Steffi Boecker macht Tattoos und nicht Mode

23.02.2018  |  Text: Victoria Hiebsch  |   Bilder: Steffi Boecker, Caro Wedowski, meinstadtleben.de
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Steffi Boecker macht Tattoos und nicht Mode
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Statt ihren Weg als Modedesignerin weiterzugehen, bog die Berlinerin Steffi Boecker lieber ab und widmete sich dem Tätowiererberuf. Ein erster Kundenstamm kam durch ProSieben, heute will sie lieber mit ihrer Arbeit glänzen, als mit TV-Fame zu beeindrucken.
Es war 2010, als Star-Tätowierer Mario Barth im »Tattoo Camp Vegas« auf ProSieben ein junges Nachwuchstalent für sein Studio suchte. Damals, als eine Fülle von Tattoosendungen das Nachmittagsprogramm der Sender dominierte, ergriff die zu diesem Zeitpunkt 21-jährige Steffi Boecker ihre Chance, um die Show schließlich als Gewinnerin zu verlassen, obwohl sie bis dato gerade mal acht Monate tätowierte. »Eigentlich wollte mein damaliger Chef, Michel vom Straight Ink in Hennigsdorf, daran teilnehmen, er war aber zu alt, zu erfahren und zu sehr tätowiert im Gesicht.« Da habe es klare Vorgaben gegeben: Es seien junge, formbare Leute gesucht worden, nicht zu edgy. »Also hab ich da angerufen und mich beworben. Natürlich war ich noch total neu in dieser Szene und hab das einfach als Sprungbrett beziehungsweise neue Erfahrung gesehen. Ganz zu schweigen von der Aussicht auf einen sechsmonatigen Job in Vegas bei Mario Barth.«

Neotraditionelle Porträts, vor allem von Frauen, bilden den Schwerpunkt von Steffis Arbeiten. Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß, Grundlage ist immer ein solides Linework.

Daraus allerdings wurde nichts, denn die Berlinerin hatte weder Visum noch Greencard. Trotzdem werde sie die zwei Wochen in den USA nicht vergessen, denn sie habe Eindrücke gewonnen, die man als Tourist wahrscheinlich nicht bekomme. »Du gehst abends ins Bett und hast keine Ahnung, was am nächsten Tag passiert. Ein wochenlanges, aufregendes Abenteuer, auf das ich mich gern eingelassen habe und für das ich immer noch dankbar bin.« 

Die durch die Sendung gewonnene Reichweite nutzte Steffi, um sich einen Kundenstamm aufzubauen. »Anscheinend glauben die Zuschauer, dass wenn du im Fernsehen warst, du offenbar gut bist. Dadurch hast du einen gewissen Vertrauensvorschuss. Die haben dich schon reden hören und tätowieren sehen und dann wollen sie unbedingt zu dir.« Inzwischen steht sie TV-Tätowierformaten allerdings kritisch gegenüber: »Ich finde Tattooshows eher schwierig, weil den Zuschauern etwas Falsches suggeriert wird. Wenn man zeigen würde, wie es bei uns im Laden wirklich läuft, dann würde sicher niemand einschalten, weil es nicht spannend genug ist. Im Fernsehen muss immer Drama dabei sein, da müssen Tränen fließen und irgendwelche Schicksalsschläge ausgepackt werden, warum jetzt Karl-Heinz Brabutzke diesen Stern im Nacken hat. In Wirklichkeit interessiert das den Tätowierer eher nicht, der möchte dem Kunden ein schönes Motiv verpassen. Die Geschichte dahinter, die in den Shows immer so aufgebauscht wird, ist nicht ausschlaggebend. Außerdem werden da Sachen gezeigt, die so gar nicht stimmen. Kunden denken zum Beispiel häufig, dass ein ganzes Backpiece einen Tag dauert, was völliger Quatsch ist.« Für die gelernte Modedesignerin käme eine Teilnahme an einem solchen Format heute nicht mehr in Frage. Sie möchte durch ihre Arbeiten glänzen, nicht durch Fame, und das Ganze auf Augenhöhe mit ihren Kollegen im Berliner Tattoostudio Rose of No Man’s Land.

Neotraditionelle Porträts, vor allem von Frauen, bilden den Schwerpunkt von Steffis Arbeiten. Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß, Grundlage ist immer ein solides Linework.

Für sie ebenso befremdlich ist es, dass immer wieder Kunden den Tätowierer nach dem Geschlecht aussuchen. »Viele Männer sagen, dass sie gerne von einer Frau tätowiert werden wollen, und wenn ich sie dann aus Zeitmangel zu einem Kollegen schicken möchte, wird abgewinkt. Diese Typen wollen dann auch nicht explizit zu mir, weil sie meine Sachen toll finden, sondern einfach aus Prinzip zu einer Frau. Das leuchtet mir nicht ein. Ich gehe ja auch nicht zum Friseur und sage, ich will nur von einem Mann frisiert werden. Es ist egal, ob du Mann oder Frau bist, wenn du einen guten Job machst, machst du einen guten Job. Das ist für mich Feminismus.« Und weil sie diese Botschaft so wichtig findet, trägt Steffi auch ihren Teil im Jennifer-Rostock-Video zum Song »Hengstin« bei, der für starke Frauen steht, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. »Ich bin jemand, der für Gerechtigkeit ist, und bin einfach nicht bereit, mich in eine Rolle pressen zu lassen, die mir nicht steht. Ob das als Feminismus betrachtet wird oder nicht, ist mir eigentlich egal. Ich möchte einfach nicht aufgrund meines Geschlechts benachteiligt werden.« 

Neotraditionelle Porträts, vor allem von Frauen, bilden den Schwerpunkt von Steffis Arbeiten. Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß, Grundlage ist immer ein solides Linework.

In Steffis Tattoo-Portfolio stechen besonders die neotraditionellen Frauenporträts hervor, was ihr zufolge an ihrer Modedesign-Vergangenheit liegt. Gesichter, Frauen und weibliche Formen faszinieren sie aber ganz einfach auch. »Ich denke, das Interesse am weiblichen Körper hat sich in meiner Ausbildung einfach konkretisiert und den Grundstein für meine Vorliebe weiblicher Motive gelegt.« Anfänglich waren auch noch einige realistische Tattoos dazwischen, bei deren Umsetzung fehlt ihr jedoch der kreative Raum. Sie möge es nicht, Babyfotos so realistisch wie möglich auf Haut zu kopieren – das gebe ihr nichts. »Wenn ich keine Vorlage habe, kann ich selbst kreativ sein«, sagt Steffi. »Außerdem ist es mir wichtig, solide Tattoos zu stechen. Denn wenn man versteht, wie das Tätowieren funktioniert, dann weiß man auch, dass diese superhellen, ganz weichen Schatten nach ein paar Jahren nicht mehr rauskommen. Ich selbst habe ein realistisches Porträt von meiner Oma und nach sieben Jahren ist es nun nicht mehr so schön. Generell kann ich sagen, dass Realismus nicht mein Spezialgebiet ist. Es gibt sicher bestimmte Tätowierer, die es beherrschen, Kontraste so zu setzen, dass das Tattoo auch nach Jahren noch schön ist und für den Betrachter verständlich, aber mein Ding ist es eben nicht mehr. Ich finde, dass Tätowierungen mit Linien und klarer Struktur beständiger sind, und ich möchte auch genau solche realisieren.«

Neotraditionelle Porträts, vor allem von Frauen, bilden den Schwerpunkt von Steffis Arbeiten. Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß, Grundlage ist immer ein solides Linework.

Obwohl Steffi ihren Wohlfühlstil gefunden hat, ist sie dennoch für alle Kundenwünsche offen – solange das Motiv nicht politisch behaftet ist und in die rechte Richtung geht oder etwas ist, was unmöglich umzusetzen ist. So etwas abzulehnen, sei mittlerweile nicht mehr selbstverständlich: »Es gibt viele Tätowierer, die meiner Meinung nach zu sehr Künstler sind, und ich empfinde mich eben nicht nur als Künstlerin. Ich bin Dienstleisterin und Künstlerin.« Wenn jemand mit einem schönen Motiv zu ihr in den Laden komme, es aber nicht dem Stil der Crew entspreche oder schlichtweg nicht machbar sei, werde im Beratungsgespräch versucht, einen guten Kompromiss zu finden. Dabei gehe es gar nicht einmal um Geschmack, denn das Motiv müsse dem Kunden gefallen, nicht ihr, sagt Steffi. »Ich versuche, es so gut wie möglich umzusetzen. Daran habe ich Spaß. Ich bin niemand der sagt ›Ich mache nur noch mein Ding und wenn dir meine Entwürfe nicht gefallen, bekommst du eben keine Tätowierung.‹ So möchte ich nicht sein. Ich mache auch keine Tätowierungen nur für Instagram, wie es leider viele tun. Ich fotografiere ganz viele Tattoos nicht, weil ich sie das Motiv betreffend nicht so toll finde, trotzdem sind es gute Arbeiten.« 

Auch, was die Art des Tattoos angeht, ist Steffi keine Diva und schießt sich nicht bloß auf aufwendige Motive ein. »Natürlich ist es schön, eine Idee hingeworfen zu bekommen, an der ich mich austoben kann. Aber ich tätowiere zum Beispiel auch total gerne mal einen Schriftzug.« Und so ist die Strahlefrau mit der roten Wallemähne sehr glücklich, doch nicht in die Fußstapfen Karl Lagerfelds getreten zu sein – und ihre Kunden sind es wohl auch.

Studio-Alltag ganz anders als im Fernsehen

Die Shortcuts

Steffi Boecker …
... tätowiert lieber Menschen, die eine Knoblauchfahne haben, als zu starkes Parfum tragen

... mag Leute, die Grammatik und Kommasetzung beherrschen

... sagt Ja zu Seniorensport und ist leidenschaftliche Hobbydarterin

... hört gerne Podcasts, vor allem »Fest & Flauschig«

... hat immer Hummeln im Hintern und einen kessen Spruch auf den Lippen

... hat schon mal jemandem das »Artemis«-Logo (FKK- und Saunaclub im Berliner Ortsteil Halensee) riesengroß über die Rippen tätowiert

... hasst laute Trink- und Essgeräusche


Kontakt:
Steffi Boecker
Rose of No Man’s Land
Silbersteinstraße 10
12051 Berlin
www.roseofnomanslandberlin.com

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Stand:21 June 2018 10:16:08/t%C3%A4towierer/steffi+boecker+macht+tattoos+und+nicht+mode_18118.html