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Newcomerin auf der Walz: Tätowiererin Miss Freya

02.04.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel   |   Bilder: Miss Freya
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Newcomerin auf der Walz: Tätowiererin Miss Freya
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Miss Freya, die beim TätowierMagazin-Nachwuchscontest auf der Tattoomenta in Kassel einen hevorragenden dritten Platz erstritt, orientierte sich erst in Richtung Kommunikationsdesign. Doch da stand am Ende ein Bürojob in Aussicht, bei dem eine individuelle Prägung unerwünscht war. Da suchte sie sich lieber einen Beruf, bei dem man viel Reisen kann und ein individueller Stil von Vorteil ist
Gerade eben kommt Miss Freya aus Brighton zurück ­–­ nicht vom Badeurlaub, für den die südenglische Stadt ein beliebtes Ziel ist, sondern von der Tattooconvention, die dort alljährlich abgehalten wird und die an Renommee kaum hinter der berühmten Londoner Tattooshow zurücksteht. Wie auch bei der Londoner Tätowierermesse kann man sich hier nicht einfach anmelden und erscheinen, wenn einem danach ist – zu Brighton wird man eingeladen, wenn die Veranstalter sich nach genauer Überprüfung des eingesandten Portfolios sowie der auf Instagram gezeigten Arbeiten ein Bild vom Können eines Bewerbers gemacht haben und wenn dieser darüber hinaus in einem Bewerbungsschreiben überzeugend dargelegt hat, warum er oder sie auf dieser Messe arbeiten möchte und für die Convention Brighton eine attraktive Bereicherung darstellt. Ja genau, ein Bewerbungsschreiben, ein Aufsatz.

Newcomerin Miss Frey tätowiert Neotraditional

Wer dieses Auswahlverfahren erfolgreich absolviert hat, darf sich durchaus geadelt fühlen – selbst wenn man, wie Miss Freya, nahezu monatlich Conventions auf der ganzen Welt besucht. »Ich hab eigentlich auf Conventions überall nur gute Erfahrungen gemacht«, berichtet sie, »mit Ausnahme der Niederlande.« Dort würden die Veranstalter ihre Events kaum bewerben und die Kunden wollten kein Geld ausgeben. »Die laufen dann nur mit ihrem mitgebrachten Design von Stand zu Stand und schauen, wo sie es am billigsten bekommen.« Da fühle man sich als Künstler natürlich auch nicht besonders wertgeschätzt. »Aber auf der Brighton-Convention war ich auch schon als Besucherin und hatte gleich gedacht, das wäre großartig, dort mal zu arbeiten.« Wenn die Kunden dann auch noch auf ihre Wanna-dos anspringen, hat es sich für Miss Freya auch schon gelohnt. »Samstag hab ich dort nur Walk-ups gemacht und war von der ersten Minute an beschäftigt, die haben uns abends wirklich rausgeschmissen«, erzählt sie begeistert von der Messe.

Newcomerin Miss Frey tätowiert Neotraditional

Reisen muss sie auf alle Fälle: »Ich bin schon drei von vier Wochen im Studio 23 in Frankfurt, aber eine Woche muss ich raus, auf Conventions oder Guestspots, sonst fällt mir die Decke auf den Kopf«. Ein- oder zweimal im Jahr darf es auch etwas weiter weg gehen, etwa nach Australien oder Neuseeland. »Für mich ist das Reisen ein wichtiger Teil des Tätowierens. Ich kann auch gar nicht mehr ohne Maschinen verreisen. Nach Brighton hab ich mir auch noch zwei Tage London angesehen, aber so nach zwei Tagen muss ich dann wieder tätowieren.«

Ein besonders wichtiger Punkt beim Reisen als Tätowiererin ist die Möglichkeit, zu lernen und sich technisch wie auch stilistisch weiterzuentwickeln: »In Malaysia zum Beispiel, da braucht man eine ganz andere Farbpalette als hier, weil der Hautgrundton ein ganz anderer ist. Eierschalen­gelb siehst du da nach dem Verheilen gar nicht mehr auf der Haut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ohne die Reisen und Guestspots heute technisch da wäre, wo ich jetzt bin. Irgendwas kann man sich immer abschauen.« Obgleich Miss Freya gerade mal seit dreieinhalb Jahren arbeitet, kann sie eine Entwicklung in ihrer Arbeit beobachten: »Etwas aufgeräumter ist es inzwischen, oder wie man den Stencil vorbereitet, wie man etwas platziert ... schönere Übergänge, das Arbeiten mit Lichtquellen, oder auch einfach insgesamt etwas strukturierter zu werden, das sind so Sachen, über die ich mich mit anderen austausche. Hauptsache ist, nie stehen bleiben.«

Newcomerin Miss Frey tätowiert Neotraditional

Auf der Tattoomenta in Kassel, wo Miss Freya mit Rosa Vogt und Peggy Hähner um den Titel der Nachwuchs­tätowirerin 2018 antrat, erfuhr sie ja das Thema des Tattoobattles erst direkt vor der Challenge; kein Problem oder eine echte Herausforderung? »Es ist so ’ne Mischung. Die fertige Linienzeichnung hab ich in der Regel schon gern morgens fertig, aber zum Beispiel sowas wie die Farben, das bespreche ich dann erst beim Termin mit dem Kunden. Ich brauch da schon Zeit, um das auch mal ein, zwei Stunden liegen zu lassen und dann noch mal draufzuschauen.«

Gerade die Arbeit mit den Kunden macht Miss Freya besonderen Spaß: »Ich will das auch mal abklopfen, ob man das Motiv vielleicht individueller angehen kann. Dafür nehm ich mir auch gern mal ’ne halbe Stunde Zeit, auch bei Laufkundschaft. Das hilft unheimlich, und die Leute sind auch viel entspannter, wenn sie merken, dass man sich mit ihnen und dem Thema auseinandersetzt.« Und natürlich freuen sich die Kunden auch noch mehr über ihr Design, wenn sie merken, wie sie selbst auch Teil des kreativen Prozesses werden und Miss Freya ihnen dabei hilft, kreatives Potenzial zu aktivieren, von dem sie selbst zuvor vielleicht gar nichts geahnt haben.

Newcomerin Miss Frey tätowiert Neotraditional

Obwohl viele Kunden gern Neotraditional-Tiere von Miss Freya möchten, die sie ähnlich von ihr auf Instagram gesehen haben, will sie selbst da nicht stehen bleiben: »Ich bin eigentlich relativ breit aufgestellt, und auch wenn mir solche Sachen als Erstes aus der Hand fließen, wenn ich keine Vorgabe hab, mag ich es total, wenn ich vor Herausforderungen gestellt werde, die ich noch nie für mich in Betracht gezogen hab.« Auch hier helfen ihr natürlich Auslandsaufenthalte und Guestspots, denn von Kunden, die sie nicht kennen, wird sie auch weniger festgelegt. »Wenn ich jeden Tag ’nen niedlichen Fuchs und süße Häschen stechen würde, würde mir das ja auch bald langweilig werden. Und solange ich etwas noch nicht ausprobiert hab, weiß ich ja nicht, ob es mir liegt.«

Das Experimentieren fällt aber andererseits auch wieder leichter auf den Kunden, die bereits etwas von Miss Freya haben und ihre Arbeitsweise kennen, also wissen, worauf sie sich auch mit ungewöhnlicheren Anfragen einlassen. »Aber jetzt einen völlig anderen Still, wie zum Beispiel   Maori, das könnte ich zwar technisch, aber dafür fehlt mir das Wissen um die Bedeutung und Hintergründe. Und wenn man schon mal in Neuseeland war, weiß man, dass das auch sehr respektlos ist gegenüber dieser Kultur, so etwas würde ich auch deshalb schon nicht stechen.«

Newcomerin Miss Frey tätowiert Neotraditional

Dass Miss Freya Tätowiererin wurde, war ihr eigentlich nicht vorbestimmt gewesen. Zunächst studierte sie Kommunikationsdesign, was sie auch abschloss. »Ich hatte das angefangen, weil meine Hauptinteressen Gaming und Zeichnen waren. Mit Gaming hab ich auch Englisch gelernt, mehr als durch das Schulenglisch. Aber die Designbranche, das war nicht meins, dieses Business-Getue – und ich könnte auch nicht mein Leben lang am selben Büroplatz sitzen.« Als ihr dann gesagt wurde, sie solle doch das Zeichnen bleiben lassen, weil man immer ihren individuellen Stil erkennen könne, was im Design eben nicht gefragt ist, drängte sich das Tätowieren geradezu als Alternative auf. Hier ist Reisen kein Problem und eine individuelle Handschrift nur von Vorteil. »Dennoch hab ich in der Tattooausbildung alles gemacht, und mach auch jetzt noch zwischendurch mal ’nen Schriftzug. Ich kenn das auch aus der Ausbildung, dass man als Tätowierer nicht der abgehobene Rockstar sein sollte, der nur noch Handpoking macht und bis 2020 ausgebucht ist.«

Jetzt sei sie aber auch mal bis auf Weiteres wieder eine Weile in Frankfurt anzutreffen, erklärt sie am Endes des Interviews, nur um sich sofort selbst zu korrigieren: »Ach nee, stimmt ja gar nicht, ich bin ja jetzt erst mal ’ne Woche in Schweden …« 

Newcomerin Miss Frey tätowiert Neotraditional
Kontakt:
Miss Freya
Studio 23 Tattoo & Galerie
Schweizer Str. 23, 60594 Frankfurt am Main
Tel: 069 40327686
Facebook: missfreya.art
Instagram: _missfreya_
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Stand:24 April 2019 18:46:08/t%C3%A4towierer/newcomerin+auf+der+walz+taetowiererin+miss+freya_19320.html