Tätowiererin Madlyne van Looy: Plumploris in Velbert

19.10.2018  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Alexander van Looy, Madlyne van Looy
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Tätowiererin Madlyne van Looy: Plumploris in Velbert
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Vor zweihundert Jahren hätte Madlyne van Looy mit ihren naturalistischen Tierdarstellungen als Illustratorin von Biologiebüchern Karriere machen können. So aber ist sie Tätowiererin und möchte ihren Kunden etwas von der Schönheit der Natur unter die Haut bringen.
Man könnte meinen, der Ortsteil Langenberg in Velbert, in dem sich Madlyne van Looys Studio befindet, sei stilistisch passend um ihr Studio herum aufgebaut worden. Mit den verwinkelten Gässchen, den kleinen, pittoresken Fachwerkhäusern, einem kleinen Bächlein und den mit Schieferplatten verkleideten Fassaden wirkt es ein wenig wie eine Filmkulisse, bei der Rosamunde Pilcher mal so richtig aus dem Vollen geschöpft hat. Alles hat einen gewissen Retro-Charme, ohne altbacken zu wirken – und Madlynes cleanes, stylishes Tattoostudio fügt sich perfekt ins Bild. Zumal es von außen auch nur auf den zweiten Blick als solches wahrgenommen wird. Es könnte ebensogut ein hippes Atelier, eine Boutique oder eine Schneiderei sein.

Künstlerisch besonders Freude bereiten Madlyne Tiermotive, die exotisch oder weniger häufig zu sehen sind, wie diese Qualle und das Chamäleon

Tatsächlich ist Madlyne noch gar nicht so lange in Velbert angesiedelt, erst seit einem Jahr gibt es ihr Studio dort. 2013 hatte sie im Stechwerk im nahen Wuppertal angefangen, wo sie vier Jahre blieb. Schon zwei Jahre nach dem Start ihrer Tattookarriere nahm Madlyne dann am TätowierMagazin-Nachwuchs-Contest teil, wo sie es unter die Top Ten schaffte.

Ursprünglich hatte es Madlyne mit einem Universitätsstudium probiert: »Kunstgeschichte und Thea­ter­wissenschaft, aber das hat sich nicht so als das Wahre herausgestellt. Ich wollte dann doch lieber was Praktisches machen.« Das Studium abzubrechen und eine Ausbildung zur Tätowiererin zu machen, ist natürlich auch heute noch etwas, was man seinen Eltern nur schwer vermitteln kann: »Sie sind ja beide untätowiert und können das schlecht einschätzen, ob man mit so was über die Runden kommen kann. Aber sie haben das Tätowieren an sich nicht abgelehnt, es war mehr die elterliche Sorge um meine Zukunft.« Für Tattoos hat sie sich schon als Jugendliche interessiert, »und am liebsten hätte ich mich schon mit sechzehn Jahren tätowieren lassen, hab dann aber gewartet. Ich hatte damals einfach noch die Befürchtung, dass ich mit einem Tattoo in dem Museums- und Kunstbetrieb, den ich mir beruflich vorstellte, später keinen Job bekommen würde.«

»Ich habe mir tatsächlich mal Farben gekauft und sie irgendwann unbenutzt weggeworfen, als das haltbarkeitsdatum abgelaufen war«

Was Madlyne am Tätowieren heute fasziniert, ist vor allem das Medium Haut: »Ich fand es immer faszinierend, was auf Haut möglich ist. Als ich früher Zeitschriften durchgeblättert und da zum Beispiel realistische Werke von Andy Engel gesehen habe, hat mich das angezogen. Inzwischen ist es aber auch einfach der Kontakt mit den Kunden, der mir sehr wichtig ist«, erklärt sie. »Ich mag es, mit ihnen zusammen Ideen zu entwickeln, zu erfahren, was sie bewegt, das macht mir sehr viel Spaß.«

Ihren Stil hat Madlyne schon von Anfang an verfolgt: »Naturalistische Sachen, Tier- und Pflanzenwelt, das ist das, was ich auch schon immer als Tattoos umsetzen wollte. Natürlich hab ich am Anfang auch mal ein Unendlichkeitszeichen gestochen, aber zeichnerisch war ich da schon auf einem ganz anderen Level.« Besonders historische Kupferstich-Illustrationen aus alten Naturbüchern inspirieren sie. Madlyne begreift auch die Umwelt an sich als eine Inspiration: »Den goldenen Schnitt und das alles findet man in der Natur, zum Beispiel wenn man sich Schneckenhäuser oder Schneeflocken anschaut – das sind ja auch fast Kunstwerke.« Für die junge Tätowiererin haben Flora und Fauna auch immer etwas Friedliches: »In der Natur fühlt man sich einfach wohl. Und vielleicht kann ich mit meinen Tattoos etwas davon einfangen, was der Kunde dann mitnehmen kann.« Die in ihren Arbeiten deutlich sichtbare Naturverbundenheit ist auch das, was diese trotz ihres modernen Stils zeitlos macht: »Menschen, denen Natur wichtig ist, wird es immer geben«, ist sich Madlyne sicher.

Ob Hörnchen und Specht, Fuchs oder Wolf: Madlyne van Looy sticht häufig heimische Tierarten, weil der Bezug der Kunden zu ihnen größer ist als bei exotischen Tierarten

Was für Madlyne besonders wichtig ist und was in ihren Augen einen großen Unterschied zu den angesprochenen Natur-Bildbänden macht, ist die Tatsache, dass sie ja nicht auf Papier, also einem toten Medium, sondern auf dem menschlichen Körper arbeitet – also dass sie organische Strukturen auf ein organisches Medium überträgt. »Die Formen der Pflanzen und Tiere müssen sich auf den Arm oder den Körper fügen.«

Zu ihren Kunden gehören Personen von achtzehn bis über fünfzig, manche sind Sammler, für viele kommt aber auch ein anderer Stil als Madlynes gar nicht in Frage. »Und ja, es sind viele Frauen«, ergänzt sie. Das kommt womöglich unter anderem durch die Luftigkeit der Motive, die eher leicht wirken und viel Haut frei lassen, während viele andere Tattoostile eher mit satten Farbflächen arbeiten. »Auch die Kompositionen sind ja oft etwas femininer, mit Gräsern, Farnen und Sträuchern oder so«, meint sie. Farbe sucht man in ihren Arbeiten übrigens vergebens: »Ich hab mir tatsächlich mal aus einer Laune heraus Farben gekauft, musste sie dann aber irgendwann unbenutzt wegwerfen, als das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war.«

Ob Hörnchen und Specht, Fuchs oder Wolf: Madlyne van Looy sticht häufig heimische Tierarten, weil der Bezug der Kunden zu ihnen größer ist als bei exotischen Tierarten

Ihr Farbverzicht hat ästhetische Gründe: Auf sich selbst wie auch in ihren Abeiten mag Madlyne einfach keine bunten Stellen. Dass diese teilweise auch weniger haltbar wären, spielt in ihrer Entscheidung keine Rolle. Die Tatsache, dass das Medium Haut jedoch altert und sich verändert, bezieht Madlyne durchaus in die Planung ihrer Tätowierungen ein: »Ich habe schon Motive abgelehnt, weil sie zu klein waren. Ich muss nicht dabei mitmachen, wenn es darum geht, das kleinste Tierporträt in Briefmarkengröße zu stechen.«

Laufkundschaft hat sie in Velbert überhaupt nicht. Wer zu ihr kommt, der hat explizit nach Madlyne gesucht. »Ich wollte nach dem Stechwerk einfach etwas Ruhiges, weniger Trubeliges. Natürlich ist das Arbeiten in einem Studio mit anderen auch angenehm, aber wenn es darum geht, welche Musik läuft und so weiter, war doch irgendwann mal klar, dass ich etwas Eigenes wollte. Und da ich ohnehin keine Laufkundschaft habe, war es auch relativ egal, wo ich mein Studio aufmache. Lediglich, dass die Anbindung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben ist, war mir wichtig.«

Vielfach stellt Madlyne van Looy die Tiere in einem Ausschnitt ihrer natürlichen Umgebung dar,hier etwa Bären und Pandas

Grundsätzlich freut sich Madlyne immer, wenn ihre Kunden exotische Wünsche haben: Fetzenfisch und Plumplori, Gürteltier und Tapir findet sie grundsätzlich interessanter als Fuchs, Hirsch und Hase. »Natürlich haben die Leute mehr Bezug zu heimischen Tierarten. Aus künstlerischer Sicht finde ich Exoten aber spannender.« Auch das Thema Strukturen, vor allem organische, spielt für sie eine große Rolle: »Ein ganzer Arm mit Miesmuschel-Struktur: Da wäre ich sofort dabei!«

Um nicht in die Falle zu geraten, dass Kunden sich nur an bereits gestochenen Werken orientieren und den Künstler dazu verdammen, immer und immer wieder das Gleiche zu reproduzieren, bietet Madlyne Wanna-dos an. Sie geben ihr die Möglichkeit, an ihrem eigenen Stil zu feilen und Neues auszuprobieren.

Kontakt:
Madlyne van Looy
Tattoo & Art
Hauptstraße 77
42555 Velbert
Tel. 02052 9266688
www.madlynevanlooy.de
Madlyne van Looy Tattoo & Art madlynevanlooy
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Stand:16 December 2018 19:32:39/t%C3%A4towierer/plumploris+in+velbert+die+farblose+tierwelt+der+madlyne+van+looy_181011.html