Victoria van Violence, die neue Businessfrau

24.08.2018  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: Bastian Bochinski (Porträts) Und DR PhOTOPERFORMANCE (Dokumentation)
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Victoria van Violence, die neue Businessfrau
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Sie begann als Tattoomodel, wurde eine bekannte Aktivistin, erkrankte dann an Depression. Jetzt hat Victoria van Violence sich neu gefunden, ein Buch über die Krankheit geschrieben und ein Streetwear-Label gegründet – das Fernsehen war dabei


Es ist viel passiert seit dem Foto, auf dem eine junge Frau, eher noch Mädchen, mit grünen Haaren in die Kamera schaut. Victoria van Violence, im Oktober 2011 auf dem Cover des TätowierMagazins, und auf einmal ein gefeierter Newcomer unter den Tattoomodels. Sie kann sich vor Shootinganfragen kaum retten, posiert mal in Streetwear, mal vor dem Hot Rod, und innerhalb weniger Jahre ist ihr Gesicht in ganz Deutschland auch außerhalb der Tattooszene bekannt. Das nutzt sie geschickt für ihre Herzens­sache: Victoria van Violence macht mit bei großen Tierschutzkampagnen, setzt ihre im Social-Media-Boom wachsende Reichweite gezielt fürs Hilfesuchen ein und läuft auf Conventions selbst mit der Sammelbüchse zugunsten des Tierheims herum. Auch Frauenrechte sind ein Thema für die Wahlberlinerin. Dass in anderen Ländern Männer brutale Unterdrückungsregime führen und Ungleichbehandlung auch in Deutschland zu spüren ist, macht sie wütend, dagegen steht sie auf.
 

Victoria ist ein Charity-Mensch, der Schwächeren helfen und sich einsetzen will. So intensiv, dass es ihr selbst zu viel wird, immerhin muss sie auch noch studieren. Und irgendwann erfasst die Frau, die immer so fröhlich und aufgeschlossen bei Shootings herumspringt, eine handfeste Depression


Victoria ist ein Charity-Mensch, der Schwächeren helfen und sich einsetzen will. So intensiv, dass es ihr selbst zu viel wird, immerhin muss sie auch noch studieren. Und irgendwann erfasst die Frau, die immer so fröhlich und aufgeschlossen bei Shootings herumspringt, eine handfeste Depression. Sie kämpft mit aller Kraft dagegen, auch mit einem Klinikaufenthalt, und übersteht die schweren Krisen. »Das ist ein tragisches Thema, im Nachgang aber auch etwas komisch«, sagt sie heute, denn inzwischen ist sie Botschafterin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und hat ein Buch über ihre Erfahrungen mit der Krankheit geschrieben. Unter dem Titel »Meine Freundin, die Depression – Wie ich mich meiner Krankheit stellte und damit zu mir selbst fand« ist es voraussichtlich ab Oktober erhältlich.
 

Victoria van Violence bringt Buch über Depression raus




In dem Buch beschreibe sie ihre Gefühle ganz genau, so die Autorin. »Viele werden denken: ›Mir geht es genau so!‹« Und diejenigen, die mit der Krankheit keine Berührungspunkte haben, sollen über das Buch mehr Verständnis entwickeln können. Weil ihr Aufklärung in der Sache wichtig sei, seien auch Vorträge zum Zusammenhang von Depression und Social Media geplant – »ein riesiges Thema, weil soziale Netzwerke einerseits Depression verstärken und andererseits dabei helfen können, sie aufzulösen«. Auf Instagram ist Victoria van Violence zwar selbst sehr aktiv, bei ihren Postings lasse sie sich aber längst nicht mehr von äußeren Zwängen oder fremden Erwartungen leiten.

Ihr Leben verläuft im Vergleich zu damals, der Zeit des frühen Covers, heute deutlich ruhiger. Zwar ist sie weiterhin mit Organisationen wie PETA verbunden und Botschafterin des Tierheims Berlin. Aber seitdem sie vor zwei Jahren das Studium abgeschlossen hat und selbstständig ist, ist sie nicht nur erwachsener geworden, sondern muss auch professioneller, kanalisierter und zielgerichteter arbeiten. Finanzielle Notwendigkeiten und To-do-Listen helfen Victoria dabei, sich nicht zu verzetteln und sich klar auf momentan Wesentliches zu fokussieren: Etwa auf die Sendung »Blue Moon« beim rbb-Radio Fritz, wofür sie jeden ersten und dritten Donnerstag ab 22 Uhr im Potsdamer Funkhaus vor dem Mikrofon sitzt und mit Anrufern spricht – über Mobbing, Abtreibung, Gender Pay Gap oder was ihr sonst relevant erscheint.
 

»Der Plan ist eine eigene Kollektion, wo vom Schnittmuster bis zum fertigen Teil alles aus meinem Kopf stammt«

Vor allem aber investiert Victoria seit dem vergangenen Jahr enorm viel Energie in das, was in diesen Wochen bei RTL2 in der Dokusoap »Jung, weiblich, Boss!« zu sehen ist: Ihr eigenes Streetwear-Label »The New Rose«, benannt nach einem Song von »The Damned« und irgendwie punkig. Schon vor Monaten begleitete das Produktionsteam für den von Jette Joop moderierten Mehrteiler sieben Gründerinnen auf dem Weg von der Businessidee in die Umsetzung; Victoria unter anderem dabei, wie sie die ersten T-Shirts in einer Berliner Siebdruckwerkstatt mit ihrem Design veredeln ließ. »Ich möchte Klamotten machen, die ich selbst gern tragen möchte«, sagt Victoria, deren Geschäftsidee schon lange vor der TV-Anfrage Fahrt aufnahm und die eher durch ein zufälliges Gespräch mit dem Produzenten in die Sendung kam. Den Anfang machten T-Shirts, Beutel und Buttons, aber auch eigene Pullover stehen seit Beginn an auf ihrer Wunschliste. »Der Plan ist, irgendwann eine eigene Kollektion zu haben, wo wirklich vom Schnittmuster bis zum fertigen Teil alles aus meinem Kopf stammt«, so die Gründerin. Ihre Shirts sind zwar unisex, Victoria geht aber davon aus, dass sie wegen eines geplant hohen Pinkanteils in den Textilien und Prints sowie ihren zu siebzig Prozent weiblichen Instagram-Followern vor allem an Frauen zwischen achtzehn und fünfunddreißig Jahren verkaufen wird.



Tatsächlich aber hat sie neben zahlreichen rosafarbenen und eher girliehaften Shirts auch andersfarbige im Programm, etwa ein grünes T-Shirt im Retro-Look und mit klarer Botschaft: »Don’t touch me!« Solcherlei Aussagen sind der leidenschaftlichen Aktivistin wichtig, denn »The New Rose« soll aus Sicht der Jungunternehmerin nicht nur erfolgreich werden und Spaß machen, sondern sich ganz klar auch nach ihren Überzeugungen richten. Victoria plant daher, regelmäßig Solidaritäts-T-Shirts zu wechselnden Charity-Themen herauszubringen und damit beispielsweise soziale Projekte zu unterstützen. Außerdem sei es ihr wichtig, dass alle Materialien fair gehandelt seien und in der Schlussfertigung möglichst ortsnah in Berlin veredelt würden. »Ethical Fashion« beschreibt Victoria ihr Konzept ganz knapp auf ihrem Label-Profil @thenewroseclub bei Instagram. Wer darauf nach unten swiped, sieht schon jetzt eine Menge T-Shirt-Designs – und ein Model in bunten Outfits, das viel glücklicher ausschaut als früher, als es noch in fremden Klamotten posierte.

Vicoria van Violence
The New Rose
IG: thenewroseclub
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Stand:19 November 2018 10:50:45/szene/victoria+van+violence+die+neue+businessfrau_18815.html