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Tätowierfarbe - Kein Giftmüll, sondern ein wissenschaftliches Spitzenprodukt

31.10.2008  |  Text: Heiko  |   Bilder: Heiko, Hautcutür
Tätowierfarbe - Kein Giftmüll, sondern ein wissenschaftliches Spitzenprodukt
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Medien und Tätowierfarben scheinen miteinander auf Kriegsfuß zu stehen. Egal ob Print, Funk, Fernsehen oder Web, überall stößt man auf Horror-Meldungen zu diesem Thema. Nun ist es an der Zeit den Schauermärchen den Garaus zu machen.
Medien und Tätowierfarben scheinen miteinander auf Kriegsfuß zu stehen. Egal ob Print, Funk, Fernsehen oder Web, überall stößt man auf Horror-Meldungen zu diesem Thema. Die Autolack-Diskussion gehört eindeutig zu den häufigsten Meldungen unserer Rubrik »Aus der Presse« (siehe S. 16) und landet – obwohl bereits zahllose Male widerlegt – regelmäßig wieder in unserem Postfach. Nun ist es an der Zeit, diesen gruseligen Schauermärchen ein für alle Mal den Garaus zu machen.  


Tattoo-Farbe im LaborTM-Redakteur Heiko beim Tattoo-Farbe mischen.











Unter der fachkundigen Aufsicht von Dipl. Ing. (FH) Michael Dirks, wirkt TM-Redakteur Heiko bei der Herstellung einer Tattoo-Farbe mit. Das Mischen der Tattoo-Farben erinnert an das Rühren eines Kuchenteigs. Nur dass es  viel genauer zugehen muss.


Man könnte meinen, Tätowierer würden ihren Kunden so ziemlich jeden Dreck in die Haut prügeln, den sie irgendwo aufgabeln können. Glaubt man dem ganzen Gewäsch, das sich die Kollegen, teilweise sogar von namenhaften Zeitungen, so aus den Fingern saugen, stehen in China Hundertschaften von Billiglöhner parat, die nichts besseres zu tun haben als Lack von alten Rostmühlen abzukratzen, diesen am besten mit Spucke, Urin oder verkeimtem Wasser anzurühren und in Europa als Tattoo-Farbe zu verkaufen. Dabei sind die Zeiten in denen Tätowierer ihre Farben selbst, aus abgekochter Tusche, herstellten, längst Geschichte. Viel zu aufwändig ist die Prozedur und ohnehin gibt es inzwischen auf dem Markt eine große Auswahl an erschwinglichen Farben von guter Qualität, die unkompliziert geordert werden können. Außerdem gibt es gesetzliche Regelungen, die genau festlegen, welche Stoffe in Tätowierfarben verwendet werden dürfen und welche nicht. Eine Tätowierfarbenverordnung ist bereits auf dem Weg, das Datum ihrer Inkraftsetzung steht allerdings noch aus. Bis diese Verordnung greift, gilt einleitend der §4 (1) Satz 3 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittel-Gesetzbuches (einzusehen unter http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/lfgb/gesamt.pdf), welcher seit dem 01.09.2005 geltendes Recht ist. Dieser deklariert, dass Tätowiermittel mit kosmetischen Mitteln vergleichbar und genauso zu handhaben sind. Es wird festgelegt, welche Pigmente und Zusätze zugelassen sind, welche Reinheitskriterien erfüllt werden müssen und welche Sicherheitsbewertung vorzunehmen sind, bevor ein kosmetisches Mittel auf den Markt kommt. Verantwortungsbewusste Hersteller produzieren nach diesen Vorgaben. Manche, wie der Dipl. Ing. (FH) Michael Dirks, erlegen sich eigenverantwortlich sogar noch höhere Standards auf. Michael Dirks’ – in der Szene als »Michl« bekannt – Standards gehören wohl zu den Höchsten. Er verzichtet in seinem Farben-Sortiment »Hautcutür« gänzlich auf Azopigmente und führt wissenschaftliche Tests durch, welche die geforderten Prüfungen bei Weitem übersteigen. Ich habe Michl in Esslingen besucht, mir seine Vorgehensweise angeschaut und mit ihm über seinen Werdegang gesprochen. Eine Geschichte die zeigt, wie professionell die Szene tatsächlich mit dem Thema Tattoo-Farbe umgeht und dass es sogar offizielle Institutionen gibt, die einen dabei unterstützen.

Azopigmente Diskussion an der FH Esslingen
Frau Prof. Dr. von Seggern, die gute Fee in Michls Karriere-Entwicklung, diskutiert mit ihrem ehemaligen Studenten an der Esslinger Hochschule über Azopigmente.


Michl stammt ursprünglich aus München und hat nach dem Abitur eine dreijährige Ausbildung zum Lacklaboranten absolviert. Während eines Tags der offenen Tür der Esslinger Hochschule entdeckte er die Vielseitigkeit seines Berufsfeldes und entschloss sich weiter zu studieren. Eine Vorlesung zum Thema »Patentrecht« gab Michl die Möglichkeit sich mit einem Forschungs-Gegenstand zu beschäftigen, der ihn persönlich faszinierte – Tätowierfarben. Der Dozent verkündete, dass Deutschlands Ingineure initiativ denken und in der Lage sein müssten Neuentwicklungen zu kreieren und Patente schreiben zu können. Michl, der sich kurz davor sechs Stunden lang auf der Stuttgarter Tattoo-Convention hatte tätowieren lassen, kam die Idee, dass man an den Tattoo-Farben bestimmt etwas verbessern könnte.

Farb-Test Tattoo

»Wir testen unsere Farben!«, so der Slogan auf einer Hautcutür Reklame. Das diese Behauptung der Tatsache entspricht, beweist schon Michls »Test-Bein«, ein wissenschaftliches Kunstwerk, mit Potenzial zur »coolen Sau des Jahres«. Schaut man genau hin, entdeckt man überall Löcher. Dort wurden Michl Proben zur Untersuchen entnommen.


Er meldete eine Projektarbeit mit dem Titel »Optimierung des Eigenschafftsniveaus von Tätowierfarben« bei seiner Professorin Prof. Dr. rer. nat. Dipl. Chem. Elke von Seggern an. Die Leiterin des organischen Chemie-Labors der Hochschule Esslingen begegnete dem Thema mit großem Interesse und arbeitete gemeinsam mit Michl den Inhalt der Projektarbeit aus.

Zuerst erfasste Michl was auf dem Markt an Tätowierfarben und Literatur zum Thema vorhanden war, versuchte dann Rezepte ausfindig zu machen und stellte schließlich eine Tätowierfarbe nach. Keine leichte Aufgabe!
Da es zum damaligen Zeitpunkt noch keine Etikettierungspflicht gab, fing Michl quasi bei Null an. Die einzigen Grundbestandteile die er kannte waren Alkohol, Glycerin und Pigment, die einfach zusammen genommen nie eine tätowierbare Farbe ergaben.


Dipl. Ing. Michael Dirks zur Autolack-Diskussion:

»Im Prinzip unterscheidet sich die heutige Tätowierfarbe, wenn wir nach der Begriffsdefinition (DIN) gehen, nicht von einem Lack (Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Lack). Der wohl größte Unterschied von Autolack zur Tätowierfarbe ist und bleibt aber das Bindemittel/Lösemittel-System. Während wir in Tätowierfarben Glycerin und unbedenkliche Polymere als Bindemittel und einfache Alkohole wie Isopropylalkohol verwenden (klinischer Geruch), werden in Autolacken zusätzlich zu anderen Bindemittel auch noch Weichmacher, Entschäumer und aggressivere Lösemittel eingesetzt.

Es ist, entgegen aller Presseaussagen, unwahrscheinlich mit Autolacken zu tätowieren, da der Feld/Wald/Wiesenmensch nicht wirklich an Autolacke, sondern allerhöchstens an Autoreparaturlacke aus dem Baumarkt herankommt!
Diese sind aber erstens in Sprays abgefüllt, riechen zweitens äußerst intensiv (Klebstoff-artig),  da sie einen anderen Dampfdruck haben als Tätowierfarben, damit die lackierten Teile schneller trocknen, und enthalten drittens häufig Lösemittel, die in der Lage sind, die alten Lackschichten anzulösen. Den Geruch könnten wir vielleicht ignorieren, ich denke jedoch, dass der Schmerz beim Tätowieren eines solchen Lösemittels nicht ignoriert werden könnte. Wir würden uns ziemlich schnell aus dem Behandlungssessel winden!

Die Pigmente sind, zusammen mit Wasser und Isopropanol, die einzigen Substanzen, die in einem Autolack und einer Tätowierfarbe identisch sein könnten. Die gleichen Pigmente kommen in der Kosmetik zum Einsatz, aber niemand sagt, dass Autolack in Wimperntusche oder Make-up zu finden ist, nur weil die gleichen Pigmente enthalten sind.

Es handelt sich hier um eine Halbwahrheit mit Tendenz zum absoluten Schwachsinn!«


Laboralltag: Lack-Chemikerin Michi und Biotechnologe Tom bei den üblichen Kontroll Untersuchungen.
Laboralltag: Lack-Chemikerin Michi und Biotechnologe Tom bei den üblichen Kontroll Untersuchungen.


Verbissen forschte er weiter, sprengte den für die Projektarbeit angesetzten Zeitrahmen von 60-80 Stunden und tüftelte ein ganzes Semester an der kniffligen Aufgabe, bis er schließlich eine Farbe hatte, die einigermaßen unter die Haut ging, was er mit der Hilfe von freundlich gesonnenen Tätowierern am eigenen Leib prüfte. Glücklicherweise nahm sich Silja (Tattoo Silja & Britt, Stuttgart) seiner an, denn nicht alle Tätowierer waren von Michls Ausführungen begeistert. Viele sahen in ihm nur einen weiteren Typ, der die Tattoo Branche nutzen wollte um schnelles Geld zu machen. Später entschloss sich auch Maik Frey (Die Wilde 13, Esslingen) Michl zu unterstützen, da er merkte, dass sich der Student ernsthaft mit der Sache beschäftigte.

Tattoo-Farben von Hautcutür
Tätowierfarben von Hautcutür. Frei von Azo-Pigmenten und mittels wissenschaftlicher Verfahren auf ihre unbedenklichkeit geprüft.


Die Tattoo-Ergebnisse flossen mit in Michls Projektarbeit ein. Mit einer Mischung aus Zähneknirschen und Schmunzeln nahm Frau Prof. Dr. von Seggern die Selbstversuche zur Kenntnis. Längst war ihr und den Kommilitonen klar, dass Michl, der sich selbst wie in den Chemie-Gründerzeiten fühlte, in denen man noch alles selbst an sich experimentierte, es zwar drauf hatte in puncto Lack-Chemie, dass er aber einfach nicht in ein konventionelles Ingenieursbüro passen würde. Michl, der in der Industrie schon negative Erfahrungen zum Thema »langhaariger Tätowierter« hatte sammeln müssen, freut sich heute über die objektive Beurteilung seines Schaffens an der Esslinger Hochschule: »Es ist die oberste Prämisse meines jetzigen Daseins, dass Leistung anerkannt wird und nicht die Optik,« verkündet er stolz.

Den vollständigen Artikel findet ihr in der November Ausgabe …

www.hautcutuer.de

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Stand:23 April 2019 06:17:34/szene/taetowierfarbe+-+kein+giftmuell+sondern+ein+wissenschaftliches+s.html