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Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

22.02.2019  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Jens Gössling (Tattoo-Fotos, Zeichnungen), Annag.Photography (Porträt-Fotos)
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Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden
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Er ist einer, der das Tätowieren mit Herz und Seele ausübt: Jens Gössling aus Bielefeld. Zunächst träumte er von einer Karriere als Modeschöpfer und spielte als Musiker große Tourneen, wurde dann aber mit dem Tätowieren reich beschenkt. In einem ehrlichen Gespräch resümiert der Künstler über zwanzig Jahre im Tattoobusiness.
Weil sein Vater beruflich mit den schweren Jungs vom offenen Vollzug zu tun hatte, war Jens Gössling in jungen Jahren ständig schlechten Tätowierungen ausgesetzt. Initialzündung seiner Begeisterung von Tattoos war aber die Januarausgabe des Thrasher-Magazins von 1989, das der damals Sechzehnjährige las. »Dort gab es einen Bericht über tätowierte Skateboardfahrer und ich dachte mir ›Krass, wie genial ist das denn?‹« Die Faszination für Tätowierungen war entfacht, doch der Berufswunsch noch längst nicht formuliert. Jens träumte vom Modedesignstudium, machte zunächst seinen Zivildienst und bekam in dieser Zeit einen Plattenvertrag mit seiner damaligen Crossoverband Thumb, die daraufhin einige Jahre erfolgreich internationale Tourneen und große Festivals spielte.

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

#Zu seinen engsten Freunden zählte damals Igor Manojlovic, der heute als Tätowierer die Lionheart Gallery betreibt. »Er war der Erste, der sich im Freundeskreis tätowieren ließ und schon den richtigen Riecher hatte, was in Sachen Tattoo abgeht.« Igor war damals Shopguy in einem Bielefelder Tattoostudio und pries den jungen Jens, der vom Graffiti kam, dort an wie den großen Hauptgewinn. Das brachte Jens das Engagement als Zeichner. Wann immer also ein Kunde eines der Flashmotive wählte und es abgeändert haben wollte, oder gar was völlig Individuelles suchte, war das Jens’ Auftritt. »Das kam damals allerdings vielleicht zwei, drei Mal im Monat vor.« Doch es genügte, um Jens’ Freude an der Tattooszene zu nähren.

Tätowierer Jens Gössling (rechts) mit Igor Manojlovic 1998 in ihrem ersten gemeinsamen Tattooshop.

Wenn er sich in die Zeit zurückversetzt, in der Jungs wie er und Igor in die damals noch anrüchige Tattoowelt eintauchten und fortan mitmischen durften, wird der Wandel klar, der sich damals im Tätowieren vollzog. »Wir haben noch den letzten Hauch des Verruchten mitbekommen.« Seit dieser Zeit öffnete sich die Tattooszene immer mehr einer breiten Masse und wurde zugänglich für jedermann.

Tätowierer Jens Gössling mit seiner damaligen Crossover-Band Thumb

»Zwischen zwei Tourneen, es dürfte so 1997 gewesen sein, schaute ich bei meinem Kumpel Igor über die Schulter, als er bei Tätowiersucht in Nürnberg arbeitete«, erinnert sich Jens. Dann nahm seine Tattoo­karriere Fahrt auf. Als Igor ihm den Vorschlag unterbreitete, wieder zurückzukehren nach Bielefeld und dort ein gemeinsames Studio zu eröffnen, musste Jens nicht lange überlegen. »Ich dachte mir ›Do or die!‹. Und mit dem Geld, das ich mit der Musik machte, konnten wir das Vorhaben in die Tat umsetzen. So eröffneten wir 1998, fünf Tage nachdem ich mit Thumb von einer großen USA-Tournee zurückgekommen war, unseren Shop.« Dieses Doppelleben zog Jens noch gut drei Jahre durch, ehe er sich entschied, das Tätowieren in Vollzeit auszuüben. »Ich bin zwar schon immer ein Macher gewesen und habe ungern nichts zu tun, im Jahr 2001 allerdings hatte ich exakt zwei freie Tage. Das war sogar für mich zu krass.«

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Etwas, was Jens neben dem Tätowieren bis heute nicht loslässt, ist »der Modedämon«, wie er seine Leidenschaft für Fashion liebevoll nennt. Denn für Mode kann er sich so faszinieren wie für Tattoos, und gerne zieht er Parallelen zwischen beiden Welten. Für viele andere haben Tattoos und Mode nichts miteinander zu tun, manch einem ist der bloße Vergleich schon ein Dorn im Auge. Jens aber sieht das anders, denn Mode bedeutet nonverbale Kommunikation. »Sei es mit der Frisur, mit Schmuck oder auch schon, wenn du dir morgens eine Jacke überziehst: Durch das, was du trägst, kommunizierst du mit der Außenwelt, ob du willst oder nicht.« Eine Feststellung, die er unheimlich spannend findet. Als Kind träumte er von einer Karriere als Designer, später probierte er sich auf der Modedesignschule und auch heute noch verfolgt der Tätowierer gespannt, was sich in der Fashionwelt tut. »Da ist alles so schnelllebig und du musst machen, machen, machen.

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Kein Designer kann sich auf seiner tollen Kollektion aus dem Vorjahr ausruhen. Hat das letzte Model den Laufsteg verlassen, geht es wieder von vorn los.« Das inspiriert Jens zu seiner Kunst: »Ich will alles mitkriegen, was mit dem Tätowieren zu tun hat, jede Entwicklung in mich aufsaugen. Ich muss nicht alles mitmachen, aber ich will es gehört haben.« Ein Anspruch, den der Tätowierer auch nach mehr als zwanzig Jahren im Beruf noch an sich hat. Mit diesem Lechzen nach Neuem unterscheidet er sich von einigen seiner Kollegen, die ebenfalls schon in den Neunzigern angefangen haben und sich darauf ausruhen, was sie über all die Jahre aufgebaut haben. »Du hast es in der Hand, ob neue Leute auf dich aufmerksam werden und deine Sachen noch fresh finden oder nicht.«

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Nicht selten macht Jens große Augen, wenn er auf Instagram oder anderswo sieht, was junge Berufseinsteiger heute bereits nach kurzer Zeit unter die Haut bringen können. »Das ist für mich der perfekte Arschtritt. Klar, den kannst du dir in drei Minuten wieder ausreden, indem du dir sagst ›Die haben es ja heute auch so einfach mit den neuen Maschinen und den vielen, frei zugänglichen Informationen‹. Aber zum einen sehe ich das so gar nicht und zum anderen nehme ich es gerne als Ansporn, um mich weiterzuentwickeln und besser zu werden.« Tatsächlich würde Jens mit Tätowierern, die heute erst anfangen, nicht tauschen wollen: Früher gab es die Flashs an der Wand, der Kunde pickte die 81F und nur, wenn es gewünscht wurde, änderte man etwas am Motiv ab.

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Das ging über viele Jahre so, den eigenen Stil und sein Plätzchen in der Welt des Tätowierens fand man erst mit den Jahren. »Die jungen Leute haben es heute da doch wesentlich schwerer, denn sie müssen sich gleich beweisen. Es ist hart geworden, bei der Konkurrenz dort draußen seine Nische zu finden und davon leben zu können. Sich erst mal über Jahre in sämtlichen Bereichen auszuprobieren, alles zu machen und nach und nach besser zu werden, das kann sich realistisch gesehen keiner mehr erlauben.«

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Jens ist noch einer der klassischen Allrounder. Eine Spezies, die er aus den vorgenannten Gründen vom Aussterben bedroht sieht. Er sticht gern »alles« und geht dabei mit beispielloser Akribie vor. Das zeigt Jens auf seinem Profil, ohne nur seine Perlen zu präsentieren. Er ist sich nämlich nicht zu schade für Unendlichkeitsschleifen oder ähnliche Massenmotive und muss über die »Ne, so was tätowier ich nicht«-Haltung anderer schmunzeln. Manchmal fragt er sich dann, ob solche Motive tatsächlich aus künstlerischer Überzeugung oder vielleicht doch wegen eigener Unzulänglichkeiten abgelehnt werden. »Ich werde deshalb auch nicht müde, Taschenuhren mit Rosen zu stechen und diese auf meinem Instagram-Account zu posten. Das ist ein anspruchsvolles Design, wenn es anständig gemacht wird. Und es ist doch zum Kotzen, dass manchen Kunden das Gefühl gegeben wird, so was sei nicht tätowierbar.«

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Wenn Jens von seiner Arbeit spricht und sich dabei bisweilen völlig in seinen Sätzen verliert, dann hat das fast etwas Andächtiges und Demut schwingt mit. »Ich bin so dankbar für das Tätowieren, es hat mir in so vielen Lebenssituationen den Arsch gerettet und ich habe tolle Menschen auf diesem Weg kennengelernt.« Deshalb fühlt sich der Künstler in gewisser Weise dem Handwerk,  der Kunst und in erster Linie dem Kunden gegenüber verantwortlich.

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Vielleicht liegt darin auch der Grund dafür, dass Jens mehr arbeitet, als er müsste, indem er etwa besonders viel zeichnet und die Sache sehr ernst nimmt. »Ich will das mal mit einem Haus vergleichen, das dir geschenkt wird. Das sagst du dir ja auch nicht ›So, das verwohne ich jetzt mal richtig, ich scheiße in jeden Raum, denn es ist ja geschenkt, also ist mir alles egal‹.«

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Obwohl ein alter Hase im Geschäft, drängt Jens dem Nachwuchs nicht seine Ansichten auf. Statt sich belehrend vor junge Tätowierer zu stellen und Reden über Technik zu halten oder das alte »Früher war alles besser«-Lied anzustimmen, schlägt er ruhige Töne an und bleibt freundlich. »Das ist doch auch Quatsch, seien wir mal ehrlich. Nehmen wir nur das Beispiel des Fotografierens von Tattoos: Du hast damals einen Film vollgeknipst, ihn für viel Geld entwickeln lassen, Tage gewartet und dann festgestellt, die Bilder sind nix. Heute sind das drei Klicks und das Ergebnis ist sogar besser.« Für verklärte oder gar verbitterte Romantik, die manch betagter Artist an den Tag legt, hat Jens wenig übrig. Kommt ihm so etwas zu Ohren, tut er doch einmal seine Meinung kund.  »Wenn ich höre, dass sie lamentieren, weil das E-Mail-Postfach vor lauter Tattooanfragen überquillt oder das Zeichnen am Abend ja ach so stressig ist, dann finde ich das – vorsichtig ausgedrückt – äußerst schwierig.«



Es ist Blasiertheit, die Jens nicht nachvollziehen kann. »Ich würde dann empfehlen, mal im Jobcenter vorbeizugehen und zu gucken, wie die echte Arbeitswelt da draußen aussieht, anstatt drei Wochen auf Bali abzuhängen. Wir haben das Glück, in einem absoluten Luxussegment arbeiten zu dürfen und etwas tun zu können, was wirklich große Freude macht.« Klar habe auch er mal Tage, an denen die Luft raus ist, doch sich vor Augen zu halten, womit er da sein Leben bestreitet, sei ihm Motivation genug.

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden

Jens hat alles durch – von Streetshops, der Arbeit mit anderen Künstlern auf engem Raum und Walk-ins bis zur Ausbildung anderer Tätowierer. Den Luxus, in völliger Ruhe in seinem Privatshop »Blue Harvest Tattoo Atelier« zu tätowieren, hat er sich damit über die Jahre erarbeitet. Wer jetzt als Kunde zu Jens nach Bielefeld kommt, findet einen ruhigen, besonnenen Künstler vor, der sich mit Hingabe dem Motiv annimmt und während der Session für das richtige Setting sorgt. »Ich lege Wert auf ein gutes Intro und Outro, also, den Kunden nett zu empfangen, ihm den Start angenehm zu gestalten und die Nervosität zu nehmen. Ebenso ist es mir wichtig, ihn auf diese Art hinterher wieder zu entlassen. Ob wir dazwischen ungezwungen plaudern oder einfach Musik hören, mache ich ganz von der Situation abhängig.«  

Tätowierer Jens Gössling: Aus Liebe zur Kunst am Kunden
 
Kontakt:
Blue Harvest Tattoo Atelier
Friedrichstr. 49
33615 Bielefeld
Facebook: blueharvesttattoo
Instagram: harvest_1973

 
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