Martin Kleuterssticht Tattoos im 80er Jahre Biker-Style

24.11.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Bjørn Fehl, Martin Kleuters
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Martin Kleuterssticht Tattoos im 80er Jahre Biker-Style
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Die Motive und der Style der 80er Jahre sind kein Anachronismus. Martin Kleuters’ (30) Black-and-Grey-Tätowierungen kommen ziemlich frisch und super straight.
Braunes, ordentlich nach hinten gekämmtes, halblanges Haar, sauber gestutzter Bart, die rechte Halsseite tätowiert, genauso Arme und Hände. Früher sahen so nur Tätowierer aus, in mittelgroßen Städten fällt man mit diesem Äußeren heute sicherlich nicht mehr auf. Will er auch gar nicht, denn Martin Kleuters ist kein Typ, der den großen Auftritt sucht, das Aufhauermäßige und Schrille liegt ihm nicht. Und das spiegelt sich auch in seinen Arbeiten wider. Ohne billige Effekthascherei setzt er seine Tattoos in Black-and-Grey um, saubere Linien unterschiedlicher Stärke akzentuieren das Motiv und kräftige Schattierungen geben die notwendige Tiefe und Plastizität.

Nachdem Martin Kleuters (30) viele Jahre in renommierten Studios gearbeitet hat, ist jetzt Zeit für Veränderung.

Die Ikonografie der 80er Jahre ist grundlegender Bestandteil seiner Arbeit, mit seinen von der Gefühlslage eher düsteren Kompositionen interpretiert er sie jedoch immer wieder neu. Erst auf den zweiten Blick wird einem klar, dass es dieses Motiv einer aus einem Schädel krabbelnden Spinne so nie als Vorlage auf einem Flash-Sheet gab, genausowenig wie die Qualle mit Skullschirm – ihre zeitlose Wirkung beruht auf einer Technik, wie man sie von einem 30-Jährigen nicht erwarten würde, und auch dem sehr respektvollen wie zeichnerisch ausgefeilten Umgang mit der traditionellen Motivwelt.

Bildelemente wie das Tribal auf dem Schädel sind wie eine Reminiszenz an die 80er Jahre.

Martin steht auf native Motive, die er anatomisch korrekt umsetzt und zeigt wenig Bemühungen, ihnen über bizarre Kombinationen eine besondere Aussage und Bedeutung zu geben. Damit ist er mit seinem Stil, und zwar ganz ohne Kalkül, am Puls der Zeit. Zurück in die Motivwelt der 80er mit sauber gezogenen Lines, feinen Spitzen, schönen Schattierungen, die nach dem superbolden Stil der vergangenen Jahre wieder brutal am Kommen ist. Es überrascht nicht, dass solche Tätowierungen vor allem von Tätowierern gestochen werden, die über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen und die Techniken beherrschen, dass ein noch so junger Tätowierer diese Arbeiten präsentiert, schon eher.

Von der Stimmungslage sind seine Motive meist düster. Schädel haben für ihn jedoch nichts Negatives, sondern sie sind Bestandteil der Tattoo-Ikonografie und als Symbol Bestandteil des Lebenskreislaufs.

Die Biografie von Martin Kleuters erklärt einiges, sie klingt wie aus dem So-solltest-du-Tätowierer-werden-Lehrbuch eines Oldtimers. Voraussetzung war viel Leidenschaft, Zeit und Hingabe, die der gelernte Autolackierer darauf verwendete, sein Ziel zu erreichen. Im Studio To Die For in Leverkusen fing er als Shop-Guy an und begann dort mit dem Tätowieren. Bevor er die Chance bekam, legte er Carlos erst einmal zwei Jahre lang regelmäßig seine Zeichnungen vor, um sich seiner Kritik zu stellen und dann einzutreten in die Welt, die er als das »Mysterium Tätowieren« bezeichnet. »Für mich hatte das Tätowieren etwas Magisches und das von Anfang an. Ich bin auch schon sehr früh damit in Kontakt gekommen. Als Vierzehnjähriger hing ich mit gut zehn Jahre älteren Skatern ab und die ließen sich damals im Fine Line Tattoostudio in Düsseldorf tätowieren. Und ich durfte halt immer mit ihnen ’rumhängen, weil ich den Jungs anscheinend nicht auf die Eier ging.«

Die Anatomie stimmt, egal, ob es sich um ein Asia-Tattoo, ein realistisches Herz oder einen grafisch umgesetzten Fisch handelt.

Das Wissen der Alten bekommt man nicht auf einem Tablett präsentiert. Um zu verstehen, muss ein Nachwuchstätowierer auf der Langdistanz Ausdauer zeigen. »Wenn ich mit der normalen Arbeit fertig war, hab ich mich stundenlang hinter die Tätowierer im Studio gestellt und bei der Arbeit zugeschaut«, so seine Erinnerung. Zwei Tipps beherzigt er noch heute: »Keine Angst vor Schwarz!« und »Wenn dir ein Motiv gefällt, schau es dir an und zeichne es einen halben Tag später aus dem Kopf nach. Dann sieht es garantiert anders aus als die Vorlage und bekommt deine individuelle Handschrift.«

Der Spinnen/Schädel-Filler passt genial in die Lücke.

Seine nächste Station ging zurück zu den Wurzeln des aktuellen Tätowierens in Deutschland, für knapp drei Jahre tätowierte er bei dem im September dieses Jahres verstorbenen Ralf Guttermann in dessen Fine Line Studio in Düsseldorf. Dort, wo er als Jugendlicher erstmals den Geruch und die Stimmung eines Tattoostudios eingeatmet hat. »Das Fine Line ist ja ein Studio, das in der Region jeder kennt, sogar die Großmutter meiner Frau weiß, wer oder was Fine Line ist. Und jeder, der Ralf kannte, weiß, dass Respekt, Ehre und Anstand für ihn nicht nur Begriffe waren, sondern dass er nach diesen Grundsätzen gelebt und auch sein Studio entsprechend geführt hat.«

Schabe mit Skull: Martin braucht keinen Computer, um seine Motive »zusammenzukopieren«, sondern kann sich auf sein Talent als Zeichner verlassen.

Die Zeit bei Ralf im Fine Line war prägend für Martins Stil und die Orientierung hin zu den Motiven der 80er Jahre, einer Zeit, als ein großer Teil der Tätowierten aus der Bikerszene kam. Darüber hinaus war es die beste Schule für professionelles Arbeiten. »Jeder, der bei Ralf gearbeitet hat, hat eines gelernt: schnelles und sauberes Arbeiten.«



Und Alltag im Streetshop heißt, nicht nur Wanna-dos zu stechen, sondern alles, was sinnvoll ist und die Kunden wünschen. Ob Blümchenranken, Schnörkel, Sterne, Mandalas … Standards bestimmen den Alltag. Der Respekt vor den Wünschen der Kunden beherrscht bis heute Martins Grundeinstellung zum Beruf. Denn Allrounder zu sein hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit technischem und zeichnerischem Können in allen Richtungen, »mit Ausnahme von Realistic.« Dass sich auch zahlreiche Kollegen von ihm tätowieren lassen, ist sicherlich Bestätigung aus der richtigen Ecke. Genauso, wie er sich von Tätowieren stechen lässt, deren Arbeiten er wertschätzt. »Da gibt es natürlich einige. Sicherlich gehört Osti, der bei The Sinner and The Saint in Aachen arbeitet, dazu. Von ihm habe ich mir beispielsweise meine Oberschenkel mit einem seiner Vorlagen aus seinem Moby-Dick-Flash tätowieren lassen.«

Tätowierer zu sein heißt für Martin auch, die Wünsche des Kunden zu berücksichtigen. Damit einher geht, Kompromisse bei der Umsetzung machen zu müssen. Dass kein krudes Zeug dabei rauskommt, hat er durch seine Arbeit in einem der angesehendsten Streetshops Deutschlands gelernt, dem Fine Line Tattooing in Düsseldorf.

Die größte Anerkennung seiner Arbeit erfuhr Martin sicherlich, als sich Ralf im Zuge seiner Krebserkrankung aus dem laufenden Geschäft zurückziehen musste und er seine Kunden an Martin verwies. »Das war schon eine große Verantwortung. Ralf selbst sagte mir, dass es ihm schwer falle, zu unterscheiden, welcher Schädel jetzt von ihm und welcher von mir sei.«



2016 verließ er das Fine Line Studio und arbeitete bis Ende dieses Jahres bei der 40/10 Tattoo Company in Hilden. »Es ist wieder an der Zeit für mehr Input, für Weiterentwicklung. Ich werde aber auf alle Fälle in der Region bleiben, Guest-Spots bei Kollegen machen und auch meine Frau Kirsten stärker bei unserem Tattoo-Supply-Shop Golden Heart Supply unterstützen. Ich freu mich auf alles, was jetzt kommt, es bleibt spannend.«

Kontakt

Martin Kleuters
Telefon: 01512 3561103
FB: Martin Kleuters Tattoo
IG: martinkleuters
E-Mail: m.bernard66@me.com
www.goldenheartsupply.de
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Stand:19 July 2018 19:38:13/t%C3%A4towierer/martin+kleuterssticht+tattoos+im+80er+jahre+biker-style_171120.html