Bold As Love: Kraftvolle Tattoos aus Stuttgart

21.09.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Tattoo-Fotos: Bold As love, Porträt-Fotos: Martina Wörz
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Bold As Love: Kraftvolle Tattoos aus Stuttgart
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»Bright – solid – clean«,so sollten Tätowierungen nach Auffassung von Sandra und Willi Berger, Dominic Achilles und Kelu aussehen und sie beweisen, dass dieser Ansatz ganz unterschiedlich umgesetzt werden kann.
Kraftvoll und mutig sind die Adjektive, mit denen sich »bold« aus dem Englischen übersetzen lässt. Und auch noch mit fett und kräftig – im Sinne von »mit ordentlichen Linien und viel Schwarz tätowiert« und damit der Tätowiererdoktrin der Oldtimer »only bold will hold«  folgend. All dies trifft auf die stilistisch sehr unterschiedlichen Tätowierungen zu, die im »Bold as Love« gestochen werden. In Wahrheit bezieht sich der Studioname allerdings auf den Song und die Platte »Axis: Bold as Love« von Jimy Hendrix aus dem Jahr 1967.  

»Sandra und ich stehen auf die 70er und 80er Jahre, auf Psychedelic Rock, auf die damalige Mode, das sieht man uns ja schon an, auf die Zeit überhaupt. Vor allem aber wollten wir einen positiven Namen«, sagt Willi. Sandra und Willi Berger, das Tätowiererehepaar, übernahmen das Studio im September vor vier Jahren und gaben dem 2011 von Kelu und Susanne König gegründeten »Black Thorn Tattoo« seinen heutigen Namen. Von Anfang an war Dominic Achilles als Azubi mit im Team. »Er gehörte zum Inventar«, feixen die beiden. Damals folgten sie der Bitte von Kelu, den »netten Kerl mit dem großen Zeichentalent« zu übernehmen und auszubilden. Ein Entschluss, den sie nicht bereuen. Vor zwei Jahren kehrte auch Kelu, der Japanexperte, von einem beruflichen Aufenthalt in Rom zurück und arbeitet nun in den Räumen, die einst seine eigenen waren.

Seit vier Jahren arbeiten Dominic, Sandra und Willi (v.l.n.r.) jetzt zusammen im Bold as Love, seit zwei Jahren ist Studiogründer Kelu wieder mit im Team

Obwohl: Eigentlich war Kelu nie weg. Zahlreiche seiner Bilder und Flashes verblieben an den Wänden des Studios und prägten von Anfang an das Erscheinungsbild des »Bold as Love«. Alles andere sollte wachsen, da waren sich die frisch gebackenen Studiobesitzer einig. Mittlerweile wirkt ein Rundgang durch die Räume wie der Besuch einer Tattooaustellung in einem gutbürgerlichen Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts: Schwere Holzmöbel und Sofas stehen auf einem massiven Dielenboden und vor samtig schimmernden Vintage-Tapeten. Jeder der vier brachte etwas ein, das übers Tätowieren hinausgeht: Sandra hat viele der alten Möbel restauriert, Dominic sich eines alten Ölgemäldes angenommen und das Alpenidyll um einen Roboter ergänzt, der einen Kraken an der Leine spazieren führt. Eines von Sandras Lieblingsstücken ist eine von Kelu bemalte Schranktür, auf die er nach einem Foto das Porträt eines russischen Kriminellen malte, und in die er eine Schublade integriert hat. Unzählige Tattoozeichnungen reihen sich an den Wänden, entweder gekauft, mit Kollegen getauscht oder auch als Geschenk bekommen. Nichts im Studio wirkt dabei museal angestaubt, sondern es ist so eingerichtet, wie der Arbeitsraum eines Tätowierers aussehen sollte. Dass hier täglich Tattoos gestochen werden, verraten auch die unzähligen selbstgezeichneten Stencils, die in den Zimmern hängen.

Das Konzept war eine Fortsetzung des von Kelu bereits beschrittenen Weges. Obwohl es sich um ein Ladenstudio handelt und Sandra und Willi Kundenwünsche umsetzen, wollten die neuen Besitzer keinen Walk-in-Shop haben. Tätowieren ist in ihren Augen eine Dienstleistung, was Qualität und stilistische Vorlieben nicht ausschließt. Bis auf Realistic-Tätowierungen ist die stilistische Bandbreite groß: Sie reicht von Blackwork bis Neotraditional, von Americana Traditional bis zu Asia. Jeder hat seine Vorlieben, aber keiner ist sich zu fein, auch mal ein Lettering zu stechen. »Das sind Basics, die gehören zum Tätowieren dazu. Selbst Kelu hat kürzlich ein Tribal gestochen«, erklärt Sandra die Offenheit des Konzepts, bei dem jeder vielfältig sein, aber sich keiner verbiegen soll. Ihre Arbeitsweise ist vom gemeinsam getragenen Grundverständnis geprägt, dass Tätowieren eine Dienstleistung ist und neben der jeweiligen Spezialisierung auch die Abwechslung Spaß macht. Dass als Ergebnis immer eine solide, haltbare Tätowierung herauskommen muss, ist für alle vier gesetzt.

Ohne gute Beratung funktioniert so ein Konzept nicht, es braucht Zeit, um die Ideen und Vorstellungen des Kunden umzusetzen. Zur Vorbereitung gehört auch eine ordentliche Skizze. Bei großen Projekten können die Vorzeichnungen ein paar Tage vor dem Termin angeschaut werden, bei Single-Spot-Tattoos jedoch erst am Tag des Tattootermins. »Es ist nicht sinnvoll, den Kunden die Vorlage zu schicken. Dann muss man die Änderungswünsche von zwanzig Freunden umsetzen, die ihre Kommentare abgegeben haben«, erklärt Sandra. 



Auf Conventions ist das Bold-as-Love-Team nur selten zu sehen. »Wir mögen die kleinen, familiären Veranstaltungen, bei denen man auch noch Zeit hat, sich untereinander auszutauschen. Wir sind als lokal ansässiges Studio auf der Convention in Stuttgart, auf alle Fälle fahren wir jedes Jahr nach Balingen. Das ist genau die Art von Convention, die uns gefällt«, erklärt Dominic. Einen ähnlichen Weg gehen sie bei den Gasttätowierern, auch hier zählt die freundschaftliche Verbundenheit, denn Familienanschluss ist für die Gäste inklusive. Lars Becker, Caro Reichel, Archibaldt Volonté, Julian Sautter, Pedro Soos, Alia Spaceface und Espa sind die Namen, die regelmäßig kommen. Mindestens einmal im Monat haben die Stuttgarter die Möglichkeit, sich auch von anderen Tätowierern im Studio stechen zu lassen. 

Da es im Studio mit vier Tätowierern, Gästen und ihren Kunden schon mal eng wird, haben sie sich entschlossen, sich zu vergrößern. Direkt gegenüber dem Studio, auf der anderen Straßenseite, wurden weitere Räume angemietet, die sie in den nächsten Wochen schon nutzen wollen. Aber: Das »Bold as Love« an seinem jetzigen Platz bleibt auf alle Fälle bestehen.


Die Tätowierer bei Bold As Love

Sandra Berger
Sandra Berger, Bold as Love Tattoo, Stuttgart

Stilistisch vielfältig tätowiert Sandra Berger, ihre Leidenschaft gilt jedoch Dot- und Mandala-Blackwork. Die Arbeit mit kräftigen Linien führt sie auf den Einfluss der Kollegen zurück, ihre Dots sind kräftiger als die vieler anderer Dotworker

Mandala- und Dotwork-Tribal sind die Stile, die Sandra bevorzugt sticht. »Ich arbeite gerne mit Körperformen und auch der richtige Hell-Dunkel-Kontrast ist eine schöne Herausforderung«, erklärt die Mitinhaberin des Studios. Angefangen hat sie als Piercerin im Studio »Wilde 13«, ehe sie vor elf Jahren von Studiobesitzer Maik Frey die Chance bekam, bei ihm das Tätowieren zu lernen. »Die Art, wie ich heute meine Kunden berate, ist stark von dieser Arbeit in einem Street-Shop geprägt.« Entsprechend vielfältig sind auch die Stile und Motive, die sie sticht. »Genauso wie der Einfluss durch meine Kollegen jetzt, die sehr traditionell tätowieren.« 
IG:  boldaslovetattoo_sandra


Willi Berger
Willi Berger, BBold as Love Tattoo, Stuttgart

Kraftvoll und rotzig, so setzt Willi Berger seine Tattoos mit Vorliebe um. Aber er kann auch anders, selbst Dekoratives macht er zwischendurch ganz gerne

Maximale Reduktion bei höchstmöglichem Ausdruck kennzeichnen den Stil von Willi. »Tattoos dürfen ruhig rotzig aussehen«, erklärt der 31-Jährige, der vor zehn Jahren seine Ausbildung bei Chris im Studio Old Rabbit Tattoos in Nürtingen machte. 
Meist sticht er seine Tattoos mit nur einer Nadelstärke und auch beim Einsatz von Farbe ist für ihn weniger mehr. »Bei den Oldtimern stehe ich auf Sailor Jerry, der wusste sehr genau, wie man mit Farbe umgeht, das wirkt alles sehr aufgeräumt.« Flashes behandelt Willi so, wie sie gedacht sind: Wenn ein Kunde  einen Klassiker gestochen haben möchte, dann bekommt er diesen auch eins zu eins auf die Haut.
IG: boldaslovetattoo


Kelu
Kelu, Bold as Love Tattoo, Stuttgart

Klassisch: Japan-Style und Americana-Tattoos von Kelu. Auch wenn Kelu von sich sagt, keinen Wert auf »crispe« Linien zu legen, fällt es nicht schwer, das Gegenteil zu behaupten

Tattoos im Japan-Style, mit dem Anspruch der Authentizität: Es ist virtuos, wie Kelu mit Farben umgeht, seine Linien stehen außerhalb jeder Kritik – auch wenn er das leugnet – und die Kompositionen fließen mit dem Körper. Kelu möchte sich mit seinem Stil vom »Euro-Japanischen« abgrenzen, weil ihm das nicht simpel genug ist, zu »ego-driven«, wie er sich ausdrückt. 
Der Weg vom Outlaw-Tätowierer bis zu einem der renommiertesten Asia-Style-Tätowierer in Deutschland startete vor vierundzwanzig Jahren. In Paris tätowierte er Gangster und Outlaws mit Handinstrumenten in einem Hotelzimmer, zwei Jahre später kaufte er seine erste Maschine. Die Entwicklung ging vom Kopieren von gekauften Flashes der 1990er Jahre über Americana Tattoos, Neotraditionals und wieder zurück zu den Traditionals, um schließlich den Schwerpunkt auf japanische Tätowierungen zu legen. Die Aussage »Ich schaue jetzt nach den Wurzeln der Tradition und nicht nach den Früchten« trifft er aufgrund von Erfahrungen und eigenen Irrtümern. 
Verantwortungsbewusst sagt er: »Es liegt an uns Tätowierern, die Kunden aufzuklären. Auch oder gerade, wenn es um japanische Tätowierungen und die dahinterstehende Kultur geht. Das halte ich für sehr wichtig.«
IG: _kelu_


Dominic Achilles
Dominic Achilles, Bold as Love Tattoo, Stuttgart

Supersauberes Linework mit zwei Linienstärken machen die Arbeiten von Dominic Achilles aus. Wenn er dann noch mit Farbe arbeiten darf, freut ihn das besonders

Der gelernte Grafikdesigner und Illustrator hat zu Beginn seiner Ausbildung 2014 sein »Setting« auf null gesetzt. »Für mich stand fest, dass ich erst einmal alles vergessen muss, was ich jahrelang gelernt habe«, so der Youngster im Team. Was ihm unbestritten gelungen ist. Kam es bei der Arbeit als Grafiker darauf an, eine Idee so reduziert wie möglich umzusetzen, tätowiert er nun häufig sehr fröhliche, oft geradezu verspielte Tattoos, weil sie eben nicht nur eine Information transportieren, sondern auch dekorativ sein sollen. Seine Leidenschaft gilt den Neotraditionals mit plastischen und naturnahen Tierdarstellungen, eine seiner Stärken liegt auf dem Herausarbeiten des Wesens, des Charakters der dargestellten Figur. Und natürlich auf seinem Linework. Supersauber gestochen geben sie den Arbeiten ein solides Gerüst. »Meine Tattoos baue ich mit einer bolden Linie auf und für die Details nehme ich meist eine Dreier- oder Fünfer-Nadel.«
Wenn er mit Farbe arbeiten darf, freut ihn das besonders. »Ich liebe mutige Leute, die auch Farbe wollen. Ich arbeite auch gerne mit Grau, anstatt zu schattieren. Das wirkt weicher und das Motiv sieht ›farbig‹ aus, ohne bunt zu sein.«   
IG: dominic_achilles

Where to find:
Bold as Love Tattoo 
Hohenheimer Straße 67 
70184 Stuttgart
0711 55326407
F: Boldaslovetattoo
IG: boldaslovetattoo

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Stand:17 October 2018 02:42:23/t%C3%A4towierer/bold+as+love+kraftvolle+tattoos+aus+stuttgart_18914.html