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Tätowierer Jan Kurze über Asia-Sleeves

19.04.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Jan Kurze
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Tätowierer Jan Kurze über Asia-Sleeves
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Wir sehen auf Instagram, in Magazinen und auf Tattooconventions die tollsten Motive, Inspirationen für das eigene Tattoovorhaben gibt es en masse auf dem Silbertablett. Doch wie entstehen größere Konzepte wie ganze Sleeves? Tätowierer Jan Kurze verrät euch, worauf es bei Asia-Sleeves ankommt und welche Möglichkeiten es bei der Umsetzung gibt.
Tätowierer Jan Kurze über Sleeves

Wie beginnst du mit deinen Kunden einen japanischen Sleeve?
Der erste Schritt besteht darin, das Thema des Sleeves festzulegen. Ich sage den Leuten meistens, sie sollen so eine Art Wunschliste der Motive erstellen, die sie gerne tätowiert haben möchten.

Wo musst du die meiste Aufklärungsarbeit leisten und wo treten Schwierigkeiten auf?
Oft ist die Liste der Motive viel zu lang. Die Anzahl an Hauptmotiven, die auf einen Arm passen, ist nun einmal begrenzt und die größte Schwierigkeit besteht meistens darin, den Leuten zu erklären, dass es besser ist, Dinge wegzulassen, als die Tätowierung zu überfrachten und zu kleinteilig zu werden.

Ein anderes Problem sind Cover-ups. Die kommen häufiger vor, als man sich das als Tätowierer wünscht, und schränken die Motivauswahl noch mehr ein.

Welche Tipps hast du, wenn ein Kunde noch nicht sicher ist, ob aus dem Tattoo auch ein Sleeve werden soll?
Hier sollte der Kunde am besten mit One-Pointern beginnen, also die Motive geschlossen ohne Hintergrund platzieren. Oder vielleicht schon mal mit einem Half-Sleeve anfangen.

Eines seiner Arbeiten

Wie wichtig ist dir der thematische Zusammenhang der Motive?
Im Idealfall sollten die Motive passen, es ist aber keine zwingende Voraussetzung. Natürlich gibt es Motive, die gut zusammenpassen und solche, die so gar nicht zusammenstehen sollten, sei es aus ästhetischen oder thematischen Gründen.

Gibt es in diesem Zusammenhang für dich auch No-Gos?
Wenn ich denke, dass es scheiße aussehen wird, ja. Wenn jemand beispielsweise eine sehr detaillierte Figurendarstellung superklein auf dem Unterarm platzieren möchte und darüber dann vielleicht ’ne Riesen-Hannya oder so, dann würde ich versuchen, das auszureden.

Welche Rolle spielen bei deinen japanischen Tattoos die Symbolik und Bedeutungen der Motive?
Das hängt natürlich davon ab, wie wichtig diese Bedeutungsebenen für die Person sind, die die Tätowierung bekommt, beziehungsweise wie weit sie sich damit auseinandergesetzt hat. Ich beschäftige mich jetzt seit gut zehn Jahren ernsthafter mit japanischen Tattoos und muss feststellen, wie wenig ich leider immer noch über diese Thematik weiß. Im besten Fall hat der Kunde vorher gründlich recherchiert und man ergänzt sich.

Eines seiner Arbeiten

Ist es für dich auch okay, wenn ein Kunde dies oder jenes klassische japanische Motiv nur haben möchte, weil er es schön findet und über die Bedeutung nicht Bescheid weiß?
Das ist für mich total okay. Meistens kommt diese Auseinandersetzung im Laufe der Arbeit auch von ganz allein. Blöd ist es nur, wenn jemand eine bestimmte Bedeutung in sein Tattoo hineininterpretiert, aber die eigentliche Bedeutung eine ganz andere ist.

Kannst du dafür ein Beispiel nennen?
Ja, zum Beispiel die Kirschblüte: In der japanischen Kultur ist sie ein Symbol für Tod, Vergänglichkeit und Übergang, sie wird bei uns aber gerne mit Frühling, Aufblühen und so weiter gleichgesetzt.

Japanische Tattoos werden traditionell eigentlich immer in großen Konzepten angelegt, wie sieht deine tägliche Praxis aus?
Es gibt tatsächlich sowas wie Mindestgrößen, die bei den Hauptmotiven eingehalten werden sollten, damit sie nicht komisch oder sogar lächerlich aussehen. Ich denke, wenn man mit Hintergrund arbeitet, sollte es schon mindestens ein Half-Sleeve werden. Bei der Anzahl der Hauptmotive gilt: Weniger ist mehr. Je einfacher die Gesamtkomposition, desto besser sieht es aus, finde ich.

Wie verbindest du die Motive, sodass ein Sleeve entsteht?
Das verbindende Element ist immer der Hintergrund. Er sorgt dafür, dass die Arbeit als ein zusammenhängendes Bild erscheint, und er ermöglicht auch, im Nachhinein anzubauen, Sleeves zu verlängern oder beispielsweise Arme mit dem Rücken oder Brust zu verbinden.

Tätowierer Jan Kurze über Sleeves

Jan Kurze gründete 1999 zusammen mit Tätowierer Fide das Studio Für Immer in Berlin. Im Netz findet ihr ihn unter: @janfuerimmer, www.fuerimmertattoo.de


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