Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb

22.06.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Benjamin Karp (Tattoos), andregrossphotography (Porträts)
Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb
Black-and-Grey sind stilvoller, findet Benjamin Karb
Alle Bilder »
Tätowierer Benjamin Karp tätowiert seit dreieinhalb Jahren und besticht durch vielfältiges, sauberes Blackwork. Weshalb er heute lieber auf Farbe verzichtet und sein Job dem Privatleben oft vorgehe, verrät er im Gespräch
Die Leute können sich häufig nicht entscheiden, ob das Tattoo farbig oder schwarz werden soll, erzählt Tätowierer Benjamin Karp. »Für mich ist Schwarz dann immer die bessere Wahl. Das Tattoo ist langlebig, sieht stilvoller aus und ist in meinen Augen somit gesellschaftsfähiger.«

Als Benjamin Karp vor dreieinhalb Jahren anfing zu tätowieren, waren seine Tattoos noch bunt, mittlerweile bringt er zwar immer noch die unterschiedlichsten Motive unter die Haut, hält sich dabei aber an Black-and-Grey. Solange es Benjamins Stil entspricht, tätowiert er fast alles gerne. Häufig sind es Motten, Totenschädel oder Rosen. Langweilig wird ihm dabei nicht, da er seine Motive verschiedentlich variieren kann.

Die Zeichnung oben zeigt das Dietzel-Girl, einen echten Tattoomotiv-Klassiker. Das Original stammt vom norwegischen Tätowierer Amund Dietzel (1890–1973). Offenbar hegt Benjamin Karp nicht nur eine Vorliebe für stilvolle, sondern auch für klassische Motive

An Tattoos fand der 29-Jährige schon früh Gefallen. Das kam durch die Musik- und Skateboardszene, der er lange aktiv angehörte. Durch seinen damaligen Job bei VW machte Benjamin gut Kohle, wie er sagt, und konnte sich ein Tattoo nach dem anderen abholen. Irgendwann zeichnete er dann mal eine der Tattoovorlagen selbst – für den Kunst-Einserschüler war das keine allzu große Herausforderung. »Ich hatte immer eine Eins, ganz egal, was wir im Kunstunterricht machen mussten.« Sein Talent stellte Benjamin auch unter Beweis, als er für Bands eine Zeit lang Designs und Logos entwarf. Eine Tätowiererin fand seine Vorlage gut, übernahm sie und noch beim Termin schlug sie ihm vor, er solle sich mit einer Mappe mal im Studio um einen Tätowiererjob bewerben. Zunächst sollte sich dieser Traum nicht erfüllen, doch es war nur eine Frage der Zeit. Denn nach einem Jahr meldete sich das Tattoostudio und plötzlich ging alles ganz schnell. »Ich fuhr nach der Arbeit dorthin, um mit denen zu quatschen. Sie fragten mich, ob ich nicht Lust auf den Job hätte. Dann hieß es also ›Tschüss VW, hallo Tätowiererkarriere!‹«, erinnert sich Benjamin an den alles verändernden Nachmittag vor dreieinhalb Jahren.

Benjamin Karp schränkt sich in Sachen Motiv nicht ein, ledigich auf Farbe zu verzichten wendet er als Regel gerne an. Alles, was sich in seinem Stil arrangieren lässt, tätowiert er gerne. Und immer wiederkehrende Bilder wie Rosen oder Schädel variiert er so, dass ihm dabei nie langweilig wird

Benjamin kommt ursprünglich aus Leipzig und lebt mittlerweile in Hannover. Dort arbeitet er als Tätowierer bei Kustom Kings, einem Shop, der mit seinen sechs Residents so ziemlich alles abdeckt, aber auch einiges ablehnt. »Wenn du, mal angenommen, jeden Tag dutzende Unendlichkeitsschleifen stichst, und das könnte man ja problemlos machen, dann hast du da sehr schnell die Schnauze von voll.« Deshalb hat er auch keine Probleme damit, Kundenwünsche abzulehnen. »Wenn ich etwas nicht kann, dann sage ich das. Und es gibt No-Gos, die ich ablehne. Ich erkläre dann natürlich, wieso ich das nicht machen will.«

Zu den No-Gos zählen der Name der oder des Ex oder Tattoos an Hals oder Händen, wenn der Kunde sonst noch kaum oder gar nicht tätowiert ist. Auch das Alter und der berufliche Background des potenziellen Kunden spielen für den Tätowierer eine Rolle, wenn es um Motive an sichtbaren Stellen geht.

Benjamin Karp schränkt sich in Sachen Motiv nicht ein, ledigich auf Farbe zu verzichten wendet er als Regel gerne an. Alles, was sich in seinem Stil arrangieren lässt, tätowiert er gerne. Und immer wiederkehrende Bilder wie Rosen oder Schädel variiert er so, dass ihm dabei nie langweilig wird

Benjamins erste Gehversuche an der Maschine seien schrecklich gewesen. »Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte ich den Dreh aber recht schnell raus, sodass ich schon nach drei, vier Monaten am Kunden arbeiten durfte.« Das Schwierigste am Tätowieren sei die Sache mit der Geduld, verrät Benjamin. »Egal wie zielstrebig du bist, du brauchst Geduld. Du lernst das Tätowieren nicht, indem du jeden Tag zwei Stunden übst, sondern eher über Jahre hinweg.« Geprägt hat ihn in dieser Hinsicht Tätowierer Marshall Griffin aus Berlin. »Er sagte mir immer, ich soll mich nicht stressen, mir Zeit lassen, bei dem, was ich mache.« Er ist nicht der einzige Tätowierer, der Benjamin etwas mit auf den Weg geben konnte. Auch Nick Knatterton und Sebastian Domaschke nennt Benjamin bei der Frage nach Künstlern, die ihn beeinflusst haben. Sie zeigten ihm, wie wichtig es ist, als Tätowierer eine angenehme und freundliche Art an den Tag zu legen und sich ganz auf seinen Kunden zu konzentrieren.

Tattoosammler aufgepasst: Benjamin Karp zeigt auf seinen Social-Profilen immer wieder mal Wanna-dos. Diese Wunschmotive bringt er gerne zeitnah und auch für einen schmaleren Taler unters Volk. First come, first serve!

Benjamin ist mit vielen Tätowierern gut vernetzt und das ist kein Zufall. Er ließ sich von vielen, sehr guten deutschen Künstlern tätowieren, um von ihnen zu lernen. »Ich gehe deshalb auch sehr gerne auf Guestspots. Ich schaue den Tätowierern über die Schulter, gucke, was die so benutzen, wie sie arbeiten. Die kennen außerdem ja wiederum auch andere Tätowierer, so kommt man zusammen, tauscht sich auch mal bei einem Abendessen aus.« Der Wahl-Hannoveraner lernt gerne neue Leute kennen und liebt es, Städte zu bereisen. Außerdem mag er es, wenn er Kunden aus anderen Regionen für sich gewinnen kann.

Die Zeichnung oben zeigt das Dietzel-Girl, einen echten Tattoomotiv-Klassiker. Das Original stammt vom norwegischen Tätowierer Amund Dietzel (1890–1973). Offenbar hegt Benjamin Karp nicht nur eine Vorliebe für stilvolle, sondern auch für klassische Motive

Wer einen Termin bei Benjamin will, kann ihn über seinen Facebook- oder Instagram-Account kontaktieren. »Ich versuche immer, so schnell wie möglich zu antworten, meist innerhalb eines Tages. Außer am Wochenende, da habe ich dann hin und wieder auch einfach mal Freizeit.« Apropos Wochenende: Nicht selten kommt es vor, dass Benjamin auch dann arbeitet. Sein perfekter Tattootermin wäre sogar sonntags morgens. »Bloß nicht zu spät, damit man noch etwas vom Tag hat.« Einen guten Latte macchiato sollte es auch geben. »Wenn ich eine Zeit lang nur Kundenwünsche umsetze, die nicht hundert Prozent meinem Motivgeschmack entsprechen, kann es gut sein, dass ich noch ein Wochenende dranhänge, an dem ich Sachen tätowiere, auf die ich richtig Bock habe.« Auch wenn Kunden einen weiten Anfahrtsweg vor sich haben, kommt es vor, dass Benjamin den Termin entspannt auf das Wochenende legt. In seiner Anfangszeit tätowierte er rund sieben Kunden pro Tag, heute hat er das Pensum runtergefahren und nimmt sich lieber mehr Zeit für zwei bis drei Kunden. Schaut man sich den stark tätowierten, lässigen Tätowierer an, würde man vielleicht nicht direkt ahnen, dass sich dahinter ein durchorganisierter, zielstrebiger Frühaufsteher verbirgt. Doch er gilt als sehr fleißig: Von seinen Freunden hört der Tätowierer oft, er arbeite zu viel und solle mal kürzer treten, Urlaub nehmen. »Aber so ganz ohne Arbeit kann ich einfach nicht«, gibt Benjamin zu. Das Privatleben komme durchaus zu kurz, doch das sei ihm egal: »Der Job ist mein Leben, daher kümmert mich das im Moment nicht.«

Benjamin Karp schränkt sich in Sachen Motiv nicht ein, ledigich auf Farbe zu verzichten wendet er als Regel gerne an. Alles, was sich in seinem Stil arrangieren lässt, tätowiert er gerne. Und immer wiederkehrende Bilder wie Rosen oder Schädel variiert er so, dass ihm dabei nie langweilig wird

Einmal im Monat sprayt der Künstler – auf legale Weise. Er lässt die Welt über seinen Instagram-Account dann auch gern an seinen Graffiti teilhaben. Es ist für ihn der perfekte Ausgleich zum Tätowieren. Anders als bei seinen Tattoos greift er hier sogar gern mal tief in den Farbtopf. »Früher bin ich immer Skateboard gefahren zum Ausgleich, aber das kann ich heute nicht mehr. Also, ich könnte es wohl schon, doch es ist mir zu riskant. Meine Hände sind mein Arbeitswerkzeug und da sollte ich mich auf keinen Fall verletzen.«

Wenn Benjamin nicht tätowiert, sprayt oder mit Freunden gute Restaurants oder Bars unsicher macht, dann zeichnet er Motive, die er in Zukunft gerne stechen würde. Seine Wanna-dos postet er und meist vergeht nicht viel Zeit, bis sie einen Träger finden: Seine Kunden wissen, dass er seine Wanna-dos gerne recht zeitnah tätowieren will und sie vor allem zu einem sehr fairen Preis anbietet. Beim Thema Preisgestaltung wird der lockere Typ für einen Moment ernst. Abschließend wolle er noch etwas loswerden, was ihm am Herzen liege: »Ich würde mir wünschen, dass mehr Künstler ihre Leidenschaft über den Preis stellen und sich nicht nur auf die Kohle fixieren.«

Benjamin Karp, Kustom Kings Tattoo, Hannover. © andregrossphotography

Benjamin Karp
Kustom Kings Tattoo
Bahnhofstraße 12
30159 Hannover
FB bennycreation
IG benjaminkarp

 
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:21 July 2018 02:21:59/t%C3%A4towierer/black-and-grey+sind+stilvoller+findet+benjamin+karb_18612.html