Realistic Tattoos made in Mannheim : Mirel Tattoo Gallery

23.02.2018  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Dumitru Todirica, Porträtfotos: Tobias Kircher
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Realistic Tattoos made in Mannheim : Mirel Tattoo Gallery
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Vom Elektriker zum preisgekrönten Tätowierer: Mit entwaffnender Selbstverständlichkeit hat sich der in Mannheim arbeitende Dumitru Todirica alias Mirel in die Top-Liga der Realistic-Künstler
Elektriker war ich, hatte also einen ganz normalen Job und habe nur zuhause tätowiert, mit selbst gebauten Maschinen«, sagt Dumitru Todirica, genannt Mirel, heute Betreiber der stylischen Mirel Tattoo Gallery in der Mannheimer Innenstadt. Aber damals, in Rumänien, war alles gar nicht professionell: »Da kamen halt Leute aus meiner Straße oder Freunde, die wussten, dass ich das mache. Ich habe schon mit vierzehn, fünfzehn Jahren tätowiert, aber ich dachte nie, dass das mein Beruf werden könnte. Erst 2009, 2010 habe ich erstmals in Rumänien professionellen Tattoo-Supply gesehen und angefangen, Equipment zu kaufen. Das lief mit professioneller Ausrüstung natürlich viel besser – davor musste ich selbst noch Nadeln zusammenkleben, mit Sekundenkleber, und Maschinen mit Walkman-Motor basteln.« Auch das Beschaffen von Motiven war damals nicht einfach: »Ich habe japanische Schriftzeichen aus Karate-Magazinen kopiert und eben dem einen Kunden dasselbe gemacht, was sein Kumpel schon hatte – es war einfach schwierig, neue Motive zu finden. Als ich irgendwann ein Flash-Magazin aus Amerika in die Hand bekam, war das für mich wie eine andere Welt.«

Tätowierer Mirel in seinem Studio in Mannheim

Dann machte die Firma dicht, bei der Dumitru damals arbeitete, und ihm schien der Moment geeignet, alles auf eine Karte zu setzen. »Ich habe direkt in einem Studio in Rumänien angefangen und mich viel von anderen Künstlern tätowieren lassen, auch um ihnen beim Arbeiten zuzuschauen und zu lernen.« An künstlerische Entfaltung war da nicht zu denken: »Ich habe am Anfang Walk-ins gemacht, Tribals, so was. Und nach einem Jahr bin ich dann nach Deutschland gekommen, weil Freunde mir dazu geraten hatten: Es gebe dort viel mehr Studios, alles sei besser und professioneller. Ich reiste zuerst zur Frankfurter Tattooconvention, das muss die 16. oder 17. gewesen sein, und dachte mir: Wow, so etwas gibt es hier schon seit siebzehn Jahren! Bei uns gab es das nicht. Das erste professionelle Studio in Rumänien gibt es gerade mal seit 1993, das von Ovidiu. Und hier, das war ganz anders, auch viel offener. Also habe ich mich mit meinem Portfolio beworben, das damals natürlich noch nicht so gut war.« Zunächst arbeitete der 33-Jährige in der Mannheimer Neckarstadt, die Mirel Tattoo Gallery in der Innenstadt gibt es nun seit zwei Jahren.

Es ist natürlich ein Klischee, dass jemand aus Draculas Heimatland eine Vorliebe für morbides Zeugs hat – in der Mirel Tattoo Gallery gibt man sich aber größte Mühe, diesem Klischee zu entsprechen

In Deutschland trugen früher vor allem Rocker, Punks, Skins oder Rockabillies Tätowierungen, während es in Rumänien solche Subkulturen nicht gab. Dennoch kam Mirel als Teenager mit Tattoos in Berührung. »Die gab es schon, die cooleren Typen hatten Tattoos. Streetgangs wäre das falsche Wort, aber eben solche Leute, oder aber Soldaten. Sie hatten Motive wie Panzer, Meerjungfrauen … Und die waren oft nicht toll, sondern mit der Nadel selbst gestochen.« Dass ihr Sohn sich ebenfalls für Tattoos begeisterte, versuchten seine Eltern nicht zu unterbinden. »Da hatte ich großes Glück. Meine Eltern haben mir nie etwas verboten, mit ihnen konnte ich immer reden. Natürlich hatten sie am Anfang schon Bedenken und fanden es nicht so toll. Sie haben zuerst übrigens auch gar nicht geglaubt, dass meine Tattoos echt sind, erst nach einer Weile haben sie das gemerkt.« Dass ihr Sohn aber mit diesem seltsamen Beruf auch noch nach Deutschland ging, war für sie dann doch nicht einfach. »Sie haben immer gefragt, ob ich genug zu essen habe«, erzählt Mirel lachend. Und nun, da ihr Spross regelmäßig Preise auf internationalen Conventions abräumt, sind sie stolz – auch wenn sie sich nicht wirklich vorstellen können, dass Tätowieren inzwischen ein ernstzunehmendes Business ist.

Um die Motive vorzubereiten, setzt sich Mirel mit seinen Kunden zusammen vor den Rechner und verändert sie so lange, bis es perfekt passt. Auf seinem Computer hat er eine riesige Sammlung an Bildern zu allen möglichen Themen, die er bearbeiten, verfremden oder kombinieren kann.

Wie Mirel stechen viele osteuropäische Tätowierer im Realistic-Stil. Der Wahl-Mannheimer hat einen Verdacht, warum das so ist: »Ich denke, das liegt einfach daran, dass es bei uns diese Tattootradition gar nicht gibt, in der Old-School-Motive verwurzelt sind. Und wenn dann jemand eine Rose oder einen Schmetterling tätowiert haben möchte, dann will er das einfach so realistisch wie möglich haben. Erst in letzter Zeit fangen einige Tätowierer an, auch in Richtung Neo- traditional oder New School zu gehen.«

Mirel sieht immer noch einen großen Unterschied zwischen Realistic in Black-and-Grey und Farbrealismus. »Die Technik ist völlig anders, man braucht auch andere Maschinen. Ich erkenne den Unterschied, ob ein Black-and-Grey-Tattoo von einem Tätowierer gestochen wurde, der nur in Schwarz-Grau arbeitet, oder ob es von einem Realistic-Tätowierer stammt, der normalerweise mit Farbe sticht. Aber es hat natürlich auch jeder seine eigene Technik. Ich habe früher zum Beispiel ein Bild von unten nach oben aufgebaut, wie bei einem Drucker, jetzt arbeite ich eher mit Schichten, wie beim Malen. Ich denke, das ist bei jedem anders.« Auch diese Technik hat sich Mirel mehr oder weniger autodidaktisch beigebracht: »Ich war als Gasttätowierer zum Beispiel im Nadelwerk in Österreich zusammen mit Csaba Müllner, den ich für einen der Besten halte. Und auch in Dänemark habe ich den Künstlern zugeschaut. Das macht für mich mehr Sinn als ein Tattooseminar. Bei Guest-Spots redet man von morgens bis abends über Tattoos, man sieht viel – und dann probiert man einfach aus, was für einen funktioniert.«

Um die Motive vorzubereiten, setzt sich Mirel mit seinen Kunden zusammen vor den Rechner und verändert sie so lange, bis es perfekt passt. Auf seinem Computer hat er eine riesige Sammlung an Bildern zu allen möglichen Themen, die er bearbeiten, verfremden oder kombinieren kann.

Auch das ewig kritische Thema der Haltbarkeit realistischer Tätowierungen greift Mirel auf: »Früher war das wirklich ein Problem. Die Tätowierer hatten zu leichte Farben, zu wenig Kontrast. Aber ich bin der Meinung, wenn du wirklich kontrastreich tätowierst, kann ein Realistic-Tattoo unter Umständen haltbarer sein als eine Old-School-Arbeit. Dazu braucht man nicht immer Lines – eine schwarze Fläche erfüllt denselben Zweck. Klar muss man bei Farben wie Gelb aufpassen, dass man nicht so oft in die Sonne geht, aber das ist ja bei einem japanischen Tattoo nicht anders.« Mirel öffnet auf dem Laptop das Bild eines Tattoos, das noch nicht fertig und bei dem bislang nur Schwarz zu sehen ist: »Ich versuche, das Tattoo so auszulegen, dass bereits mit dem Schwarz alles steht und alle Wesentliche Elemente da sind. Und das bleibt für immer.«

Es ist natürlich ein Klischee, dass jemand aus Draculas Heimatland eine Vorliebe für morbides Zeugs hat – in der Mirel Tattoo Gallery gibt man sich aber größte Mühe, diesem Klischee zu entsprechen

Die Ideen seiner Kunden arbeitet der junge Rumäne mit Photoshop aus. Die Software benutzt er auch, wenn ein Kunde sich schlecht vorstellen kann, wie ein Tattoo an einer Körperstelle wirkt: Dann montiert er das Motiv einfach auf ein Foto von Arm oder Rücken. Auf der Festplatte hat Mirel außerdem ein großes Portfolio an Bildern und Fotos – Sammlungen von Totenkopfmotiven zum Beispiel – und kann aus diesem Archiv für jeden Kunden ein individuelles Tattoo zusammenstellen. »Das mache ich direkt mit dem Kunden zusammen. Früher habe ich da viel Zeit verloren. Wenn ich lange etwas vorbereitet hatte und schließlich der Kunde kam und es ihm nicht gefallen hat, dann habe ich wieder was Neues gemacht und so weiter …«

Um die Motive vorzubereiten, setzt sich Mirel mit seinen Kunden zusammen vor den Rechner und verändert sie so lange, bis es perfekt passt. Auf seinem Computer hat er eine riesige Sammlung an Bildern zu allen möglichen Themen, die er bearbeiten, verfremden oder kombinieren kann.

Pro Tag sticht Mirel meist nur einen größeren Termin und maximal abends noch etwas Kleines, um sich optimal auf die jeweilige Arbeit fokussieren zu können. Und neben Zeit für jeden Kunden sind auch Tattooconventions für Mirel wichtig. Die Show in Karlsruhe 2012 war die erste, die er als Künstler selbst mit bespielte, aber gleich räumte er dabei einen Pokal ab. »Wenn man irgendwo neu ist, reicht es nicht, sich hinzustellen und zu warten, dass die Kunden in den Laden strömen. Man muss rausgehen, sich bekannt machen.« Das Problem, dass ihn keiner kennt, hat er heute nicht mehr: »Ich habe eine Weile lang Termine für anderthalb Jahre im Voraus gemacht, aber damit habe ich aufgehört. So bin ich etwas freier und flexibler.«


Kontakt

Mirel Tattoo Gallery
B2 10
68159 Mannheim
Tel.: 0621 44586381
FB: Mirel Tattoo Art Gallery
IG: mireltattoo
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