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Tätowiererin Isabella Chiara Filouino

02.04.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Isabella Chiara Filouino
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Tätowiererin Isabella Chiara Filouino
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Die Ästhetik des Dämonischen: Wie Tätowiererin Isabella Chiara Filouino mit krassen Tattoos eine Blitzkarriere hinlegt erfahrt ihr hier.
Als Isabella Chiara Filouino zum Interview kommt, ist sie gerade von ihrem Wochenendtrip aus Mailand zurück und packt ihren  Koffer aus. Darin befindet sich auch eine ganz besondere Trophäe als Souvenir: Die Tätowiererin aus dem Sacramela Tattoo hatte die renommierte Milano Tattoo Convention zum ersten Mal besucht und dabei gleich auf Anhieb einen zweiten Platz in der Kategorie »Best of Day« abgeräumt. Für eine hochkarätig besetzte Veranstaltung wie Mailand ein absolut beachtliches Ergebnis.



Vor Aufträgen kann sich die junge Frau aber auch ohne solche Auszeichnungen kaum retten. Und ihre Kunden möchten keinen Kleinkram von ihr, sondern machen gleich Nägel mit Köpfen: »Ich habe fünf oder sechs Rückentattoos angefangen, und in diesem Jahr kommen noch ungefähr zehn weitere Back-piece-Projekte dazu«, erzählt sie. Das ist absolut ungewöhnlich: Viele Tätowierer bekommen nach Jahren irgendwann mal den ersten Auftrag für ein ganzes Backpiece, bei Isabella scheint das schon bald der Normalfall zu sein. Sie weiß aber auch sehr genau, wie sie Internetpräsenz nutzen muss, um die passenden Kunden für ihre Projekte und ihren Stil zu gewinnen: »Klar, das ist schon außergewöhnlich, nach so kurzer Zeit so viele großflächige Projekte in Arbeit zu haben, aber ich habe eben auch Glück mit den Social Media – Instagram und so. Ich habe relativ viele Follower und es kommen dann immer Anfragen zu dem, was ich zuletzt gepostet hab. Und kaum, dass ich mal einen Rücken gepostet hatte, kamen dann auch gleich weitere Interessenten für Rückentattoos.«

Der gebürtigen Schwäbin ist bewusst, dass sie durch ihre Präsenz in den sozialen Medien einen Vorteil gegenüber Tätowierern hat, die weniger internetaffin sind, und entschuldigt sich schon beinahe dafür, dass sie so erfolgreich ist. Und tatsächlich ist es kaum zu glauben, dass sie gerade einmal vor zweieinhalb Jahren zu tätowieren begonnen und heute schon einen Bekanntheitsgrad erreicht hat, von dem andere, die sich seit Jahrzehnten in der Szene tummeln, nur träumen können.



Das Tätowieren hatte Isabella in Tübingen angefangen und pendelte zunächst noch zwischen Österreich und der schwäbischen Universitätsstadt, bis sie vor anderthalb Jahren das Sacramela Tattoo im westösterreichischen Rankweil eröffnete. »Das ist gut zu erreichen, mitten in Europa, und es ist nicht mehr weit bis nach Italien, wo ich auch Familie hab.« Der Standort lässt erahnen, dass Isabella nicht auf Kundschaft aus einem Fünfzig-Kilometer-Radius angewiesen ist: Ihre Kunden legen gern auch große Distanzen zurück, inzwischen kommen sogar Tattoofans aus Übersee, die sich von ihrem ganz eigenen Stil angesprochen fühlen.

Ein Motiv, das in Isabellas Kunst immer wieder auftaucht, ist eine Frauengestalt, die per Kaiserschnitt ein Kind zur Welt bringt – ein ungewöhnliches Motiv, das im Gedächtnis bleibt, wenn man es erst einmal zur Kenntnis genommen hat. »Das ist natürlich schon ein Stück weit Strategie, solche Sachen zu kreieren, an die man sich erinnert. Aber wieso ich gerade dieses Motiv immer wieder zeichne? Ehrlich gesagt, da bin ich selbst noch auf der Suche nach dem Warum, denn eigentlich weiß ich es nicht. Es sieht vielleicht auf den ersten Blick makaber aus, aber es ist ja kein toter Embryo, es ist eine Geburt. Ich finde das ästhetisch, es hat einen schönen, positiven Hintergrund, es zeigt ja auch die Bindung zwischen Mutter und Kind. Tätowiert habe ich das tatsächlich erst einmal.«



Männer hingegen kommen in Isabellas Motiven eher selten vor: »Ich habe zwei, drei, vier Männerporträts gemacht, aber ich finde Frauen interessanter: Da kannst du das Porträt mit Schmuck ausarbeiten, Make-up, Frisur, Piercings hinzufügen – das geht bei einem Mann nicht so gut.« Für Filouino, wie sie sich selbst als Künstlerin nennt, spielt also auch die Komposition eine Rolle und die Struktur, die sich mit den Accessoires erzeugen lässt. »Aber ich habe sowieso eigentlich immer nur Frauen gezeichnet, seit ich im Kindergarten war«, sagt sie. »Ich könnte nahezu jedes Thema in eine Frauendarstellung einarbeiten. Der ästhetische Aspekt ist mir aber dennoch wichtiger, weil es ja der Kunde auf der Haut trägt und es vor allem schön aussehen muss. Ein bedeutungsvolles Tattoo, das nicht schön aussieht, das ergibt ja auch keinen Sinn.«

Auch wenn sie einen sehr deutlichen eigenen Stil mit hohem Wiedererkennungswert hat, ist Isabella nicht völlig auf Frauendarstellungen fixiert: »Klar kommen die meisten Anfragen dazu, aber ich denke, ich bin schon offen, ich mach auch gern mal ein Mandala oder Blackwork, oder auch Tiere. Lediglich Sachen wie Realistic oder auch Japanisch oder polynesische Tribals, das würde ich ablehnen, weil ich mich damit auch nicht auskenne.«



Auch Gesichtstattoos sind etwas, was Isabella nicht leichtfertig macht und nicht jedem stechen würde. Da muss man sie schon überzeugen. »Wenn man so etwas machen lässt, dann gibt es dafür immer bestimmte Beweggründe. Also das kommt nicht von nichts. Ich hab ja auch schon mit einundzwanzig Jahren mit Gesichts-tattoos angefangen, weil ich das zu der Zeit brauchte. Heute würde ich das nicht noch mal machen lassen.« Die Tattoos, sagt sie, bereue sie nicht. »Aber dass ich es so früh gemacht habe, das auf jeden Fall.« Diese kritische Betrachtung ihrer eigenen Gesichtstattoo-Geschichte, hilft Isabella, Beweggründe und Motivation ihrer Kunden besser zu verstehen und zu hinterfragen.

Gerade hat sie beispielsweise an einem Gesichtstattoo für ein Tattoomodel gearbeitet: »Das war nicht so, dass die Kundin sagte, sie wolle ein Gesichtstattoo, und ich sofort losgelegt habe. Ich habe das stattdessen lange abgelehnt, weil ich weder das Gefühl hatte, dass ich so weit bin, noch dass es bei ihr passte. Sie hat mich zwei Jahre lang darum gebeten, bevor ich es angefangen habe.« Bei der Platzierung von Tattoos im Gesicht legt Isabella besonderes Augenmaß an. Sie achte darauf, dass Tattoos beim Blick ins Gesicht nicht störend wirken und dass auch große Tattoos mit der Gesichtsform fließen.



Aber nicht nur in Bezug auf Platzierung und die individuelle Motivation der Kunden sind Gesichtstattoos für die Künstlerin etwas Besonderes, auch technisch stellen sie hohe Herausforderungen an den Tätowierer: »Die Haut verändert sich im Gesicht von einem Zentimeter zum nächsten. Ich arbeite dreimal langsamer und vorsichtiger als bei anderen Tattoos, man muss sich da ständig auf neue Situationen einstellen – von ganz feiner Haut am Auge zu einer Art Gänsehaut am Hals, die Kopfhaut ist wieder fester, Ohr ist super schwer, das ändert sich ständig.«

Technisch interessant sind für Isabella auch komplett schwarze Tätowierungen. »So große ornamentale Blackwork-Arbeiten mache ich immer wieder gern zwischendurch, das macht mir großen Spaß. Man kann mit diesen großen Ornamenten den Körper formen. Und es ist für mich auch sehr meditativ, ich komme dabei runter und arbeite an meiner Technik, denn durch Blackwork lernt man sehr viel über Hautbeschaffenheit und Maschinentechnik.« Dadurch, dass man bei großen, schwarzen Flächen an unterschiedlichen Hautstellen immer genau dasselbe mache, könne man die unterschiedliche Reaktion der Haut an den jeweiligen Stellen sehr gut beobachten. »Man lernt auch an der abgeheilten Haut noch sehr viel, wenn man sich die schwarzen Flächen genau anschaut. Schwärzen ist wirklich unglaublich schwierig.«



Isabella stammt aus einer künstlerischen Familie und hatte im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren wöchentlich Unterricht bei einer Kunstlehrerin. »Bei ihr habe ich einiges über Komposition gelernt, verschiedene Techniken von Ölmalerei bis Aquarell, verschiedene Kunststile, solche Dinge. Aber das war's eigentlich. Viele aus meiner Familie waren Künstler und auch meine Mutter hatte mir das nahegelegt. Zum großen Teil habe ich es mir selbst jedoch angeeignet.« Schon als Künstlerin vor ihrer eigenen Tätowiererkarriere hatte sie Magazinveröffentlichungen, für viele unübersehbar trat die junge Frau dann aber in Erscheinung, als sie das Plakat der Tattooconvention Frankfurt 2018 entworfen hatte – zum Thema »Transilvanien« mit einem – natürlich weiblichen – Vampir. Um das Plakat für Frankfurt zu zeichnen, war sie selbst auf die Veranstalter zugegangen, und auch die Social Media nutzt sie aktiv, um sich und ihren Stil bekannter zu machen.



Zusätzlich bewirbt sie sich bei öffentlichkeitswirksamen Ereignissen wie dem TätowierMagazin-Nachwuchs-contest, für Cover-Shootings für Tattoozeitschriften oder um Conventionpokale wie den von der Mailänder Tattooconvention. »Wenn’s mal nicht klappt, dann eben nicht, aber vom Rumsitzen kommt eben nichts.« Insofern versteht Isabella auch Neid und Missgunst nicht, die ihr immer wieder entgegenschlagen: »Da denke ich: Wenn ihr das erreichen wollt, dann tut doch einfach auch was dafür.« Inzwischen also spürt Isabella auch die Kehrseite der Social-Media-Medaille: »Wenn man schon 30000 Follower hat, wenn man anfängt zu tätowieren, dann beobachten viele eben auch jeden Schritt und lassen einen das spüren. Man muss lernen, das zu ignorieren.« Statt sich von negativen Äußerungen einschüchtern oder entmutigen zu lassen, wählte Isabelle einen konstruktiveren Umgang mit solchen Reaktionen: »Heute ist es mir eigentlich egal. Aber früher, da war ich war immer erst zehn Minuten lang angepisst und dann dachte ich mir: Gut, dann wird das nächste Tattoo eben besser. So lange bis es nichts mehr zu meckern gibt. Für mich war das immer ein Ansporn.«



Ihr nächstes Ziel: Die Teilnahme an der Tattooconvention London, dem Mekka der Tattookunst, bei der alleine schon die Einladung einen Ritterschlag darstellt. 
Kontakt:
Isabella Chiara Filouino
Sacramela Tattoo
Lehenweg 2, 6830 Rankweil (AT)
www.sacramela.com
Facebook:  isabella.chiarab
Instagram:  filouino
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