Plakative Traditionals von Saschi McCormack

24.11.2017  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Saschi McCormack
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Plakative Traditionals von Saschi McCormack
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Zehn Jahre lang lebte Saschi McCormack in Irland und hatte in Dublin ein ausgebuchtes Studio. Nun ist er zurück in Deutschland und freut sich über die Herausforderung eines kompletten Neuanfangs.
Die Herbstsonne, die durch die Scheiben des Café Ideal in Frankenthal strahlt, ist beinahe zu warm für die Jahreszeit und man könnte sich gut einen Eiskaffee oder Ähnliches bestellen an diesem letzten Oktobertag. Ich habe mich im Café mit Saschi McCormack zum Interview verabredet, weil wir uns nicht in seinem Studio treffen können – er hat nämlich noch keines. Und dass wir von unserem Tisch aus über die Straße aufs Irish Pub »Dublin« neben dem Frankenthaler Bahnhof blicken, ist ein witziger Zufall, denn genau da war Saschi vor ein paar Stunden noch – also nicht im Irish Pub, sondern in Dublin. Tatsächlich ist er erst am Vortag unseres Interviews aus Irland zurückgekommen und hat wahrscheinlich noch nicht mal die Koffer ausgepackt. »Also praktisch gerade eben aus dem Flieger gefallen?«, frage ich ihn. »Von der Fähre gestiegen«, korrigiert mich Saschi – fliegen kommt für ihn nicht in Frage, erklärt er mir: er hat Flugangst.

Zehn Jahre lang versorgte Saschi McCormack die Iren mit seinen plakativen Traditionals – nun hofft er, dass die bei den Pfälzern genauso gut ankommen.

Das haben natürlich viele, aber wenn man auf einer Insel lebt, dann schränkt Flugangst das Leben um einiges mehr ein, als wenn man beispielsweise in Deutschland lebt, wo man mit der Bahn kreuz und quer durch Europa touren kann – insofern war dieses Handicap nicht unerheblich für Saschis Entschluss, zurückzukommen.

Auch Schwarz-Grau geht Saschi gut von der Nadel; das eignet sich gut bei Kunden mit etwas dunklerem Hautton. Bislang hatte er vorwiegend weißhäutige irische Kundschaft, möglicherweise muss er sich für den sonnenverwöhnten Pfälzer Teint nun ein wenig umgewöhnen.

Dass Saschi nach zehn Jahren in Irland nach Deutschland zurück wollte, hatte er uns vor einigen Wochen bereits in einer Mail mitgeteilt. Wir gingen davon aus, dass er, wie so viele, selbstverständlich nach Berlin ziehen würde. Man hat ja den Eindruck, dass inzwischen alle Tätowierer dort hinziehen und Friedrichshain inzwischen nur noch aus Kneipen und Tattoostudios besteht. Aber dann die Überraschung, als er uns sagte, wo er seine Zelte aufschlagen möchte: Frankenthal. In der Pfalz. Dieses Anhängsel von Ludwigshafen, das wiederum der hässliche kleine Bruder von Mannheim ist. Warum um Himmels willen zieht man denn nach Frankenthal? »Ich bin hier aufgewachsen und hab auch vor elf Jahren hier mit dem Tätowieren angefangen«, erzählt Saschi, »und ich wollte zurückkommen, auch um zu zeigen, was ich in den letzten elf Jahren dazugelernt hab. Denn am Anfang waren meine Sachen ja noch nicht so toll.«

Starke Farben und besonders der Einsatz von Weiß machen den Wiedererkennungswert in Saschis Arbeiten aus. Bei der Verwendung von Blüten 
und Blumen ist er nicht sparsam.

Er kennt hier noch Leute und auch seine Eltern wohnen hier. Ein ziemlich wichtiger Punkt für Saschi, denn bedingt durch seine Flugangst konnte er nicht einfach alle paar Monate nach Deutschland kommen. »Ich war das letzte Mal vor drei Jahren hier und hab auch meine Eltern drei Jahre lang nicht gesehen. Und, na ja, man wird nicht jünger, die Eltern auch nicht …«

»Wenn die Tätowierer in der Umgebung ein hohes Niveau haben, dann muss man sich selbst pushen.«, sagt SashaMcCormack.

Dennoch: einen erfolgreichen, auf Monate ausgebuchten Laden in Dublin zu betreiben, auf der grünen Insel, von der viele träumen – und das eintauschen gegen Frankenthal in der Pfalz? »Ich hab mir vorgestellt, was wäre, wenn ich jetzt achtzig wäre. Was würde ich bedauern, nicht getan zu haben? Und dann war ganz klar, dass ich das tun muss. Dublin klingt toll, aber ich hab zwei Minuten vom Laden entfernt gewohnt und mein Leben war einfach nur: Zuhause – Studio – Zuhause – Studio … jeden Tag dasselbe. Und es ist halt eine Insel, eine kleine Szene, in der jeder jeden kennt. Ich mag die Leute, aber man lernt nie neue Leute kennen. Hier hab ich wieder die Möglichkeit auf Conventions zu gehen, umherzureisen, neue Bekanntschaften zu schließen.« Dass er in Frankenthal wieder von vorn anfängt, sich alles neu aufbauen muss, schreckt Saschi nicht: »Man kann nicht immer in der Komfortzone bleiben. Und wenn man sich anstrengt, dann wird sich der Erfolg auch wieder einstellen.«



Wie sein zukünftiges Studio funktionieren soll, weiß Saschi bereits: »Das wird auf Appointment-only-Basis laufen, ich brauche Zeit, um mich optimal auf einen Termin vorzubereiten. Ich hab auch mal bei Fabian Nitz in Neukölln gearbeitet, der sein Studio wirklich als Streetshop betreibt, wo man reinkommt, sagt, dass man ’nen Adler will und dann bekommt man den sofort. Ich muss mir da mehr Zeit lassen. Gerade als ich angefangen hab, hab ich oft zu schnell gearbeitet und dann hatte ein Adler eben sechs Klauen oder so …«



Zeit hat sich Saschi auch mit seiner Ausbildung gelassen: »In Frankenthal hab ich so vier Monate lang bei jemandem gelernt, aber wir haben nicht wirklich miteinander harmoniert. Als ich dann in Irland eine traditionelle Lehre gemacht hab, habe ich die ersten drei Jahre überhaupt nicht tätowiert.« Erst danach begann Saschi langsam damit, kleine Sachen zu stechen – von dieser Art der Lehre ist er noch heute überzeugt. Die ersten zwei Jahre lernte er bei Paul Gascoigne, einem echten Oldschooler, der schon seit vierzig Jahre tätowiert, danach hat er seine Ausbildung bei Darren Brauders fortgeführt. »Von ihm hab ich sehr viel übernommen, insbesondere was Linien angeht. Darren macht mehr so diesen europäisch beeinflussten Japanese-Style, aber das kann man gut auf Traditional übertragen. Die Technik ist da sehr ähnlich.« Wobei Saschi anmerkt, dass er kein reines Traditional sticht: »Ich verwende Farben, die im Traditional eher unüblich sind, ich benutze viel Weiß und auch unterschiedliche Linienstärken.«



Bei dem Weiß hake ich nach: Wie passt das zu einem Stil, der sich durch Dauerhaftigkeit und Langlebigkeit auszeichnet, wo doch Weiß im Ruf steht, eher für kurzfristige Effekte zu funktionieren, aber nicht wirklich haltbar zu sein? »Es kommt auf den Hauttyp an – aber meiner Erfahrung nach kann das schon funktionieren. Allerdings muss man da natürlich sagen, dass in Irland alle sehr helle Haut haben. Und man muss das Tattoo natürlich auch so anlegen, dass nichts fehlt, wenn nach ein paar Dutzend Mallorca-Urlauben das Weiß rausgegangen ist. Und dann ist das Weiß eben der Bonus für die nächsten zehn Jahre. Natürlich kommt es da auch auf die Technik an, man kann Weiß nicht so tätowieren, als würde man ’ne schwarze Linie ziehen – dann würde es tatsächlich nicht halten.«



Dennoch ist die Dauerhaftigkeit für Saschi ein ganz wichtiger Aspekt und auch einer der Gründe, weshalb er beim Traditional gelandet ist. Handwerk und Technik sind die Begriffe, die er während unserer Unterhaltung am häufigsten erwähnt, sie kommen für ihn ganz klar vor Kunst, wenn es ums Tätowieren geht. Saschi findet es schön, wenn ein Tattoo nicht mehr ganz neu ist und schon etwas Patina hat, aber technisch muss es haltbar gemacht sein und darf sich in Bezug darauf auch nach Jahren nicht vom neuen Tattoo unterscheiden.



Dass die Iren hellere Haut haben als die Pfälzer ist sicher ein Aspekt, auf den sich der Rückkehrer wird einstellen müssen, aber wie sieht es denn mit der Mentalität der Kundschaft aus? Gibt es da Unterschiede? »Was die Motive angeht, da sind die Iren inzwischen nicht weniger offen als Deutsche, wenn sie dir vertrauen. Aber einen Unterschied gibt es auf alle Fälle: Die Iren kommen immer zu spät zum Termin! Und ich rede nicht von zehn Minuten, ich spreche von Stunden!« Da freut sich Saschi jetzt schon auf die deutsche Pünktlichkeit … Eine weitere Sache, auf die er sich freut, sind Conventions. »Klar gibt es auch in Irland Conventions, aber es sind nur vier oder fünf und manche sind so klein, dass sie im Zelt oder einem Pub stattfinden. Und mit meiner Flugangst konnte ich nicht viel rumreisen – wenn die Fähre eben achtundzwanzig Stunden dauert … aber hier, hier gibt es ja an jedem Wochenende irgendwo ne Tattoomesse!«



Man merkt Saschi den Enthusiasmus an, mit dem er dieses neue Kapitel angehen will und bei dem ihm der Austausch mit anderen Tätowierern, der in Irland nur eingeschränkt möglich war, besonders wichtig ist. »Ich hab mich auch umgeschaut, wen es hier in der Umgebung sonst noch gibt, aber im positiven Sinne. Ich finde es gut, wenn die Tätowierer in der Umgebung ein hohes Niveau haben, denn dann muss man sich selbst pushen, dieses Niveau zu erreichen. Und hier ist das Niveau sehr hoch, wenn ich da zum Beispiel an Clemens Hahn und Erkan Keser in Mannheim denke, oder auch an Studios in Heidelberg, Frankfurt … und wäre ich in meiner Routine Dublin geblieben, dann hätte ich das nicht gehabt, dann hätte es keinen Grund gegeben, mich weiter zu entwickeln. Und ich wollte nicht in zehn Jahren denken: Was wäre gewesen, wenn ich nach Frankenthal zurückgegangen wäre? Hätte ich es da geschafft? Es ist eine Herausforderung, es ist nichts sicher – und das gefällt mir!«




Kontakt

Saschi McCormack
IG: saschi_mccormack
FB: blacklinesmattertattoo
Westliche Ringstraße 10
67227 Frankenthal
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Stand:19 July 2018 19:37:59/t%C3%A4towierer/plakative+traditionals+von+sasha+mccormack_171120.html