Tätowiererin Angelina Mengel – Wenn Träume Realismus werden

16.11.2018  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: Angelina Mengel
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Tätowiererin Angelina Mengel – Wenn Träume Realismus werden
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Sie ist das Kind einer Porträt-Zeichnerin, war Kaufhausdetektivin und führte ein Nagelstudio. Dann legte Angelina Mengel mit viel Fleiß, eisernem Willen und TV-Präsenz eine Blitzkarriere als Realismus-Tätowiererin hin. Eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch.
Die kleinen Dramen aus dem Reality-Fernsehen gibt es tatsächlich. Und sie spielen nicht allein an einem palmengesäumten Boulevard wie in Miami Ink, sondern auch in einer Ladenstraße in Solingen, mitten im Bergischen Land. »Es ist wirklich so«, sagt Tätowiererin Angelina Mengel, die hierzulande viele ebenfalls aus dem Fernsehen kennen, aus der sixx-Show »Pain & Fame«. »Jeden Tag kommen Leute rein, die sagen: ›Angelina, ich habe das und das erlebt‹, ›meine Oma verloren‹ oder ›mir ist das und das in der Kindheit passiert‹.« Bevor sie sich dann mit der Vorlage für ihre Realismus-Arbeit beschäftige, versuche sie daher immer, genau herauszufinden, was der Kunde ausdrücken wolle. Erst dann beginne sie mit der Ausarbeitung und der visuell passenden Komposition mit anderen Elementen. »Ich hatte letztens einen Kunden, der wollte das Thema Marvel. Ich schaue dann, welche Motive am besten in welcher Konstellation zusammenpassen.«  Die meisten Kunden lassen ihr diese Freiheit und sind glücklich mit dem, was sie komponiert.

Eine Sonnenblume auf einer Brücke, die über einem Kanal aus Regenbogenfarben steht.

Das liege auch an der Vorberatung beim Erstkontakt im Studio »Tattoo Kunstwerk«, wo Sandra und Markus – Angelinas Ehemann – die Kunden empfangen. »Die Aufklärung der Kunden steht an erster Stelle«, sagt Angelina. Markus habe pro Tag drei bis fünf Beratungstermine, jeder dauere etwa eine Stunde, dabei werde geschaut, ob und wer im Studio der passende Tätowierer sei. Neben den Realistikern Angelina und Degu Jeliabovski ist auch Resident-Artist Chris Nadel-undfarbe mit seinen feinen Mandala- und Dotwork-Kompositionen als ständiger Tätowierer an Bord. Hinzu kommen eine Vielzahl an Gasttätowierern. »Bei den Gästen gucken wir immer, dass Realistiker dabei sind, wir haben eine sehr hohe Nachfrage an Realismus, aber auch an Geometric und Old und New School.« Man wähle die Guest-Artists aber nicht nur entsprechend ihres Stils und ihrer handwerklichen und künstlerischen Qualität aus, sondern auch danach, dass die Sympathie passt. Weil: »Wir arbeiten in einem recht offenen Tattoobereich und es ist viel Halligalli. Wenn man uns tagsüber erlebt, ist das auch immer eine supergute Atmosphäre.« Das merkten auch die Kunden.

Neben reinen Porträt-Tattoos wünschen sich manche Kunden auch Kompositionen von Motiv-Vorlagen wie Fotos einerseits und Hintergründen und Übergängen andererseits. Gerade dabei kommt bei den Tattoos von Angelina Mengel ihre Kreativität, ihr visuelles Empfinden und ihre Gespür bei der Umsetzung ins Spiel.

Neben jenen, die für ein Tattoo von weit her kämen, gebe es auch Laufkundschaft, die oft einfach Namen, Daten und Unendlichkeitsschleifen wünschten. Insbesondere für solche Kunden gebe es etwa alle zwei Monate Walk-in-Days, die online bekanntgegeben würden. Wer drankommen wolle, müsse allerdings früh da sein. »Wenn es wirklich kleine Sachen sind, schafft der Tätowierer acht bis zwölf Motive an so einem Walk-in-Tag.« Im Alltag bietet das Studio neben Tattooterminen auch Piercing und Laser-Tattooentfernung an.

Neben reinen Porträt-Tattoos wünschen sich manche Kunden auch Kompositionen von Motiv-Vorlagen wie Fotos einerseits und Hintergründen und Übergängen andererseits. Gerade dabei kommt bei den Tattoos von Angelina Mengel ihre Kreativität, ihr visuelles Empfinden und ihre Gespür bei der Umsetzung ins Spiel.

Vierhundert Quadratmeter Platz bietet das »Tattoo Kunstwerk«. Neben dem Shop im Erdgeschoss ist die erste Etage für einen momentan nicht belegten Beautybereich vorgesehen. Früher beherbergten die Räume in der Solinger City ein Geschäft für Pelz- und Lederwaren, dann einen Billigladen, schließlich standen sie leer. In monatelanger Eigenarbeit rissen Angelina, Markus und ihre Helfer den alten Korkboden vom Estrich, Wände und Umkleidekabinen ab und Sanitär-einrichtungen aus der Wand. Zwei Jahre ist das nun her. Vorher war das Studio etwas entfernt auf hundertzwanzig Quadratmetern in einem Obergeschoss untergebracht – ohne Schaufenster und mit zu wenig Platz für Gasttätowierer. Das riesige, neue Geschäft machte Angelina zunächst Angst vor den Kosten, doch zeitgleich lief die Tattooshow »Pain & Fame« mit ihr im Fernsehen und die Sorgen waren passé. »Auf einmal standen so viele Leute bei uns im Shop. Damit hätten wir nie gerechnet, und da war der große Laden natürlich mega geeignet.«

Klar kopiere sie die Realität, wenn sie von Fotos abtätowiere, entgegnet Angelina Mengel Realismus-Kritikern unter den Tätowierern, wenn diese wenig künstlerische Eigenleistung unterstellen. Doch es gehe eben auch darum, das Tattoo lebendig wirken zu lassen und Emotion zu transportieren – und dafür müsse der Realismus-Tätowierer einiges können.

Volles Haus in ihrem eigenen Studio: Das hätte sich Angelina noch vor knapp vier Jahren nicht träumen lassen, als sie mit dem Tätowieren anfing. Immerhin hatte sie in ihrer Jugend lange Modedesignerin werden wollen, dann aber eine Ausbildung im Sicherheitsdienst gemacht und kurz als Kaufhausdetektivin gearbeitet, bevor sie Nail Design lernte und vier Jahre lang erfolgreich ein eigenes Nagelstudio führte. »Aber irgendwann hat mir die künstlerische Entfaltung gefehlt, ich habe acht Kunden am Tag gemacht und jeder wollte French oder roten Nagellack, und das war dann recht eintönig.« Ihr heutiger Mann Markus brachte sie damals auf die Idee, es doch einfach mal mit dem Tätowieren zu versuchen. »Dann habe ich Studios abgeklappert, aber niemanden gefunden, der mir das mal so richtig zeigt«, sagt Angelina. Also setzte sie sich selbst daran. Erst übte sie auf Kunst- und Schweinehaut, dann versuchte sie sich an ihrer Schwester – obwohl man das eigentlich nicht mache, räumt die Künstlerin ein.

Klar kopiere sie die Realität, wenn sie von Fotos abtätowiere, entgegnet Angelina Mengel Realismus-Kritikern unter den Tätowierern, wenn diese wenig künstlerische Eigenleistung unterstellen. Doch es gehe eben auch darum, das Tattoo lebendig wirken zu lassen und Emotion zu transportieren – und dafür müsse der Realismus-Tätowierer einiges können.

Jedenfalls sei sie vom Tätowieren angefixt gewesen. »Wenn mich einmal der Ehrgeiz gepackt hat, dann mache auch alles, was ich machen kann, um irgendwie weiterzukommen. Ich bin sehr erfolgsgierig.« Nächtelang übte sie durch, probierte Farben und Nadeln aus, versuchte sich an Motiven, denen sie zu dieser Zeit noch gar nicht gewachsen war, aber sie wollte ausprobieren, so lange, bis sie es hinbekam. »Ich erlaube mir nicht, zu versagen.« Das harte Üben fruchtete schnell. »Der erste Sprung für mich war die zweite Convention, auf der ich war und bei der ich im Contest einen Preis gemacht habe.« Zu diesem Zeitpunkt tätowierte sie gerade erst seit sieben Monaten, was manche Tätowierer überhaupt nicht glauben wollten. Andere begegneten ihr schon deshalb mit Skepsis, weil sie zuvor Nägel gemacht hatte und damit doch wohl kaum eine Befähigung als Tätowiererin mitbringen konnte. Doch da täuschten sich ihre Neider und Hater.

Tatsächlich sei es bei Realismus-Tattoos sehr häufig der Fall, dass Kunden dazu eine tiefe persönliche Geschichte erzählen könnten. Diese auf der Haut so auszudrücken, dass sie genau dem Wunsch und der Vorstellung des Kunden entsprechen, sei die Herausforderung, sagt Angelina Mengel.

»Ich komme aus einer absoluten Künstlerfamilie«, sagt die Solingerin. »Ich bin so aufgewachsen, dass ich immer gesehen habe, wie meine Mutter Porträts gemalt hat.« Sie habe nicht nur gerade zur Weihnachtszeit viele Zeichenaufträge angenommen, sondern sei, um etwas Geld für sich und ihre Kinder zu verdienen, auf Stadtfeste gegangen, habe sich dort hingesetzt und Menschen porträtiert. »Meine Schwester und ich standen häufig dahinter und wir haben das live mitbekommen. Ich denke, das war eine starke Prägephase in meinem Leben.« Sechs oder sieben Jahre alt sei sie damals gewesen, sagt Angelina. »Meine Mutter hat sich viel mit uns beschäftigt. Sie hat darauf geachtet, dass wir nicht nur vor dem Fernseher sitzen, sie hat viel künstlerisch mit uns gemacht. Gebastelt, aber auch unglaublich viel gemalt. Und bei mir war es so, dass ich das sehr starke Verlangen hatte, immer sehr viel zu malen. Egal wo ich war, ich hatte immer meinen Stift und meinen Block dabei.«

Tatsächlich sei es bei Realismus-Tattoos sehr häufig der Fall, dass Kunden dazu eine tiefe persönliche Geschichte erzählen könnten. Diese auf der Haut so auszudrücken, dass sie genau dem Wunsch und der Vorstellung des Kunden entsprechen, sei die Herausforderung, sagt Angelina Mengel.

Mit vier Jahren praktischer Tattooerfahrung hat sie heute Vorbildfunktion. Inzwischen schreiben ihr sogar langjährige Tätowierer und wollen wissen, wie sie ein Tattoo hinbekommen habe, wie sie arbeite, ob sie Tipps geben könne. Das macht sie unter anderem in Youtube-Videos auf ihrem eigenen Channel. Ende 2017 startete sie damit und eigentlich bloß, um Leute an ihrem Leben und ihren Reisen teilhaben zu lassen, die sie als Tätowiererin unternahm. Doch dann bemerkte sie eine irre Nachfrage an ihren Tattoo-Videos, die inzwischen insgesamt fast eine Million Aufrufe haben und nun auf Englisch sind. Zwischendurch will Angelina aber immer wieder auch Folgen veröffentlichen, die sich mit Themen fernab von Tattoos beschäftigen.

Eine innige Beziehung haben viele Menschen nicht nur zu Angehörigen, sondern auch zu ihren tierischen Begleitern. Gerade dann, wenn diese gestorben sind, wünschen sich viele Menschen ein »ewiges« Tier-Porträt auf der eigenen Haut – das ist nicht nur im Scripted-Reality-TV so, sondern auch im Solinger Studioalltag

Angelina braucht Abwechslung. Auch deshalb hat sie bei einer von fünf TV-Anfragen der vergangenen Wochen zugesagt und war schon beim Dreh. Die Sendung, Inhalt geheim, soll 2019 erscheinen. Außerdem will sie Neues ausprobieren: größere Tattoos über ein, zwei Menschen, aber erst nächstes Jahr, wenn Ruhe da ist. Dann will sie sich auch mit Ideen beschäftigen, die nichts mit Realismus-Tätowierungen zu tun haben. Es ist viel los in Angelinas Leben. »Wirklich Wahnsinn«, sagt sie. »Manchmal, wenn ich im Auto sitze und eine lange Landstraße entlangfahre, denke ich darüber nach und kann gar nicht glauben, dass mir das passiert ist. In meiner Kindheit ist eigentlich immer alles schiefgegangen, wir hatten nie etwas, ich habe teilweise am Existenzminimum gelebt. Das hier ist jetzt irgendwie der Lohn für all das.«

Eine innige Beziehung haben viele Menschen nicht nur zu Angehörigen, sondern auch zu ihren tierischen Begleitern. Gerade dann, wenn diese gestorben sind, wünschen sich viele Menschen ein »ewiges« Tier-Porträt auf der eigenen Haut – das ist nicht nur im Scripted-Reality-TV so, sondern auch im Solinger Studioalltag

Kontakt:
Tattoo Kunstwerk
Hauptstraße 5
42651 Solingen
0212 22626749
Facebook: AngelinaMengel TattooKunstwerk
Instagram: angelinamengel

Podcast:
Angelina Mengel im Interview mit Jula und Bobs findet ihr hier: Podcasts
 
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Stand:16 December 2018 18:11:55/t%C3%A4towierer/taetowiererin+angelina+mengel+-+wenn+traeume+realismus+werden_181112.html