Schwarze Ornamentik-Tattoos von Colin Zumbro

20.04.2018  |  Text: Diana Ringelsiep  |   Bilder: Colin Zumbro, Porträt und Studiofotos: Chris Lührmann
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Schwarze Ornamentik-Tattoos von Colin Zumbro
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Klare Linien, schwarze Flächen und sich ständig wiederholende Muster – all das macht Colin Zumbros Arbeit aus. Der Tätowierer aus Witten hat sich der Ornamentik-Tattoos verschrieben – einer Kombination aus polynesischen Tribal-Elementen, nordischen Symbolen und filigranen Mandalas. Wir haben ihn in seinem Studio »Atramentum« besucht und mit ihm über die Magie zeitloser Motive gesprochen
Als Colin sein erstes Tattoo bekommt, ist er gerade mal fünfzehn Jahre alt. Sein Kumpel benutzt Nadel, Faden und Pelikan-Tusche. Das Ergebnis: ein Venussymbol in der Größe einer Fünf-Cent-Münze. Bereits am nächsten Morgen legt er selbst Hand an und zieht die dünnen Linien nach. »Das war damals eine große Sache«, erinnert sich der 39-Jährige heute zurück. »Tattoos kamen einem Stigma gleich, sie wurden von der Gesellschaft verachtet und genau das machte ihre Faszination aus.«

Colin Zumbro im Porträt

In jener Hinsicht hat sich seither einiges getan. Tätowierungen sind nicht mehr nur Subkulturen vorbehalten, sondern stoßen auf eine breite Akzeptanz. Dennoch heben Colins Arbeiten sich von denen für die breite Masse ab. Sie wirken brachial und filigran zugleich, alle miteinander verbunden durch ein tiefes Schwarz. Seine Kunden nehmen weite Anreisen und lange Wartezeiten in Kauf, um sich in seinem Wittener Studio »Atramentum« tätowieren zu lassen. Bei der Umsetzung lassen ihm die meisten freie Hand. »Viele haben eine grobe Vorstellung, wenn sie zu mir kommen«, erklärt der Künstler. »Das eigentliche Design fügt sich dann jedoch erst auf dem Körper zusammen.«

Reizüberflutung Internet
Oft sind es alltägliche Dinge, die Colin zu neuen Motiven inspirieren – ein Plattencover, ein Kleidungsstück oder eine alte Bettdecke. Aber auch von seinen Reisen bringt er viele Ideen mit nach Hause. In der Vergangenheit trieb das Fernweh ihn bereits nach Neuseeland, Tahiti, Skandinavien und zweimal nach Hawaii. »Solche Erfahrungen geben mir sehr viel mehr Inspiration als Instagram«, fasst der Tätowierer zusammen. »Denn während online viele bloß wiederkäuen, was andere bereits vor ihnen gemacht haben, findet man auf Reisen vollkommen neue Ansätze.«

In Colins Tattoos liegt die Bedeutung oft in der Ästhetik und in kleinen Details verborgen – auf den ersten Blick zu lesende Schriftzüge wie Namen oder plakative Symbole lassen sich hingegen stilistisch passend  kaum unterbringen

Seine Mappe hat er immer dabei, wenn er unterwegs Kunstausstellungen oder einheimische Tätowierer besucht. In ihr hält er Stichpunkte, Quellen und Gedanken fest. Anhaltspunkte, die zurück im eigenen Studio in neue Ornamente fließen. Auf diese Weise entstehen die stilübergreifenden Blackwork-Motive, für die Colin bekannt ist: akkurate Endlosmuster, nordische Runen und von Flechtwerk umgebene Mandalas. Alte Stammessymbole, die bereits Jahrhunderte überdauert haben und den Tätowierer durch ihre Zeitlosigkeit in einen magischen Bann ziehen. »Die Ursprünge dieser Symbole sind häufig in alten Schnitzereien, Inschriften und sogar an Gebäuden zu finden«, versichert Colin. »Man muss bloß mit offenen Augen durchs Leben gehen.«

In Colins Tattoos liegt die Bedeutung oft in der Ästhetik und in kleinen Details verborgen – auf den ersten Blick zu lesende Schriftzüge wie Namen oder plakative Symbole lassen sich hingegen stilistisch passend  kaum unterbringen

Kunstanspruch und Kundenwunsch
Die präzise Symmetrie, die den meisten seiner Arbeiten innewohnt, ist für Colins Kunden meist mehr als bloß ein schönes Muster. Wie viele andere, verbinden auch die Träger seiner akribischen Formen und Linien häufig eine tiefere Bedeutung mit ihrem Tattoo. Doch anders als bei gegenständlichen Motiven, steckt diese bei Black- und Dotwork im Detail. »In ein Mandala lässt sich beispielsweise nicht so einfach der Name eines Kindes integrieren, wie es bei anderen Stilrichtungen der Fall ist«, erklärt der Wittener. »Die Bedeutung meiner Tätowierungen steckt daher vielmehr in der Ästhetik und in unscheinbaren Details.«

In Colins Tattoos liegt die Bedeutung oft in der Ästhetik und in kleinen Details verborgen – auf den ersten Blick zu lesende Schriftzüge wie Namen oder plakative Symbole lassen sich hingegen stilistisch passend  kaum unterbringen

Motivwünsche, die politisch fragwürdig sind, schließt Colin kategorisch aus. So platziert er Swastikas beispielsweise ausschließlich in einem Kontext, der keinen Raum für Interpretationen lässt und alles Fragwürdige ausschließt – für ihn eine Selbstverständlichkeit. Der Anspruch an seine eigene Arbeit ist hoch, besonders in Hinblick auf ihre Langlebigkeit. »Die unterschiedliche Beschaffenheit der verschiedenen Flächen muss ein Leben lang erkennbar bleiben – dazu bedarf es verschiedener Techniken und eines bewussten Einsatzes von Kontrasten«, erläutert Colin. Schwarze Flächen heben sich auf diese Weise von texturierten und untätowierten Bereichen ab, klare Linien stehen gepunkteten Details gegenüber. Es sind diese Gegensätze, die seinen Tätowierungen Tiefe und eine hohe Beständigkeit verleihen.

In Colins Tattoos liegt die Bedeutung oft in der Ästhetik und in kleinen Details verborgen – auf den ersten Blick zu lesende Schriftzüge wie Namen oder plakative Symbole lassen sich hingegen stilistisch passend  kaum unterbringen

Der Weg ist das Ziel
Obwohl sich die monochromen Motive für Cover-ups anbieten, bevorzugt der Blackwork-Spezialist blanke Haut, die ihm keinerlei Einschränkungen gibt. Der Drang nach freier Entfaltungsmöglichkeit – ein Verlangen, das ihn bereits sein ganzes Leben lang begleitet. »Ich bin Tätowierer geworden, um frei zu sein«, bringt der gelernte Industriekaufmann es auf den Punkt. »Ich fühle mich schnell eingesperrt und genieße es daher sehr, mein eigener Boss zu sein. Für mich gibt es nichts Schöneres als Musik zu hören und zu malen.«

»Ich bin Tätowierer geworden, um frei zu sein«

Die Malerei ist Colins Oase der Ruhe. Stundenlang kann er sich dabei in seinen Motiven verlieren und alles andere ausblenden. Verkaufen möchte er seine fertigen Werke jedoch nicht. Es stecken zu viele Arbeitsstunden in den Bildern, als dass er sich von ihnen trennen könnte. Zu viel Herzblut, als dass sie ihm jemand bezahlen könnte. Für seine Kunden fertigt er daher Drucke an, denn die Originale sammelt er an den Wänden seines Studios: düstere Aquarelle, die Wälder, Totenköpfe und den Sensenmann zeigen. »Deadlines würden mir die Freude an meiner Lieblingsbeschäftigung nehmen«, resümiert der Künstler. »Denn ich male, um zu entspannen.«

Kontakt
Colin Zumbro
Atramentum Tätowierungen
Hörder Str. 386
58454 Witten
Tel.: 02302 5843332
c.zumbro@gmx.de
FB: Atramentum Tätowierungen
IG: colinzumbro

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Stand:17 October 2018 03:23:36/t%C3%A4towierer/schwarze+ornamentik-tattoos+von+colin+zumbro_18411.html