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Tattoo-Gipfel bei Unions-Politikerin: Kommt bald ein Tattoo-Gesetz?

17.04.2019  |  Text: Boris Glatthaar  |   Bilder: Philip Nürnberger
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Tattoo-Gipfel bei Unions-Politikerin: Kommt bald ein Tattoo-Gesetz?
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Gitta Connemann will Regeln für das Tätowieren aufstellen. Dabei setzt die Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag auf die Mitarbeit der Tattoo-Verbände. Sie sagt, sie wolle Kunden und Tätowierer nicht gängeln, sondern Sicherheit für alle. Im großen Interview spricht sie über Zukunftspläne in Sachen Berufszugangsregelung.
TätowierMagazin: Frau Connemann, hat sich die Union so weit von der konservativen Mitte entfernt, dass sie alternative Randthemen bedienen muss, oder sind Tattoos aus Sicht der konservativen Mitte kein Randthema mehr?
Gitta Connemann: Tattoos sind kein Randthema. Das zeigen uns schon die Zahlen. Zwar fehlen statistische Daten, aber Erhebungen sagen: 17 Millionen Menschen in Deutschland sind tätowiert – mit steigender Tendenz. Bei Frauen zwischen 25 und 34 ist es sogar jede zweite. Und selbst wenn es nur wenige betreffen würde, wäre es für uns in der Union kein Randthema. Denn es geht um die Sicherheit und Gesundheit von Kunden und Tätowierern, also um existenzielle Güter. Hier müssen Leitplanken zum Schutz her. Dabei geht es nicht darum, Tattoos zu verbieten. Das wollen wir nicht. Wir sind keine Gängler. 

Im Interview kommt Gitta Connemann immer wieder darauf zurück, dass noch nichts feststehe – Ideen indes gibt es viele

Das kam aber in der ersten medialen Resonanz auf Ihre Aussagen im vergangenen Jahr anders herüber. In den Publikumsmedien war dort die Rede von einem geplanten Verbot für Spontantattoos.
Ja, darüber habe ich mich auch gewundert. Denn ich hatte immer deutlich gesagt, dass es nicht um Verbote geht. Aber ich habe es nicht in der Hand, welche Überschrift RTL wählt oder wie ein Beitrag geschnitten wird. 

Wie wäre es denn richtig zusammengefasst?
Es geht nicht um Tattooconventions. Es geht um die grundsätzliche Beratung. Wer sich tätowieren lässt, muss wissen, auf was er sich einlässt. Jeder gute Tätowierer klärt seine Kunden vorher sorgfältig auf. Da gibt es kein Tattoo ohne Beratung. Aber er müsste es nicht, denn es gibt keinerlei Regelung. 

Davon profitieren die schwarzen Schafe ohne Berufsethos. Die nehmen die Nadel auch bei jemand zur Hand, der sich erkennbar keine Gedanken gemacht hat oder in Feier-laune ist. Inzwischen kommt es vor, dass als Gag bei Betriebsfeiern auch das Tattoo angeboten wird. Das hat aber mit Verbraucherschutz nichts mehr zu tun. Solche Stecher ruinieren den Ruf der ganzen Branche. Zum Schutz von Kunden und Tätowierern wird es nicht ohne eine Beratungspflicht gehen. Das könnte Teil einer Berufszugangsregelung sein. Damit wären diejenigen raus, die gar nicht wissen, was sie beraten sollen, es nicht können oder nicht tun. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie. Wenn jemand volljährig ist, kann er sich meinethalben überall tätowieren lassen. Das ist seine Entscheidung. Aber er muss sich darauf verlassen können, dass die Arbeit sicher ist und das Werk seine Gesundheit nicht gefährdet. Das ist für uns in der Union Verbraucherschutz. Der Kunde muss wissen, was ihm bei einem Tattoo »blüht«. Wenn er das weiß, kann er selbstverantwortlich seine Entscheidung treffen. 

Unter der Kuppel des Berliner Reichstags debattiert der Bundestag, der womöglich bald über ein Gesetz entscheiden wird, das das Tätowieren neu regelt – wenn es dazu kommt. Auch denkbar ist eine Verordnung, erlassen durchs MinisteriumFoto: © Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann

Warum, meinen Sie, kann der Kunde das nicht heute schon? Er ist nicht gezwungen, zum schlechtesten Tätowierer zu gehen. 
Der Bürger auf der Straße geht davon aus, dass Tätowierer eine Ausbildung haben. Er wird sagen: Die wissen, was sie tun. Denn in Deutschland ist alles geregelt. Die Kunden gehen also davon aus, dass sie es mit ausgebildeten Fachleuten zu tun haben, die großes Wissen theoretischer und praktischer Art mitbringen. Und natürlich gibt es viele Tätowierer, die ihr Handwerk verstehen, die Kompetenz, Kunst und Erfahrung vereinen. Ich habe Studios gesehen, die übertreffen in Sachen Hygiene jede Zahnarztpraxis. Aber wenn der Kunde kein Glück hat, landet er bei jemandem, der sich ein paar YouTube-Videos angeschaut hat, die Nadel in die Hand nimmt und loslegt und daran von niemandem gehindert wird. Das Problem ist: Jeder darf sich »Tätowierer« nennen. Es gibt keinen Schutz der Berufsbezeichnung, keine verbindliche Ausbildung. Jeder darf tätowieren, aber nicht jeder kann es. Das kann der normale Kunde aber nicht wissen. Er muss sich darauf verlassen können, dass bestimmte Standards gewährleistet sind. Genau das wollen wir. 

Was sollen diese Standards regeln?
Hygiene und Beratung, aber auch Arbeitssicherheit. Es geht uns dabei nicht nur um die Verbraucher, sondern auch um Tätowierer und Tattoostudios in Deutschland. Es handelt sich um Mittelständer. Sie brauchen keine Verbote, keine Gängler. Aber sie können von der Politik einen Rahmen verlangen, in dem sich alle bewegen müssen. Da geht es auch um Wettbewerbsgleichheit. Ich denke dabei an die Tätowierer, die ihr Handwerk verstehen, nach Standards arbeiten, ihr Studio sauber führen, Steuern zahlen, Mitarbeiter beschäftigen, ausbilden und verantwortungsbewusst mit ihren Kunden umgehen. Sie haben einen Anspruch darauf, von der Politik unterstützt zu werden. Der Berufsstand hat selbst ein Interesse daran, dass er nicht in Verruf gerät. Letztlich geht es darum, Qualitätsstandards in der Branche zu verankern. Davon profitieren diejenigen, die diese Standards erfüllen.

Wie kamen Sie zu der Auffassung, dass eine Regelungslücke besteht?
Ich begleite die Arbeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft seit Jahren. Dort ist auch der gesundheitliche Verbraucherschutz angesiedelt. Ich habe so schon die Einführung der Tätowiermittel-Verordnung begleitet. Natürlich sind auch Bekannte tätowiert. Und ich hatte Gespräche mit Betroffenen, die nach dem Stechen gesundheitliche Probleme bekamen oder wo ein Tattoo danebengegangen war. Außerdem bekomme ich, wie andere Bürger auch, die Berichterstattung über Tätowierungen mit wie zum Beispiel in Sendungen wie »Horror Tattoos«. Tattoosünden sind kein Einzelfall. Ein Cover-up scheint häufiger nötig zu sein. Das sagen mir übrigens auch Vertreter der Verbände. 

Die Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion im deutschen Bundestag, Gitta Connemann, im Interview mit dem Chefredakteur des TätowierMagazins, Boris Glatthaar

Die fordern teils seit Jahren eine Berufszugangsregelung, haben selbst sogar eine Hygienenorm angestoßen und mitentwickelt …
Was mich übrigens nach wie vor wirklich beeindruckt! Es ist zwar durchaus üblich, dass Berufsvertreter von der Politik eine Regelung fordern. Aber sobald es mehrere Verbände sind, gibt es häufig internen Streit. Hier überzeugt schon die Einigkeit der drei Verbände. Das ist ungewöhnlich. Und dann haben diese gemeinsam eine Riesenvorarbeit geleistet. Denn sie haben sich in einer Eigeninitiative mit DIN auf den Weg für eine eigene Norm gemacht. Ich ziehe meinen Hut für das, was die Branche tut, und für die Ansprüche, die sie an sich selbst formuliert. Die Verbände wollen Gesundheit und Sicherheit für den Kunden beim und nach dem Tätowieren. Dafür setzen wir uns gemeinsam ein.

Auch für ein Recht auf eine handwerklich solide umgesetzte Tätowierung?
Ich wünsche es dem Kunden. Aber das kann niemand garantieren. Der Gesetzgeber kann für die Beachtung von Standards durch eine Berufszugangsregelung sorgen. Aber er kann nicht sicherstellen, dass am Ende das Werk einwandfrei ist. Handwerkliche Fehler kommen immer wieder vor. Das kennen wir ja alle auch aus anderen Bereichen. Da muss ich nur an die Reparatur meines Autos denken. Und so ist es auch beim Tätowieren. Sie können an jemanden geraten, der sein Handwerk versteht, oder eben nicht. Aber wenn es Regeln gibt, hat der Betroffene zum Beispiel einen Anspruch auf Schadenersatz, wenn diese nicht beachtet werden. Da kann eine Haftpflichtversicherung helfen. Auch darüber wird man im Rahmen der Berufszugangsregelung für Tätowierer sprechen müssen.

Das klingt so, als würde die Regelung im Kern letztlich nur darauf hinauslaufen, die Kenntnis der lange schon angestoßenen Hygiene-DIN verpflichtend zu machen.
Das wäre schön. Das Bundesgesundheitsministerium prüft derzeit in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, ob die DIN ausreicht oder noch um Sicherheitsaspekte ergänzt werden muss. Wir können heute noch nicht sagen, wie am Ende eine Berufszugangsregelung aussehen wird, auch nicht, welche Rolle die DIN darin spielen wird. Das Ergebnis ist offen. Der Regelungsprozess hat allerdings schon Fahrt aufgenommen. Wir haben inzwischen zwei Gespräche hinter uns. In der Auftaktrunde im November haben wir uns mit den Tätowiererverbänden, den beteiligten Ministerien und Experten über die Themen verständigt, die wir angehen müssen. Dabei ergab sich schnell eine Priorität für die Erarbeitung einer Berufszugangsregelung, für die sich ja auch die Tattooverbände schon länger einsetzen. In dem Anschlussgespräch jetzt im März haben wir die unterschiedlichen Möglichkeiten geprüft: Duale Ausbildung? Schulische Ausbildung? Sachkundenachweis? 

Was davon wird nun umgesetzt?
Wir mussten uns zunächst grundsätzlich verständigen. Es war schnell klar, dass eine duale Ausbildung nicht die Lösung ist, jedenfalls nicht vorrangig. Denn es kann bis zu fünfzehn Jahre dauern, einen dualen Ausbildungsberuf zu etablieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung rät jedoch dazu, dieses Ziel im Auge zu behalten und parallel zu verfolgen. Denn irgendwann wird der Wettbewerb um Nachwuchs auch die Tattoobranche erreichen. Eine duale Ausbildung ist attraktiv und hilft bei der Gewinnung von Nachwuchs. Eine schulische Ausbildung? Darauf lautet die Antwort klar: nein. Das würde nämlich zu einem Flickenteppich in Deutschland führen. Denn jede schulische Ausbildung ist von Land zu Land unterschiedlich. Dann gäbe es noch die Möglichkeit, einen speziellen Gesundheits- beziehungsweise Heilberuf auf Bundesebene zu schaffen. Aber das wäre dann etwas komplett anderes. Deshalb sprechen wir über eine Berufszugangsregelung. Diese könnte zum Beispiel über die Einführung eines Sachkundenachweises zeitnah geschaffen werden. Und wir wissen: Je schneller, desto besser. 

In ihrem Berliner Abgeordnetenbüro mit Blick auf die Reichstagskuppel beantwortete Gitta Connemann die Fragen des TätowierMagazins

Wie geht es jetzt weiter?
Ein Ministerium muss auf Bundesebene den Hut aufsetzen. In Betracht kommen entweder das Bundesgesundheitsministerium oder aber das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit seiner Zuständigkeit für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Ich bin jetzt mit beiden Ministern im Gespräch. 

Werden die Tätowiererverbände weiter am Prozess beteiligt sein?
Ganz sicher! Sobald das federführende Ministerium feststeht, werden die Tätowiererverbände eingebunden. 

Am Ende soll dann eine Verordnung stehen? Oder sogar ein Gesetz?
Beides ist möglich. Noch einmal: Wir stehen am Anfang. Es ist offen, was am Ende herauskommt. Spekulationen helfen niemandem. Entgegen aller Vorurteile wissen wir in der Politik nicht schon am Anfang, was am Ende herauskommt. Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion
kann ich sagen: Wir haben uns auf den Weg gemacht – und zwar gemeinsam mit der Branche.

Sie sagten, der Berufszugang sei das, was Sie jetzt zuerst angehen wollen. Womit wollen Sie sich danach befassen?
Wir haben beispielsweise noch das Thema der Tätowierfarben. Auch dazu wird es einen Runden Tisch geben. Das kann parallel laufen.

Da gibt es mit der Tätowiermittelverordnung bereits eine Negativliste, also eine Aufzählung der Stoffe, die nicht darin enthalten sein dürfen.
Aus meiner Sicht brauchen wir eine Positivliste. Die Tätowiermittel-Verordnung verbietet ja nur bestimmte Inhaltsstoffe. Aber nicht alle gefährlichen Stoffe werden dadurch erfasst. Wir brauchen eine Liste, die konkret aussagt, welche Stoffe verwendet werden dürfen. Wie können wir das gesetzgeberisch umsetzen? Geht das über das Medizinproduktegesetz oder das Kosmetikrecht? Oder müssen wir ein ganz anderes Gesetz anfassen? Und wir werden in diesem Rahmen auch über weitere Forschung reden müssen.

Sie wolle Tätowierern und Kunden nicht vorschreiben, was Kunst ist, sagt die Unions-Fraktionsvize

Was wollen Sie neben Berufszugang und Farben noch regeln?
Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, was passiert, wenn sich eine Tätowierung nach dem Stechen beispielsweise entzündet. Wenn Sie heute damit zum Arzt gehen, müssen Sie die Behandlung selbst zahlen. Das führt uns zwangsläufig zu einer sozialen Frage: Ist es fair, wenn sich Menschen mit geringem Einkommen eine solche Behandlung nicht leisten können? 

Die Branche fragt in sozialen Medien: Wollen Sie auch Equipment regeln, Tätowiermaschinen zum Beispiel?
Auf die Idee wäre ich nicht gekommen. Nein.

Auch in anderen Belangen ist die Branche seit Ihrem Vorstoß verunsichert. Einige Tätowierer fragen, ob die Politik ihnen nun vorschreiben will, was sie noch tätowieren können, ob sie künftig etwa noch neue Stile entwickeln und ausprobieren dürfen, wenn diese von üblichen Handwerksstandards abweichen.
Ich betone noch einmal: Das ist keine Aufgabe für den Gesetzgeber. Die Entscheidung für einen Stil oder über die Frage, was Kunst ist, liegt allein beim Tätowierer und seinem Kunden. Das geht den Gesetzgeber nichts an – jedenfalls aus  Sicht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dieser hat nur eine Verantwortung. Er muss für Sicherheit und Gesundheit von Kunden und Tätowierern sorgen. Das geht nur mit einheitlichen und verbindlichen Standards.

Der Tätowierer darf also weiterhin einen krummen Strich machen, wenn er das für richtig hält? Er wird weiterhin experimentieren können?
Wenn der Kunde einen krummen Strich will, bitte. Das geht die Politik nichts an. 

Eine weitere Angst einiger Tätowierer ist nun, eine neue Regelung werde zusätzliche Bürokratie mitbringen.
Bürokratie gibt es jetzt schon wie zum Beispiel die Gewerbeanmeldung. Wir sprechen hier  darüber, welche Voraussetzungen bei dieser Anmeldung vorliegen müssen. Es geht um mehr Klarheit und Rechtssicherheit – auch für die Prüfer. Schon heute sollen Prüfer  Tattoostudios kontrollieren. Aber die meisten wissen gar nicht genau, was sie dort prüfen sollen. Und können es auch nicht wissen. Es geht also am Ende um verbindliche Standards und einheitliche Regelungen. Diese führen nicht automatisch zu mehr Bürokratie. Und ich erinnere daran: Der Vorstoß kommt aus der Branche selbst.

Für die Tätowierer wird sich also nicht viel ändern?
Für diejenigen, die schon heute nach Standards arbeiten, kaum.

»Zum Schutz von Kundenund Tätowierern wird esnicht ohne eine Beratungs-pflicht gehen«

Wie könnten sich die neuen Regelungen denn konkret auf diejenigen auswirken, die jetzt schon ein Tattoostudio betreiben?
Jetzt geht es um die »alten Hasen«. Es gab aus den Kreisen der Tätowierer teilweise den Wunsch, dass für diese keine Regelung gelten soll. Der Wunsch ist aus Sicht derer, die seit dreißig Jahren ein Studio betreiben, auch nachvollziehbar. Ich glaube aber nicht, dass eine solche Ausnahme für die »alten Hasen« funktionieren wird. Wenn es um Verbraucherschutz geht, sind eigentlich keine Ausnahmen möglich. So ist es auch bei anderen Berufen. Aber das muss die Zeit zeigen. Es gibt noch keine konkreten Absprachen.

In der Diskussion gab es auch die Äußerung aus Tätowiererkreisen, wonach sich manche lieber als freischaffende Künstler denn als Gewerbetreibende einordnen lassen würden.
Für mich persönlich ist Tätowieren eine Art Kunsthandwerk. Für die rechtliche Einordnung ist aber nicht entscheidend, was ich meine oder wie sich ein Tätowierer definiert. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat deutlich gemacht, dass dies keine individuelle Entscheidung ist, sondern objektive Kriterien relevant sind. Ein Beispiel: Wer eine Gewerbeanmeldung beantragt hat, betreibt automatisch ein Gewerbe. 

Die Union hat das Thema angeschoben. Beteiligen sich inzwischen auch andere Parteien an den anstehenden Regelungen für die Tattoobranche?
So ganz langsam. Jetzt hat zum Beispiel die FDP eine Anfrage gestellt. Das Thema braucht eben seine Zeit. Ich habe es in meiner eigenen Fraktion erlebt. Anfangs gab es da schon skeptische Nachfragen. Aber ich konnte die Kolleginnen und Kollegen überzeugen – mit folgendem Bild: Stell’ dir vor, dein Kind kommt mit einem Tattoo nach Hause, das einer gestochen hat, der davon überhaupt keine Ahnung hat. Ihr wisst nicht, ob die Nadel steril war. Und, und, und. Es wäre besser, wenn diese Gefahr in Zukunft deutlich geringer wäre. Und das betrifft alle, nicht nur die CDU und CSU.

Tattoo-Fachgespräche im Bundestag - darum geht es
Um die Zukunft des Tätowiergewerbes ging es in zwei Fachgesprächen im Bundestag, an denen auf Einladung der CDU/CSU-Vizefraktionsvorsitzenden Gitta Connemann Vertreter von Politik, Ministerien und Behörden sowie Verbänden teilnahmen. Das erste Treffen fand am 28. November 2018 unter dem Titel »Unter die Haut – Rahmenbedingungen für Tätowierungen« statt. Dabei ging es zunächst um den bestehenden Rechtsrahmen für Tattoos in Deutschland und Europa, insbesondere um den aktuellen Stand von Berufszugang, Hygiene und Sicherheit, Verpackung und Beschriftung von Tätowierprodukten und -zubehör, Beratung und Information von Tattookunden, Überprüfung und Dokumentation von Gesundheitsrisiken, Altersgrenzen und Anforderungen an Tätowierer. In dem ersten Fachgespräch wurde die Vertiefung der Themen nach Priorität festgelegt. Daraufhin fand am 13. März 2019 ein zweites Fachgespräch mit den Beteiligten statt, der Fokus lag auf Berufszugangsvoraussetzungen für Tätowierer. Nachdem auch hier die Ausgangslage erörtert wurde, wonach derzeit quasi jedermann ganz einfach ein Gewerbe als Tätowierer anmelden kann, kamen verschiedene Formen der beruflichen Zugangsregelung ins Gespräch. Diskutiert wurde über einfache Regelungen wie dem  Sachkunde- oder Befähigungsnachweis über eine schulische Ausbildung bis hin zu einem handwerklichen Lehrberuf. Nach diesem zweiten Fachgespräch sollen nun im Gespräch zwischen zuständigem Ministerium, das gerade noch festgelegt wird, Behörden, Forschungsstellen und Verbänden Lösungen für einen Berufszugang erarbeitet werden. Um neben den Zugangsvoraussetzungen auch die anderen Themen aus dem ersten Fachgespräch zu bearbeiten, soll es weitere Treffen von Politik, Verwaltung und Verbänden geben.

Die drei Tattoo-Verbände wollen Zugangsregelung
An den Fachgesprächen unter dem Titel »Unter die Haut« im Bundestag nehmen auch Vertreter der drei Branchenverbände Deutsche organisierte Tätowierer (D.O.T.), Bundesverband Tattoo (BVT) und Pro Tattoo teil. Sie haben sich auf eine gemeinsame Position verständigt, die sie gegenüber Politik und Ministerien vertreten. Darin heißt es, dass auch sie eine gesetzliche Regelung anstreben, nach der Tätowierer ein Studio nur noch dann eröffnen dürfen, wenn sie bestimmte Fähigkeiten und Wissen nachweisen. Dazu sollte unter anderem die Kenntnis der kommenden DIN 17169 gehören, die die Hygiene beim Tätowieren regeln soll und deren Entwicklung Verbandsvertreter maßgeblich initiiert hatten. Auch seien bei demjenigen, der ein Studio eröffnen wolle, Erste-Hilfe-Fähigkeiten, ein Wissen über die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie ein kaufmännisches Grundverständnis »wünschenswert«, wie sich die Verbände im Positionspapier ausdrücken. Genauer wollen sich die Verbände noch nicht festlegen, um im nun kommenden Abstimmungsverfahren auf Ministeriumsebene lösungsorientiert arbeiten zu können. Auch genaue Forderungen nach einem Ausbildungsweg erheben die drei Branchenvereine nicht: »Aufgrund der jedenfalls nicht unerheblichen künstlerischen und kreativen Aspekte des Tätowierens und des Umstands, dass auch bisher hier durchaus verschiedene Wege nach Rom führten, ist aus diesseitiger Sicht wichtiger, dass entsprechendes Wissen und Können vorhanden ist, als den vermeintlich richtigen Weg dorthin gesetzlich vorzugeben«, heißt es in dem Positionspapier, das der Redaktion vorliegt. Wichtig für die Verbände ist außerdem, dass nicht nur Tätowierer sich an die künftigen Regelungen halten müssen, sondern auch Studiobetreiber, die selbst nicht tätowieren. Hingegen sollen jene Tätowierer und Betreiber, die bereits jetzt arbeiten, von einer Art Bestandsschutzregelung profitieren, fordern die Verbände. Auch regen sie die Einordnung von Tätowierern nicht allein als Gewerbetreibende, sondern womöglich alternativ oder zum Teil auch als freien Beruf an.
 
Gitta Connemann ist seit 2002 Abgeordnete im deutschen Bundestag und stellvertretende Fraktionsvor-sitzende von CDU und CSU. Die 54-jährige Christdemokratin aus Leer vertritt den niedersächsischen Wahlkreis Unterems und ist besonders in den Themen Kultur, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Ernährung und Mittelstand tätig
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Stand:21 May 2019 22:59:42/szene/tattoo-gipfel+jeder+darf+sich+taetowieren+nennen_19409.html