Couple Goals: Tätowiererpaar Carlos & Rafaela

19.10.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Olaf Lobe (Porträt), Carlos, Rafaela und Chris (Tattoos)
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Couple Goals: Tätowiererpaar Carlos & Rafaela
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Seit zehn Jahre arbeitet das Tätowiererpaar Carlos und Rafaela im gemeinsamen Privatstudio To die for in Düsseldorf. Statt Pleiten, Pech und Pannen, Harmonie, Zusammenhalt und Liebe. Wie das funktioniert, erzählen sie hier:
Carlos lernte das Tätowieren in einem der ältesten und renommiertesten Tattoostudios Deutschlands: dem Fineline Tattoo in Düsseldorf. Dort lernte er vom inzwischen verstorbenen Ralf Guttermann und arbeitete viele Jahre unter anderem mit Hennes (heute True Love Tattoo) zusammen. Die Zeit in dem bekannten Streetshop war prägend für ihn. Dort stolperte außerdem eines Tages Rafaela herein, die in einem anderen Düsseldorfer Laden lernte. Es funkte zwischen den beiden und Carlos und Rafaela wurden ein Paar. Das ist nun dreizehn Jahre her.

Carlos

Über Tattoos fanden die zwei zur Liebe und so war es für beide Tätowierer nur logisch, nach drei Jahren ein gemeinsames Studio zu eröffnen. Für Carlos sollte dann auch Schluss mit Streetshop-Alltag sein, es wurde Zeit für ein Privatstudio. Das tauften die beiden auf den Namen To die for und seit zehn Jahren arbeitet das Paar gemeinsam mit Tätowierer Chris in ruhiger Atmosphäre in Düsseldorf. Statt Walk-ins gibt es Kundentermine. Sehr zur Freude von Carlos und Rafaela tätowieren sie häufig Stammkundschaft und jene, die wegen der Stile der beiden das Studio aufsuchen. Dass Kunden mit eigenen Ideen kommen, die Carlos und Rafaela frei in ihrem Stil umsetzen dürfen, ist das Nonplusultra. Tattootrends sind die beiden glücklicherweise nicht ausgeliefert.

Rafaela

Wenn ihr vergleichen sollt, erst Streetshop, dann Privatstudio – was hat sich verändert?
Carlos: Es macht mir immer noch Spaß wie am ersten Tag. Man hat sich über die letzten zwanzig Jahre mit jedem Tag mehr ein Arbeitsumfeld geschaffen, in dem man tierisch gerne arbeitet. Es hätte für mich außerdem nie eine andere Option gegeben. Als altes Hardcore-Kid passten Tattoos schon immer in mein Weltbild. Früher haben wir fast täglich alles gemacht. Tendenziell tätowiere ich auch heute noch alles, ich bin mir dafür nicht zu fein. Aber es hat sich so eingespielt, dass die Nachfrage einfach mehr nach meinem bevorzugten Stil verlangt. Die ganzen Comic- und New-School-Sachen, die man von mir kennt, machen vielleicht die Hälfte meiner Tattoos aus, die ich steche. Doch das sind eben so die Dinge, die ich publiziere.

Rafaela

Vermisst ihr das Ungeplante, etwa die Kunden, die plötzlich mit einer Idee reinstolpern?
Rafaela: Also, ich vermisse das gar nicht, ich habe es gerne geplant. Ich bereite zum Beispiel am Wochenende oder am Abend vor, was ich in der Woche über zu tun habe. Klar, ich finde Walk-ins auch super. Aber das habe ich ja immer noch, wenn ich auf Guestspots oder Conventions gehe.
Carlos: Ich neige oft dazu, die Vergangenheit romantisch zu verklären, und schwelge schon gern in Erinnerung an die Tage, als die Hütte brannte und wir zu fünft am Ackern waren und uns gegenseitig die Termine zuschubsten. Das war schon alles geil, aber das hältst du kein Leben lang durch. Ich brauch’s heute nicht mehr. Es saugt einen aus und macht dich müde, das hab ich nach zehn Jahren gemerkt. Daher der Weg in die Selbstständigkeit.

Carlos
 
Wie entstehen eure Tattoos?
Rafaela: Eigentlich kommen die Kunden schon wegen unseres Stils zu uns. Es ist dann aber immer ein Mix aus Kundenidee und Style des Tätowierers. So ist das ja heute, dass man sich viel gezielter den Künstler aussucht. Meine Kunden haben zum Beispiel Ideen, die schon mal gut zu mir passen, und deshalb kommen sie zu mir. Dann lassen sie mir meistens freie Bahn. Wenn jemand also beispielsweise eine Meerjungfrau möchte, ist es dann egal, ob es nur eine Büste wird, ob ein Fisch dabei ist oder Perlen in die Haare kommen.
Carlos: Ich habe wohl das Glück, dass mein Stil schon speziell ist. Ich selbst seh das so gar nicht, aber ich kriege das immer von Kunden zu hören. Diese kommen oft genau wegen meiner Sachen. Ich höre beispielsweise oft: »Ey, ich will ’nen Oktopus in deinem Style, der Rest ist mir egal.«

Rafaela ist gerne vorbereitet und zeichnet daher ihre größeren Tattooprojekte mit Vorlaufzeit. Dass ihre Motive so zart und schön aussehen, passiere automatisch, sagt die Künstlerin

Eure Tattoos sind fröhlich, entsprechen sie denn eurem Naturell?
Rafaela: Ja, würde ich schon sagen. Ich bin ein grundpositiver Mensch und es kommt von ganz alleine, dass meine Protagonisten lachen und schön aussehen. Richtig düster klappt nicht.
Carlos: Ich glaube, so doof sich das anhört, wenn man zeichnet, dann kehrt man da irgendwann sein Innerstes nach außen. Kein wirklich schwer depressiver Mensch würde den ganzen Tag Comic-Männchen zeichnen, die sich am Pimmel rumspielen. Auf der anderen Seite ist aber auch sicher nicht jeder Black-Metal-Tattooartist mies drauf.

Carlos liebt das Tätowieren heute noch so wie am ersten Tag. Was sich in den über zwanzig Jahren geändert hat: das Zeitmanagement. Seine Tattoos zeichnet er heute easy am Termintag – mit Ruhe und Gelassenheit. Für seinen speziellen Style findet er seit all den Jahren treue Fans mit tollen Ideen

In einem älteren Interview sagtet ihr, es gibt nichts Schöneres als zusammen zu arbeiten. Stimmt das auch noch nach zehn Jahren?
Carlos: Absolut. Uns fragen allerdings viele, ob das nicht komisch ist. Aber – das soll nicht unromantisch klingen – auf der Arbeit sind wir einfach Arbeitskollegen. Da hat auch jeder seinen eigenen Raum. Wir hängen nicht knutschend in der Ecke rum. Ich sehe den essentiellen Vorteil: Wir müssen uns abends nicht mehr über die Arbeit unterhalten.
Rafaela: Mit anderen Kollegen arbeitet man ja auch tierisch gerne zusammen, wenn man sich versteht. Und dann funktioniert man auch gut. Wieso sollte es anders sein, wenn man ein Paar ist?

Welche Voraussetzung braucht eine Beziehung für so ein gemeinsames Business?
Carlos: Ich glaube, keiner von beiden sollte sich zu wichtig nehmen und versuchen, eine Anführerrolle zu übernehmen. Außerdem sollte man sich eingestehen, was man kann und worin man nicht so gut ist. Ich bin zum Beispiel in der Buchhaltung die größte Null, dafür kümmere ich mich als der verrückte Rotary-sammler um die Maschinen. Vielleicht ist das bei uns auch einfach ein Zufallstreffer, dass es so gut passt.

Rafaela

Und wenn ihr euch fetzt?
Rafaela: Wir hatten einmal Streit, das war im ersten Jahr und da waren wir betrunken. Beruflich streiten wir uns ohnehin nicht. Man kann Sachen ja auch klären und muss nicht immer einer Meinung sein. Mit der besten Freundin verkracht man sich ja auch nicht ständig.


Noch irgendwelche abschließenden Worte?
Carlos: Oh, tatsächlich. Aber das ist eher so eine Botschaft an die Tätowiererszene: Ich finde es sehr schade, wie viel Hass da manchmal herrscht. Dieser unglaubliche Zwist zwischen Leuten, die Spulenmaschinen verwenden und sich über Rotarys auskotzen, weil das kein »real tattooing« sei, oder über iPads maulen. Das ist so ein unendlicher Unfug. Die Leute sollen sich mal wieder hinsetzen, ganz ruhig durchatmen und bitte verstehen, dass wir alle nur Tätowierer sind und das Medium, auf dem du zeichnest, der Pinsel, den du verwendest oder die Maschine, die du benutzt, nichts damit zu tun hat, ob du ein echter Tätowierer bist oder nicht. Das ist total albern.



Kontakt:
carlos_2die4 (Carlos)
rafaela2die4 (Rafaela)
battleshipgrey (Chris)
 

Chris – Battleshipgrey

Chris – Battleshipgrey

Blackworker Chris komplettiert das Studio von Carlos und Rafaela und sorgt mit seiner Kunst noch einmal für Vielfalt im Studiogefüge. Er ist bereits seit dreiundzwanzig Jahren Tätowierer und lernte damals bei Dietmar Wurst in einer sehr traditionellen Tätowierstube in Dortmund.

»Chris ist nicht so der Typ für Öffentlichkeitsarbeit«, weiß Carlos. Möglicherweise ist er deshalb dem ein oder anderen noch nicht auf der Bildfläche erschienen. Schade eigentlich, denn wer ihn nicht checkt, verpasst originelles und vielseitiges Blackwork. »Er macht grandiose Black-and-Grey-Tattoos, so gestippeltes Zeug, dem Realismus nahe. Er ist ein toller Künstler«, schwärmt Carlos. Auf seinem Instagram-Profil präsentiert Chris unter seinem Pseudonym Battleshipgrey regelmäßig seine Arbeiten. Für Fans der farblosen, gerne auch mal etwas düsteren Tattoos ist Chris genau der Richtige.

Mehr auf Instagram unter:

battleshipgrey

 
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Stand:19 November 2018 10:02:49/t%C3%A4towierer/couple+goals+taetowiererpaar+carlos++rafaela_181010.html