh« auf der Tattoomenta in Kassel traf sie mit ihrer Technik und einem Motiv mit Außerirdischem und Ufo ins Schwarze. Das stach sie ihrer Schwester Katja, die in der Familie als »Alien« gilt. Obwohl sie keinerlei Conventionerfahrung hatte, ließ sich Rosa von den Bedingungen und den Zuschauern nicht ablenken: Auch dort war sie mit ihren Kopfhörern in ihrer eigenen Welt und hatte nichts außer das Tattoo vor Augen.



Pläne für die Zukunft hat Rosa noch nicht, inzwischen ist sie jedoch als selbstständige Tätowiererin unterwegs. »Ich bin etwas überfordert von den ganzen Tattoo- und Guestspot-anfragen«, sagt sie. »Ich filtere jetzt genau das raus, auf was ich Bock hab, und kann leider nicht alles mitnehmen, das wäre zu viel.« Denn im Kopf der 22-Jährigen schwirren viele Gedanken, die noch sortiert werden müssen – von Tattooideen über T-Shirt-Designs bis hin zu Träumen von einem kleinen Atelier. »Ja, es war alles etwas viel. Aber ich bin zweiundzwanzig und hab ja noch ein paar Jährchen vor mir.« Für die Newcomerin hat alles gerade erst angefangen.  


Kontakt:
Die Tätowiererin Rosa Vogt
On the road/zwei Wochen im Monat beim Anarchist Tattoo Collective, Poststraße 40, 69115 Heidelberg
Instagram: rosa.vogt (Ambrosia)

 
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Stand:16 February 2019 08:04:20/t%C3%A4towierer/taetowiererin+rosa+vogt+punkt+fuer+punkt+zum+fertigen+tattoo_19121.html