Die Loniens – Eine Familie spricht sich aus

19.01.2008  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Volker Rost, Tattoo Studio Lonien
Die Loniens – Eine Familie spricht sich aus
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Die TV-Produktionsfirma hätte sich kaum sympathischere Protagonisten für die erste Staffel der Reality-Doku »Tattoo – Eine Familie sticht zu!« auswählen können …
Die TV-Produktionsfirma hätte sich kaum sympathischere Protagonisten für die erste Staffel der Reality-Doku »Tattoo – Eine Familie sticht zu!« auswählen können. Und die hohe Qualität der Tätowierungen aus dem Hause Lonien steht in der Tattoo-Szene ohnehin außer Frage. Insofern war es nicht nur für den Fernsehsender DMAX sondern für die gesamte Szene ein echter Glücksfall, dass die Lonien-Brüder mit ihrem Team die ersten waren, die stellvertretend für die deutsche Tattoo-Szene im Fernsehen zeigte, wie Tätowierungen heutzutage aussehen können.

Es war ein wöchentlicher Termin, den sich jeder Tattoo-Fan in Deutschland rot im Fernsehprogramm angestrichen hatte: Mittwoch, 21:15 lief auf DMAX die Doku »Tattoo – eine Famile sticht zu!«. Acht Folgen lang konnte man zuschauen, wie im Tattoo Studio Lonien in Trier fantastische Tattookunst entstand. Auch wenn dieses Sendeformat von der Produktionsfirma als Unterhaltungsprogramm konzipiert war, gelang es den Loniens, innerhalb dieser Doku-Serie wertvolle Aufklärungsarbeit in Sachen Tattoo zu leisten und nachhaltig zu einem verbesserten Image des Tätowierens in Deutschland beizutragen. Inzwischen ist die erste Staffel der Serie auf DVD erschienen, was wir zum Anlass nahmen, mit den Brüdern Ollie und Daniel über ihre Erfahrungen während der Dreharbeiten, Reaktionen von Kunden und Kollegen und ihre Einschätzung solcher Tattoo-Dokus im Allgemeinen zu sprechen. Wir trafen zwei Tätowierer, die trotz ihres großen Bekanntheitsgrades völlig auf dem Boden geblieben sind und sich trotz Fernsehrummels nicht für Mick Jagger halten …

Daniel Lonien, Star der DMAX TV-Serie »Tattoo – eine Famile sticht zu«Tattoo von Daniel Lonien
Daniel hielt sich in der Reality-Doku »Tattoo – Eine Familie sticht zu!« eher im Hintergrund.


TM: Wie ist die Produktionsfirma eigentlich damals gerade auf euer Studio gekommen?

Daniel: Wie die gerade auf uns aufmerksam wurden wissen wir bis heute nicht.
Ollie: Wir wissen nur, dass da wohl noch ein anderes Studio im Gespräch war. Und da diese Produktionsfirma auch Sendungen wie »Schnulleralarm« produziert hat, wollten die halt so ein Familiending haben. Also das ist nicht auf unserem Mist gewachsen … Das haben sie ja jetzt auch bei den Hamburgern mit übernommen, obwohl das ja da eigentlich gar nicht passt. Ich fand auch den Namen total ätzend, als ich das gehört hab, bin ich erst mal an die Decke gegangen …

TM: Wie hat das denn vom Ablauf funktioniert? Man hat ja so seine Routine im Studio und Fimteams wollens ja dann doch meist irgendwie anders haben, oder eine Einstellung ein zweites oder drittes Mal filmen.
Ollie: Also den Satz »Kannst du das bitte gerade noch mal machen« können wir wirklich nicht mehr hören …
Daniel: Wir hatten am Schluss auch den Spitznamen »die Hollywood-Grazien« – manche Sachen waren schon gestellt. Klar, man kann nicht so arbeiten wie sonst, aber wenn zum Beispiel jemand reinkommt, der sich zum ersten Mal tätowieren lässt und schon total nervös ist, dann muss man darauf natürlich Rücksicht nehmen und kann den nicht alles fünf Mal machen lassen.
Ollie: Nach einer Weile hat sich das dann schon eingependelt. Wir wussten bald, welche Einstellung die wollen, so dass wir dann mit einem Handgriff kurz gewartet haben, bis die Kamera in Position war.

Ollie Lonien, Star der DMAX TV-Serie »Tattoo – eine Famile sticht zu«Japan Tattoo von Ollie Lonien

Ollie – Inhaber von Lonien Tattoo, Experte für asiatische Motive und Oldtimer Liebhaber.


TM: Man hatte beim Zuschauen öfters mal den Eindruck gehabt, dass das Filmteam nicht wirklich über Tattoos Bescheid wusste.

Daniel: Ja, im Prinzip haben die sich erst bei uns über das Thema informiert.
Ollie: Die haben teilweise auch recht krasse oder naive Fragen gestellt und hatten vorher offenbar nicht viel recherchiert. Dafür kommt aber trotzdem viel Tattoo-Info rüber, aber das war uns eben auch wichtig.

TM: Hat das Filmteam euch da auch in irgend einer Weise beeinflusst oder zu lenken versucht?
Ollie: Also die hatten schon eine Autorin, die versuchte das ein wenig zu steuern.

TM: So in der Art von Miami Ink, wo alles unheimlich bedeutungsvoll sein muss?
Ollie: Ja, bei denen muss ja mindestens einer gestorben sein für ein Tattoo, das war ja bei uns zum Glück nicht so extrem.

TM: Stimmt, da musst du ja schon auf dem Anmeldeformular ankreuzen, was dein Tattoo zu bedeuten hat und wenn es nichts dramatisches ist, brauchst du dich gar nicht bewerben …
Ollie: Genau, bei denen werden die Kunden ja gecastet, bei uns waren das ja wirklich unsere ganz normalen Kunden. Aber klar, der Zuschauer, der sich nicht nur für das schöne Drachen-Tattoo interessiert, der will halt auch noch ne Geschichte dazu.
Daniel: Aber wir haben auch immer drauf geachtet, dass das nicht zu sehr in unser Privatleben geht, also nicht so weit wie das Produktionsteam vielleicht gern gehabt hätte – also wir wollten die nicht mit aufs Klo nehmen …
Ollie: Uns gings ja nur ums Tätowieren, um das, was im Laden passiert. Wir mussten uns dann so halbwegs drauf einlassen, was die wollten. Es gab schon einiges, was wir nicht wollten, aber wir konnten ein bisschen Druck ausüben, weil die Produktion noch lief, als die ersten Folgen schon ausgestrahlt wurden. Das heisst, die waren darauf angewiesen, dass wir die nächsten fünf Folgen noch mitmachen.

Was Daniel und Ollie sonst noch über ihren TV-Auftritt zu berichten hatten könnt ihr in der Januar-Ausgabe nachlesen …

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