TATTOOCAST Episode 1 - Das TätowierMagazin als Podcast

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TATTOOCAST Episode 1 - Das TätowierMagazin als Podcast
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Woche für Woche quatschen TM-Chefredakteur Bobs und Redakteurin Jula seit März über Gossip aus der Szene und all das, was sie in ihrer Redaktionsarbeit bei Deutschlands ältester Tattoozeitschrift beschäftigt. Regelmäßig gibt es außerdem wechselnde Interviewgäste, die zu aktuellen Themen rund um Tattoos, Szene und Branche Stellung nehmen. In der ersten Episode spricht »Tattoo-Anwalt« Urban Slamal über Rechtfragen im Tattoobereich.
Tattorecht: Verboten? erlaubt?


Interviewgast im ersten Tattoocast ist »Tattooanwalt« Urban Slamal, der nicht nur viele Mandanten aus der Tattooszene und -branche vertritt, sondern als Tattoofan selbst Vorstandsmitglied im Bundesverband Tattoo e. V. (BVT) ist. Mit TM-Chefredakteur Bobs spricht Urban über viele rechtliche Fragen, die sich vor, während und nach dem Tätowieren für Kunden und Künstler ergeben. Und das ist alles andere als langweilig:

Gerade Tattooneulinge haben häufig Schwierigkeiten, gute Tätowierer anhand ihrer Arbeiten von schlechten zu unterscheiden. Viele laufen daher mit absoluten Gurken als erstes Tattoo herum. Ist die Arbeit total verpfuscht, können sich daraus zivilrechtliche Ansprüche zugunsten des Kunden ergeben, denn bei Werkverträgen, wie sie zwischen Tätowierer und Tätowiertem geschlossen werden, wird eine Arbeit mittlerer Art und Güte geschuldet, erklärt Urban im Podcast. Das heißt: Eine schlechte Tätowierung ist nicht vertragsgemäß. Es bedeutet aber auch: Ein Recht darauf, an jeder Straßenecke für 50 Euro ein Premiumtattoo zu bekommen, ist aus diesem Grundsatz ebenfalls nicht abzuleiten.

Eine Tätowierung ist zudem eine Körperverletzung – straffrei bleibt sie nur deshalb, weil der Kunde einwilligt. Wird das Tattoo allerdings nicht »fach- und kunstgerecht« ausgeführt, kann das dazu führen, dass die Einwilligung unwirksam und der Pfuscher damit trotz ursprünglicher Kundenzustimmung strafbar wird. Eine vernünftige Arbeit ist also im Interesse von Tätowierern und Tätowierten gleichermaßen, so Urban.

Auch mit Tattoos bei Personen unter 18 Jahren beschäftigt sich der Szenejurist in der ersten Tattoocast-Episode, denn das kann rechtlich heikel sein – und zwar zivil- wie strafrechtlich. Zum einen kann der Vertrag zwischen Tätowierer und Kunden nur wirksam werden, wenn dieser nach Alter bereits ein Geschäft in jeweiliger Größenordnung besiegeln darf. Zum anderen muss er wirksam in die Körperverletzung einwilligen können. Dafür gibt es zwar keine ausdrückliche Altersbeschränkung, der junge Kunde muss allerdings in der Lage sein, alle medizinischen, gesellschaftlichen, psychischen und sonstigen Folgen seines gewünschten Tattoos realistisch einschätzen zu können. Diese geistige Reife wiederum muss der Tätowierer bei Unter-18-Jährigen im Zweifelsfall nachträglich vor Gericht beweisen, was schwierig ist. Hat er sich nach Ansicht eines Richters in der Reife seines Kunden geirrt, kann der Tätowierer womöglich noch wegen einer fahrlässig begangenen Tat bestraft werden. 

Und auch, wenn der junge Kunde die Einwilligung der Eltern mitbringt, ist damit nicht alles sicher. Sorgeberechtigte dürfen zwar den Werkvertrag und damit das Geschäft kaufmännisch abschließen. Ob sie aber überhaupt wirksam in eine Körperverletzung an ihrem Schützling einwilligen können, wenn diese nicht wichtigen Zielen wie einer medizinischen Behandlung dient, ist juristisch nicht geklärt. Viele Tätowierer wollen das Haftungsrisiko vermeiden und verweigern es daher grundsätzlich, Minderjährige zu tätowieren. Ob er das für sinnvoll und nötig hält und welche Rolle das Alter auch bei Piercings spielt, verrät Urban im Tattoocast. 


Stichwort Urheberrecht: Auch das ist ein Thema in Episode 1. Klar ist: Wer ein Tattoo kopiert, darf das in aller Regel nicht. Nachgemachte Tätowierungen sind nämlich nicht nur als »Copycats« verpönt, sondern meist auch verboten und können vor allem für den Tätowierer teuer werden. Damit ist auch das beliebte Reproduzieren bekannter Comicfiguren, Fotos, Zeichnungen oder anderer Motive aus Büchern, Internet und Zeitschriften auf Kundenhaut ohne ausdrückliche Erlaubnis oftmals ein illegales, finanzielles Wagnis.

Besonders spannend wird es, wenn auch noch das sogenannte Urheberpersönlichkeitsrecht ins Spiel kommt – etwa dann, wenn per Cover-up oder Laser ein altes Tattoo überarbeitet werden soll. Zumindest in der Theorie hat der Tätowierer des ungeliebten Hautbildes nämlich ein Recht darauf,  dass sein Werk weder zerstört noch verändert wird. Doch zum Glück stehen diesem Anspruch wiederum wesentliche Rechte des Tätowierten entgegen und so ergibt sich schon aus einer winzigen Tattooentfernung ein beinahe skurriles Fallkonstrukt, dem Urban und Bobs auf unterhaltsame Weise auf den Grund gehen.



Anhören könnt ihr die erste Episode hier:

TATTOOCAST - der TätowierMagazin Podcast

Tattoocast – das ist das TätowierMagazin für die Ohren. Inzwischen sind mehrere Folgen des Podcasts online und abonnierbar. In der ersten Episode sprechen Bobs und Jula unter anderem über ihre beeindruckende Begegnung mit der tätowierten Schwertschluckerin Lucky Hell und Hintergründe des vergangenen Titelthemas »Bunte Arme – von der Idee bis zum fertigen Sleeve«. 
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Stand:23 July 2018 08:02:05/szene/tattoocast+episode+1+-+das+taetowiermagazin+als+podcast_18412.html