Realistic-Tätowierer János Fehér

17.04.2018  |  Text: Redaktion (Carina Neubauer)  |   Bilder: János Fehér
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Realistic-Tätowierer János Fehér
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János Fehér lebt den Traum vom Tätowieren bereits seit 2009. Am liebsten sticht der 33-Jährige düstere Realistic-Motive und er macht dabei kein Halt vor Extremen. Aktuell arbeitet er im Old Capital Tattoo Parlour in Bern. Der in der Schweiz lebende Tätowierer kommt aber auch häufig nach Deutschland zum Gasttätowieren. Erfahrt hier mehr über János Fehér …

János, erzähl doch mal …

War das Tätowieren schon immer dein Traumberuf oder gab es ursprünglich andere Pläne?
Erstmal wollte ich Automechaniker werden, aber mein Vater wollte nicht, dass ich die gleiche Arbeit mache wie er. (grinst) In meiner ersten Schule, die ich in Ungarn besucht habe, fing ich an zu zeichnen. Meine Lehrerin hat gesagt, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich weiter auf eine Kunstschule gehe. Aber leider hat mein Vater mich auch da nicht unterstützt. Weil meine Eltern schon lange getrennt waren, lebte ich mit meinem Vater alleine und konnte nicht auf Unterstützung von meiner Mutter hoffen. Also war es schwierig für mich.

Wie bist du auf die Idee gekommen Tätowierer zu werden?
Ich habe es immer geliebt zu zeichnen und das erste Tattoomagazin habe ich erst mit 14 Jahren entdeckt. Dann habe ich zu meinen Kumpels gesagt »Ich werde eines Tages Tätowierer sein!« Natürlich haben mich alle ausgelacht – bis jetzt. Ich denke, das war Karma. (grinst) Aber erst 2009 konnte ich anfangen diesen Traum zu leben.

Tattooartist János Fehér


Kannst du uns deinen Werdegang beschreiben?
Der Anfang war schwierig. Ich wusste nicht mal, wo oben und unten ist. Irgendwann habe ich mir meine erste Maschine gekauft, die immer noch in meiner Schublade liegt. Ich werde sie nie verkaufen. Jeden Tag, wenn ich die Schubladen aufmache, möchte ich mich daran erinnern, wo ich angefangen habe. Ohne Internet und die digitale Welt war es mega schwierig. Ich habe mir damals ein Buch von Guy Aitchison gekauft. Älteren Tätowierern muss ich ihn und sein Buch nicht vorstellen (»Reinventing the Tattoo«, Anm. d. Red.). Damals hat jeder von dieser Bibel gelernt. Ich hab mir auch viele Techniken und Tricks angeeignet. Ich wollte all das wissen, was jeder Tätowierer vor mir schon gewusst hat: vom Aufbau eines Designs bis zum selber Nadeln schweißen. Danach habe ich durch ein anderes Buch gelernt, Maschinen aufzubauen, weil ich damals mit einer Spulenmaschine gearbeitet habe und wissen wollte, wie ich sie besser einstellen kann und so weiter. In diesem Beruf lernst du immer etwas. Tja, so habe ich angefangen …

Was war ausschlaggebend dafür, diesen Job zu wählen?
Ich wollte immer etwas Besonderes machen und ich glaube das habe ich auch erreicht. (lacht)

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie hast du herausgefunden, welcher dir am besten liegt?
Mein Stil ist realistisch. Ich mag es auch düster und kratze ab und zu an der Grenze zu extremen Dingen, BDSM und so weiter. Ich setze aber auch gerne Ideen meiner Kunden um und mache Portraits, zum Beispiel von bekannten Personen. Irgendwie ist es schwierig zu sagen, was mir gefällt. Ich mag diese »Retro-Feeling-Portraits«, die an Filme aus den 60er-Jahren erinnern, aber auch Schädel. Bei mir kommt das immer aus einem Gefühl heraus: Wenn ich Bock habe Quallen oder Haifische zu stechen, dann würde ich das am liebsten sofort machen.


Tattoo by János Fehér


Was inspiriert dich für deine Motive und wann bist du am kreativsten?
Ich glaube, wenn ich einen Film schaue, werde ich ganz gut inspiriert oder von Internetseiten bekannter Fotografen, die ich mir anschaue. Schöne Fotos oder einfach allein Zuhause sitzen– das gibt mir Ideen.

Gibt es Motive oder Stile, die du ablehnst und was sind die Gründe dafür?
Ja, gibt es. Ich hasse Mode-Motive! Ich will immer lieber etwas Neues machen, anstatt einen Kompass oder so was, das schon in Mode ist. Dafür gibt’s den Ballermann. Ich denke, dass der Tätowierberuf besser und größer werden könnte, wenn wir uns auf die eigene Kunst konzentrieren und nicht Motive nur deshalb stechen, weil Justin Biber etwas ähnliches trägt. Das ist Bullshit. Kunst sollte einzigartig sein und ich konzentriere mich auf meine Kunst. Das muss nicht jedem gefallen.

Wenn du deinen perfekten Kunden und Termin beschreiben müsstest, wie wäre dieser?
Der perfekte Kunde kommt rein und sagt »Hast du einen freien Platz? Mir gefällt deine Kunst. Mach einfach, was du möchtest.« Ich glaube das ist der Traum von jedem Künstler.

Musst du häufig Aufklärungsarbeit leisten, wenn sich neue Kunden nicht auskennen oder Ideen haben, die sich nicht so gut umsetzen lassen?
Ja klar. Ich bin immer hilfsbereit, egal ob ich das Tattoo letztlich machen möchte oder nicht. Meine Kunden kennen mich so, dass ich ihnen ehrlich ins Gesicht sage, ob die Idee gut aussehen wird oder nicht. Beim ersten Mal haben viele Kunden ein bisschen Angst vor mir, weil ich – sobald sie mir ihre Motividee präsentieren – gleich anfange zu überlegen, wie ich sie am besten umsetzen kann. Dann schaue ich grimmig mit zusammengekniffenen Augen und sehe so aus wie Clint Eastwood aus diesem alten Cowboyfilm. (lacht)

Tattoo by János Fehér


Hast du Erfahrung mit dem Thema »Copycats« – also dem Kopieren von bereits bestehenden Tattoos?
Ja, das kommt immer wieder mal vor. Einmal kam eine Kundin von mir ins Studio und hat angefangen zu erzählen und zu zeigen, was sie möchte. Danach habe ich gesagt »Tja, ich möchte auch Millionär werden, einen Lambo fahren irgendwo an der Côte d’Azur.« Danach hat sie mich ausgelacht und hat mich gefragt, warum das Tattoomotiv so nicht geht. Ich habe ihr erzählt, dass ich keine Kopien mache und meine Tattookollegen respektiere. Nach einer Stunde Besprechung hat sie mir dann gesagt, ich solle einfach machen, was ich möchte. Das war einfach der Hammer.


An einem anderen Tag kam ein Junge rein und hat mir ein Bild von einem Tattoo gezeigt, das er unbedingt tätowiert haben wollte. Ich habe ihm gesagt, dass ich aus Respekt vor meinen Kollegen keine Kopien mache. Er hat gesagt, das sei ihm scheißegal. Er wollte dieses Tattoo. Also hab ich ihn gefragt, warum er das so wollte. Er antwortete mir: »Dann werde ich auch so cool.« Mamma Mia, habe ich mir gedacht und doppelt nein gesagt. Solche Menschen werden nie die wahre Schönheit von Kunst verstehen. Du wirst nicht wegen einem Tattoo cool, genau wie ich nicht wegen einem Proteinshake werde wie Arnold Schwarzenegger.


Tattoo by János Fehér


Wie sollen dich Kunden am besten kontaktieren und wie sieht bei dir das Prozedere bis zum eigentlichen Tattootermin aus?
Erstmal am besten auf Facebook oder auf Instagram kontaktieren – bitte nicht nach 21 Uhr und nicht am Sonntag. (lacht) Wenn mir jemand zu den Zeiten schreibt antworte ich nicht. Sorry Leute, aber ich brauche auch ab und zu mein Privatleben. Wir müssen uns einfach gegenseitig respektieren.

Machst du Guestspots und Conventions? Wenn ja, wo kann man dich finden?
Ja, natürlich. Ich bin ganz oft bei Randy Engelhard in seinem Studio Heaven of Colours in Zwickau und bei Bene Bader im Studio 22 SkinArt in Landsberg zu Gast. Und ich gehe auch oft auf Conventions, alle genauen Infos findet man bei mir auf Instagram oder Facebook.

Hast du Ziele für deine persönliche künstlerische Entwicklung?
Als Künstler möchte ich mich natürlich immer verbessern. Momentan möchte ich kein eigenes Studio, das bedeutet einfach zu viel Stress. Ich möchte lieber noch mehr reisen. In der Zukunft werde ich wahrscheinlich nach Kanada, Russland, Frankreich und natürlich Deutschland gehen. Ich mag es sehr, andere Artists kennenzulernen. Leute, mit denen ich heute freundschaftlich ein paar Bierchen trinke, waren zu meiner Anfangszeit Legenden für mich. Das ist unglaublich. Ich fühle mich in diesen Momenten oft wie der 14-jährige Junge, der mit großen Augen dieses Tattoomagazin angeguckt hat.

Art by János Fehér


Welche Dinge sind für dich beim Tätowieren unerlässlich?
Fürs Tätowieren? Maschine, Farbe, verschiedenes hygienisches Material usw.
Für die Kunst? Herz und Geduld. Ein bekannter Tätowierer hat mir mal gesagt: »Wer schnell hoch geht, geht auch schnell wieder runter. Und Legenden arbeiten sich langsam nach oben und genießen die frische Luft.« Irgendwie wahr, oder?

János Fehér Shortcuts

Das Schlimmste am Tätowieren ist … mit respektlosen Menschen zu arbeiten.

Das Beste am Tätowieren ist … wenn du dein Ziel erreichst.

Wenn ich mich nicht mit Tattoos beschäftige, dann … Sex,  Coca Cola, Rock-and-Roll.

Wenn mir ein Kunde eigentlich echt unsympatisch ist, dann … lehne ich ab.

Nach einem Tag im Tattoostudio mache ich am liebsten … Sport, Harley fahren und einfach ein bisschen runterkommen.

 

János Fehér im Web

Facebook :
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Instagram:
@janosfehertattooart

 
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Stand:21 August 2018 00:43:07/t%C3%A4towierer/realistic-taetowierer+janos+feher_18417.html