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Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

22.02.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Luke Atkinson (Tattoo-Foto), Martina Wörz (Porträt-Foto)
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Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson
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Luke Atkinson ist eine lebende Legende – zu den wenigen Conventions, auf denen er zu sehen ist, zählen die Weltklasse-Events in London und Paris, wo er regelmäßig in der Contest-Jury sitzt. Das sagt schon einiges über sein Standing in der Tattooszene. Aber seine Verdienste um die Tattookunst reichen weit darüber hinaus: Luke ist einer der großen Pioniere und Innovatoren und hat die deutsche Tattooszene stärker geprägt als viele wissen
Luke wurde 1965 in London geboren, wuchs aber in Cheltenham auf, nahe der Grenze zu Wales. Dort startete er als Teenager seine Punk-Karriere. Zu dieser Zeit begann er auch, sich für Tattoos zu interessieren. »Das ging mit den ersten beiden Büchern los, die ich mir damals gekauft habe. Das war ›The Japanese Tattoo‹ von Donald Richie und ›Skin Shows‹ von Chris Wroblewski.«

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

Sich tätowieren zu lassen, erinnert sich Luke, der seit vielen Jahren das Studio Checker Demon in Stuttgart betreibt, war damals etwas anderes als heute: »Tattoos waren nicht teuer, die Frage war: Hast du wirklich die Eier, dir eins machen zu lassen? Die Studios zu der Zeit waren einschüchternde Orte.« Abgesehen davon gab es zu der Zeit viel weniger Tattoostudios als heute. »Ich fuhr mit Kumpels mit dem Bus nach Gloucester, wo es einen Tattooshop in einem eher schmierigen Viertel der Stadt gab. Andere probierten es selbst mit der guten alten Drei-Nadel-Methode. Das hab ich dann auch mal probiert und einige meiner Freunde mit selbst gebastelten Tattoowerkzeugen tätowiert, aber mir wurde schnell klar, dass ich das so nicht auf Dauer weitermachen wollte. Ich wollte wissen, wie man das richtig macht, wie man an Maschinen kommt – aber wenn man jemanden nach so etwas fragte, wurde man sofort aus dem Shop geworfen!«

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

Wenn Luke seinen Vater in New York besuchte, schaute er sich dort nach Büchern und Studios um. »Da waren Mike Bakaty und Thom de Vita auf der Lower East Side, später habe ich auch  Spider Webb kennengelernt. Aber Informationen waren schwer zu bekommen zu dieser Zeit.« Die wenigen Magazine, die Luke finden konnte, beinhalteten Arbeiten von Bob Roberts, Greg Irons oder Ed Hardy, und Luke studierte ihre Werke sorgfältig.

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

»Als ich das erste Mal nach Deutschland kam, war ich wohl fünfzehn. Mir war ein Job in der Nähe von Köln angeboten worden. Ich traf mich damals mit Punks, Skinheads, Musikern und Künstlern, wir hingen in einer alten Stollwerck-Schokofabrik ab. Ein paar wussten, dass ich Erfahrung mit Tattoos hatte, und so bastelten wir eines Tages eine Tattoomaschine aus einem verbogenen Löffel und dem Motor eines Kassettenrekorders. Ich habe mit Kugelschreiber etwas vorgezeichnet, aber sobald ich anfangen wollte, war überall Tinte und man konnte nichts mehr erkennen. Als ich dann drüberwischte, war das Motiv weg, es war der absolute Albtraum!«

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

Nach einiger Zeit gelang es Luke, ein »Spaulding & Rogers«-Tattoo-Kit zu bekommen; eine Schachtel mit einer Maschine und Tattoopigmenten. »Ich hatte nicht die geringste Idee, wie und mit was ich die Farbe anrühren sollte.« Bat er in Tattooshops um Hilfe, bekam er wieder nur zu hören, er solle sich verpissen. »Es war, wie gegen eine Mauer anzurennen.« Die Wende trat ein, als ein Freund seines Bruders eine TV-Reportage über Tattoos drehen wollte. Luke bot an, ihm einige Studios zu zeigen, und nahm das Filmteam mit zu »Elektrische Tätowierungen« von Dieter Zalisz in Köln – jenes Studio, das für die Entwicklung des Tätowierhandwerks in Deutschland richtungsweisend war. »Dieter kannte mich und wusste, dass ich auch rumtätowiere. Als ich ihm das Filmteam vorgestellt hatte, meinte er: ›Ich komm gleich zu euch, aber du, komm mal mit mir nach hinten, mit dir muss ich reden!‹ Ich dachte, verdammt, jetzt bekomme ich eine aufs Maul. Aber tatsächlich fragte er mich, ob ich bei ihm im Laden arbeiten wollte«, sagt Luke lachend.

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Dank Dieter öffneten sich für ihn sämtliche Türen. »Er hatte beste Verbindungen, traf auf einem Tattoo-meeting in Rom in den 80er Jahren die Leu Family, Leo Zulueta, Kandy Everett, Horiyoshi III, Ed Hardy, Henk Schiffmacher und andere. Dieter kannte Phil Bond in England, war schon nach Amerika gereist, wo er sich von Leuten wie Ed Hardy, Mark Mahoney, Paul Jeffries oder Bob Roberts hatte tätowieren lassen. Er hatte auch eine Menge Vorlagen von vielen Tätowierern, so kam ich über ihn an Informationen über die besten Tätowierer dieser Zeit.«

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

Zu jener Zeit reiste Luke auch nach Amsterdam, um den heute legendären Henk Schiffmacher aka Hanky Panky zu treffen. »Er hatte eine Bar namens ›Man’s Ruin‹. Ich wollte gerade hinein, als die Tür aufging und er mir entgegentrat. Ich fragte ihn ›Ich tätowiere jetzt, kann ich in deinem Shop arbeiten?‹, und er meinte ›Nein. Verpiss dich. Reise erst mal um die Welt, danach kannst du dich wieder melden.‹«

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Also reiste Luke um die Welt und besuchte 1986 in den USA seine erste Tattooconvention. »Das war die National Convention in New Orleans, wo ich Bill Salmon – der am 18. Januar diesen Jahres an Krebs starb – traf, Ed Hardy, Jack Rudy, Kari Barba, Paul Jeffries. Es war wirklich die Elite. Dort waren Leute wie Philadelphia Eddie oder Colonel Todd. Alle waren total herzlich, denn schließlich war es eine Tattooconvention, deren Sinn und Zweck es war, dass man sich austauschte, es gab keinerlei Feindseligkeit. Ich verstand mich auf Anhieb prima mit Filip Leu und mit so vielen anderen. Plötzlich hing ich mit all diesen Spitzenkünstlern ab und konnte von ihnen lernen!«

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Eines Tages beschloss Luke, sich seinen Traum zu erfüllen und nach Japan zu gehen. Dort traf er Horiyoshi III. Er hatte dem japanischen Tätowiermeister im Alter von siebzehn Jahren einen Brief geschrieben und sogar ein Antwortschreiben erhalten. Nun, mit einundzwanzig, traf er die lebende Legende in dessen Atelier in Yokohama. »Es war einfach umwerfend, mit ihm in diesem winzigen Studio zu sitzen, während er arbeitete. Danach lud er mich in seine Lieblingsbar ein und wir tranken zusammen.« Zwei-, dreimal die Woche besuchte Luke Horiyoshi in dessen Studio, sah ihm beim Arbeiten zu, studierte dessen Bücher, lernte ihn und seine Familie kennen. Als er selbst die japanische Tätowierkunst erlernte, tat er das im Bewusstsein, selbst kein Japaner zu sein. »Ich glaube, Horiyoshi gefiel das. Ich wollte nie Mitglied seiner Familie werden. Ich gab nicht vor, Japaner zu sein oder alles in dieser Kultur zu verstehen. Ich war ein Besucher, ich machte Fehler, entschuldigte mich dafür. Horiyoshi wurde sowas wie eine Vaterfigur für mich.«

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

Es folgte ein Aufenthalt in Thailand, bevor Luke nach Amsterdam zurückkam. »Ich hab meine Weltreise gemacht – kann ich jetzt bei dir arbeiten?«, fragte Luke Henk, als er ihn in dessen Shop aufsuchte. »Okay!«, war diesmal die knappe Antwort, »kein Problem!« In dieser Zeit kam Luke auch der Gedanke, seinen eigenen Shop zu gründen. Er überlegte, nach Bristol oder zurück nach Japan zu gehen, doch dann bekam er das Angebot, in Stuttgart einen Laden zu übernehmen. »Ich kannte mich ja schon aus und wusste, wie ein Tattooshop geführt wird. Ich konnte auch schon ein wenig Deutsch – das Schwäbisch war natürlich eine Herausforderung. Der Laden brummte. Ich hätte dreißig Tattoos am Tag machen können, an Samstagen standen schon zehn Leute vor der Tür, bevor ich aufmachte.« Das Studio war, wie damals üblich, ein reiner Walk-in-Shop, doch Luke hatte eine Vision. »Ich wollte den Laden zu einem Customshop umstellen, um mehr auf die Ideen und Wünsche der Kunden eingehen, individuelle Designs anfertigen und die Tattoovorlagen von den Wänden nehmen zu können.« Damals in Deutschland ein Novum. »Ich kannte dieses Konzept aus Japan und wollte sehen, ob das auch hier klappt.« Es funktionierte.

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Auf die Frage, ob ihm denn die ganzen japanischen Drachen nicht auch irgendwann mal langweilig werden, antwortet Luke grinsend:  »Ab und zu mache ich auch mal einen Tiger«, um dann fortzufahren:  »Nein, nein, das wird mich nie langweilen. Ich arbeite an einem Drachen und in meinem Kopf entsteht schon der nächste, der noch ein bisschen besser aussehen wird. Mir gefällt auch Traditionalzeugs. Realistic? Wenn es wirklich gut gemacht ist, schaue ich mir das gerne an. Bei Colour-Realistic bin ich mir einfach nicht sicher: Wenn da nicht genug schwarze Linien und Schwarz drin sind, wird das in zehn Jahren wie eine Pizza aussehen. Tribal, Mandala, Blackwork? Ja, das ist stabil, und wenn es schön platziert ist, sehe ich das als Kunst an. Selber machen wollte ich das nicht, ich würde sterben vor Langeweile. Comicstyle? Ja, ein bisschen Humor, damit habe ich kein Problem. Aber am Ende ist es dann doch einfach die Ikonographie und die Mythenwelt Asiens, die mich anzieht.«

Pionier für Japan-Style: Tätowierer Luke Atkinson

Im Gespräch mit Luke Atkinson ist es unmöglich, sämtliche Geschichten und Anekdoten zu dokumentieren, die er in nahezu vierzig Jahren Tattoolaufbahn angesammelt hat. Wichtig ist auch vor allem: Seine Arbeiten haben bis heute nichts von ihrer Brillanz eingebüßt. Was ist der Trick dabei, ständig am Ball zu bleiben? »Ich bin ziemlich selbstkritisch. Wenn es einen Punkt gibt, an dem ich sein möchte, dann ist das bestimmt nicht da, wo ich im Augenblick bin. Gut, ich bin nicht mehr der Workaholic, der ich mal war, ich hab eine Familie. Aber das macht die Zeit, in der ich arbeite, noch wertvoller. Ich möchte die Zeit mit dem Kunden dann optimal nutzen. Ich liebe das, was ich tue, ich will das nicht verheizen. Vielen Freunden von mir ist das passiert, aber mir ist das Tätowieren zu wichtig, um es aufs Spiel zu setzen. In San Francisco habe ich mal ein handgeschriebenes Schild gelesen, das mir immer in Erinnerung bleiben wird. Darauf stand: ›Erfolg ist der Trip, nicht das Ziel‹.«
 
Kontakt:
Luke Atkinson
Checker Demon Tattoos
Alarichstraße 21, 70469 Stuttgart
Tel. 0711 816286
info@checker-demon-tattoos.de
www.checker-demon-tattoos.de
 
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Stand:24 April 2019 17:54:37/t%C3%A4towierer/taetowierer+luke+atkinson+-+britischer+botschafter+japanischer+tattookunst+in+deutschland_19215.html