Tätowiererin Karo-Dame – Schwarzarbeit

16.11.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Angela Regenbrecht, double s pictures
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Tätowiererin Karo-Dame – Schwarzarbeit
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Fein, detaillreich und meistens schwarz: So sind die Arbeiten von Tätowiererin Karo Dame. Sie ist Resident- Artist im Heidelberger Studio Anarchist Tattoo Collective und spricht mit uns darüber, wie wichtig es für ihren Werdegang war, den richtigen Ausbildungsplatz zu finden.
Wenn Karo Dame mit ihren Kunden spricht, liegt etwas Sanftes und Liebenswertes in ihrer Stimme. Sie strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, wirkt frohgestimmt und nahbar. Bei Karo hat man das Gefühl, das Glas sei immer eher halb voll als halb leer. Tatsächlich ist die 31-Jährige mit ihrer aktuellen Jobsituation mehr als glücklich, sie wirkt angekommen.



Karo ist eine Tätowiererin, die den Eindruck erweckt, eine Tattoosession tue bei ihr weniger weh als bei anderen. Das ist womöglich Unsinn, denn Tattoos tun ja immer weh, doch eine Sache ist sicher: In ihre Hände kann man sich vertrauensvoll begeben. Karo tätowiert seit fast acht Jahren, sie arbeitet sorgfältig und geht mit Bedacht an ein Tattooprojekt heran. Manchmal stehe sie sich mit ihrer Akribie und dem gesteigerten Maß an Perfektionismus auch selbst im Weg, gibt sie zu. Doch so hat sie es gelernt und welchen Erfolg sie damit hat, sieht man zum einen an den wunderschönen Arbeiten, die Karo sticht, und zum anderen an der Tatsache, dass sie heute überwiegend Stammkunden begrüßt und das tätowieren darf, worauf sie wirklich Lust hat.



Karos eigener Werdegang beginnt mit einer Bilderbuchausbildung, wie sie beschreibt. Und sie betont, wie wichtig die Grundsteine für ihre jetzige Situation waren. Doch ehe sie sich mit der Tattoomaschine vertraut machte, ging Karo zunächst andere Wege. Zwar war das Interesse an Tätowierungen schon mit sechzehn, achtzehn Jahren entfacht, aber als berufliche Perspektive sah sie das damals noch nicht. »Du willst dich halt erst mal absichern, etwas Solides machen. Ein Studium oder so. Ich habe tausend Sachen angefangen.« Von der Goldschmiede bis zur Mediengestaltung war vieles dabei, erzählt Karo. »Doch letztlich habe ich mich dann für ein Studium in Richtung Restaurierung und Konservierung entschieden, Gemälde restaurieren und so was. Dafür brauchte es ein Vorpraktikum, also arbeitete ich zwei Jahre lang auf dem Bau. Das war eine geile Erfahrung, aber ich habe gemerkt, das ist nichts für mich. Das war mir als Frau auch körperlich zu krass.«



Es war Zeit für einen Umschwung und Karo fasste sich ein Herz, die Sache mit dem Tätowieren doch zu probieren. »Ich dachte mir, scheiß drauf, mehr als schiefgehen kann es nicht.« Die Tätowiererin hatte das Glück, schon von Beginn an auf die Unterstützung von Familie und Freunden zählen zu können. Sie waren es auch, die Karo dazu ermutigten, das Tätowieren auszuprobieren – und sei es zunächst auf ihrer eigenen Haut. In den Zeiten des Neuanfangs machte sie auch geografisch einen Cut: Die gebürtige Thüringerin zog in den 450 Kilometer entfernten Ruhrpott. Das wiederum war für ihr Umfeld erst mal schwer zu ertragen. In Bochum begann Karo dann ihre Ausbildung zur Tätowiererin. »Ich habe bei Eine Liebe Tätowiergeschäft gelernt und bin unheimlich dankbar für diese Zeit.«



Fünf Jahre lang war Karo dort im Team, drei Jahre zur Ausbildung und zwei Jahre hängte sie im Anschluss noch dran. An ihren ersten Tag kann sie sich noch gut erinnern. Schüchtern wie Karo damals noch war, kam sie mit ihrer Mappe in den Laden und fragte zaghaft nach dem Chef. Der Inhaber Tobias »Salle« Salewski schaute sich Karos Zeichnungen an und entdeckte ihr Potenzial. Immerhin brachte Karo zur Vorstellung einen Freund mit, der eine abgeheilte Tätowierung von ihr trug. Salle entschied sich für sie – obwohl er gar nicht mehr ausbilden wollte. »Danach setzen wir uns zusammen und klärten, was wir uns jeweils unter einer Ausbildung vorstellen. Was verspreche ich mir davon? Was erwartet das Studio von mir? Und dann ging’s los.«



Am Anfang zeichnete Karo durchweg, dann befasste sie sich mit den Hygienestandards, erprobte immer wieder den richtigen Arbeitsplatzaufbau, bereitete Griffstücke und Maschinen vor. Sie versuchte sich auch in Kundengesprächen, zunächst nur zu Übungszwecken. »Glücklicherweise erschloss ich mir durch meinen Nebenjob in einem Dortmunder Konzertclub einen Bekanntenkreis, der sich gerne zum Tätowieren zur Verfügung stellte.« Karos größte Herausforderung in ihrer Anfangszeit war ihre Unsicherheit. Wenn selbst zum Telefonhörer zu greifen und mit Kunden zu sprechen, Probleme macht, steckt man in einer Krise. »Du fängst dann ganz einfach an zu zweifeln, fragst dich ›Oh Gott, schaff ich das alles?‹, das blockiert dich und dann sitzt du vor einem weißen Blatt Papier.« Kreativdruck, nennt Karo die Angst, die zu Beginn ihr Begleiter war. Ihr Ausbilder und Mentor Salle nahm sie ihr, pushte die junge Künstlerin, wo es ging.



In Sachen Stil sah das, was Karo vor ein paar Jahren tätowierte, noch ganz anders aus als heute. »Ich machte damals fast alles, aber richtig abgefahren bin ich auf wildes Sketchy-Zeug mit überkreuzten Linien und so.« Karo schaute auf zu Klaus Kummer und Mark Halbstark, doch kopieren wollte sie einen anderen Künstler nie. Das war ihre goldene Regel. »Mit der Zeit stellte ich außerdem fest, du musst gar nicht so übertrieben mit deinen Linien arbeiten. Es kann auch klarer sein und trotzdem künstlerisch wirken. Eine eigene Linie zu finden, ist ein langwieriger Prozess.«



Seit zweieinhalb Jahren ist Karo als Resident-Artist bei Anarchist Tattoo Collective. Der Liebe wegen hat sie es dorthin verschlagen und bisher fügte sich dieser Schritt perfekt in ihren bisherigen Karriereverlauf ein. Wo sie es in Bochum noch häufig mit Zechen- und Fußball-Tattoos zu tun hatte, kommen jetzt in der Universitätsstadt viele Studentinnen, die feminine Tattoos wollen. Wenn es aber nach Karo geht, dürften ihre Tattoos ruhig etwas düsterer sein. Sie mag es aktuell gerne dunkel und gruselig, was die Motive und die Ausgestaltung anbelangt. Auch wenn das so gar nicht ihrem Naturell entspricht. Ein Glück.


 

Kontakt:
Anarchist Tattoo Collective
Poststraße 40
69115 Heidelberg
06221 7287897
Facebook: anarchisttattoocollective
Instagram: atc_hd
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Stand:16 December 2018 18:09:44/t%C3%A4towierer/taetowiererin+karo-dame+-+schwarzarbeit_181113.html