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Tattoos und Medizin: Experten-Forum zu Farben, Laser und Gesundheit

22.03.2019  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Dr. Klaus Hoffmann
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Tattoos und Medizin: Experten-Forum zu Farben, Laser und Gesundheit
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Die Tagung »Basiswissen Tattoo« in Bochum bot ein vielfältiges Informationsprogramm rund um den Themenkomplex »Tattoo und Medizin. Lest hier, womit sich die Experten dieses Mal befassten.
Unter dem Titel »Cosmedica Spezial: Basis­wissen Tattoo« fand Anfang März in Bochum auf Einladung von Dr. Klaus Hoffmann eine Tagung zu zahlreichen Themen rund um Tattoo, Bodymodifications und Tattooentfernung statt. Das Spektrum der Zuhörer war breit gefächert und ging von Medizinern über Tätowierer und Piercer bis hin zu Tattoo-Interessierten und Studenten. Genauso vielfältig wie die Hörerschaft waren auch die Vorträge der zwölf Referenten. Sie reichten von Tattoofarben bis zu Laserentfernung, von gesundheitlichen Komplikationen nach Tätowierungen bis zu Cover-ups und von psychologischen Motiven für Bodymodification bis zur Funktionsweise von Tattoomaschinen.

Tattoo-Psychologie und Farb-Allergien
Die Verständlichkeit der Beiträge ging teils weit auseinander: Während der Vortrag von Professor Dr. Erich Kasten über die psychologische Motivation zu Tattoos, Piercings und anderen Formen von Körpermodifikation von Extrembeispielen lebte und wenig Neues ansprach, dafür aber auch für Laien verständlich blieb, war der Vortrag von Dr. Steffen Schubert über nicht-infektiöse und damit potentiell allergische Reaktionen auf Tätowiermittel äußerst tiefschöpfend, aber ohne ein Grundstudium in Chemie und Medizin leider auch kaum verständlich.

Tätowierer Andy Engel führte in die Technik der tattoobasierten Rekonstruktion von Brustwarzen nach Operationen ein

Andy Engel spricht über Brustwarzen-Rekonstruktion
Ein Highlight war der Vortrag von Tätowierer Andy Engel, den viele als Realistic-Experten kennen, der sich aber auch schon seit etlichen Jahren auf die Rekonstruktion von Brustwarzen mittels Tätowierung spezialisiert hat. Er erklärte anhand zahlreicher Bildbeispiele die spezielle Problematik der Brustwarzenrekonstruktion nach
oper­ativen Eingriffen bei Krebs, insbesondere aufgrund der Vernarbung des Gewebes, das Tattoofarben völlig anders aufnimmt als unversehrte Haut. Von anderen Körperbereichen implantiertes Gewebe, das zum Wiederaufbau einer Brust herangezogen wird, wie auch die von Ärzten gut gemeinte Rekonstruktion des Warzenhofs erschweren im nächsten Schritt die farbliche Anpassung der Brustwarze durchs Tätowieren beträchtlich, wie Andy Engel aufzeigte. Vorträge wie dieser führen zu einem besseren Verständnis zwischen Ärzten und Tätowierern. Bei Andy Engel selbst hat sich das bereits so ausgewirkt, dass Chirurgen mit ihm vor Brust-OPs Rücksprache halten, um medizinische Eingriffe direkt mit Blick auf eine anschließende optisch-ästhetische Wiederherstellung auszurichten.

Einige der Tagungsteilnehmer in Bochum zeigen ihre tätowierten Hände. Die Botschaft: Längst sind auch in Wissenschaft und Wirtschaft solch frühere »Jobstopper« kein Tabu mehr

Mark Benecke über Bodymodifications
Ebenfalls sehr interessant wie auch gut verständlich und nachvollziehbar war der Vortrag von Dr. Mark Benecke über die Wurzeln der modernen Tattooszene in der Modern-Primitives-Bewegung der 1980er Jahre. Er erläuterte, dass das Tätowieren und andere Bodymodifications, die Tätowierer von ihrem Handwerk heute deutlich getrennt halten möchten, letztlich doch denselben Wurzeln entspringen. Er machte außerdem deutlich, dass eine Einordung in gesellschaftlich akzeptierte und eher abgelehnte Formen von Bodymods rein willkürlich ist und keine Entsprechung in der Schwere des Eingriffs hat: So sei das als »freaky« geltende Piercing durch den Penis ein einzelner Stich, die gesellschaftlich anerkannte vergrößerte Silikonbrust dagegen erfordere eine komplette Operation unter Vollnarkose.
 
In seinem Vortrag zum Thema Tätowiermittel erklärte der Experte Michael Dirks neben der Zusammensetzung der Mittel und deren einzelne Komponenten auch, dass die Behauptung, Tattoofarben ließen sich vollkommen vegan produzieren, lediglich eine Frage der Definition sei und letzten Endes zurückgewiesen werden müsse: Wenn auch das Endprodukt nicht an Tieren getestet würde, geschehe das unvermeidbar mit den Pigmenten, die unverzichtbarer Bestandteil der Farben sind.

Michael Dirks erklärte technische Zusammenhänge der Ablagerung von Tattoo­pigmenten in der Haut

Neue Methoden zur Analyse von Tattoopigmenten in der Haut
Äußerst spannend war auch der Vortrag von Corinna Brungs, die neue, bildgebende Verfahren für den Nachweis chemischer Elemente von Tattoofarben in Hautbiopsien vorstellte. Diese Methoden ließen Rückschlüsse auf die Art des eingebrachten Pigments zu, was bei etwaigen späteren Komplikationen durch Tattoos hilfreich sein könne. Obwohl der Patient meist nicht wisse, welche Farben in welcher Zusammensetzung verwendet wurden, könne so die Therapie präziser auf die Art der Inhaltsstoffe abgestimmt werden.

Ein großer Teil der Vorträge befasste sich mit dem Thema Tattooentfernung durch Laser, was auch das Spezialgebiet des Tagungspräsidenten Dr. Klaus Hoffmann ist. Der Leitende Arzt der Abteilung für ästhetisch-operative Medizin und kosmetische Dermatologie sowie Chef des Zentrums für Lasermedizin des Landes NRW an der Universitätshautklinik Bochum erläuterte in einem Vortrag zunächst die neuesten Lasergeräte und -technologien, die inzwischen praktisch narbenfreie Tattooentferungen ermöglichen. Anschließend wurden diese direkt an Patienten demonstriert, was per Liveschaltung auf der Leinwand des Vortragssaales zu sehen war und von Dr. Klaus Hoffmann kommentiert wurde.

Tattoos und Medizin: Experten-Forum zu Farben, Laser und Gesundheit im Bochum

Laser-Verordnung: Informationsbedarf und Verunsicherung
Der Informationsbedarf zu diesem Thema war auch deswegen groß, weil in naher Zukunft die Entfernung von Tattoos durch Laser nur noch von Fachärzten oder unter deren unmittelbarer Kontrolle durchgeführt werden darf. Das jedenfalls sieht die »Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen«, kurz NiSV, vor, die in zwei Schritten ab dem 31.12.2020 in Kraft treten soll. Für viele Studios, die Laser zur Tattooentfernung oder auch nur zur Aufhellung für ein späteres Cover-up verwenden, ist dies ein herber Einschnitt, denn der Wegfall dieses Angebots wird sich bei vielen dieser Anbieter finanziell negativ bemerkbar machen.

Wie aus Kreisen derzeitiger Laseranwender zu hören ist, wird deshalb bereits über rechtliche Schritte gegen die NiSV gesprochen. Außerdem sind Details zur Ausführung der Verordnung noch ungeklärt, beispielsweise die Frage, welche Fachärzte die Laserapparate bedienen dürfen und welche Fachkundevoraussetzungen erforderlich sein sollen. Fest steht lediglich, dass nach Inkrafttreten der Verordnung zahlreiche bislang genutzten Geräte nicht mehr verwendet werden dürfen. Auch klar ist, dass eine Durchführung der Laserbehandlung durch Tätowierer nach vorheriger ärztlicher Untersuchung, wie es beispielsweise der Bundesverband Tattoo vorgeschlagen hatte, ebenfalls nicht erlaubt sein wird.

Insgesamt bot die Tagung ein sehr breites Spektrum unterschiedlichster Themen, die überwiegend verständlich dargebracht wurden und sicher bei vielen Zuhörern zum Informationsgewinn beigetragen haben. Die hohe Spezialisierung verschiedener Beiträge ließ jedoch den Veranstaltungstitel »Basiswissen Tattoo« als nur bedingt zutreffend erscheinen. Zudem fiel es den etwa 170 Zuhörern im Laufe des Tages zunehmend schwer, den oft sehr anspruchsvollen Beiträgen zu folgen, da diese in zwei Blöcken von knapp vier Stunden ohne Pausen durchgepaukt wurden.  

 
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Stand:23 April 2019 06:00:13/szene/tattoos+und+medizin+experten-forum+zu+farben+laser+und+gesundheit_19320.html