Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin

23.03.2018  |  Text: Amadeus Thüner   |   Bilder: Max Kinsky (Porträt), Luca de Gennaro (Tattoo-Fotos)
Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin
Neo-Traditionals von Luca Degenerate aus Berlin
Alle Bilder »
Graffiti schulte sein Kunstverständnis, das Surfen seine Einstellung zum Leben. Heute ist Luca De Gennaro aka Luca Degenerate eines von Berlins Aushängeschildern, wenn es um neotraditionelle Tattoos geht
»Wo ich gerade lebe?«, fragt Luca. »Nun, das ist eine Frage, die die Leute ständig stellen und die ich gar nicht wirklich beantworten kann. Dabei geht es eigentlich nicht mal primär um den Ort, sondern eher um den Mindstate dahinter.« Luca De Gennaro ist ein Reisender. Im Berliner Tattoostudio Loxodrom residiert der gebürtige Sizilianer in den für Berliner Verhältnissen als sonnig zu bezeichnenden Wonnemonaten, sobald es kälter wird, geht es aber entweder zurück in die sizilianische Heimat Palermo oder direkt an den indonesischen Strand zum Surfen. Guestspots gehören da natürlich dazu.

Luca Degenerate im Porträt

Doch Luca ist vielmehr ein mentaler Reisender, immer auf der Suche nach einer neuen Erfahrung, die ihm Erkenntnis über sein eigenes Leben bringt und ihn weiter zu der Person werden lässt, die er ist. Und diese Reise begann schon sehr früh: »Meine Kindheit war gut. Ich habe sehr liebevolle Eltern und ich war ein fröhliches Kind. Als Teenager entpuppte ich mich aber als ein Mensch, den meine Eltern beweinten, denn ich verkaufte Drogen und landete im Gefängnis. Kann bitte jemand das Teenageralter aus der Menschheit entfernen?«

Glücklicherweise fand Luca wenig später den richtigen Pfad und entdeckte das Surfen für sich. »Das hat mir sehr geholfen.« Dennoch war seine Jugend nicht nur von negativen Schlagzeilen geprägt, sondern erzählt auch von vielen kreativen Nächten an den Wänden der Stadt, ist Luca doch seit Anbeginn seiner Adoleszenz großer Freund von Graffiti. »Ich zeichnete schon eine Weile und irgendwann begann ich dann, mit meinen Freunden Graffiti malen zu gehen. Diese Leidenschaft brachte mich dann irgendwann an die Kunsthochschule, die ich mit akademischem Grad abschloss. Aber die Basis war immer Graffiti. Irgendwie komisch, dass alle Leute, mit denen ich früher malen gegangen bin, heute großartige Tätowierer geworden sind …«

»Das Auge ist der Teil des Körpers, der Erkenntnis bringt«, sagt Luca Degenerate darüber, dass viele seiner Tattoos dieses Motiv in sich tragen. »Erkenntnis ist das, was mich am meisten beschäftigt. Außerdem verbindet das Auge die äußere Welt mit der Inneren des Menschen. Dasselbe hat es mit dem Motiv der offenen Tür auf sich.«

Von Graffiti über die Kunsthochschule war es für Luca dann ein kurzer Weg, selbst die Maschine in die Hand zu nehmen und seine Unterlage aus Stein oder Papier mit der menschlichen Haut auszutauschen. »Vor zwanzig Jahren habe ich das erste Mal jemandem ein Tattoo gestochen. Ich sah den legendären New Yorker Graffitiwriter SEEN auf dem Cover einer Zeitschrift und dachte, dass es das Coolste sei, wie er als Graffitikünstler zum Tätowierer geworden ist. Denn das Beste ist ja, wenn deine Kunst nicht ausradiert, übermalt oder gecrosst werden kann – wobei ich da noch nichts von Laserbehandlungen und Blast-overs wusste.«

»Das Auge ist der Teil des Körpers, der Erkenntnis bringt«, sagt Luca Degenerate darüber, dass viele seiner Tattoos dieses Motiv in sich tragen. »Erkenntnis ist das, was mich am meisten beschäftigt. Außerdem verbindet das Auge die äußere Welt mit der Inneren des Menschen. Dasselbe hat es mit dem Motiv der offenen Tür auf sich.«

Inspiriert von Leuten wie Lars Uwe (Loxodrom, Berlin) oder Rob Koss (XXX Tattoo, Luzern) entschied sich Luca vor acht Jahren dann, den professionellen Weg einzuschlagen. Mit dem im Berliner Prenzlauer Berg angesiedelten Laden Nightliner fand er seinen ersten Shop und wechselte vor einigen Jahren an die Kastanienallee zu einem seiner Vorbilder ins Loxodrom. Seine heutige Basis. »Ich muss sagen, dass ich es dort liebe. Sizilien ist aber meine Heimat und der Ort, an dem meine Familie lebt, und daher versuche ich natürlich, auch häufig dort zu sein. Und nach Asien gehe ich zum Surfen. Aber am Ende bin ich überall zu Hause!«

»Das Auge ist der Teil des Körpers, der Erkenntnis bringt«, sagt Luca Degenerate darüber, dass viele seiner Tattoos dieses Motiv in sich tragen. »Erkenntnis ist das, was mich am meisten beschäftigt. Außerdem verbindet das Auge die äußere Welt mit der Inneren des Menschen. Dasselbe hat es mit dem Motiv der offenen Tür auf sich.«

Eine Einstellung, die seine Kunden freuen dürfte, erhalten sie doch so die Möglichkeit, Luca an vielen Orten der Welt zu erreichen. »Ich denke, dass Guestspots der beste Weg sind, um eine engere Verbindung zu den Leuten zu entwickeln. Man begegnet sich auf einer respektvollen und konstruktiven Ebene und lernt sich gut kennen. Das ist natürlich ein großer Vorteil als Tätowierer – man kann reisen und gleichzeitig arbeiten.« Gerade dieser Fakt ist es, den Luca auch für die menschliche Entwicklung als unverzichtbar ansieht. »Wie viele Menschen hassen den Montag? Wie viele Posts gegen diesen verhassten Montag siehst du auf Instagram? Ein Freund von mir sagte etwas, was ich für sehr wahr halte: Es ist nicht der Montag, den du hasst, sondern dein Leben. Sobald du aber das tust, was du liebst, wirst du nie wieder einen dieser Montage haben. Das Reisen lehrt dich, dass es so viele verschiedene Realitäten gibt, dass es nur darum geht, den Standpunkt den Dingen gegenüber zu verändern. Es gibt nicht nur die eine Wahrheit oder nur den einen Weg ein glückliches Leben zu führen. Man muss sich nur bewusst machen, was einen glücklich macht und danach streben.«

Drogen spielten in Lucas Leben früh eine Rolle: Als Junge dealte er, heute verarbeitet er Eindrücke und Symboliken zum Thema Rausch und Sucht in seinen Werken

Reisen und Tätowieren sind die Dinge, die Luca glücklich machen. Seine Arbeiten machen wiederum die glücklich, die sich von ihm tätowieren lassen. Mit seiner positiven und freundlichen Art ist Luca auch kein Künstler, der sich auf dem menschlichen Fleisch austoben will, sondern jemand, der in Interaktion mit seinem Gegenüber tritt. Dabei fragt dann nicht nur er nach der Geschichte hinter dem Tattoowunsch, sondern seine Kunden auch nach seiner eigenen Geschichte. »Viele Kunden interessiert es, was ich unter meinen Designs verstehe, da ich heute auch viele Anfragen nach genau diesem Style bekomme. Ich arbeite viel mit Schwarz, da Schwarz die Seele eines Tattoos ist. Schwarz schafft die Struktur, die Langlebigkeit und ist die Kraft. Mit Orange arbeite ich gern, da die Farbe dem Feuer am nächsten ist und Feuer die Menschen zusammenbringt. Aber das ist am Ende auch nur Schnickschnack.«

Drogen spielten in Lucas Leben früh eine Rolle: Als Junge dealte er, heute verarbeitet er Eindrücke und Symboliken zum Thema Rausch und Sucht in seinen Werken

Sich selbst möchte Luca stilistisch nicht in eine Schublade stecken lassen. Zwar sieht er Neotraditionalismus als seine Basis an, beschreibt seinen Stil aber eher als eine Reise, auf der er sich und seine Kreativität erforscht. Und wenn er wie kürzlich viele von Verfremdung und künstlerischer Freiheit lebende Schädel tätowiert, so könnten es in ein paar Monaten schon wieder andere Motive sein, die ihn auf Trab halten. Was aber bleibt, ist das Spiel mit »Fake und Real«, wie er es nennt, und so steckt auf jeden Fall auch die Kunst im Handwerk. »Ich finde, dass jeder ein Künstler ist. Ich meine, wer morgens ins Büro geht und sich dafür schminkt, zeichnet die Linie auf das Gesicht und wählt seine Kleidung, nur um perfekt zu erscheinen. Jeder von uns hat einen Teil, der akribisch und schön in dem ist, was wir tun. Ich denke, es ist eine Frage der Akzeptanz und des Gefühls für diese Schönheit. Und am Ende eine Reise ins eigene Ich.«


Kontakt
Luca de Gennaro
Shop: Loxodrom, Berlin
(in den Sommermonaten)
lucaatelier@googlemail.com
IG: lukisha_1
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:23 June 2018 20:05:19/t%C3%A4towierer/neo-traditionals+von+luca+degenerate+aus+berlin_18319.html