Specki T.D. – In Extremos volltätowierter Schlagzeuger

30.12.2017  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Specki T.D., Christian Thiele
Specki T.D. – In Extremos volltätowierter Schlagzeuger Specki T.D. – In Extremos volltätowierter Schlagzeuger Specki T.D. – In Extremos volltätowierter Schlagzeuger Specki T.D. – In Extremos volltätowierter Schlagzeuger
Specki T.D. – In Extremos volltätowierter Schlagzeuger
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Wie ist es, wenn man plötzlich von einem Tag auf den anderen in einer Band spielt, die man jahrelang schon als Fan verfolgt hat? Specki T.D. hat’s erlebt: Von jetzt auf gleich war er Schlagzeuger bei In Extremo, sein erstes Konzert mit den Wegbereitern des Mittelalter-Rocks spielte er vor 70 000 Zuschauern.
Seit sieben Jahren bist du nun bei »In Extremo«. Ich stell mir das komisch vor, wenn man plötzlich Teil einer Band ist, von der man vorher Fan war. Wie bist du denn da reingerutscht?
Also, zuvor war ich bei einer Dresdner Band, »Letzte Instanz«, die auch ganz grob in diesem Genre unterwegs ist. Man kannte sich also, hatte schon auf Festivals zusammen gespielt. Und ich hab da bereits zu In Extremo aufgeschaut, die dieses Genre geprägt oder beinah sogar erfunden haben. Und irgendwann kam da ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass sich da was tut auf dem Drum-Throne, dass der neu besetzt werden sollte. Da haben sich dann auch um die einhundert Leute beworben, teilweise aus den USA, aus Kanada. Und die Produzenten der Band haben mir damals in den Hintern getreten und gesagt, dass die Band nur auf meinen Anruf warte. Ich war der Erste, der vorgespielt hat, und auch der Letzte. Das war der 8. April 2010. Wir haben ein paar Songs durchgespielt und uns anschließend an ’nen Tisch gesetzt und ein paar Flaschen Wodka getrunken. 

On Duty steht auf dem Arm des In-Extremo-Drummers Specki T.D. – beim Einsatz auf Konzerten gibt er alles!

Das heißt, es hat gleich gefunkt?
Man muss bedenken, bei so einer Band ist man rund zweihundertsiebzig Tage im Jahr zusammen, oft vierundzwanzig Stunden am Tag, im Flugzeug, Nightliner auf engem Raum … Da sind die paar Stunden auf der Bühne gar nicht entscheidend. Die Band-Family ist viel wichtiger. Und nachdem wir uns da beschnuppert hatten, bekam ich noch am selben Tag die Zusage und es hieß: Herzlich willkommen bei In Extremo!

Und wie fühlt man sich in so einem Moment?
Es war unglaublich! Ich war total nervös und das hat mir auch ziemlich auf den Magen geschlagen. Normalerweise kann ich Alkohol ziemlich gut ab, aber an dem Tag, nach dem ganzen Wodka, da hab ich erstmal gekotzt. Es waren so viele Eindrücke, Gedanken, mein ganzes Leben sollte sich ja damit ändern. Klar, ich war immer noch Schlagzeuger, aber in einer ganz anderen Größenordnung. Das klingt jetzt sicher blöd, aber ich hab mich dann schon auch ein bisschen als Rockstar gefühlt. Auch mein erstes Konzert mit In Extremo war wie ein Ritterschlag, wir waren Co-Headliner vor Rammstein bei »Rock im Park« vor 70 000 Leuten. Vor dem Konzert war ich so nervös, dass ich tagelang nichts essen konnte. Nach dem Auftritt bin ich ins Catering und hab mir den Teller vollgeschaufelt, als mir jemand auf die Schulter klopfte. Ich drehte mich um und es war Dave Grohl, der Drummer von »Nirvana« beziehungsweise Sänger der »Foo Fighters«. Er sagte, er habe unseren Auftritt gerade backstage auf dem Monitor gesehen und meinte, »coole Show, coole Band, ich kannte euch vorher noch gar nicht«. Ich war völlig platt, Dave Grohl war ja schon immer ein großes Vorbild für mich und ich erwiderte, »vielen Dank für das Kompliment, das war für mich gerade ganz schön anstrengend, das war nämlich meine erste Show mit der Band«. Er guckte mich an wie ein Auto und dachte wohl, er hätte mich falsch verstanden, der konnte das gar nicht glauben!

Specki live mit In Extremo.

Sänger und Gitarristen können sich auf der Bühne in Szene setzen, posen. Aber als Schlagzeuger sitzt man da und die Leute sehen einen kaum. Es sei denn, man ist Tommy Lee und fährt mit 'ner Achterbahn über dem Publikum.
Tommy Lee ist natürlich ein sehr extrovertierter und enthusiastischer Schlagzeuger. Aber bei In Extremo stehe ich auch ziemlich im Fokus. Mein Drumset ist 1,80 Meter hoch, da bin ich schon sehr präsent. Viele Leute sagen mir, dass sie bei unseren Shows zum ersten Mal den Schlagzeuger beobachten konnten. Auch die Pyrotechnik ist unmittelbar um mich herum auf meinem Podest aufgebaut. Und In Extremo ist ja auch eine Show-Band.

Wo wir schon mal beim Stichwort »Show« sind: Wie ist das, hat man bei Tattooprojekten im Hinterkopf, ob das zum Bandkonzept passt?
Das gibt es bestimmt bei einigen Bands, dass da die Tattoos zum Image passen müssen. Arme Schweine. Aber das Geile bei In Extremo ist, dass es sieben eigenständige Leute mit eigenem Kopf sind. Wir sind wie eine Familie, aber jeder orientiert sich in ganz unterschiedliche Richtungen. Insofern spielen da Tattoomotive keine Rolle, auch ob man überhaupt tätowiert ist oder nicht, ist ganz egal. Bei manchen amerikanischen Bands hat man den Eindruck, die haben denselben Stylisten, denselben Friseur und denselben Tätowierer. Da passt dann alles ins Gesamtkonzept, aber es ist auch ziemlich langweilig. Bei uns kann jeder machen, was er will.

Tattoos von Bene Bader

Speckis Stammtätowierer ist sein Schulfreund Bene Bader vom Studio 22 in Landsberg, er sammelt aber auch gern Reiseandenken in Form von Tätowierungen. Die Mohnblume steht für Kreativität.

Unter denen in der Band, die tätowiert sind, tauscht ihr euch da aus, diskutiert ihr über neue Tattoos?
Ja, das ist schon ein Thema, wenn jemand mal wieder weitermachen will. Beispielsweise ist Sänger Micha inzwischen auch bei meinem Tätowierer, bei Bene Bader von Studio 22 in Landsberg, meinem Heimatort. Den Bene kenne ich ja seit dem Kindergarten, wir sind zusammen aufgewachsen, waren zusammen in der Schule. Und es muss so in der sechsten Klasse gewesen sein, als die Klassenlehrerin nach unseren Berufswünschen gefragt hat. Bene hat damals gesagt, dass er Maler werden will, und ich hab gesagt, ich werde Schlagzeuger. Daraufhin meinte die Lehrerin, aus uns beiden werde ganz sicher nie irgendwas. Komischerweise hat Bene jetzt ein Studio, wo man ein Jahr auf ’nen Termin wartet, und ich spiele Schlagzeug in einer nicht ganz unbekannten Band. 

Kämen für dich neben Bene auch andere Tätowierer in Betracht?
Ja, absolut, da ist Bene auch nicht eingeschnappt. Ich finde es immer ganz cool, mir kleine Reiseandenken mitzubringen, wir kommen ja viel rum, und wenn wir da mal ein, zwei Tage Zeit haben, schau ich mir auch mal die Tattoostudios an. 

Hast du denn ein Tattoo mit Bezug zu deiner Band?
Eigentlich ist der ganze linke Arm ein In-Extremo-Arm. Da ist ja zunächst der verletzte Oktopus, das ist so das Maskottchen der Schlagzeuger, weil er alle acht Extremitäten unabhängig voneinan­der bewegen kann, davon träumt jeder Drummer. Und dass der so angeschlagen ist, das steht für meine Zeit vor In Extremo, in der ich als Freelancer gearbeitet hab, das waren teilweise dreihundert Shows und Events für verschiedene Bands, das ging ziemlich an die Substanz. Da hab ich zum Beispiel so Sachen gemacht wie bei einer Wolkenkratzer-Einweihung in Shanghai Bungee-Jumps mit dem Schlagzeug. Also das ist so mein altes Leben, das musste ich festhalten. Und die Mohnblume, die steht in der arabischen Dichtkunst für Kreativität, das ist natürlich wichtig für mich als Künstler. 

Bei der Motivwahl kann sich Specki völlig frei entfalten, da muss nichts zum Bandkonzept passen. »Bei uns kann jeder machen, was er will«, erklärt der Drummer.

Ihr bekommt sicher auch viele Fantattoos zu sehen.
Ja, das ist schon krass. Für mich oft auch ein bisschen erschreckend, wenn man merkt, wie wichtig man für manche Menschen ist, dass wir so einen Stellenwert in ihrem Leben haben. Wir hatten auch auf Facebook einen In-Extremo-Tattoocontest und dachten, na ja, da kommen jetzt vielleicht schon so dreihundert Tattoos und am Schluss waren es über viertausend! Also ich bin da immer sehr ergriffen, wenn ich so was sehe. 

Und bei dir selbst? Gibt’s ein nächstes Tattooprojekt?
Ich komme aus Landsberg am Lech und da gibt’s ja den Wolpertinger, dieses Mischwesen, und den will ich auf dem Bein haben, wie er auf einer Rakete in den Orbit zischt. Bene grübelt schon über einem Entwurf.
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Stand:19 July 2018 19:26:57/szene/specki+td+-+in+extremos+volltaetowierter+schlagzeuger_171122.html