Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz

18.05.2018  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Team Fullgas, Benedikt Schnurr, Maximilian Borchardt
Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz
Felix Kienzle, Julian Sautter und Nina Munz sind Team Fullgas aus Konstanz
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Beim Team Fullgas in Konstanz sieht es aus wie bei der Turngemeinschaft. Das Studiokonzept spiegelt den Mannschaftssinn der Tätowierer Felix und Julian, Grafikerin Nina und ihren Kunden wider.
Das Team Fullgas in Konstanz hat sich ein ganz besonderes Gebäude als Studio ausgewählt: »Man muss sich nie Sorgen machen, dass hier jemand einsteigt, wenn wir mal im Urlaub sind«, meint Nina. Denn der Shop befindet sich in einer ehemaligen Polizeistation. Das erklärt die Gitter vor den Fenstern des jetzigen Büros und die schusssicheren Rollläden. Ein weiterer Vorteil: Dem ursprünglichen Zweck entsprechend, ist das Gebäude direkt an der Hauptstraße gelegen und leicht auffindbar. Wer zudem noch weiß, dass es im Hof der ehemaligen Polizeiwache Stellplätze gibt, erspart sich eine halbstündige Parkplatzsuche.

Felix Kienzle

Innen erinnert das Team-Fullgas-Studio, das seit 2016 hier beheimatet ist, inzwischen aber eher an eine Mischung aus Tattooshop und sowas wie einen Sportclub. Alte Boxhandschuhe und Tennisschläger hängen an der Wand, Ringe zum Turnen von der Decke, die Hocker vor dem Beratungstresen sind Pferdesättel und auf der Theke steht ein »Stammtisch«-Schild, wie man es aus Vereinsheimen kennt. Das Merchandise des Studios umfasst Schweißbänder, Schals, Patches und Anstecknadeln – auch das ein bisschen wie bei einem Sportclub.

Julian Sautter

Nina, die Grafikerin im Team Fullgas, erklärt die Aufmachung des Shops: »Der Name des Studios und die Gestaltung des Ladens, das soll alles bewusst an einen Sportverein erinnern, das ist unser Konzept.« Wie in der Sportgemeinschaft verbinde man im Studio nämlich auch unterschiedliche Disziplinen unter einem Dach, nämlich Tattoo und Grafik. Dieses Konzept hat das Team Fullgas bis ins Detail nicht nur in seinem sehr aufgeräumt wirkenden Studio umgesetzt, sondern auch die Kunden werden in den »Club« voll einbezogen: »Wer eine bestimmte Anzahl von Sitzungen bei uns absolviert hat, bekommt eine Urkunde für seine Leistungen oder eine Ehrennadel für so und so viele Tattootermine, wie in einem richtigen Sportverein«, führt Nina weiter aus. »Wir entfernen uns damit ein bisschen vom rein gewerblichen Charakter und machen eine erlebbare Geschichte daraus.«

Nina, die Grafikerin im Team Fullgas

Auch eine »Vereinszeitung« bringt das Team Fullgas heraus, einmal im Jahr informiert sie über das Vereinsleben – sprich, Neues rund ums Studio – und über Tattoo- und Designgeschichte. »Uns war wichtig, dass alles locker wirkt«, ergänzt Felix, »wir sind ja hier auch nicht die superkrassen, bösen Typen, sondern wollten das eher mit einem Augenzwinkern aufziehen.« Auch die Sache mit dem Sport nehmen Nina, Felix und Julian abseits ihres »Vereinsheims« nicht allzu ernst: »Na ja, also wir bewegen uns schon«, sagt Nina. »Felix war früher Skifahrer, ich komm aus dem Reitsport, und Julian, du?« Der ergänzt: »Skater – und irgendwann hab ich tatsächlich auch mal Tennis gespielt.«

Traditional von Felix Kienzle

Dass das Team Fullgas ein derart durchgezogenes Konzept hat, ist vor allem Nina zu verdanken – als Grafikerin ist es ihr Job, planvoll zu arbeiten. »Ein klares Konzept macht auch vieles einfacher, es ist wie ein Wegweiser: Wie präsentieren wir uns? Wie gehen wir mit den Kunden um? Wie stellen wir Dinge visuell dar? Wie ist die Sprache, über die wir uns ausdrücken, auch in den sozialen Medien?« Eine klare Linie sei aber auch beim Tätowieren wichtig, sagt Felix. »Wenn jemand etwas Japanisches möchte oder einen Oldschool-Arm, kommt der Moment, in dem man sich überlegen sollte, welches Konzept man verfolgt. Wie baue ich das Ganze auf? Wie lege ich die Linien an? Wie setze ich Schattierungen und was mache ich mit der Farbe? Man kann ja nicht einfach drauf los malen.«

Traditional von Felix Kienzle

Die Ergänzung eines Tattoostudios um ein Grafikatelier – und umgekehrt – mache Sinn, weil es in beiden Disziplinen ganz entscheidend um Bildsprache gehe, meint Nina. »Es sind Arten der Kommunikation, nur das Medium ist anders. Auf der einen Seite ist es Haut, auf der anderen sind es Papier oder Pixel.« Bei allem künstlerischen und handwerklichen Austausch speise sich die gegenseitige Wertschätzung aber auch daraus, dass jeder wisse, was der andere besser kann. »Tätowierer predigen immer, dass man beim Tätowieren zum Profi gehen soll«, erklärt Felix, »nur beim Grafikdesign denken sie, sie könnten das allein, anstatt da dann selbst mal zu einem Profi zu gehen, der sein Handwerk versteht. Denn die Banner und Visitenkarten vieler Studios sind einfach furchtbar!« Julian pflichtet bei: »Wenn es um Grafik geht, sind eben oft die Tätowierer die ahnungslosen Kunden, die zum Beispiel nicht wissen, welche Papierarten und welche Möglichkeiten der Veredelung es gibt.«

Traditional von Felix Kienzle

Das Dreierteam kennt sich schon lange. Felix und Nina sind ein Paar und Julian wurde schon vor Jahren von Felix zum Tätowieren gebracht, als dieser seine ersten Tattoos unter anderem auf ihm stach. Julian begann daraufhin, sich selbst fürs Tätowieren zu interessieren. Ihre Tätowiererausbildung absolvierten beide aber in unterschiedlichen Studios: Felix war bei Frank Dietzel im Nadelwerk Konstanz, Julian lernte bei King Rich in Balingen. 2017 ergänzte Julian schließlich das Team Fullgas. Eine grafische Ausbildung hat dort nicht nur die studierte Grafikerin Nina, auch Julian ist gelernter Mediengestalter und Felix ausgebildeter Grafikdesigner.

Traditional von Julian Sautter

Mit diesem Berufsweg liegen Felix und Julian im Trend der vergangenen Jahre, wonach viele junge Tätowierer nach einer betrieblichen, schulischen oder akademischen Grafikausbildung an die Tätowiermaschinen wechselten. Während viele andere dann sehr künstlerische, teilweise schon experimentelle Tätowierungen stechen, arbeiten Julian und Felix allerdings grundsolide und erschaffen vor allem traditionelle Tattoos. »Mir ging es, wie schon im Grafikdesign, von Anfang an um Reduktion«, erklärt Felix. »Und das hat man im Tätowieren eben vor allem beim Traditional. Es war für mich ganz wichtig, mir jede Linie, jede Schattierung zu überlegen. Am Ende bleiben nur noch eine Handvoll Linien, die natürlich wirklich sitzen müssen. Das gibt ein klares Konzept und ein gutes Design.« Felix sieht sich da in der Tradition früherer Tätowierer: »Die haben sich ihre Designs von Zirkusplakaten, Flugblättern oder Fotografien abgemalt und mussten das so runterbrechen, so reduzieren, dass es tätowierbar wurde.«

Traditional von Julian Sautter

Julian ergänzt: »Die Sachen mussten auch einfach sein, damit man sie schnell tätowieren konnte. Wenn bei Tätowierern wie Sailor Jerry am Zahltag fünfzig Leute vorm Laden standen und ein Tattoo wollten, dann musste es schnell gehen.«

Beiden ist es wichtig, Tätowieren als Handwerk zu verstehen und zu beherrschen. Das bedeutet für sie nicht, dass sie nur reine Oldschool tätowieren. Felix legt Wert darauf, je nach den Erfordernissen eines Tattoos und des Kundenwunsches verschiedenste Nadelstärken einsetzen zu können und Julian erklärt: »Ob es jetzt ein Fine-Line-Black-and-Grey ist oder ein Traditional: Die Sachen, die wir hier machen, folgen alle denselben Regeln: Sie haben Linien, egal ob kräftigere oder feinere, sie haben Kontrast und sind dadurch langlebig und haltbar. Der Aufbau ist immer gleich.« Wer sein Handwerk verstehe, wisse einfach, was er machen könne – und was eben nicht funktioniere, so Felix: »Als Schreiner kommst du ja auch nicht auf die Idee, einen Tisch mit zwei Beinen zu machen.« Für Tätowierer, die lediglich kurzfristige Effekte tätowieren, hat er wenig Verständnis. »Es soll um den Kunden gehen, nicht um das Ego des Tätowierers. Anstatt irgendwo Weiß rein zu machen, wo man es nicht braucht, kann ich dem Kunden die Zeit und die Schmerzen besser ersparen.«

Grafik von Nina Munz

Die Kundeninteressen spielen für Felix und Julian auch im Vorgespräch eine wichtige Rolle. »Ideal ist es, wenn man sich mit dem Kunden – und da wären wir eben auch wieder beim Sport – bei der Beratung sozusagen die Pässe zuspielen kann. Wenn man etwas vorschlagen kann, und da kommt dann auch wieder etwas zurück.« Das funktioniere allerdings nicht immer. »Wir hatten auch mal einen Kunden da, zu dem ich irgendwann gesagt habe: Schau dich doch mal um, was wir hier so machen, gefällt dir das überhaupt? Er meinte dann: Ne, das find ich scheiße. Da hatte dann ein weiteres Beratungsgespräch nicht mehr viel Sinn und er war eben doch in einem anderen Studio besser aufgehoben.« Im intensiven Austausch zwischen Tätowierer und Kunde können oft Missverständnisse aufgeklärt werden, die beim Finden des idealen Tattoos im Weg stehen – etwa dann, wenn Julian und Felix von Rose, Schädel oder Ähnlichem sprechen und der Kunde ein bestimmtes Bild davon im Kopf hat, das mit der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten gar nichts zu tun hat. »Es ist gar nicht selten, dass Leute, die bestimmte Motive anfangs rigoros ablehnen, plötzlich merken, dass da doch was für sie dabei ist, wenn sie sehen, welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Umsetzung und der Machart es da gibt«, erzählt Julian.

Kreativ sind sie allemal beim Team Fullgas, in ihrem Vereinsheim in Konstanz, das einmal eine Polizeiwache war.

Wo früher Verhöre stattfanden und Anzeigen aufgenommen wurden, befindet sich heute das großzügige Büro des Tattoostudios

Kontakt
TEAM FULLGAS
Felix Kienzle
Julian Sautter
Nina Munz
Atelier für Tattoo + Grafik
Radolfzeller Straße 46
78467 Konstanz
07531 9361161
www.teamfullgas.de
IG: felixkienzle
IG: followtheserpent
IG: team_fullgas

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