Tätowierer Timo Culture Shocks über Realistic-Sleeves

19.04.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Timo Culture Shocks
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Tätowierer Timo Culture Shocks über Realistic-Sleeves
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Wir sehen auf Instagram, in Magazinen und auf Tattooconventions die tollsten Motive, Inspirationen für das eigene Tattoovorhaben gibt es en masse auf dem Silbertablett. Doch wie entstehen größere Konzepte wie ganze Sleeves? Tätowierer Timo Culture Shocks verrät euch, worauf es bei Realistic-Sleeves ankommt und welche Möglichkeiten es bei der Umsetzung gibt.
Tätowierer Timo Culture Shocks über Sleeves

Wenn ein Kunde mit dem Wunsch eines Sleeves zu dir kommt, wie gehst du dann vor?
Na, das ist immer der beste Fall, wenn der Kunde schon weiß, dass er einen ganzen Ärmel will. Ich mache dann Fotos vom Arm des Kunden, danach sammeln wir Ideen und Fotos, manchmal zeigt mir der Kunde auch Fotos von anderen Tattoos, die ihm gefallen. Dann arbeite ich mit Photoshop. Das Tattoo entsteht quasi am Computer. Eine Rücksprache oder viele Änderungen sind dann kaum mehr nötig, da ich dem Kunden schon gleich zeigen kann, wie das Tattoo aussehen wird.

Worin bestehen die häufigsten Schwierigkeiten bei Planung und Umsetzung?
Der größte Stolperstein ist, dass man als Realistic-Tätowierer dazu neigt, zu sehr auf Effekte zu setzen, und dabei vergisst, den Körper zu dekorieren. Das heißt, den Muskelschwung mitzunehmen und so weiter. Das beste, effektvollste Bild bringt nichts, wenn die Platzierung nicht passt. Das Tattoo muss auf dem Körper wirken, und nicht auf Instagram.



Welche Tipps hast du, wenn ein Kunde ein Tattoomotiv auf dem Arm haben möchte, aber nicht sicher ist, ob daraus auch ein Sleeve wird?
In den meisten Fällen rate ich dazu, sich auch zu überlegen, ob daraus mal ein Sleeve werden soll. Ich versuche dann, auch bei einer einzelnen Tätowierung ein offenes Ende zu gewährleisten. So ist das Tattoo erweiterbar. Viele Kunden vertrauen mir so weit, dass ich die Tattoos so anlegen darf, dass man an ihnen weiterarbeiten kann. Außerdem finde ich es wichtig – selbst wenn der Kunde nur ein Tattoo haben will –, dass man gleich in der richtigen Größe denkt, also kein superkleines Tattoo auf eine große Fläche wie den Oberarm zu packen. Selbst wenn es bei einem einzigen Motiv bleiben soll, würde ich immer raten, den ganzen Muskel als Fläche zu nutzen und auf Platzierung und Proportion zu achten.

Wie wichtig ist es, dass die Motive thematisch zueinander passen, wenn daraus ein Gesamtbild werden soll?
Natürlich ist es schöner, wenn die Motive auf dem Sleeve nicht nur optisch, sondern auch thematisch zueinander passen. Das ergibt dann 100 Punkte. Wenn die Leute nun aber sehr überzeugt sind, dass es dieses und jenes Motiv sein muss, auch wenn es nicht zueinander passt, dann mache ich das unter der Voraussetzung, dass alles stilistisch zusammengeht. Die Optik ist mir immer wichtiger als die Bedeutung, denn ein Tattoo ist immer noch eine Dekoration. Das muss gut aussehen.



Gibt es in diesem Zusammenhang auch No-Gos, die du bei einem Sleeve nicht umsetzt?
Ich würde, wie angesprochen, keine unsinnigen Größenverhältnisse und Platzierungen umsetzen und eben keine Stilbrüche auf einem Sleeve zulassen. Einen Dreiviertel Realistic-Sleeve mache ich nicht mit Asiamotiven fertig.

Mit welcher Technik verbindest du Motive auf einem Sleeve, wie erstellst du die Hintergründe?
Auch die plane ich bei Photoshop. Es kommt immer auf die Hauptmotive an, wenn die Bilder an Schulter, Oberarm und Unterarm schon sehr gut zusammen funktionieren, entsteht der Hintergrund fast wie von selbst und man muss sich um die Übergänge kaum sorgen. Oder man sucht sich einen passenden Hintergrund aus, wenn die Umgebung der Ursprungsfotos noch nicht passt. Erst der gemeinsame Hintergrund macht einen Sleeve zum Sleeve. Wenn ich beispielsweise einen Sleeve zum Thema Wildlife umsetze, dann setze ich beim Hintergrund auf Buschwerk, also Sträucher, Blätter und so weiter. Bei religiösen Motiven schaue ich mir Heraldiken und Kirchenfenster an. 

Wie fühlt sich das an, wenn ein Kunde dir das Vertrauen für einen ganzen Sleeve schenkt?
Das ist natürlich immer etwas ganz Besonderes. Wer das mal nicht mehr zu würdigen weiß, der hat den falschen Job gewählt.



Timo tätowiert im Studio The Culture Shocks in Wolfsburg. So findet ihr ihn auf Instagram: @timo_tattoo_cs


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Stand:19 November 2018 10:53:48/szene/taetowierer+timo+culture+shocks+ueber+realistic-sleeves_18320.html