Das Gefühl für Dotwork und Mandala Tattoos

23.03.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Steven Mostyn (Tattoo-Fotos), Karin Haselsteiner Fotografin (Porträt und Studiofotos)
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Das Gefühl für Dotwork und Mandala Tattoos
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Statt weiterhin für Spielberg, Dreamworks oder Warner Bros. Animationsfilme zu zeichnen, betreibt Tätowierer Steven Mostyn heute das Studio Memories & Mischief in Tittling bei Passau. Seine Dotwork-Tattoos sind dennoch häufig inspiriert von Disney, Star Wars, Marvel und Co.
Geboren und aufgewachsen bin ich in einem stumpfen, grauen Vorort von Manchester in einer ebenso stumpfen und grauen Familie«, sagt Steven Mostyn. »Sie hat nie daran geglaubt, dass ich mich mit meinem ständigen ›Gekritzel‹ und dem Mangel an akademischen Fähigkeiten irgendwann finanziell über Wasser halten würde.«
Wenn Steven davon erzählt, wie er als Junge in England aufgewachsen ist, liegt für kurze Zeit Melancholie in der Luft. Und schnell möchte man wissen, wie sich das Blatt für den heute 44-jährigen Tätowierer wendete. In den Augen seiner Eltern war Stevens Traum, Künstler zu werden, unerreichbar und er selbst für einen Job in der Army oder einer Fabrik bestimmt. Sie sollten sich schon bald wundern. »Manchmal ist es wirklich die beste Option, nicht auf die Leute zu hören, die dich eigentlich am meisten lieben sollen.« 

Das Tätowieren hat sich Steven innerhalb eines Jahres selbst beigebracht, es habe aber alles gut funktioniert. Sein Erfolg gibt ihm recht.

Also hörte Steven nicht auf sie und ging für vier Jahre an die Uni, erreichte Diplome in Kunst und Design und hielt an seinem innigsten Wunsch fest, ins Trickfilmgeschäft einzusteigen. Getrieben von diesem festen Ziel, erfüllte sich 1994 Stevens Traum: »Ich begann für Spielbergs Amblin Studio in London am Animationsfilm ›Balto‹ zu arbeiten. Es folgten Engagements für Warner Bros., wo ich unter anderem an den Filmproduktionen von ›Space Jam‹ oder ›Quest for Camelot‹ beteiligt war. Außerdem habe ich bei ›Asterix und die Wikinger‹ mitgewirkt und war für zahlreiche TV-Produktionen und Werbeprojekte großer Sender wie BBC und The Disney Channel engagiert.«
Mit Tattoos hatte Steven bis dahin nichts am Hut. Im Alter von fünfundzwanzig allerdings, kurz bevor er nach Kanada aufbrechen und für Dreamworks arbeiten sollte, hielt er es für eine tolle Idee, den nächsten großen Lebensabschnitt mit einem Tattoo zu besiegeln. Also ging er in einen zwielichtigen Tattooshop, in einer düsteren Seitenstraße gelegen, und ließ sich ein simples, sehr schlecht umgesetztes keltisches Design auf den Arm stechen. »Ich war fasziniert von dem Prozess, doch es hat sicherlich nicht den Wunsch geweckt, mir selbst eine Tätowiermaschine zu holen – obwohl der schmutzige Kerl, der meine Haut malträtierte, meinte, ich würde einen guten Tätowierer abgeben. Weil ein Tattoo zu stechen dieselbe Kontrolle und Genauigkeit verlange, wie das Designen von Animationsfilmen. Diese Kontrolle und Genauigkeit war bei seinem fertigen Tattoo übrigens nicht zu erkennen – das sollte ich hinzufügen.«

Das Tätowieren hat sich Steven innerhalb eines Jahres selbst beigebracht, es habe aber alles gut funktioniert. Sein Erfolg gibt ihm recht.

Nach München zog es Steven dann rund zwei Jahre später für eine Till-Eulenspiegel-Filmproduktion, wo er seine geliebte Frau Dee kennenlernte. Für ihn war es der logische Schritt, sich dort niederzulassen. 2010 zogen die beiden nach Passau, Dees Heimatstadt. Aber es wurde immer schwieriger, in der Trickfilmbranche Jobs zu finden, weil viele Aufträge aus Kostengründen nach Asien ausgelagert wurden. »Wir plauderten über die Möglichkeit, ein Tattoostudio zu eröffnen, aber taten es schnell als wilde, lächerliche Schnapsidee ab. Im Laufe der Zeit wurde aber offensichtlich: Das Tätowieren könnte eine großartige Möglichkeit sein, weiterhin in 2D und sogar auf einer 3D-Leinwand arbeiten zu können. Das würde mir kreativen Spielraum und finanzielles Gleichgewicht verschaffen und forderte mich gleichsam in einer ganz anderen künstlerischen Disziplin heraus.« Dank Dees brillanten Produktions- und Organisationsfähigkeiten erschien es den beiden sinnvoll, gemeinsam als Team zu arbeiten. Das war die Geburtsstunde von Memories & Mischief, Steven und Dee Mostyns Tattoostudio in Tittling bei Passau. »Wir eröffneten 2012, nachdem ich ein ganzes Jahr damit verbracht hatte, alle Aspekte des Tätowierens zu studieren. Ich habe meine Designfähigkeiten gestärkt, verschiedene Stile und Techniken auf synthetischer Haut, meinen eigenen Oberschenkeln und ein paar Freunden geübt. Es war sicherlich keine Ausbildung, aber ich denke, alles hat letztlich gut funktioniert.«
Manchmal vermisst Steven seine Arbeit als Trickfilmzeichner. Sie brachte ihn schließlich an sämtliche Orte der Welt, doch er würde den Job nie wieder machen wollen. »Wenn es etwas gibt, was ich bereue, dann wohl, dass ich nicht schon früher Tätowierer geworden bin«, gesteht er. In dieser Erkenntnis schwingt Angst mit – etwas, was Steven als seine größte Inspirationsquelle bezeichnet.
»Ich gehe davon aus, dass viele Künstler an dieser Stelle so etwas wie ›Natur‹, ›religiöse Ikonographie‹ oder ›Picassos blaue Periode‹ sagen würden. Aber ehrlich gesagt, werde ich generell von Angst inspiriert. Ich wurde im Vergleich zu anderen erst spät Tätowierer, also weiß ich, dass ich nicht so viel Zeit habe, um zu wachsen, mich zu verbessern und der Tattoowelt meinen Stempel aufzudrücken. Ich habe Angst vor dem Versagen. Angst, nicht relevant zu sein. Angst davor, zu selbstsicher zu sein. Ich habe Angst, dass der nächste Punkt nicht so perfekt ist wie der vorangegangene. Angst lässt mich aufrichtig bleiben und hoffentlich bewahrt sie auch meine Demut. Es gibt nichts Schlimmeres, als nach ein wenig Erfolg zu glauben, dass es in Ordnung sei, mit dem Lernen aufzuhören, sich wie eine arrogante Berühmtheit zu benehmen oder Kunden zu behandeln, als wären sie nicht wichtig.«
Doch Angst ist nicht das Einzige, was den 44-Jährigen bei seiner Arbeit antreibt. Das Schönste am Tätowieren ist für ihn die ständige Aufregung und Vorfreude, nicht zu wissen, was der nächste Kunde von ihm erwartet. »Die Möglichkeit, ein besserer Künstler zu werden, sobald ich meine Komfortzone verlasse, ist sensationell. Es passiert oft, dass größere, anspruchsvollere Projekte mich dazu zwingen, anders zu denken und interessante Lösungen zu finden, um die Erwartungen des Kunden zu erfüllen. Ich bin immer unglaublich dankbar für diese besonderen Kunden und ihr vollkommenes Vertrauen.« Was Steven hingegen nervt, ist, wie wenig die Vorstellung mancher Kunden mit der Realität des Tätowierens gemein hat. »Entgegen der landläufigen Meinung lebt ein Tattookünstler nicht wirklich den glamourösen Rock-and-Roll-Lifestyle, den TV-Shows suggerieren. Es bedeutet stattdessen harte Arbeit, lange Tage und nie endender Druck. Der Job ist körperlich und seelisch anstrengend und oftmals gibt es nicht die nötige Anerkennung.« Ändern würde Steven an seinem Job allerdings nichts – wenn er Gut gegen Schlecht abwägt, gewinnen die guten Aspekte. »Vielleicht sind alle Tätowierer in dieser Hinsicht masochistisch, aber letztendlich tun wir, was wir lieben.«

Verträumte Landschaften und popkulturelle Motive gehen bei Steven häufig über die Ladentheke. Die Wünsche seiner Kunden und seine Ideen decken sich oft gut.

Stevens Steckenpferd sind Dotwork-Tätowierungen. Bei den Motiven selbst ist er offen, holt sich aber häufig Ideen aus seinem vorhergehenden Berufsleben – aus Animationsfilmen, von Disney, Star Wars, Marvel und Co. »Ich glaube nicht, dass ich meine Arbeit einem einzigen Stil zuordnen möchte. Ich beschreibe mich selbst als Dotwork-Künstler, aber ich versuche, mich nicht einzuschränken, indem ich nur Mandalas oder Geometrie tätowiere. Die Dotwork-Technik ergibt eine besondere Struktur, die auf viele gängigen Tattoostile passt.« 

Wenn Steven tätowiert, greift er nur zur Rotary-Maschine. Punkt für Punkt ist individuell gesetzt. »Ich verwende nicht den populären Stippling-Effekt. Er funktioniert gut bei chaotischen De-sings und sketchy Linien und es spart dir sicher eine Menge Zeit, aber ich kreiere lieber saubere Muster, die ein akkurateres Arbeiten erfordern. Ich würde gerne mal Handpoking ausprobieren, aber Dee würde mich vielleicht umbringen. Sie sieht ja, dass ich selbst mit der Maschine nicht der Schnellste bin.«

Steven Mostyn hat 2014 Dotwork als seine Lieblingstechnik entdeckt. Er möchte sich dabei aber nicht auf einen bestimmten Stil konzentrieren und wendet seine Technik daher auf sämtlichen Motiven an.

Auch Mandalas zählen neben Landschaften und popkulturellen Motiven, die Steven oft in geometrischen Formen anordnet, zu den Tattoos, die er gerne sticht. Gelangweilt ist er davon nicht. »Die zunehmende Nachfrage nach Mandalas fiel ziemlich genau mit der Tatsache zusammen, dass ich mich in Dotwork verliebt hatte, was ein sehr glücklicher Zufall war.« Steven tätowiert Mandala, Dotwork-Geometrie und Co. nicht nur, weil es gerade gehypt wird, sondern weil er es liebt. Das hat nichts damit zu tun, dass es sich dabei fast ausnahmslos um die jüngsten Tattoo-Massentrends handelt.

In den ersten zwei Jahren seines Tätowiererdaseins dachte Steven, er müsse aufgrund seiner Vergangenheit vor allem verspielte New-School-Tattoos stechen. Doch darauf fuhren die Leute gar nicht so ab. »Als 2014 ein Kunde unerwartet nach einem Dotwork-Mandala fragte, nahm ich die Herausforderung an, etwas Neues auszuprobieren, und verliebte mich sofort. Jeder andere Stil, mit dem ich zuvor gearbeitet hatte, fühlte sich im Vergleich irgendwie falsch an. Black-and-Grey, Tribal, das alles kam mir unnatürlich vor, so, als würde es mich bekämpfen. Bei Dotwork muss ich nie darüber nachdenken, was ich als Nächstes tun soll, und ich mache mir kaum Sorgen. Dotwork überrascht mich tatsächlich immer wieder. Ich bin sehr glücklich, dass meine Kunden es genauso lieben wie ich.«

Das Nonplusultra für Steven ist, wenn ihm Kunden ihr vollstes Vertrauen für große und komplexe Tattoos schenken, wie seine Kundin rechts.


Kontakt zu Steven Mostyn

Memories & Mischief Custom Tattoo
Passauer Str. 25
94104 Tittling
08504 9571830
Facebook: Memories & Mischief Tattoo Studio
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Stand:19 July 2018 19:45:10/t%C3%A4towierer/das+gefuehl+fuer+dotwork+und+mandala+tattoos_18215.html