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Akkurate Neo-Traditionals von Tobi Tietchen

22.07.2016  |  Text: Boris Glatthaar  |   Bilder: Philipp Wülfing und Tobias Tietchen
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Akkurate Neo-Traditionals von Tobi Tietchen
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Vor weniger als einem Jahr hat Tobias Tietchen sein Atelier in Hamburg eröffnet. Doch längst ist der 27-jährige Tätowierer mit seinen grafisch angehauchten Neotraditionals zur beliebten Marke geworden.
Der Tätowierungen noch immer für rebellische Male gesellschaftlicher Randgruppen und Tätowierer für ruchlose Gestalten der Subkultur hält, sollte Tobias Tietchen treffen. Gut gekleidet, ordentlich gescheitelt, das Polohemd bis zum Kragen geschlossen und offensichtlich von frohem Gemüt, ist der 27-jährige Tätowierer aus Hamburg alles andere als ein verwegener Underdog, den keine Schwiegermutter am Kaffeetisch haben will. Tobi ist stattdessen adrett, freundlich und schon auf den ersten Blick ein sympathischer Kerl. Auch sein Studio hat nichts mit dem halbseidenen Hamburg zu tun, das sich vor allem St.-Pauli-Touristen gern präsentieren lassen – mit den Dirnen entlang der nächtlichen Davidstraße, der Leuchtreklame an der Reeperbahn, den Kultkneipen mit Seemannsstaffage. Das Atelier Tobias Tietchen liegt vielmehr in einem aufgeräumten Wohnbezirk mit sauberem Kopfsteinpflaster, hanseatischen Backsteinhäusern und gepflegtem Balkongrün beinahe vis-à-vis dem Barmbeker Bahnhof. Die Fassade des kleinen Eckstudios ist hell gestrichen und die beiden Schaufenster lassen viel Licht herein. Die Einrichtung: Eine Mischung aus Industrieschick im Vintage-Look und skandinavischem Raumdesign, jedes einzelne Stück nach detailversessener Planung in Deutschland, Luxemburg, Dänemark, Polen, den Niederlanden und Belgien zusammengekauft. Die Fensterbänke etwa stammen aus einer Kapitänsvilla in Blankenese, die historischen Fliesen aus Amsterdam. Die alten Fabriklampen hat Tobi komplett neu verdrahten lassen. Das alles stößt auf Anerkennung: Sogar in Fachkreisen für Innenarchitektur zeigt man sich inzwischen an seinem Studiostyle interessiert. Bei Tobi daheim sieht es ähnlich aus.

Tobi ist großer Fan zeitloser Eleganz. Das spiegelt sich in seinem Studio, seinem Outfit und seinen Tätowierungen: In einer stilistisch schnelllebig gewordenen Branche setzt er vorrangig auf klassischen Stil und traditionelle Motive. Und, ganz klar: In der Heimatstadt des gebürtigen Hamburgers spielen Seefahrttattoos eine große Rolle.

Eröffnet Ende September 2015, ist das Atelier in erster Linie ein Ort, an dem sich Tätowierer und Kunden wohlfühlen sollen. Kein Streetshop, in dem pausenlos Leute reinkommen, in dem Halligalli herrscht. »Tätowieren ist halt eine blöde, schmerzhafte Sache, nur ein notwendiges Übel, das sollte man dem Kunden so angenehm wie möglich gestalten. In einem großen Raum mit fünf Kunden kann man sich nicht so fallen lassen. Hier gibt es nur den Kunden und mich. Ich ziehe die Handschuhe aus, wenn neue Musik aufgelegt werden muss oder der Paketdienst kommt, sonst nicht. Ich gehe nicht einmal ans Telefon, dafür gibt es feste Anrufzeiten.« Mit seiner Konzentration auf den Menschen unter der Nadel will Tobi ihm nicht nur die schmerzhafte Prozedur etwas leichter machen, sondern auch die Bindung zwischen Kunden und Tätowierer festigen. Mit Erfolg, wie er sagt: »Viele Freunde sind zu Kunden geworden, viele Kunden zu Freunden.«

In seinen Tattoos vereint der studierte Kommunikations-designer den Newschool-Stil mit grafischen Elementen, etwa die Raute hinter dem Käfer oder das Atelierlogo im Hut des Vogels.

Kunden wollen am Leben des Tätowierers teilhaben

Seine neotraditionellen Tätowierungen mit grafischen Elementen sind beliebt, und das längst nicht mehr allein in Norddeutschland. Inzwischen kommen die Leute von weit her gereist, um sich ein Custom-Motiv oder Wanna-do stechen zu lassen. Kein ganzes Jahr nach Eröffnung des Ateliers ist Tobi Tietchen längst zur Marke geworden. »Diese Identifikation mit dem Tätowierer finde ich cool«, sagt er. »Wenn du früher in einen Laden gekommen bist und gesagt hast, ich möchte ein Schiff mit einer Rose haben, dann hast du eine Mappe bekommen mit dem Hinweis: ›Hier, das ist von Tobi, der kann das.‹ Und ab dann war ich dein Tätowierer.« Durch Instagram und Facebook entscheide der Kunde heute schon bevor er in ein Studio komme, von welchem Künstler er sein Tattoo gestochen haben wolle. Außerdem seien die Kunden oft an der Person hinter der Tattoomaschine interessiert. »Die Leute wollen auch wissen: Was macht der eigentlich sonst so? Was hört der für Musik? In welche Bars geht er abends? In meinem alten Laden haben sie immer gesagt: Tobi, achtzig Prozent deiner Kunden sehen so aus wie du. Und das fand ich ganz cool.«

Viele Tätowierungen von Tobias Tietchen stehen für sich. Damit das auch bei Motiven mit Hintergrund klappt, umrahmt er sie häufig – natürlich ebenfalls in grafischer Form wie einer Raute, passend zur Körperstelle.

Der alte Laden: Davon gab es eigentlich eine Menge. Als der bis dahin vor allem von Grafikdesign-Aufträgen lebende Tobi vor fast vier Jahren richtig mit dem Tätowieren begann, fand er seine Lehrstube bei Moe, dessen Spadetattoo an der Eimsbütteler Chaussee beheimatet ist. Später ging Tobi zu Buntes Herz in Altona. 2014 stach er außerdem auf achtzehn Conventions, 2015 auf fünfzehn Messen und zusätzlich als Gast in siebzehn Studios, nebenbei plante und realisierte er das eigene Atelier. Der Grund für diesen Schritt: »Im Internet, auf Instagram und Facebook war ich immer schon unter dem Namen ›Atelier Tobias Tietchen‹ aktiv. Viele haben mich gefragt: ›Hey, wo ist denn dein Laden?‹ Und da wurde mir klar: Den Laden, den gibt’s in meinem Kopf und im Internet, aber nicht real.« Zu diesem Zeitpunkt war Tobi bereits so weit, nichts mehr stechen zu müssen, was er nicht gern machen wollte. »Dienstleistung in allen Ehren«, sagt er, »aber ich kann einfach nichts machen, was ich nicht gern tu.«

In Tobias’ Motiven finden sich  häufig Tierporträts. Plakativ  setzt er dabei zentrale Bildelemente ein und schmückt sie mit zusätzlicher Symbolik oder auch einfach mit illustrativen Elementen.

»Heute bist du als Tätowierer kein Outlaw mehr«

Dass das aus Sicht alteingesessener Tätowierer verwöhnt klingt, weiß Tobi. »Jemand hat mal zu mir gesagt: ›Ihr kommt jetzt an, frisch von der Design-Uni, macht euch Visitenkarten mit einem coolen Logo und sagt: Ich steche nur noch meinen Kram.‹ Wenn ich dreißig Jahre lang tätowieren würde, würde ich da auch sagen: ›Wer bist du denn?‹. Wir haben dem Trend zu verdanken, dass es klappt. Insofern würde ich das als Erbe ansehen, das wir antreten, und auf das wir aufbauen können. Ich würde einen Teufel tun zu sagen, das, was wir machen, sei besser. Wir haben ganz andere Möglichkeiten. Ich wäre vor zwanzig Jahren niemals Tätowierer geworden – Nadeln löten, Farben anmischen, fünf Wochen rumtelefonieren, bis dir irgendwer vielleicht eine Maschine verkauft. Damals warst du Outlaw, wenn du Tätowierer geworden bist. Heute bist du doch als Tätowierer kein Outlaw mehr. Ich finde es gut, was Tätowierer früher gemacht haben. Sie haben uns den Weg geebnet. Sie mussten jahrelang Tribals tätowieren und dafür kämpfen, dass sich das etabliert. Wir haben den älteren Tätowierern zu verdanken, dass wir unsere Arbeit heute so machen können.«

In Tobias’ Motiven finden sich  häufig Tierporträts. Plakativ  setzt er dabei zentrale Bildelemente ein und schmückt sie mit zusätzlicher Symbolik oder auch einfach mit illustrativen Elementen.

Große Achtung hat Tobi nicht nur vor den Leistungen erfahrener Tätowierer, sondern auch vor denen anderer junger und künstlerisch dynamischer Kollegen, die er gern als Guest Artists ins Atelier nimmt. Mo Ehlers etwa ist regelmäßig ein bis zwei Wochen im Monat da, sporadisch waren es schon Namen wie Cedric Weber, Mike Youngblood und Dea Vectorink. Nur Leute, die Tobi kennt, und mit denen er sich auch privat versteht. Schließlich ist der Gast ein Gast und man unternimmt gern auch jenseits der Arbeit etwas in Hamburg. In erster Linie aber ist das Joint Venture natürlich ein berufliches: Man bereichert sich gegenseitig in fachlicher Hinsicht und Tobi kann im Studio dadurch verschiedene Stile anbieten.

Hin und wieder verlässt das Atelier übrigens auch ein Werk feinsten Grafikdesigns. Kürzlich entwarf der Kommunikationsdesigner das Sonderlabel der siebzig Euro teuren Limited Edition einer Steingutflasche des Gins »Cruzeiro do Sul«. Und auch für Plattencover und ähnliche Liebhaberstücke sind seine Entwürfe immer wieder gefragt. Solche Auftragsarbeiten sollen aber die Ausnahme bleiben: »Ich habe immer schon eine große Faszination fürs Tätowieren gehabt und das ist heute mein absoluter Traumberuf. Ich würde nicht in ein Designbüro wechseln wollen.«

In Tobias’ Motiven finden sich  häufig Tierporträts. Plakativ  setzt er dabei zentrale Bildelemente ein und schmückt sie mit zusätzlicher Symbolik oder auch einfach mit illustrativen Elementen.

Kontakt
Atelier Tobias Tietchen
Roggenkamp 4
22305 Hamburg
www.tobiastietchen.de
Facebook: Atelier Tobias Tietchen
Instagram: Tobias_Tietchen

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