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Emre Cebeci

24.07.2008  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic
Emre Cebeci
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Tolle Tattoos aus der Türkei? Bisher eher Fehlanzeige. Doch Emre Cebeci aus Istanbul zeigt trotz vieler Vorurteile gegen seine Kunst, dass moderner Islam, türkische Kultur und ausgezeichnete Tätowierungen durchaus zusammen passen!
Rockmusik, Kalligraphie und orientalische Ornamentik verschmelzen bei Emre zu einmaligem völkerverbindendem Kulturgut.

Extrem schick: Kaligraphie-Katze

Extrem schick: Kaligraphie-Katze


Wir wollten unseren Augen nicht trauen, als uns »Cebecizade« Fotos seiner Tattoos ins Haus schickte: Wunderschöne Arbeiten mit eindeutig orientalischem Touch, florale Ornamente, die einer mittelalterliche Moschee entstammen könnten, komplexe türkische Kalligraphien, die sich zu ausdrucksstarkem Lettering mit ganz besonderer Note zusammensetzen. Kurzum, richtig gutes Zeug! Das ist man nicht gewohnt aus der Türkei. Mit Gruseln sieht man sonst immer wieder Urlaubsrückkehrer, die sich ein hingestümpertes Souvenir der übelsten Sorte aus den Urlaubsorten des östlichen Mittelmeeres mitgebracht haben. In Sachen Tattoo besteht noch eine Menge Nachholbedarf im Land an der Schnittstelle von Orient und Okzident.

Doch offensichtlich gibt es da einen jungen Künstler aus der boomenden Metropole und Kulturhauptstadt Istanbul, der es unbemerkt vom Rest der Welt geschafft hat, kulturelle Elemente osmanischer und westlicher Kultur zu Tätowierungen höchster Qualität zu verschmelzen.

Asgidasvhi Tattoo
Asgidasvhi: Schöne Mischung aus Typografie, Ornamentik und Traumfänger


Darüber mussten wir mehr erfahren. Im Gespräch entpuppt sich Emre Cebeci – der in der virtuellen MySpace-Welt unter dem Namen »Cebecizade« auftritt – als äußerst eloquenter Gesprächspartner. Der aus einer Künstlerfamilie stammende Rockmusiker und Profitätowierer hat einen akademischen Background, stellt hohe Ansprüche an sich selbst, seine Kunden und an die türkische Gesellschaft, die nur langsam beginnt, Tattoos als etwas anderes als sündige Zeichen einer Untergrundszene anzuerkennen. Fernab von Nationalismus oder übertriebener Anpassung, aber stets mit vollem Bewusstsein seiner Herkunft und Freude an der Kreativität, kämpft Emre gegen Vorurteile, indem er eine wahrhaft interkulturelle Kunst in Form von Tattoos schafft.

TM: Emre, erzähle doch mal etwas über Dich. Woher kommst Du und wie bist Du aufgewachsen?
EC: Ich wurde 1976 als Einzelkind in Istanbul geboren. Da mein Vater Maler ist und meine Mutter als Illustratorin arbeitet, bin ich in einer Umgebung aufgewachsen, in der Kunst durchaus gefördert wurde. Meine Eltern haben mich nicht gerade dazu gezwungen, Künstler zu werden, duldeten aber auch keinen Müßiggang. Daher kommt mein Drang, stets etwas auf die Beine zu stellen.

Mandala Tattoo
Albtraum-Motiv für jeden Tätowierer, denn so ein Muster verzeiht nicht den kleinsten Wackler!


TM: Und was hast Du getan?
 EC: Nun, mein Vater hat ein riesiges Musikarchiv, so dass ich mich zuerst entschloss, Rockmusiker zu werden. Später konzentrierte ich mich allerdings auf das Tätowieren.

TM: Wie kam dieser Entschluss zustande? In dieser Zeit waren Tattoos in der Türkei ja nicht gerade allgegenwärtig, oder?
EC: Klar, die ersten Tattoos hatte ich auf Musikern gesehen. Und als ich Bilder von den »Red Hot Chili Peppers« erblickte, war es um mich geschehen! Das war 1993, und ein Freund erzählte mir, wie sich seine französischen Cousins selbst tätowiert haben. Sofort probierte ich das aus und tätowierte meine Arme jeden Tag mit einer Nadel und Tinte. Ein Jahr später öffnete hier ein Tattoostudio, und ich begann dort zu arbeiten. Der Shop war ein voller Erfolg, da ich mich dadurch, dass ich schon immer viel zeichnete, schnell entwickeln konnte. Meine Eltern unterstützten das übrigens, da sie jede künstlerische Betätigung als förderungswürdig ansahen.

Schwalbenpärchen als Tattoo-Motiv kaligrafisch abstrahiert.
Schwalbenpärchen als Tattoo-Motiv gibts auch in der Türkei; von Emre wurden sie allerdings kaligrafisch abstrahiert. Auch Bauchnabelpiercings sind übrigens hip in Istanbul!


TM: Allein, dass Dich deine Eltern unterstützten finde ich bemerkenswert, aber die türkische Öffentlichkeit hat das doch sicher erst einmal anders gesehen, oder? Sprachen da nicht gesellschaftliche Vorurteile oder religiöse Gedanken dagegen?
EC: Gut, es gab in den 90er Jahren natürlich starke Vorurteile in der Gesellschaft. 1995 wurde ein Barkeeper ermordet, angeblich, weil er »Allah« auf dem Rücken tätowiert hatte. Das wurde in den Medien hochgespielt, war aber eigentlich eine Mafia-Geschichte. Radikaler Islamismus spielt in der Türkei lange keine so große Rolle wie in arabischen Ländern, und ohnehin ist das oft zitierte »Tattooverbot« des Islam nicht wirklich in den Schriften nachgewiesen. Jetzt wird langsam auch die öffentliche Meinung in der Türkei dahingehend informiert, dass das Tätowieren ein Handwerk wie jedes andere ist.

TM: Wie hat sich seither die Tattooszene in der Türkei entwickelt?
EC: In meiner Anfangszeit gab es nur wenige Tätowierer im ganzen Land. Wir mussten uns durch Austausch untereinander alles selbst erarbeiten. Doch nun steigen immer mehr junge Leute ein und finden ein etabliertes Business vor. Das wird auch noch weiterhin mehr werden. In großen Städten wie Istanbul, Ankara, Izmir, Adana und Samsun gibt es einige Studios; in den Touristenorten wie Antalya, Alanya, Fethiye und Bodrum werden es praktisch täglich mehr!

Das vollständige Interview findet ihr in der August 08 Ausgabe …

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