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Milosch – Feinste tschechische Tattookunst

27.06.2008  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Milosch und Travelingmic
Milosch – Feinste tschechische Tattookunst
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Seine Flashs finden sich in beinahe jedem Tattoostudio Europas. Doch auch Miloschs Tattoos zwischen Realismus und Horror gehören zum Allerfeinsten, was aus der Tschechischen Republik zu uns kommt.
Der Meister aus Decin erzählt von seinem steinigen Weg zum Erfolg und gibt wertvolle Tipps.

Selbstporträt zwischen Himmel und Hölle: Milosch, wie er sich selbst sieht

Selbstporträt zwischen Himmel und Hölle: Milosch, wie er sich selbst sieht


Es dürfte kaum ein Tattoostudio in Deutschland, oder eigentlich irgendwo in Europa geben, das nicht Flashs von Wikingern, Indianern, Monstern, Dämonen, Schädeln und schönen Kriegerinnen für die Kundschaft parat hält. Sollten diese Vorlagen besonders fein und penibel gezeichnet sein, detailliert ausgestaltet und von höchster Qualität, dann geht die Wahrscheinlichkeit gegen 100 Prozent, dass irgendwo unten rechts in der Ecke der Name »Milosch« steht. Seit einigen Jahren gehören die Flashs des 41jährigen Tschechen zu den beliebtesten Vorlagensets der Branche. Und das mit gutem Grund.

Für Black & Grey-Porträts gilt: je runzliger, umso besser geeignet für ein Porträt-Tattoo!

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Doch der ausgesprochen bescheidene und zurückhaltende Milosch, der eigentlich Milos Schovanec heißt, ist auch ein ausgezeichneter Tätowierer; was er selbst ungern zugibt und worüber er eher selten spricht. Überhaupt redet Milosch nicht allzu viel, wenn er nicht ausschließlich von engen Freunden oder seiner Familie umgeben ist. Er lässt lieber seine Arbeit sprechen. Doch für das TM macht er gern eine Ausnahme, zumal wir ja schon das eine oder andere »Heilwässerchen« aus seiner tschechischen Heimat zusammen genossen haben und so fast schon zur Familie gehören!

Faszinierend, wie Milosch es schafft, Menschen lebendig aber Skulpturen statisch wirken zu lassen!
Faszinierend, wie Milosch es schafft, Menschen lebendig aber Skulpturen statisch wirken zu lassen!


Dass Milosch mit reichlich Talent gesegnet ist, kann man unschwer an seinen Zeichnungen erkennen; nur erklären kann er sich das eigentlich gar nicht: »In meiner Familie hatte nie jemand Talent. Manchmal denke ich, dass ich nicht der Sohn meines Vaters bin. Aber wenn ich dann in den Spiegel schaue, sehe ich sein Gesicht!« scherzt er im Gespräch. Seine Eltern aus der sozialistischen Arbeiterklasse waren ratlos gewesen, als Klein-Milos mit vier Jahren alle Weihnachtsgeschenke beiseite schob, ein Blatt Papier und Pastellstifte hervorzog und zu zeichnen begann. Und bis zum heutigen Tag hat er nicht mehr damit aufgehört …

Doch einen Lebensweg als Maler einzuschlagen, war in seiner Heimat zu dieser Zeit nicht vorgesehen, so dass Milosch nicht gefördert wurde und schließlich anstatt eines Kunststudiums eine Ausbildung zum Techniker machte: »Mein Vater wollte sogar, dass ich in die kommunistische Partei eintrete, worauf ich aber gestreikt habe. Wir lebten im Sozialismus. Da galten Künstler als faule Leute, die nicht arbeiten wollten!« erinnert er sich heute.

Milosch lässt sich selbst tätowieren
Gelegentlich liegt auch der Meister selbst mal unter der Nadel


Doch kurze Zeit nach seinem obligatorischen Militärdienst änderte sich schlagartig alles: Die Berliner Mauer fiel, und die Tschechische Republik wurde ein eigenständiger Staat, in dem plötzlich alles möglich war. Milosch war auf sich gestellt, leitete ein Fitnesscenter, baute das Equipment dazu selbst, und hörte niemals auf, kreativ tätig zu sein: »Ich habe so schrecklich kitschige Ölgemälde für alte Omas gemalt, für ein paar Kronen. Erst viel später habe ich kapiert, dass man mit Tätowieren Geld verdienen kann!« Er stach einige Freunde zuhause und wurde prompt bei den Behörden angeschwärzt: »Man setzte mir ein Ultimatum: Entweder ich würde innerhalb von zwei Monaten ein Studio eröffnen, oder ich müsste eine riesige Strafe bezahlen. So eröffnete ich, eigentlich ohne jede Ahnung, im April 2000 meinen Shop.«

Tiger Tattoo von Milosch
Roahr! Tiger-Tattoos sieht man oft, aber selten kommen sie so überzeugend realistisch rüber


Wirklich gute Tattoos hatte er bis dahin nie gesehen, und seine Motive zeichnete er selbst. Da tauchte ein deutscher Kollege bei ihm auf und bot an, seine selbstgezeichneten Vorlagen als Flash zu vertreiben. Das Lachen über diese, in seinen Augen absurde Idee, blieb ihm im Hals stecken, als ihm sein neuer Geschäftspartner einen Monat später ein dickes Bündel Geld überreichte. Das Flash von Milosch hatte richtig eingeschlagen! Ohne Unterbrechung zeichnete Milosch nun, verkaufte schließlich seine Sets selbst auf Conventions. Sehr schnell merkte er, dass er zwar hervorragend zeichnen konnte, ihm seine eigenen Tattoos aber dagegen erbärmlich vorkamen: »Wenn ich meine alten Arbeiten anschaue, wird mir schlecht«, sagt er heute mit verzogener Miene.

»Es waren dann die vielen Conventions, bei denen ich dazu gelernt habe, indem ich Leuten wie Robert Hernandez oder Jack Ribeiro zugeschaut habe. Haut ist eben nicht wie Papier, sondern bei jedem Menschen und an jeder Stelle anders. Da hilft nur Erfahrung, und selbst mit viel Talent dauert das mindestens fünf, sechs Jahre. Manchmal denke ich, dass eine bestimmte Stelle noch dunkler werden müsste, aber die Belastungsgrenze der Haut ist bereits erreicht. Das ist zwar nicht befriedigend, aber dann muss man eben aufhören und das Tattoo abheilen lassen.«

Mehr vom Interview plus Milosch Tattoo-Pics findet ihr in der Juli 08 Ausgabe …

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Stand:26 April 2019 06:25:10/t%C3%A4towierer/milosch+-+feinste+tschechische+tattookunst_086.html