»Die Kunst hat mit erwählt«

24.10.2014  |  Text: Mathias Schneider  |   Bilder: Moni Marino, Diverse
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Die feminin-verspielten Realistic-Tätowierungen der italienischstämmigen Tätowiererin Moni Marino verzaubern viele Tattoofans. Im November 2014 wird die international bekannte Tätowiererin in Essen ihr Studio eröffnen.
Moni Marino eröffnet im November 2014 ihr neues Studio in Essen, das Moni Marino Art Palace.
Auf Conventions fällt die junge Italienerin schon von Weitem durch ihr Markenzeichen auf, ihre feuerroten Haare. Wer es dann schafft, sich durch das Gedränge vor ihrem Stand zu kämpfen, wird schnell von Monis weiterem Markenzeichen begeistert sein: ihren perfekten, realistischen Tattoos.

Erste Maschine vom Vater
Monis Weg zum Perfektionismus unterscheidet sich dabei von dem vieler ihrer Kollegen. Während viele Tätowierer zumindest ihre Grundkenntnisse während einer Ausbildung lernten oder wenigstens einen Mentor haben oder hatten, hat sich Moni Marino alles, was sie kann, selbst beigebracht. Und das unter schwierigen Bedingungen. »1993 hatte ich zum ersten Mal eine Tattoo-Zeitschrift in der Hand und war sofort begeistert und fasziniert«, erklärt Moni. »Ich habe mir mit einer Nähnadel, Faden und Pelikan-Tinte mein erstes Tattoo selbst gestochen. Ich habe den Faden um die Nadel gewickelt, in die Tinte getaucht und mir den Buchstaben ›M‹ auf mein Handgelenk tätowiert und dabei versucht, die einzelnen Punkte so nah wie möglich nebeneinander zu setzen.« Ihre erste richtige Tattoo-Maschine bekam Moni dann von ihrem Vater.
 
Klare Gesichtszüge, gerahmt in verspielte Details, die das Hauptmotiv nicht erschlagen. Moni Marinos Kompositionen sind feminin, aber nicht kitschig.Viel Ausdruck gewinnen die Porträts durch die Darstellung der Augen.
(l) Klare Gesichtszüge, gerahmt in verspielte Details, die das Hauptmotiv nicht erschlagen. Moni Marinos Kompositionen sind feminin, aber nicht kitschig. (r) Viel Ausdruck gewinnen die Porträts durch die Darstellung der Augen.

Alles in den Genen
Von da an hat sich für Moni das Leben als Künstlerin von selbst entwickelt. Eine andere Option gab es für sie nicht. »Ich habe mir die Kunst nicht ausgesucht. Die Kunst hat mich ausgewählt. Ich bin die Tochter eines Malers und Poeten und einer Schneiderin. Es liegt alles in den Genen.« Mit 14 Jahren hat Moni bereits angefangen, entgegen aller Hindernisse und Vorurteile für ihre Kunst zu kämpfen. »Man kann das nicht auf die Schnelle erklären. Dass ich Tattoo-Künstlerin wurde, ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Mit 19 Jahren hatte ich das Leben in der italienischen Kleinstadt samt all den Diskriminierungen und dem Unverständnis satt. Ich setzte mich in den Zug und wusste nicht, was auf mich wartete. Ich ging nach Deutschland, an die Nordsee, und später nach Berlin. Ich konnte kein Wort deutsch, hatte kein Geld und lebte fast eine Woche auf der Straße, bis mich eine italienische Familie aufnahm. Ich arbeitete in einer Pizzeria in Ostfriesland, lernte Deutsch und fing an, Geld für neues Tattoo-Equipment zu sparen. Fünf Jahre nachdem ich wieder mit dem Tätowieren angefangen hatte, ging es bergauf. Und jetzt, 20 Jahre später, bin ich einfach nur stolz auf meine Entschlossenheit und Stärke, das alles durchgezogen zu haben: meinen Träumen gefolgt zu sein und alle Hindernisse, falschen Freunde und den Neid hinter mir gelassen zu haben. Nach 20 Jahren bin ich endlich ein professioneller Tattoo-Künstler.« Moni ist zu recht stolz auf das was sie kann.
 
Es sind auch die vielen Details, die die Arbeiten der Künstlerin zu etwas Besonderem machen.Super Platzierung, schöne Fellstruktur und ein lebhafter Gesichtsausdruck machen das Leoparden-Tattoo zu einem echten Hingucker.
(l) Es sind auch die vielen Details, die die Arbeiten der Künstlerin zu etwas Besonderem machen. (r) Super Platzierung, schöne Fellstruktur und ein lebhafter Gesichtsausdruck machen das Leoparden-Tattoo zu einem echten Hingucker.

Kritik als Motivation
Heute lässt Moni sich von ihren vielen Reisen in die ganze Welt inspirieren. »Ich habe die Chance, viele Kulturen und Traditionen kennenzulernen. Manchmal träume ich von etwas und versuche, das dann als Motiv auf Papier zu bringen. Oder ich sehe ein schönes Bild, und und setze es dann als Tattoo um.«
Dass diese Motive heute hauptsächlich im Realistic-Bereich liegen und Monis ganz eigene Handschrift tragen, ist ihrem großen Ehrgeiz zu verdanken. »Ich tätowiere erst seit sechs Jahren in der Hauptsache realistisch, weil mir damals ein Freund gesagt hat, dass ich das nicht könne«, erklärt sie mit einem Lachen. So etwas motiviert die rothaarige Italienerin bis in die Fingerspitzen. Kein Wunder, dass sie bei all dem Fleiß und Eifer auch in den USA seit langem eine feste Größe ist. Dafür müsse sie ihren internationalen Sponsoren wie Intenze und Cheyenne danken, die sie seit fünf Jahren unterstützen. »2014 habe ich die Inked-up-World-Tour gewonnen.« Dabei ist Moni  einmal um den Globus gereist und gegen einige der besten Tätowiererkollegen der Welt angetreten. Die Fans haben ihr Design für eine Getränkedose schließlich als das Beste gewählt. »Das hat meiner Popularität in den USA natürlich sehr geholfen«, sagt sie als glückliche Gewinnerin. Die Gefahr, dass Moni deswegen abhebt, besteht allerdings nicht.
 
Die Frauengestalten auf ihren Gemälden wirken wie Selbstporträts.
»Ich habe erlebt wie es ist, nichts zu haben und hungrig zu sein. Ich werde nie vergessen, wo ich herkomme«
Die Frauengestalten auf ihren Gemälden wirken wie Selbstporträts der attraktiven Tätowiererin.


»Ich habe erlebt wie es ist, nichts zu haben und hungrig zu sein. Ich werde nie vergessen, wo ich herkomme und was ich durchgemacht habe, um soweit zu kommen. Ich beteilige mich oft an Charity-Aktionen und anderen Projekten. Bescheidenheit und Güte sind grundlegende Zutaten für ein glückliches Leben, Arroganz und Egoismus führen einen dagegen nirgendwo hin.« Entsprechend ist für Moni auch die Tatsache, dass sie ihre Kunden mit ihrer Arbeit glücklich macht, das Beste an ihrem Job.
 
Schädel und Uhr erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens.Realistischer Schädel und Hände kombiniert mit surrealer Uhr.Starke Farbkontraste sorgen für die Langlebigkeit der Tätowierung.
(l) Starke Farbkontraste sorgen für die Langlebigkeit der Tätowierung. (m) Realistischer Schädel und Hände kombiniert mit surrealer Uhr. (r) Schädel und Uhr erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens.


Große Pläne
Großen Respekt hat sie ebenfalls für ihre Kollegen. Ihren guten Freund Randy Engelhard sowie Nikko Hurtado, Carlos Torres oder auch Dmitriy Samohin sieht sie sogar als eine Quelle der Inspiration, auch wenn sie mit all diesen Künstlern auf einer Stufe steht. Klare Unterschiede sieht Moni in der Mentalität der Tätowierer, vor allem im Vergleich zu ihrer Heimat Italien und Kalifornien. »Kalifornische Künstler unterstützen einander als Teil einer großen Familie. Sie unternehmen auch viel gemeinsam außerhalb der Arbeit«, erklärt sie. Kein Wunder also, dass Moni viel Zeit in den USA verbringt.
Die rastlose Künstlerin hat genaue Pläne für die Zukunft. »Ich arbeite an einer neuen Serie von Ölgemälden, die will ich definitiv noch bis Ende des Jahres vorstellen. Trotz der wenigen Zeit versuche ich auch, ein erstes Buch, meine Biografie, fertigzustellen. Seminare plane ich natürlich auch. Lasst euch überraschen, ich habe noch ganz viel vor!« Die Freizeit, die Moni sich gönnt, verbringt sie mit ihren sechs Hunden im Wald. Man muss nicht weit um die Ecke denken, um sicher zu sein, dass Moni auch dann ihren Kopf nicht ausschaltet, sondern alles aufnimmt und sich inspirieren lässt. Getreu ihrem Motto: »I don’t create artwork for a living, I live to create artwork.«


KONTAKT

Im November 2014 eröffnet die Tätowiererin ihr neues Studio in Deutschland
Moni Marino Art Palace
Bochumer Landstrasse 340
45279 Essen

www.monimarino.com
www.facebook.com/monimarinotattooartist
colorhaut@hotmail.de
 
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Stand:19 November 2018 10:03:18/t%C3%A4towierer/die+kunst+hat+mit+erwaehlt_1410.html