Kraftvolle Traditionals von Daniela Sagel

23.02.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Daniela Sagel (Tattoo-Fotos), Tobias Kircher (Porträt-Fotos)
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Kraftvolle Traditionals von Daniela Sagel
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Seit eineinhalb Jahren ist die Tätowiererin Daniela Sagel (31) nun »on the road« und arbeitet jede Woche in einem anderen Studio, in einer anderen Stadt, in einem anderen Land. Bevorzug sticht sie zurzeit kraftvolle Tätowierungen in Black-and-Grey und konnte das alte Image ablegen, dass sie vor allem »Süßes« sticht.
Mit der Tattoomaschine im Gepäck die Welt kennenlernen – das klingt verlockend. Tatsächlich macht die Möglichkeit, Reisen und Arbeit miteinander zu verbinden, den Beruf des Tätowierers reizvoll. Die gebürtige Kärntnerin Daniela Sagel ist regelmäßig im Landauer Studio Hautnah als Gasttätowiererin anzutreffen. Ein Ortsbesuch.

Bevorzugt arbeitet Daniela Sagel zurzeit in Black-and-Grey. Meist setzt sie die Tattoos in unterschiedlichen Linienstärken um, und »(…) wenn es nur eine gibt, dann ist die möglichst dick.« Dass sie beim Schattieren nicht mit Schwarz spart, ist offensichtlich.

Daniela, deine letzte feste Studioadresse war das Mint Club Tattoo Atelier in Salzburg. Jetzt bis du »on the road«. Wie kam es dazu?
Ich habe ab 2015 bei Eva und Sebi aka Bob Fizz im Mint Club Tattoo Atelier in Salzburg gearbeitet. Im Juni 2016 wurde das Studio geschlossen, und bevor das neue im September eröffnet werden sollte, stand erst einmal eine zweimonatige Pause an. Ich überlegte, wie ich die Zeit überbrücken könnte, ging als Gasttätowiererin zu Belmir Huskic nach Graz und schrieb auch Bernd vom Hautnah an, der mich glücklicherweise nach Landau einlud. Ich kannte ihn nur von seinen Arbeiten und nicht persönlich und hab mich gefreut, dass es geklappt hat. Nach diesen beiden Erfahrungen als Guest-Artist stand mein Entschluss fest, »on the road« zu gehen. Dass mir das so viel Spaß machen könnte, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Die stetige Abwechslung, die Möglichkeit, immer neue Leute kennenzulernen, von Kollegen zu lernen … So lange mir das taugt, werde ich »on the road« tätowieren.

Wo viel Licht, da auch Schatten. Was sind die weniger schönen Situationen on the road?
Ich arbeite jede Woche in einem anderen Studio und da gibt es schon Momente, in denen ich mich frage: Was mache ich? Anstrengend ist vor allem die Planung, also die Organisation der weiteren Guest-Spots. Und schwierig ist auch, den Kontakt nach Hause, zum Freundeskreis zu halten. Die Welt bleibt ja nicht stehen, bis ich wieder zuhause bin.
Und manchmal kommt das Gefühl von Einsamkeit auf. Das hängt auch davon ab, ob man im Hotel schläft oder enger zusammen mit den Kollegen wohnt. Das sind aber nur kurze Momente und dann passt es auch schon wieder.

Bevorzugt arbeitet Daniela Sagel zurzeit in Black-and-Grey. Meist setzt sie die Tattoos in unterschiedlichen Linienstärken um, und »(…) wenn es nur eine gibt, dann ist die möglichst dick.« Dass sie beim Schattieren nicht mit Schwarz spart, ist offensichtlich.

Hast du auch schon negative Erfahrungen in den Studios gemacht?
Nein, bisher noch nie! Eigentlich hab ich immer nur coole Leute kennengelernt und noch nie gedacht: »Das muss ich nicht wieder haben.«

Wie machst du das mit den Guest-Spots. Wie wählst du die Studios aus, bei denen du anfragst?
Wie gesagt, Bernd kannte ich gar nicht, ich hab es einfach mal bei ihm probiert. Mit der Zeit lernt man andere Tätowierer kennen, die ebenfalls »on the road« sind, und man tauscht sich aus. Ab und zu werde ich auch eingeladen. Ich treffe viele andere Tätowierer, die ebenfalls unterwegs sind, und manchmal macht man den ein oder anderen Guest-Spot zusammen, wenn es möglich ist. Im Winter habe ich mit Freunden eine Convention in Malaysia gemacht und danach einen Guest-Spot bei Augustine in Singapur, der früher das Gimmelove Tattoo hatte und jetzt das Singapur Electric. Das war von den Temperaturen natürlich traumhaft und die Leute waren auch sehr cool. Und jetzt geht es weiter nach England und Portugal. Für mich ist Europa noch sehr spannend, aber langsam und stetig möchte ich meinen Radius erweitern. Auf der Liste, wo ich gerne mal hin will, steht Japan ganz oben.

Wie haben die Menschen in Asien auf deinen Stil reagiert?
Die Nachfrage war schon da, aber ich möchte das noch forcieren. Ich möchte mir auch dort einen Namen machen und einen Kundenstamm erarbeiten, das muss sich noch entwickeln. Ich hab gemerkt, dass es hilfreich ist, regelmäßig in bestimmten Studios zu sein, um dort Stammkunden aufzubauen.

»Nicht mehr diejenige zu sein, die die süssen Mädchentätowierungen sticht, hat gedauert.«

Als ich Anfang des Jahres deine neuen Arbeiten sah, war ich von deiner Entwicklung überrascht: Die Motive sind ernsthafter, überwiegend in Black-and-Grey gestochen, dazu kommt verstärkt der Einfluss von asiatischen Bild- und Stilelementen. Etwas vermisst habe ich allerdings die humorvollen Sachen, die deine Arbeiten ausgemacht haben. Welchen Einfluss hatte die Wanderzeit auf deinen Stil?
Humorvolle Sachen mit Schmäh mache ich nach wie vor gerne. Im aktuellen Portfolio ist da die Ratte mit dem gekreuzigten Käse. Ideen entwickle ich spontan in Gesprächen oder ich schnappe eine Phrase oder ein Wort auf und es entwickelt sich sofort ein Bild in meinem Kopf. Bei der Ratte war es der Ausdruck »Jesus Christ« der zu »Cheeses Christ« wurde. Und ja, japanische Elemente fließen auch ein, die gefallen mir halt gut. Und dass viele meiner Arbeiten mittlerweile in Schwarz gestochen sind, liegt zum einen daran, dass ich sehr viel Spaß an schwarz-grauen Sachen habe, zum anderen, dass ich nur noch mit Maschinen und Powerpack reise und mit den vorhandenen Farben im jeweiligen Studio tätowiere, und die kommen immer von anderen Herstellern. Gerade bei größeren, farbigen Tätowierungen ist es für mich dann nicht machbar, bei der nächsten Sitzung in einem anderen Studio mit den gleichen Farbtönen weiterzuarbeiten. Und man gewöhnt sich ja auch an »seine« Farben. Also kam ich drauf, dass es einfacher ist, in Black-and-Grey zu tätowieren – und es macht mir einfach riesigen Spaß!
Prinzipiell will ich nicht in eine Schublade gesteckt werden. Vor einiger Zeit wurde ich stark auf die mädchenhaften, süßen Motive festgelegt, aber das bin ich nicht. Ich mag Farben nach wie vor, aber eben nicht quietschbunte, sondern eher gedeckte. Das ist der übliche Kreislauf: Wenn man Tätowierungen in einem bestimmten Stil zeigt, dann denken alle, dass man nur so etwas macht. Das zu durchbrechen, ist gar nicht so einfach und hat einige Zeit gedauert.

Danielas Arbeiten wirken kraftvoll, egal, ob sie die Motive stark reduziert oder detailreich ausarbeitet.

Wie organisierst du die Termine?
Fast immer mache ich die Termine selbst mit den Kunden aus. Das ist einfacher für mich, weil ich die notwendigen Infos, die ich brauche, dann auch direkt abfragen kann. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Hautnah, da werden die Termine über das Studio gemacht, was dank Niko (Anm. d. Red.: Tätowierer und Sohn des Studiobesitzers Bernd Broghammer) sehr gut klappt. Die Zeichnungen für die Kunden mache ich dann meist am Abend vor dem Termin.

Wie schwer ist es, sich immer wieder auf eine neue Situation im Studio einzustellen?
Da ich selbst die Buchungen mache, ist ein großes Problem schon gelöst. Aber es gibt ja auch kulturelle Unterschiede, die man lernen muss. Das Studio in Island, wo ich arbeite, öffnet bereits um 10 Uhr und um 16 Uhr sind alle weg bei ihren Familien. Das muss man erst mal wissen und macht dann entsprechend seine Termine mit den Kunden aus.

Ein Leben »on the road« kostet sicherlich viel Kraft. Wo findest du den Ausgleich?
Früher, als ich noch in Salzburg arbeitete, fand ich Entspannung beim Paragliden. Die Zeit ist immer knapp und meinen Schirm hab ich auch nicht dabei. Aber ich lerne viele super Leute kennen, und das gibt mir viel. Wenn ich beispielsweise nach Landau komme, dann ist das wie Heimkommen, die Beziehungen verändern sich mit der Zeit, die Gespräche entwickeln sich weiter. Und ich lerne auch sehr viel von den Kollegen, sowohl arbeitstechnisch als auch zwischenmenschlich, auch das ist eine Energiequelle. Für mich passt es momentan ganz gut: Was es an Energie kostet, bekomme ich wieder zurück.

Auch japanische Motive setzt Daniela in einer eher westlich-traditionellen Technik um. Ihr österreichischer Schmäh zeigt sich in Motiven mit Wortwitz wie der »Cheeses-Christ-Ratte«.

Was war für dich persönlich das Schwierigste, was du lernen musstest?
Einfach entspannter zu werden und Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann. Sich aufzuregen, kostet nur viel Energie und Nerven.


KONTAKT
Daniela Sagel Custom Tattoo
on the road
tattoos@danielasagel.com
www.danielasagel.bigcartel.com
FB: danielasageltattoo
IG: danielasageltattoo

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Stand:23 July 2018 07:58:13/t%C3%A4towierer/kraftvolle+traditionals+von+daniela+sagel_18214.html