So schützt du dich vor Infektionen beim Tätowieren: die Hygiene-Gebote im Tattoostudio

20.07.2018  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Sorry Mom, Tobias Kircher
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So schützt du dich vor Infektionen beim Tätowieren: die Hygiene-Gebote im Tattoostudio
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Als Tattookunde solltest du dich nur in Studios tätowieren lassen, in denen die Hygiene stimmt – das ist kein hysterischer Ratschlag, sondern ein wichtiges Gebot. Aber: Woran erkennst du, dass Tätowierer deine Gesundheit ernst nehmen? Diese praktischen Hinweise helfen dir dabei, damit du ein Tattoo, und keine Krankheit bekommst!
Ein frisches Tattoo ist eine Wunde von teilweise nicht zu unterschätzender Größe. Kunden wie Tätowierer müssen sich im Klaren darüber sein, dass die Haut als Schutzschicht des Körpers beim Tätowieren mit der Nadel flächig geöffnet wird. Dabei tritt Blut aus – mit all den darin womöglich enthaltenen Bakterien, Viren und anderen Mikroorganismen und infektiösen Partikeln. Sie können sich bei mangelnder Hygiene schnell auf Gegenstände und Personen übertragen, die direkt oder indirekt mit ihnen in Berührung kommen. Im Studio sind das Mobiliar, Ge- und Verbrauchsmaterial sowie Menschen – Tiere haben im direkten Tätowierbereich nichts zu suchen. Außerdem ist der Kunde gefährdet, über die Tätowierwunde selbst mit Krankheitserregern infiziert zu werden – ein Risiko, das wie bei einer invasiven medizinischen Behandlung durch angemessene Prophylaxemaßnahmen deutlich minimiert werden kann. Es gilt vor allem zu verhindern, dass eine Weitergabe von Körperflüssigkeit mit eventuell enthaltenen Erregern von dem einen Kunden zu einem anderen beziehungsweise zwischen Kunden und Tätowierer geschieht. Das nämlich kann nicht nur in direktem Kontakt erfolgen, sondern auch durch Kreuzkontamination: Infektionserreger werden dabei vom Menschen über einen Gegenstand oder eine andere Person auf einen weiteren Menschen übertragen.

Vor allem bei Hepatitis-B-Viren (HBV) ist das Übertragungsrisiko groß, wie eine Erhebung unter Beschäftigten im Gesundheitsdienst ergeben hat. Schon durch minimale Blutmengen kann der HBV übertragen werden und in einer Erkrankung der Leber münden. Über eine Chronifizierung kann sie zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Epidemiologisch zwar weniger signifikant ist die Übertragung von Hepatitis-C-Viren, die gesundheitlichen Auswirkungen sind jedoch umso schwerer. Eine weitere Gesundheitsgefährdung für Kunden geht von Keimen aus, die in unserem Umfeld und damit auch in Arztpraxen oder Tattoostudios, die niemals die Sterilität eines OPs haben, vorkommen. Auf der Haut richten etwa Streptokokken keinen Schaden an, gelangen sie aber in Wunden, kann das schwere bis lebensgefährliche Erkrankungen auslösen. Entsprechend wichtig ist es, dass der Arbeitsbereich beim Tätowieren hygienisch einwandfrei ist: Überall, wo nötig, sollte Einwegmaterial verwendet werden. Und auch die korrekte Desinfektion ist das A und O. Dabei gilt: Anzuwenden sind die jeweils entsprechenden, für den Wirkungsbereich klassifizierten Desinfektionsmittel, ein Mittel für die Desinfektion von Flächen ist in der Regel nicht zugleich für die Hände geeignet und jedes Desinfektionsmittel hat eine Einwirkzeit. Es sollte also nicht sofort nach dem Aufsprühen wieder weggewischt werden – eine Kenntnis übrigens, die nicht einmal in jeder Arztpraxis vorherrscht.     

Quelle
www.rki.de
www.infektionsschutz.gesundheitsdienstportal.de

 

Auf folgende Punkte kann der Kunde beim Tätowieren selbst achten


Empfangs- und Rezeptionsbereich

1. Empfangs- und Rezeptionsbereich
Den Empfangsbereich gestaltet jedes Studio beziehungsweise jeder Tätowierer individuell. Das reicht vom Ambiente eines gemütlichen Wohnzimmers bis hin zu einem eher schmucklosen, clean und funktional gestalteten Wartezimmer mit Empfangstheke. Das macht jeder, wie es ihm gefällt und es die Räumlichkeiten hergeben. Hier kann man sich einen allgemeinen Eindruck verschaffen und schauen, ob alles sauber aussieht oder im Extremfall noch die Pizzakartons und Bierflaschen von der Party am Vorabend herumliegen. Das Ambiente kann einem gefallen, muss aber nicht, hier soll es vor allem sauber sein.





Arbeitsbereich

2. Arbeitsbereich
Empfangs- und Arbeitsbereich müssen nicht durch eine Tür getrennt sein, zumindest aber funktional beispielsweise durch eine aufgestellte Trennwand. Kunden sollten hier nicht rein- und rauslaufen, wie es ihnen gerade gefällt. Auch wenn an den Wänden des Arbeitsbereichs schöne Vorlagen und Bilder hängen – es ist ein Tattoostudio und keine Galerie!
Und nein, es ist nicht erforderlich, dass die Wände und Böden bis zur Decke gefliest sind. Viele Studios machen einen Latexanstrich an die Wände, verkleiden diesen Bereich mit einem Fliesenspiegel oder, wenn es sich beispielsweise um schönes Sichtmauerwerk handelt, setzen im direkten Arbeitsbereich eine Glaswand vor die Steine.
Das Mobiliar, das im Arbeitsbereich des Tätowierers steht, muss feucht zu reinigen sein, damit die vorgeschriebene Flächendesinfektion durchgeführt werden kann. Das gilt auch für den sauberen Fußboden aus Fliesen, PVC, Laminat, Vinyl, Holzdielen oder Ähnlichem.  Ganz wichtig: Im Arbeitsbereich wird nicht gegessen und nicht getrunken und auch sonst nichts getan, was die Hygiene beeinträchtigen könnte. Wer Hunger oder Durst hat, macht außerhalb des Arbeitsbereiches eine Pause – mit abgedecktem Tattoo, damit er weder sich noch andere mit irgendetwas infiziert.





Alle Gegenstände, die weder ein Einwegprodukt noch feucht zu reinigen und damit zu desinfizieren sind, müssen für jeden Kunden frisch mit Folie umwickelt werden – so macht es auch Ramona von der Tattoo Manufaktur Bendorf

3. Mobiliar
Auch Liegen, Hocker, Arm- und Beinlehnen müssen aus einem feucht zu reinigenden Material sein. Meist sind sie aus Kunstleder, häufiger verwenden Tätowierer auch flüssigkeitsundurchlässige Einwegbezüge, mit denen sie das Mobiliar abdecken. Lampen, die der Tätowierer beim Arbeiten immer wieder neu justieren muss, umwickelt er mit Folie. Diese muss er für jeden Kunden erneuern.
Der mit einer Tüte versehene Abfalleimer im Arbeitsbereich ist für die direkte Entsorgung der benutzten Handschuhe und Papiertücher vorgesehen. Der Deckel muss über einen Fußhebel zu öffnen und zu schließen sein.





 Handwaschplatz

4. Handwaschplatz
In der Nähe des Tätowierbereichs befindet sich ein Handwaschplatz, der weit genug vom Arbeitsplatz stehen muss, damit aufspritzendes Wasser und Aerosole den Arbeitsbereich nicht kontaminieren können. Ausgestattet ist der Waschbereich mit einem Seifenspender, einem Händedesinfektionsspender, Papierhandtüchern und einem entsprechenden Abfallbehältnis. Berührungsfreie Armaturen oder solche mit Ellenbogen-Bedienbarkeit sind optimal. Dieses Waschbecken ist übrigens nicht für Kunden, schmutzige Kaffeetassen oder das Abwaschen von Obst vor dem Verzehr gedacht! 




Fragte man Tätowierer nach einer typischen Handbewegung, müsste er eigentlich zeigen, wie er die Handschuhe auszieht. Keine Bewegung – außer das Führen der Tätowiermaschine – übt er so oft aus wie diese – wenn er es mit der Hygiene ernst nimmt

5.0 Arbeitsmaterial
Eine gute Organisation des Arbeitsplatzes ist eine der wichtigsten Maßnahmen, damit es nicht zur Übertragung von Krankheitserregern kommt. Für jeden Kunden muss der Arbeitsplatz frisch vorbereitet werden, das heißt, dass beim vorausgegangenen Kunden verwendete Verbrauchsmaterial muss komplett entsorgt und alle Flächen müssen desinfiziert werden. Besonders einfach geht dies mit gebrauchsfertigen Desinfektionstüchern oder einer täglich nach Herstellerangabe angesetzten Gebrauchslösung aus der Sprühflasche. Diese Mittel wirken gegen Bakterien, Pilze und Viren. Für die Vorbereitung des Arbeitsplatzes zieht die Person frische Schutzhandschuhe an, desinfiziert die Oberflächen und packt das Material in Folie, das nicht steril vorliegt. Überhaupt wird der Tätowierer während des Tätowierprozesses häufig die Handschuhe wechseln. Er wird seine Handschuhe ausziehen, wenn er beispielsweise sein Handy in die Hand nimmt, und neue anziehen, bevor er wieder mit dem Tätowieren beginnt. Das fachmännische Aus- und Anziehen der Handschuhe ist essenziell für hygienisches Arbeiten.




Gebrauchsmaterial

5.1 Gebrauchsmaterial
Maschinen jeder Art sind mit Maschinenschutztüten und Clipcordschutzhüllen in ausreichender Länge zu verpacken. Sowohl Spulenmaschinen als auch Rotarys müssen nach dem Gebrauch desinfiziert werden.
Arbeitet der Tätowierer mit Spulenmaschine, gibt es zwei Möglichkeiten für die Griffstücke. Entweder er verwendet Griffstücke, die er selbst sterilisiert hat, oder er nutzt Einwegprodukte.
Viele Tätowierer arbeiten mittlerweile mit Maschinen in Modulbauweise. Nadelmodule bzw. Cartridges und Griffstücke sind Einwegprodukte und werden nach Gebrauch in Modulabwurfbehältern entsorgt.
Netzgeräte und Fußschalter brauchen nicht eingetütet, sollten aber während der Arbeit nicht mit den Händen angefasst werden. Wenn es erforderlich ist: Handschuhe wechseln!
Tätowiernadeln müssen steril verpackt sein und sind Einwegprodukte, das heißt, sie dürfen auch nicht wieder sterilisiert werden, sondern sind sofort nach Gebrauch in entsprechenden Abwurfbehältern sicher zu entsorgen. Die Nadeln liegen verpackt auf der Arbeitsfläche.




Das A und O ist die Vorbereitung des Arbeitsplatzes. Vor dem Tätowieren sollte hier alles bereitliegen, was der Tätowierer bei der Arbeit braucht: das Einweg-Verbrauchsmaterial, die eingetüteten Flaschen und Maschinen inklusive Clipcord. Wer gut aufgepasst hat, wundert sich über die Dose mit Tattoobutter, die nicht eingetütet ist. In diesem Fall entnimmt Tätowiererin Ramona die notwendige Menge mit einem Spatel, den Rest darf der Kunde zur Pflege der frischen Tätowierung mit nach Hause nehmen – in jedem Fall wird der Behälter aus dem Arbeitsbereich entfent

5.2 Verbrauchsmaterial
Das Verbrauchsmaterial umfasst Einwegprodukte und wird für jeden Kunden neu bereitgestellt. Auf der Arbeitsfläche (entweder ist diese mit Küchenrolle ausgelegt oder mit einer Einweg-Arbeitsplatz-Unterlage) werden in der Regel folgende Produkte stehen bzw. liegen:
Wischtücher: Die einzelnen Tücher liegen in ausreichender Zahl gefaltet und griffbereit auf einem Stapel. Hat der Tätowierer sie benutzt, wird er sie sofort in den Abfallbehälter werfen und nicht mehr auf die Ablage legen.
Einweghandschuhe müssen griffbereit vorhanden sein. Diese wird der Tätowierer jedes Mal wechseln, wenn er etwas angefasst hat, was nicht zum vorbereiteten Gebrauchs- und Verbrauchsmaterial gehört. Bevor er mit dem Tätowieren beginnt, wird er seine Hände waschen, gegebenenfalls mit einem Hautdesinfektionsmittel einreiben, dieses einwirken lassen und dann seine Handschuhe anziehen. Wenn er seinen Arbeitsplatz verlässt, beispielsweise wenn er eine Pause einlegt oder sein Handy in die Hand nimmt, wird er wieder frische Handschuhe anziehen, die alten hat er direkt im Mülleimer entsorgt.
Farben und Füllkappen: Die Töpfchen/Blister (sterilisierte Sammelbehälter) sind vor Arbeitsbeginn mit Farbe gefüllt. Bei größeren, vielfarbigen Tätowierungen füllt der Tätowierer diejenigen Farben, die er erst Stunden später benötigt, auch dann erst in die Farbkappen. Ein Nachfüllen von Farbkappen unterbleibt – statt sie nachzufüllen, benutzt der Tätowierer neue Farbkappen, um zu vermeiden, dass die Spitze der Flasche mit einer kontaminierten Farbkappe in Berührung kommt. Auch die Flasche selbst greift der Tätowierer niemals mit Handschuhen an, die er beim Tätowieren verwendet hat oder noch verwenden will – es sei denn, sie ist eingetütet und der Verschluss kommt beim Öffnen ebenfalls nicht mit den Handschuhen in Berührung. Jedes Mal, nachdem er Farbe eingefüllt hat, zieht der Tätowierer stattdessen frische Handschuhe an.
Holzmundspatel liegen bereit für die Entnahme von Gleitmittel (Vaseline, Melkfett oder Tattoobutter) ganz zu Beginn. Die Gefäße schließt er sofort nach der Entnahme und stellt sie beiseite.
Einwegrasierer liegen ebenfalls bereit, diese wie auch die Farbkappen und Holzmundspatel werden aus ihren Behältern mit unbenutzten Handschuhen entnommen und nach einmaliger Verwendung im Abfall entsorgt.
Sonstige Behälter Alle beim Tätowiervorgang benutzten Flaschen und sonstigen Behälter (z. B. Desinfektions mittel, Schablonenabziehflüssigkeit, Farbe) müssen eingetütet sein oder vom Arbeitsplatz entfernt werden. 




Berufsverbände wie der DOT haben für Tätowierer notwendige  Formulare erstellt, die sicherstellen, dass der Kunde über Risiken und Verlauf des Tätowierprozesses informiert wurde

6. Paperwork
Tätowieren ist eine Körperverletzung. Damit sie nicht strafrechtlich relevant wird, muss der Kunde sein Einverständnis erklären. Dies geschieht am besten schriftlich.
Im Rahmen dieser Einverständniserklärung kann der Kunde auch bestätigen, dass er fachgerecht über die Risiken und den Verlauf des Tätowierprozesses sowie der Heilung aufgeklärt wurde. Damit der Tätowierer seinerseits rechtzeitig über mögliche Risiken informiert ist, können Allergien, chronische Leiden, Medikamenteneinnahme ebenso abgefragt werden.
Für Tätowierer und Kunde ist es bei Problemen hilfreich, wenn auch das Hygieneverfahren dokumentiert wurde. Beispielsweise können das Chargenetikett der sterilen Nadeln und Griffstücke oder entsprechende Informationen des Sterilisationsprozesses auf dem Kundenblatt dokumentiert sein. Diese Dokumentation ist gemäß der Länderhygieneverordnungen verpflichtend. Hygieneplan mit Desinfektionsplan und Händedesinfektionsplan sollten in jedem Studio vorliegen, genauso wie Reinigungspläne und Sicherheitsdatenblätter der verwendeten Desinfektionsmittel.
Die Teilnahmebescheinigung aus einem Hygienekurs ist zwar nicht vorgeschrieben, die meisten Tätowierer können sie aber vorweisen. Diese Unterlagen muss das Studio bei Kontrolle durch das Gesundheitsamt vorlegen. Auch Kunden sollen Einsicht in diese Dokumente haben.




 

Richtlinien und Hygiene vorschriften

Text: Diana Ringelsiep


Sauberkeit und Hygiene haben oberste Priorität bei der Wahl eines Tattoo- oder Piercingstudios. Doch welche konkreten Hygienevorschriften gibt es in Deutschland und wo sind diese verankert? Wir haben mit den Verbänden DOT e. V. und BVT e. V. über die aktuellen Richtlinien gesprochen und nachgefragt, worauf Tätowierer und ihre Kunden
chten können.

Deutschland ist für seine bürokratischen Strukturen und unzähligen Vorschriften bekannt, doch bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass Ausnahmen – wie so oft – die Regel bestätigen. Denn einheitlich konsistente Hygieneanforderungen, die länderübergreifend Beachtung finden, gibt es hierzulande nicht. »Im Grunde kochen alle ihr eigenes Süppchen, denn Gesundheitsvorsorge ist in Deutschland Ländersache«, erklärt Rechtsanwalt Urban Slamal.

Die Bundesländer entwickeln also ihre eigenen Hygieneverordnungen für Tattoo- und Piercingstudios. Und die sehen in den meisten Fällen sehr oberflächlich aus, sodass die Umsetzung der Vorschriften letztlich in den Händen der zuständigen Gesundheitsämter liegt und von diesen frei interpretiert werden kann. Als Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Tattoo e. V. (BVT) weiß der Jurist, dass diese Handhabe nicht nur auf Kundenseite zu Verunsicherungen führt. »Da es keinen einheitlichen gesetzlichen Rahmen dafür gibt, welche Hygieneanforderungen ein Studio zu erfüllen hat, wissen viele Tätowierer nicht, was sie bei einer Kontrolle erwartet. Es gibt beispielsweise Gesundheitsämter, für die bereits der Gebrauch von Küchenrolle einen Verstoß gegen die Hygieneverordnung darstellt. Für andere ist das wiederum vollkommen legitim.«




Hygiene ist Ländersache

Während einige Kommunen großen Wert auf hohe Hygienestandards legen, findet das Thema in anderen Städten und Kreisen kaum Beachtung. So sind die hessischen Gesundheitsämter beispielsweise für engmaschige Kontrollen und sehr fachkundiges Personal bekannt. In anderen Regionen basiert die Umsetzung der jeweiligen Hygieneverordnung nach der Erstabnahme
ines Studios hingegen nahezu auf Vertrauensbasis.

Das Tätowieren an sich ist in Deutschland ein rein anzeige pflichtiges Gewerbe. Ein Ausbildungs- oder Hygieneschulungsnachweis muss vor der Eröffnung eines Studios daher nicht erbracht werden. Um dennoch für mehr Orientierung auf dem Gebiet zu sorgen, hat der Verband Deutsche Organisierte Tätowierer e. V. (DOT) nun gemeinsam mit dem European United Tattoo Artists e. V. (EUTA) eine EU-weite CEN-Norm erarbeitet, die für Tätowierer künftig eine Leitlinie zur Sicherung der hygienischen Praxis sein soll. »Die Ende des Jahres kommende CEN-Norm für Tattoo-Hygienestandards wird die erste Regelung sein, die Behörden und Tätowierern – bei Einhaltung – eine Rechtssicherheit gibt«, erklärt Friedhelm van Genabith, Vorsitzender des DOT. »Diese einheitlichen Hygieneanforderungen, in deren Erarbeitung wir Unsummen von Mitgliederbeiträgen investiert haben, werden allen Kunden und Tätowieren zugutekommen.«



Einführung einer DIN-Norm

Rechtskräftig sind die Leitlinien, die in insgesamt dreizehn EU-Ländern gemeinsam von Fachleuten entwickelt wurden, jedoch nicht. »Die CEN-Norm hat keine Gesetzeskraft«, weiß Rechtsanwalt Urban Slamal. »Das bedeutet, dass Tätowierer sich zwar freiwillig nach ihr richten können, Pflicht ist das jedoch nicht. Allerdings legt die Norm standardisierte Hygiene- und Arbeitsabläufe fest, die Ende des Jahres in die deutsche DIN-Norm überführt und Tätowierern somit künftig als Richtlinie dienen werden.«

Eine wichtige Orientierungshilfe für Tätowierer und ihre Kunden, denn offiziell anerkannte Zertifikate oder Ähnliches gibt es bisher nicht. Natürlich spricht eine Mitgliedschaft in einem Verband dafür, dass ein Tätowierer sich bereits mit dem Thema Hygiene auseinandergesetzt und mitunter auch sein künstlerisches und handwerkliches Geschick unter Beweis gestellt hat. Doch eine Studiobegehung oder Hygieneschulung findet vor der Aufnahme in einen Tätowiererverband in der Regel nicht statt. »Es gibt zwar bereits einige Unternehmen, die Schulungen und Studiobegehungen anbieten und Zertifikate vergeben, doch bisher halten diese sich alle an ihre eigenen Regeln. Die DIN-Norm wird das ändern, da sich privatrechtliche Anbieter künftig an ihr orientieren und ein Studio danach zertifizieren können.«



Standards und Maßnahmen

Sinnvolle Hygienemaßnahmen beginnen bereits bei der Ausgestaltung des Studios. Böden, Wände und Flächen müssen leicht abzuwischen und problemlos zu desinfizieren sein (s. o.). Aber auch die korrekte Lagerung hygienerelevanter Arbeitsmittel spielt eine wichtige Rolle. So dürfen Farbtöpfchen und Einwegtücher zum Beispiel nicht in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz gelagert werden. Denn der mit dem bloßen Auge kaum sichtbare Sprühnebel aus Blut und Wundwasser, der zwangsläufig beim Tätowieren entsteht, kann bei unzureichenden Hygienestandards das Infektionsrisiko in einem Studio enorm erhöhen. Der DOT hat dahingehend echte Pionierarbeit geleistet. Denn bereits 1995 hat der erste Tätowiererverband Deutschlands sich mit branchenschädigenden Themen wie Copyright-Verletzungen, Schwarzarbeit und mangelnden Hygienemaßnahmen befasst. »Seit der Gründung des DOT bieten wir jährlich, inzwischen in Kooperation mit dem UETA und dem BVT, Hygieneseminare mit Prof. Dr. Wille vom Hygieneinstitut BIONOVIS an«, berichtet Friedhelm van Genabith, der selbst als Tätowierer tätig ist. »Auch entsprechenden Ämtern gegenüber sind wir stets aufgeschlossen und stehen ihnen mit unserem Fachwissen zur Verfügung.«


Ausblick

Fest steht, dass die kommende DIN-Norm Tätowierern künftig die Interaktion mit Kunden und Behörden erleichtern wird. Denn einheitliche Anforderungen an die Hygiene vor und während des Tätowierens sowie an die Nachsorge hat es in dieser Form bisher nicht gegeben.

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Stand:19 November 2018 11:13:40/szene/so+schuetzt+du+dich+vor+infektionen+beim+taetowieren+die+hygiene-gebote+im+tattoostudio_18713.html