Detailgetreu und kreativ: Die Realistic-Tattoos von Bene Bader

21.09.2018  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Bene Bader
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Detailgetreu und kreativ: Die Realistic-Tattoos von Bene Bader
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Bene Bader war Zimmermann, dann stieg er beruflich auf Permanent-Make-up um, schließlich landete er vor siebzehn Jahren beim Tätowieren. Heute ist er in Deutschland einer der Top-Tätowierer für realistische Tattoos.
Realismus ist der einfachste Einstieg ins Tätowieren, weil du eine eindeutige Vorlage hast«, sagt Bene Bader. »Wenn man im Realismus eine Person porträtiert, dann ist sie das eben oder sie ist es nicht. Da gibt’s kein: ›Das könnte der oder der sein‹.«

Der einfachste Einstieg? Eine Aussage, die überrascht – schließlich gilt gerade der Fotorealismus aufgrund der Tatsache, dass er praktisch keine Fehler verzeiht, für viele Tätowierer als Königsdisziplin, an die sich viele selbst nach jahrelanger Erfahrung nicht rantrauen. »Vom technischen Aspekt aus betrachtet ist Realismus natürlich nicht einfach, da musst du sehr viel wissen. Aber dieser Reiz, das Entweder-oder, der hat mir den Kick gegeben.« Los ging’s für Bene mit Tribals, ganz klassisch, aber was ihn tatsächlich immer schon fasziniert hat, war das Schattieren, ganz besonders im realistischen Stil. »Als ich vor siebzehn Jahren angefangen hab, kam der erst langsam auf, und für mich hat der Stil schließlich mit dem amerikanischen Tätowierer Bob Tyrrell begonnen. Der war immer mein Vorbild. Heute kennen den viele gar nicht mehr.«



Benes Einstieg ins Tätowieren verlief nicht gerade auf dem üblichen Weg: Eine »Tattoolehre« im Studio absolvierte er nicht, vielmehr hat der gelernte Zimmermann eine Ausbildung für kosmetisches Permanent-Make-up absolviert. »Das ist auch Finelining, da lernt man, wie das mit Nadeln und Haut funktioniert. Und es hat auch mit Realismus zu tun, weil alles sehr exakt sein muss. Irgendwann habe ich mir einfach zwei Tätowiermaschinen gekauft.«
Von Long Time Liner Make-up in München zog Bene als Tätowierer nach Landsberg, »da habe ich erst mal kleine Sachen gemacht, es ging nicht gleich mit Porträts los«, erinnert er sich. Hilfe bekam er von Tätowierer Harry aus Südtirol, den er immer wieder besuchte, um zu lernen und das neue Können im eigenen Studio anzuwenden und auszuprobieren. »Ich glaube, im Endeffekt hab ich dadurch mehr und schneller gelernt, als wenn ich eine klassische Lehre gemacht hätte.« Der Name seines eigenen »Studio 22 Tattoo« bezieht sich übrigens nicht etwa auf eine Hausnummer oder Ähnliches, sondern einfach auf die beiden Anfangs-Bs in Bene Baders Namen. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Tätowierern, die schon lange ein Teil der Szene sind, hat Bene allerdings nicht damit aufgehört, an sich zu arbeiten. »Die Szene hat sich von einer Subkultur zu einer Popkultur gewandelt«, findet Bene. »Bob Tyrrell hat dazu gesagt, das sei gar nicht schlecht, weil es die Alten dazu bringe, wieder an ihren Skills zu arbeiten. Durch die Schnelllebigkeit gibt es einen gewissen Druck, ständig weiter an seiner Technik zu feilen. Der Duck trägt auch dazu bei, dass alte Freundschaften wieder mehr gepflegt werden, die Leute enger zusammenrücken.« 



Einfach nur hinter den Studiofenstern zu sitzen, auf den erreichten Status quo zu pochen und die Entwicklungen der vergangenen Jahre zu ignorieren, kommt für Bene nicht in Frage. »Das ist eine ständige Entwicklung, und ich muss sagen, als ich angefangen habe, hätte ich mir nie träumen lassen, dass sich das alles so entwickelt.« 
 
Heutzutage im Tattoobusiness am Ball zu bleiben, ist seiner Ansicht nach keine einfache Sache. »Mir ging es selbst oft schon so, dass ich mich plötzlich umgeschaut hab und dachte, was ist denn jetzt passiert? Was habe ich da verpasst? Und dann muss man eben schauen, wo man Kontakte knüpfen und welches Feld man stärker bespielen kann, wo man womöglich auch Fortbildungen machen muss. Das ist schon anstrengend, aber bei manchen Kollegen, die das über die Jahre vernachlässigt haben, sieht man, dass sie es irgendwann ziemlich schwer haben, weiterzukommen.« Auch all das Kaufmännische dürfe man bei aller Entwicklung nicht vernachlässigen. »Nur tätowieren zu können, reicht heute nicht mehr. Als ich mir damals einen Steuerberater geholt habe, haben sich alle totgelacht. Heute geht’s nicht mehr ohne. Außerdem brauchst du jemanden, der den Shop betreut, dann einen, der sich ums Social Networking kümmert und, und, und.«



Ein Umfeld aus kompetenten Mitarbeitern, die alles am Laufen halten, steht für Bene im direkten Zusammenhang mit seiner Arbeit als Tätowierer: »Du willst ja nicht tätowieren müssen, sondern tätowieren dürfen. Du nimmst schließlich jeden Kunden mit auf eine Reise, und wenn du dabei gestresst bist, weil du dich vor lauter anderen Dingen gar nicht mehr auf deine eigentliche Arbeit konzentrieren kannst, dann wird das nichts.« 

Bene gibt Begleitarbeiten lieber ab und konzentriert sich auf den Kern seines Berufs und darum, im Realismus immer besser zu werden. Das erreicht er momentan »vor allem dadurch, indem man mit Hintergründen arbeitet«, sagt Bene. »Man kann geometrische Formen einbeziehen, an der Komposition arbeiten, einen Mix erstellen. Mit Tablet und Tools kann man inzwischen ja sehr viel machen.« 



Wobei Bene auch noch genau weiß, wie man sich in der vordigitalen Zeit die Vorlagen für realistische Porträts Prominenter besorgt hat: »Ich kenne in Landsberg zwei, von denen ich weiß, dass ihre Mütter schon Autogrammkarten gesammelt haben. Und wenn ich von einem Musiker oder Schauspieler ein Foto gebraucht habe, dann habe ich bei Angie danach gefragt. Das ist aber nach wie vor kein schlechter Weg, denn wenn man Bilder googelt, landet man immer bei denselben Fotos, die man schon zig mal gesehen hat. Allein schon, wie oft ich im letzten Jahr ständig dasselbe Foto von Chester Bennington als Tattoo gesehen habe, das versteh ich einfach nicht.« 

Bene findet es wichtig, den Kunden auch mal in den Prozess der Motiverstellung und Recherche einzubinden. »Sonst kommen die Leute ins Studio, sehen das fertige Motiv, aber bekommen nie mit, wie lange allein die Recherche gedauert hat, sie ist das A und O. Wenn sie das aber mitbekommen, verstehen sie, wie die Preise zustande kommen.« 



Auch der Input des Kunden selbst ist Bene wichtig, um ein Motiv zu erstellen: Was ihn bewegt, was er mit dem Tattoo ausdrücken möchte, woher seine Motivation dazu kommt. Gerade bei Porträts von Verwandten sieht Bene es sogar als seine Aufgabe an, den Horizont der Kunden in Bezug auf das Machbare ein wenig zu erweitern. »Die meisten kommen mit einem aktuellen Foto oder dem letzten Bild, das noch vom Verstorbenen gemacht wurde. Da frage ich dann oft, ob es nicht Bilder aus der Jugend gibt, Hochzeitsbilder oder alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Ich finde auch Sterbedaten ganz schlimm. Warum macht man so was? Man will sich doch an die schönen Erlebnisse erinnern und nicht immer beim Blick in den Spiegel denken: Ach, in zwei Wochen ist wieder der Todestag.« 

Auch in Hinsicht auf die Platzierung mag Bene nicht alles ausführen, was der Kunde will, vor allem dann nicht, wenn jemand jung ist, noch nicht viele Tattoos hat und etwas auf Hals oder Hände gestochen haben möchte. »Ich sage den Leuten dann gern: Stell dir mal vor, es bewerben sich noch zwei andere ohne Hals- oder Handtattoo um den Job oder die Wohnung, die du haben möchtest. Wer, denkst du, bekommt den Zuschlag?«



Beim eigentlichen Tätowieren verzichtet Bene dann aber gern auf Kommunikation. »Das ist für mich auch eine Art Meditation, da muss ich einfach in meinen Flow kommen und das geht nicht, wenn jemand ständig plappert oder die Freundin noch daneben steht. Beim Zahnarzt kommt doch der Partner auch nicht mit und quatscht ständig dazwischen. Beim Tätowieren brauche ich Ruhe, und da kann ich schon mal richtig grätig werden.« 

Vor allem ist es Bene wichtig, selbst den Spaß am Tätowieren nicht zu verlieren, denn: »Ich hab einfach den tollsten Job der Welt. Er hat mich schon überall hingeführt, durchs Tätowieren hab ich die Welt gesehen, hab ein riesiges soziales Netzwerk, kann überall hin und treffe Freunde. Das ist einfach toll.«


Where to find:
Bene Bader
Studio 22 SkinArt
Vordere Mühlgasse 189
86899 Landsberg am Lech
Tel.: 08191 9839492
 F: studio 22 skinart

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Stand:17 October 2018 02:47:28/t%C3%A4towierer/detailgetreu+und+kreativ+die+realistic-tattoos+von+bene+bader_18914.html