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Tätowiererin Paulina Kemnitz bleibt sich linientreu

22.02.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Paulina Kemnitz (Tattoo-Fotos) Bastian Bochinski (Porträt-Fotos)
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Tätowiererin Paulina Kemnitz bleibt sich linientreu
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Eine Linie ist einfach? Paulina Kemnitz erschafft aus dem vermeintlich simplen grafischen Element ein kleines Universum an Variationen
Aha! Das ist doch schon wieder so eine junge Grafikerin, die, gelangweilt vom Alltag in der Werbebranche, das Tätowieren als neue Spielwiese für sich entdeckt hat. Und dann auch noch in Berlin. Na ja, das kennt man ja.

Tätowiererin Paulina Kemnitz bleibt sich linientreu

Stimmt aber nicht. Denn die ur­sprüng­lich aus Polen stammende Paulina kann auf einen wahrhaften Streetlife-Hintergrund zurückschauen: Mit fünfzehn – da lebte sie bereits in Bremerhaven – trieb sie sich als Straßenpunk umher, bis sie zwischen ihrem sechzehnten und neunzehnten Lebensjahr in einer holländischen Wagenburg sesshaft wurde. »No future« war dann aber offenbar doch nicht Paulinas Ding. Zurück in Deutschland beschloss sie, ihren Schulabschluss nachzuholen und zu studieren. Ungewöhnlich für einen Punk von der Straße ist, was sie studierte: Wirtschaftswissenschaft.

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Dass sie damit den Bogen von einem Extrem zum anderen dann doch ein wenig überspannt hatte, wurde ihr während eines Praktikums unter Wirtschaftsprüfern bewusst. Den Hauptteil des Lebens mit einem Achtstundenjob im Büro verbringen, Urlaubstage zählen und auf die Rente hoffen? Es kamen Paulina erhebliche Zweifel, dass darin ihr Glück liegen würde.
Zeitgleich hatte sie sich entschlossen, eine Tattoojugendsünde überdecken zu lassen. Im New Hope Tattoo Club in Bochum fand sie dafür nicht nur den geeigneten Tätowierer, sondern auch einen zukünftigen Ausbildungsplatz. Aber der Reihe nach.

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Paulina zwickte es bereits ordentlich, selbst die Tattookunst erlernen zu wollen, doch sie zögerte noch eine ganze Weile, den Schritt von der Kundin zum Lehrling  zu wagen. Aber viele Bekannte, die ihre Zeichnungen gesehen hatten, drängten: Wann wirst du selbst Tätowiererin? Eines Tages fragte Paulina im Studio nach und wurde genommen. Es folgten Telefondienst, Kaffeekochen und erst mal über die Schulter schauen, dann schließlich begann sie, Tattoos in der gesamten stilistischen Bandbreite zu stechen. Für Paulina ist diese klassische Ausbildung ein absolutes Plus.

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In der Uni wechselte sie von den Wirtschaftswissenschaften ins Kunststudium. »Allerdings konnte ich es leider nicht durchziehen, weil ich mich irgendwann zwischen Studium mit Abschluss oder dem Tätowieren mit Guestspots hätte entscheiden müssen«, sagt sie. Dennoch sei die Hochschule sehr gewinnbringend gewesen, denn während einer Kunstexkursion nach Warschau hätten sich ihr in stilistischer Hinsicht die Augen geöffnet: »Wir sollten unseren persönlichen Blick auf die Stadt festhalten und ich saß mit einer Kommilitonin auf einer Parkbank, die mit dieser Aufgabe nicht wirklich voran kam. Da skizzierte ich einfach ganz rasch einen Mann, der in einiger Entfernung saß, einfach um ihr zu zeigen, dass nicht alles immer perfekt sein muss. Das war das das erste Mal, dass ich so wild mit den Linien gearbeitet habe.«

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Heute sind Linien in unterschiedlichen Erscheinungsformen das Hauptthema in Paulinas Arbeiten. Ihre Werke bestehen zu einem großen Teil daraus und diese Linien erfüllen verschiedene Aufgaben:  Neben Outlines in diversen Ausführungen und Breiten gibt es Linien, die Strukturen erzeugen, etwa die Struktur eines Bartes, von Haaren oder von Rauch. Es gibt Linien, die Flächen aufteilen, wie man es von Bleiglasfenstern kennt, und es gibt solche, die Wölbungen und Vertiefungen andeuten, wie es die Höhenlinien auf einer topographischen Landkarte tun. Es gibt Linien, die einrahmen, es gibt dynamische Linien oder auch solche, die den grafischen Charakter des Bildes unterstützen. Manchmal sind die Linien auch so breit, dass sie an sich schon Flächen sind.

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Trotz aller Liebe zu Linien  bestehen Paulinas Motive nicht nur daraus. Ein weiteres Merkmal ihrer Tattoos sind Flächen, die in der Gesamtkomposition zwar zurückhaltend erscheinen, aber eine wichtige Funktion für den Bildaufbau übernehmen. Zudem sind Strukturen und Bildelemente negativ in Flächen eingebaut. Sie selbst verfügen häufig über eine feine Struktur, die durch Paulinas Schattierungstechnik entsteht und manchmal ein wenig an einen groben Sofastoff aus den 60er Jahren erinnert. »Ich schattiere mit reinem Schwarz, nur selten mit Greywash. Und das ziehe ich dann schnell raus, sodass es auch wie eine Schraffur aussieht«, erklärt sie. Auch Flächen, die zunächst wie Schwarz aussehen, haben oft noch eine Struktur.

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Technisch haben ihr auch Guestspots enorm weitergeholfen. »Wenn man anfängt zu tätowieren und das von jemandem beigebracht bekommt, der eben seit eh und je einen Siebener-Liner und eine Elfer-Magnum benutzt, dann macht man das eben auch so. Und plötzlich sagt einem jemand: ›Was? Du baust deine Linien mit einer Siebener auf? Ich nehme da gleich eine Elfer!‹ Anfangs war ich gern eher auf der sicheren Seite, aber sobald man sieht, dass man das auch anders machen kann, dann probiert man das eben auch mal aus, es macht ja auch neugierig.« Aber auch selbst ist Paulina experimentierfreudig, und obwohl ihr Stil definitiv neu und modern ist, entspricht er mit dem Fokus auf klaren Linien, Kontrasten und Stabilität auch der Anforderung an die Haltbarkeit eines Hautbildes. »Das war auch das Wort, das ich die ersten zwei Jahre meiner Ausbildung am häufigsten gehört habe: Haltbarkeit!«, berichtet sie lachend.  

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Ihre Linien sind aber eben nicht nur Mittel zum Zweck der Langlebigkeit, sondern vor allem Stilelemente, die ihren Arbeiten einen unverwechselbaren Charakter und Wiedererkennungswert verleihen, ganz gleich, ob es sich um ein Tier- oder ein Pflanzenmotiv oder ein Porträt handelt. Auch bei ihren Ethnoporträts hat man den Eindruck, als sei über eine Fotografie, die man bereits kennt, so etwas wie ein Paulina-Kemnitz-Filter gelegt worden.



Insgesamt erscheinen ihre Designs, als würde sie sie wohl überlegt aus einem Repertoire an grafischen Möglichkeiten komponieren, tatsächlich aber reflektiert sie selbst die einzelnen Bestandteile ihrer Werke vor allem im Nachhinein. »Ich glaube, das war am Anfang eher intuitiv und da flossen auch Lebensereignisse ein. Also eine Weile lang verlief mein Leben ziemlich auf und ab, und da waren dann auch die Linien eher chaotisch. Mit der Zeit wurde das dann ruhiger und geordneter, und ich glaube, das spiegelte sich auch in meinen Zeichnungen wider.

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Auch meine aktuelle Stimmung kommt zum Ausdruck. Aber wenn jemand ein Hundeporträt von mir will und ich nicht gut drauf bin, mach ich deswegen natürlich keinen Höllenhund«, fügt sie lachend hinzu. Ohnehin möge sie es ganz gern, wenn ihre Kunden ihr erklärten, was das Tattoo ausdrücken solle, dabei aber noch kein festes Bild vorgeben. »Wenn ich mehr Freiheit habe, kann ich auch viel mehr von mir selbst einbringen.« Aber auch konkrete Motivaufträge nimmt sie an: »Wenn ich das Gefühl habe, ich kann etwas Gutes daraus machen, dann ist es ganz egal, was es ist.« Dass es beim Tätowieren um den Kunden statt um Selbstverwirklichung geht, wurde ihr schon während der Lehre beigebracht.

Tätowiererin Paulina Kemnitz bleibt sich linientreu
 
Seit rund einem Jahr arbeitet Paulina im Noiia in Berlin, zusammen mit Julia, Fatih, Shani, Rodrigo, Biel, Memoire und Lina. Von außen ist das Studio nicht als solches erkennbar. Es gibt kein Ladenschild, kein Schaufenster, lediglich auf der Klingel findet man den Studionamen. Alle Künstler können sich so ohne Zeitdruck und Ablenkung voll und ganz auf ihre Kunden konzentrieren. »Heute zum Beispiel hab ich erst mal zwei Stunden das Motiv aufgelegt, bevor wir mit dem Tätowieren angefangen haben«, sagt Paulina. Es gab in letzter Zeit zwar auch Walk-in-Days, aber die bekommen letztlich nur diejenigen mit, die den Shop bereits kennen.

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Durch den Wechsel nach Berlin ergab sich für Paulina zunehmend die Möglichkeit, ihren Stil zu verwirklichen und mehr von ihrer Kreativität ins Tattoo einfließen zu lassen. Als Grund dafür sieht sie unter anderem das Berliner Tattoopublikum, das sehr offen sei und vom Künstler eigene Ideen einfordere. »In Bochum holt man sich eben ein Tattoo ab. Hier in Berlin lassen einem die Kunden oft auch einfach mal freie Hand, da erwarten sie eher Kunst.«  
Kontakt:

Paulina Kemnitz

Instagram: @paulina.kemnitz
paulina.kemnitz@icloud.com

Studio Noiia Berlin
www.noiia.com
Facebook:  noiiaberlin
Instagram:  noiiaberlin
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